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Indianerpolitik der Vereinigten Staaten
Ab 1887 wurde das Land vom Staat an Individuen oder Familien vergeben. Die Indianer konnten das zur Bewirtschaftung zugeteilte Land jedoch nicht vererben, so …
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Grundzüge und frühe Politik
Die Indianerpolitik der Vereinigten Staaten bezeichnet den Umgang von Bundesregierung und Bundesstaaten mit den indigenen Völkern Nordamerikas. Eine eigenständige Bundespolitik entstand ab 1781, als der Kongress die oberste Zuständigkeit erhielt, Handel und alle Angelegenheiten mit den Indianern zu regeln. Sie wurde durch Siedlungsdruck, Landaneignung durch Siedler (Squatting), den Anspruch kultureller Überlegenheit (Manifest Destiny), die Beziehungen zu Großbritannien und indianischen Widerstand geprägt.
Nach 1783 schlossen die USA zunächst Verträge mit indianischen Nationen und akzeptierten sie teilweise als Verhandlungspartner. Zugleich benötigte der Staat Landverkäufe an Siedler, um Schulden zu tilgen. Die Politik der „zurückhaltenden Kolonisierung“ dauerte ungefähr bis 1820. Verträge von 1784 bis 1786 im Ohiogebiet und der Vertrag von Greenville von 1795 führten zu großen Landabtretungen. Nach der Schlacht von Fallen Timbers 1794 mussten zwölf Stämme das Ohiogebiet weiträumig abtreten.
Henry Knox, George Washington und Thomas Jefferson vertraten eine Politik von „Zivilisierung“ und Assimilierung: Indianer sollten sich Landwirtschaft, häusliche Arbeiten, europäische Erziehung und Kultur aneignen. Das Indian Factory System (1796–1822) regelte den Pelzhandel über Handelsposten und sollte faire Preise ermöglichen. Nach indianischem Widerstand, besonders dem Aufstand Tecumsehs und Tenskwatawas, trat die militärische Unterwerfung stärker in den Vordergrund. Ab 1815 überwog die Segregation: Reservate sollten Indianer von weißen Siedlern trennen, während der Civilization Fund Act vom 3. März 1819 Anpassungsprogramme privater Gesellschaften förderte.
Vertreibung, Reservate und Verlust von Land
Der Indian Removal Act vom 28. Mai 1830 erlaubte Präsident Andrew Jackson, Indianer auch ohne Zustimmung westlich des Mississippi umzusiedeln. Im Fall Worcester v. Georgia wurden den Cherokee zwar formell Souveränitätsrechte zugesprochen, diese aber zugleich durch die Vorrangstellung der Bundesregierung stark eingeschränkt. Diese Rechtsauffassung bestand bis 1959 fort.
Besonders betroffen waren die Fünf Zivilisierten Nationen: Cherokee, Choctaw, Chickasaw, Muskogee und Seminolen. Bei der Umsiedlung der Cherokee starben etwa 8.000 Menschen; sie ist Teil des „Pfads der Tränen“. Zwischen 1830 und dem Bürgerkrieg verloren insgesamt 50 Stämme ihre traditionellen Gebiete. Mehr als 50.000 Menschen wurden westwärts gebracht, weit mehr als ein Viertel starb. Das Indianerterritorium wurde 1907 mit dem Oklahoma-Territorium zum Bundesstaat Oklahoma vereinigt.
Seit 1858 konzentrierte das Reservationssystem die Indianer in kleinen, für Weiße grundsätzlich geschlossenen Gebieten. Militärischer Druck und die Ausrottung der Büffel als Lebensgrundlage vieler Gruppen trieben bis 1877 fast alle Indianer in Reservate. Mehrere, teils kulturell sehr verschiedene Stämme wurden häufig gemeinsam angesiedelt; dadurch entstanden Konflikte. 1871 endete der Vertragsabschluss mit Indianern. Ihre Gebiete galten nun als Staatseigentum, das treuhänderisch für sie verwaltet wurde; sie wurden zu Mündeln des 1824 gegründeten Bureau of Indian Affairs (BIA).
Der Homestead Act von 1862 erlaubte Erwachsenen, 160 Acre, etwa 64 Hektar, als „unbesiedelt“ betrachtetes Land zu besiedeln und nach fünf Jahren Eigentum zu erwerben; gegen 1,25 Dollar pro Acre konnte die Frist auf ein halbes Jahr verkürzt werden. Dies begünstigte die Enteignung traditioneller Territorien, vor allem nomadischer Gruppen. Pockenepidemien, Unterernährung, Alkohol, Kriege, Umsiedlungen und der Zerfall sozialer Verbände verursachten zugleich einen schweren Bevölkerungsrückgang. Bei der Umsiedlung von 70.000 Menschen aus dem Südosten erreichten rund 20.000 den Zielort nicht oder starben bald darauf. In Kalifornien sank die indianische Bevölkerung von 100.000 im Jahr 1850 auf 20.000 im Jahr 1906.
Assimilation durch Landzuweisung und Schulen
Die staatliche Politik zielte lange darauf, Indianer religiös, kulturell und wirtschaftlich an die weiße Mehrheitsgesellschaft anzupassen. Boarding Schools trennten Kinder von ihren Familien, verboten Muttersprache und Kultur und sollten den Anpassungsdruck erhöhen. Nach dem Vorbild der 1879 gegründeten Carlisle Indian Industrial School entstanden etwa 150 solcher Schulen. Krankheits- und Sterberaten waren hoch; die psychischen Folgen werden erst in einem frühen Stadium aufgearbeitet.
Der Dawes General Allotment Act von 1887 teilte zuvor gemeinschaftlich genutztes Reservatsland in individuelle Parzellen. Familienoberhäupter, grundsätzlich Männer, erhielten 40, 80 oder 160 Acres, also 16, 32 oder 64 Hektar. Zwar durfte Land 25 Jahre lang nicht verkauft werden, doch setzte ein großer Landverlust ein: Von 155.632.312 Acre im Jahr 1881 blieben 1900 nur 77.865.373. Der Curtis Act von 1898 weitete die Regelung auf die Fünf Zivilisierten Nationen aus. Der Oberste Gerichtshof entschied in Lone Wolf v. Hitchcock am 5. Januar 1903, die Regierung könne Vertragsrechte einseitig widerrufen; diese Auffassung wurde zuletzt 1986 bestätigt.
Der Burke Act von 1906 beendete für als „competent“ eingestufte Indianer die treuhänderische Verwaltung ihres Landes. 1924 erhielten Indianer durch den Indian Citizenship Act Bürger- und Wahlrecht. Bis 1934 besaßen sie von ungefähr 150 Millionen Acre jedoch nur noch knapp 52 Millionen. Der Bericht The Problem of Indian Administration von 1928 bestätigte Vorwürfe von Landenteignung, fehlender Religionsfreiheit, schlechtem Unterricht und Missmanagement durch das BIA.
Wechsel zwischen Pluralismus, Termination und Selbstbestimmung
Der Indian Reorganization Act von 1934 akzeptierte erstmals grundsätzlich kulturellen Pluralismus. Er beendete weitere Parzellierungen von Reservatsland, förderte Stammesunternehmen sowie Verfassungen und gewählte Stammesregierungen. Die Selbstbestimmung blieb allerdings eingeschränkt, weil wichtige Macht beim BIA verblieb und gewählte Strukturen oft mit traditionellen Formen der Entscheidungsfindung kollidierten. Der Oklahoma Indian Welfare Act dehnte diese Regelung 1936 auf Oklahoma aus.
Die Terminationspolitik ab 1953 sollte Stämme als Gruppen mit kollektiven Rechten auflösen und staatliche Verantwortung beenden. House Concurrent Resolution 108 erklärte Indianer zu „normalen“ Bürgern; staatliche Förderung, Land- und Gruppenrechte gingen vielfach verloren. Die Menominee wurden als erster Stamm einbezogen. Zugleich wurde die Umsiedlung in Städte gefördert, wo viele Menschen isoliert und von Armut sowie rassistischer Ablehnung betroffen waren. Die Politik scheiterte letztlich an kulturellem Widerstand.
Ab 1961 setzte eine Abkehr ein. Gefordert wurden wirtschaftliche Eigenständigkeit, stärkere Beteiligung und Gleichberechtigung. Menominee Tribe v. United States entschied 1968, dass Fisch- und Jagdrechte trotz Termination nur durch einen ausdrücklichen Rechtsspruch aufgehoben werden können. Der Indian Civil Rights Act von 1968 sollte zugleich sicherstellen, dass die Bill of Rights auch bei indianischer Gesetzgebung gilt.
Der Indian Self-Determination and Education Assistance Act von 1975 ermöglichte es Stämmen, mit BIA-Mitteln eigene Projekte, Bildung, Gesundheitsversorgung, Polizei und Rechtsprechung zu organisieren. Bis 2000 machten blockweise bereitgestellte Mittel bereits die Hälfte des BIA-Budgets aus. Im Fall Oliphant v. Suquamish Indian Tribe entschied der Oberste Gerichtshof 1978 jedoch, dass Stämme keine strafrechtliche Gerichtsbarkeit über nichtindianische Angeklagte haben.
Kultur, Wirtschaft und Rechtsansprüche
Viele Reservate sind von Armut und begrenzten Erwerbsmöglichkeiten betroffen. Stämme nutzen deshalb ihren Sonderstatus wirtschaftlich: 2007 betrieben rund 230 von 562 anerkannten Stämmen 425 Kasinos. Gewinne können Gesundheitsversorgung, Schulen, Wohnraum, Sprachprogramme und den Rückkauf von Land finanzieren. McClanahan v. Arizona State Tax Comm'n von 1973 untersagte Arizona, Einkommen zu besteuern, das im Navajo-Reservat erzielt wurde. Der Indian Arts and Crafts Act von 1990 verbietet, nichtindianische Kunst als indianisches Kunsthandwerk auszugeben.
Landansprüche aus Verträgen werden häufig gerichtlich verfolgt, führen aber oft nur zu Entschädigungen statt zu Landrückgabe. Die Lakota lehnten eine Entschädigung für die Black Hills ab, weil dies ihre Ansprüche endgültig beseitigt hätte. Die Westlichen Shoshone mussten 2004 nach manipulierten Stammesabstimmungen eine Geld-für-Land-Regelung akzeptieren.
Das 1968 gegründete American Indian Movement setzte in den frühen 1970er-Jahren auch militante Mittel ein. Zu seinen Aktionen gehörten der Trail of Broken Treaties, die kurzzeitige Besetzung des BIA und die Besetzung von Wounded Knee 1973. Später gab das AIM seine Militanz auf und vertritt Selbstbestimmung sowie traditionelle Werte.
Der American Indian Religious Freedom Act von 1978 schützt Religionen, religiöse Orte und ihre Ausübung, doch waren seine Durchsetzungsmittel begrenzt. NAGPRA von November 1990 schützt Grabstätten und verlangt die Rückgabe menschlicher Überreste sowie kulturell bedeutsamer Objekte an die zuständigen Stämme. Der Handel mit solchen Objekten ist verboten. Die UNO verabschiedete am 13. September 2007 die Deklaration der Rechte indigener Völker; sie fordert unter anderem Beteiligung und das Recht, „anders zu bleiben“. Die USA erklärten am 16. Dezember 2010 ihre Bereitschaft zur Unterzeichnung.
Aufarbeitung und Gegenwart
Die Frage, ob die Summe von Gewalt, Vertreibungen und weiteren Maßnahmen juristisch als Völkermord gilt, wird weiterhin diskutiert; eine Anerkennung nach der UN-Konvention gegen Völkermord (Resolution 260) liegt nicht vor. Präsident Barack Obama bat am 19. Dezember 2009 im Namen des US-Volkes für Gewalt, Misshandlung und Vernachlässigung gegenüber Native peoples um Verzeihung.
Die Sammelklage Cobell v. Salazar richtete sich gegen die Verwaltung von Treuhandfonds seit 1896. Ein Vergleich von 2010 belief sich auf 3,4 Milliarden Dollar; er betraf Einnahmen etwa aus Rohstoffsuche, Weiderechten sowie Forstwirtschaft. 2012 wurden 41 Völkern etwa eine Milliarde Dollar wegen Missmanagements von Treuhandvermögen zugesprochen. 2014 erklärten sich die USA bereit, den Navajo 554 Millionen Dollar zu zahlen. Ende 2010 führten sich 5.220.579 Menschen zumindest teilweise auf indianische Vorfahren zurück; 2.932.248 sahen sich ausschließlich als Indianer oder Alaska Natives. Es gab 326 Reservate und 566 bundesrechtlich anerkannte Stämme.
Die Auseinandersetzung um Assimilation besteht fort. Arizona verbot 2010 den Unterricht in „ethnischen Studien“ an öffentlichen Schulen mit der Begründung, dieser verstärke ethnische Gegensätze. Dagegen richteten sich Proteste, auch von Tohono O’odham Nation und Pascua Yaqui Tribe, deren traditionelle Gebiete durch die Grenze zu Mexiko geteilt werden.