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North Carolina
North Carolina (englische Aussprache [ˈnɔɹθ ˌkæɹəˈlaɪ̯nə], deutsch veraltet Nordkarolina oder Nord-Carolina) ist ein an der Atlantikküste …
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Überblick und Raumstruktur
North Carolina ist ein Bundesstaat an der Atlantikküste im Osten der USA. Er grenzt an Virginia, Tennessee, Georgia und South Carolina. Die Hauptstadt ist Raleigh; größte und wirtschaftlich bedeutendste Stadt ist Charlotte. North Carolina trat am 21. November 1789 als zwölfter der ehemaligen Dreizehn Kolonien den Vereinigten Staaten bei. Das Staatsmotto lautet seit 1893 „Esse quam videri“ („Mehr sein als scheinen“). Die Fläche beträgt 139.389 km², davon sind 125.919 km² Landfläche. Beim Zensus 2020 wurden 10.439.388 Einwohner gezählt.
Von Osten nach Westen gliedert sich der Staat in drei Großräume. Die atlantische Küstenebene nimmt etwa zwei Drittel der Fläche ein. Sie ist flach, sandig und waldreich. Vor der Küste liegen die Outer Banks, eine veränderliche Kette schmaler Düneninseln. Sie umschließen unter anderem den Albemarle Sound und den Pamlico Sound, zwei große Lagunen. Weil ein geeigneter natürlicher Hafen fehlt, liegt der einzige größere Hafen Wilmington etwa 25 km landeinwärts am Cape Fear River.
Das Piedmont ist ein hügeliges Plateau im Zentrum und zugleich die am dichtesten besiedelte und am stärksten verstädterte Region. Hier liegen die wichtigsten Ballungsräume und viele Industrie- und Forschungsstandorte. Im Westen erheben sich die Appalachen mit den Blue Ridge Mountains und den Great Smoky Mountains. Der Mount Mitchell ist mit 2037 m der höchste Punkt North Carolinas und zugleich der höchste Punkt der USA östlich der Rocky Mountains.
Die östliche Hauptwasserscheide Nordamerikas verläuft entlang des Appalachen-Kamms. Flüsse im äußersten Westen entwässern über den Mississippi zum Golf von Mexiko, die übrigen zum Atlantik. Zu den wichtigen Flüssen gehören Catawba, Yadkin, Chowan, Roanoke, Tar, Neuse und Cape Fear River. Der größte künstlich geschaffene See ist der 129 km² große Lake Norman am Catawba River.
Klima, Natur und Bevölkerung
Im größten Teil North Carolinas herrscht warmgemäßigtes Regenklima; die höheren Appalachen gehören zum vollfeuchten borealen Klima. Im Juli beträgt die durchschnittliche Tagestemperatur in weiten Teilen des Staates etwa 32 °C, im Januar ungefähr 10 °C. Die Küste besitzt milde Winter und erhält oft nur etwa 2 cm Schnee pro Jahr. Im Piedmont fallen jährlich 7 bis 20 cm, in den Appalachen 36 bis 51 cm Schnee. Dort liegen die winterlichen Tagesmittel zwischen −1 °C und 5 °C.
North Carolina ist Naturgefahren wie Hurrikanen, tropischen Stürmen, Gewittern, Tornados und Eisregen ausgesetzt. Durchschnittlich trifft etwa einmal pro Jahrzehnt ein Hurrikan mit großer Wucht auf den Staat; tropische Stürme treten ungefähr alle drei bis vier Jahre auf. Im Jahresmittel gibt es weniger als 20 Tornados.
Die Pflanzen- und Tierwelt verändert sich mit Landschaft und Höhenlage. Insgesamt wurden etwa 300 Baumarten und -unterarten sowie rund 3000 Arten blühender Pflanzen gezählt. In Küstenmarschen, Dünen und Schwarzwassersümpfen wachsen unter anderem Schlickgras, Kiefern, Sumpfzypressen und Sumpf-Magnolien. Die Venusfliegenfalle kommt weltweit nur in den Pocosin-Mooren um Wilmington vor. An der Küste leben amerikanische Alligatoren, Seeschildkröten und zahlreiche Fische; auf den Outer Banks gibt es halbverwilderte Bank Ponys. Im Piedmont dominieren Eichen- und Hickorywälder. In den westlichen Nadelwäldern leben unter anderem Schwarzbären, Rotluchse und Weißwedelhirsche.
Die Bevölkerung wächst seit Langem: von 6.628.637 Einwohnern 1990 über 8.040.550 im Jahr 2000 und 9.535.483 im Jahr 2010 auf 10.439.388 im Jahr 2020. Mehr als die Hälfte lebt in drei Metropolräumen: Metrolina um Charlotte, Gastonia und Salisbury, dem Triangle um Raleigh, Durham und Cary sowie der Piedmont Triad um Greensboro, Winston-Salem und High Point. Die drei größten Städte waren 2020 Charlotte mit 874.579, Raleigh mit 467.665 und Greensboro mit 299.035 Einwohnern.
Als Bevölkerungsanteile nennt der Artikel 74 % Weiße, 21,7 % Afroamerikaner, 7,0 % Mittel- beziehungsweise Lateinamerikaner, 1,9 % Asiaten und 1,2 % Indianer; Mehrfachzuordnungen können diese Werte überlappen. Afroamerikaner leben besonders in der Küstenebene und im Piedmont. Die hispanische Bevölkerung wuchs seit 1990 stark. North Carolina erkennt acht indigene Stämme an. Nur die Eastern Band of Cherokee Indians ist uneingeschränkt auch bundesstaatlich anerkannt; die Lumbee bilden mit etwa 55.000 Mitgliedern den größten Stamm des Staates, besitzen nach dem Lumbee Act von 1956 aber nicht alle mit einer Bundesanerkennung verbundenen Rechte. North Carolina gehört zum „Bible Belt“ und ist überwiegend protestantisch; besonders verbreitet sind Baptisten und Methodisten.
Historische Entwicklung
Die Besiedlung reicht bis in das 10. Jahrtausend v. Chr. zurück. Aus Jäger-und-Sammler-Gruppen entwickelten sich zunehmend sesshafte Gemeinschaften, die Gartenbau und später Landwirtschaft betrieben. Ab etwa 900 gewann der Maisanbau an Bedeutung. Vor dem europäischen Kontakt lebten unter anderem Cherokee, Tuscarora, Muskogee, Cheraw, Tutelo und Catawba in der Region.
1524 erreichte Giovanni da Verrazzano als erster genannter Europäer das Gebiet. Walter Raleigh erhielt 1584 eine königliche Charta für eine englische Kolonie. Ein Besiedlungsversuch auf Roanoke Island begann 1587 mit 110 Personen; dort wurde am 18. August 1587 Virginia Dare als erstes Kind englischsprachiger Siedler in der Neuen Welt geboren. Als der Anführer 1590 zurückkehrte, waren die Bewohner verschwunden. Das ungeklärte Ereignis wurde als „Lost Colony“ bekannt.
1663 ließ König Karl II. die Kolonie Carolina gründen, benannt nach seinem Vater Karl I. Die nördlichen und südlichen Siedlungsräume entwickelten unterschiedliche Verwaltungs- und Wirtschaftsstrukturen. Ihre tatsächliche Trennung wurde 1701 anerkannt; ab 1712 gab es den Titel „Gouverneur von North Carolina“. 1729 wurden North und South Carolina getrennte Kronkolonien. North Carolina bestand vor allem aus kleineren Bauernhöfen und war weniger stark von großen Reisplantagen geprägt als South Carolina, beruhte aber ebenfalls auf Sklaverei.
Am 12. April 1776 ermächtigten die Halifax Resolves die Delegierten North Carolinas, für die Loslösung von Großbritannien einzutreten. Im Unabhängigkeitskrieg waren besonders die Schlachten von Kings Mountain am 7. Oktober 1780 und Guilford Court House am 15. März 1781 wichtig. North Carolina ratifizierte die US-Verfassung 1789. Aus seinen westlichen Gebieten entstand 1796 Tennessee.
1860 lebten mehr als 330.000 Menschen, etwa 33 % der Bevölkerung, in Sklaverei. North Carolina trat der Konföderation erst nach Präsident Abraham Lincolns Aufruf zum Einmarsch in South Carolina bei. Die Schlacht von Bentonville 1865 war der erfolglose Versuch, den Vormarsch der Unionstruppen unter William T. Sherman aufzuhalten. Am 4. Juli 1868 wurde North Carolina nach einer neuen Verfassung wieder in die Union aufgenommen; diese verbot die Sklaverei und förderte Bildung, Wahlrecht und soziale Einrichtungen.
Nach dem Bürgerkrieg wuchsen Textil- und Baumwollindustrie. Am 17. Dezember 1903 gelang den Brüdern Wright bei Kitty Hawk der erste erfolgreiche bemannte Motorflug. Zwischen 1910 und 1930 verließen viele Afroamerikaner wegen Rassentrennung, Entrechtung und wirtschaftlicher Not den Staat. Nach dem New Deal der 1930er Jahre wurden Bildung, Produktion und Forschung ausgebaut. Die Greensboro-Sit-ins afroamerikanischer Studenten wurden zu einem wichtigen Teil der Bürgerrechtsbewegung. Nach dem Civil Rights Act von 1964 und dem Voting Rights Act von 1965 konnten Afroamerikaner umfassender am politischen Leben teilnehmen.
Staat und Politik
North Carolinas Verfassung teilt die Staatsgewalt in Legislative, Exekutive und Judikative. Die Legislative, die North Carolina General Assembly, besitzt zwei Kammern: ein Repräsentantenhaus mit 120 Abgeordneten und einen Senat mit 50 Mitgliedern. Beide werden für jeweils zwei Jahre gewählt.
An der Spitze der Exekutive steht der für vier Jahre gewählte Gouverneur. Laut den aktuellen Grunddaten des Artikels ist Josh Stein von der Demokratischen Partei Gouverneur. Zum Council of State gehören Gouverneur, Vizegouverneur und acht gewählte Minister; zehn weitere Minister werden vom Gouverneur ernannt. Ältere Angaben im Artikel nennen noch frühere Amtsinhaber und sind daher zeitlich überholt.
Höchstes Gericht ist der siebenköpfige Supreme Court of North Carolina in Raleigh. Darunter steht der Court of Appeals mit 15 Richtern. Erstinstanzliche Verfahren behandeln Superior Courts und District Courts. Kapitalverbrechen, größere Zivilklagen und bestimmte Berufungen kommen vor den Superior Court; Familienrecht, leichtere Straftaten und Jugendverfahren überwiegend vor den District Court.
Politisch war North Carolina lange eine Hochburg der Demokraten. Seit 1968 verschoben sich die Mehrheiten zugunsten der Republikaner, besonders in ländlichen Gebieten und unter weißen Wählern. Barack Obama gewann 2008 knapp als erster demokratischer Präsidentschaftskandidat seit Jimmy Carter 1976. 2020 und 2024 siegten wieder die Republikaner; 2024 erhielten sie 50,9 %, die Demokraten 47,7 %. Seit 2024 verfügt North Carolina im Electoral College über 16 Stimmen. Der Staat ist seit 1911 in 100 Countys, also regionale Verwaltungsbezirke, gegliedert.
Wirtschaft, Bildung und Verkehr
North Carolinas Wirtschaft wandelte sich von Landwirtschaft und Forstwirtschaft zu einer Mischung aus Industrie, Finanzwesen, Forschung, Hochtechnologie und Dienstleistungen. Landwirtschaft bleibt wichtig: North Carolina ist der größte tabakanbauende und -verarbeitende Bundesstaat der USA. Weitere Erzeugnisse sind Mais, Süßkartoffeln, Sojabohnen, Baumwolle, Erdnüsse, Eier und Milch; außerdem spielen Schweine- und Geflügelzucht, Fischerei und Weinbau eine Rolle.
Traditionelle Industrien sind Möbel und Textilien, besonders im Piedmont. Durch die Verlagerung arbeitsintensiver Produktion verloren beide stark an Bedeutung; zwischen 1990 und 2006 sank die Zahl der Beschäftigten in der Textilindustrie von mehr als 233.000 auf etwas über 80.000. Dagegen wuchsen Finanzwesen sowie Forschung und Technologie. Charlotte entwickelte sich mit Unternehmen wie Bank of America zu einem bedeutenden Bankenzentrum. Das Research Triangle um Raleigh, Durham und Chapel Hill wurde dank Universitäten, Fachkräften und Infrastruktur zu einer führenden High-Tech-Region. 2009 gab es im Staat 520 Biotechnologieunternehmen mit insgesamt 56.000 Beschäftigten. Das reale Bruttoinlandsprodukt pro Kopf betrug 2018 51.041 US-Dollar.
Auch das Militär ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Im Staat befinden sich große Stützpunkte des Heeres, der Luftwaffe, der Küstenwache und des Marine Corps. Dazu zählen Fort Bragg sowie mehrere Anlagen um Jacksonville, darunter Camp Lejeune und Cherry Point.
Die öffentlichen Schulen werden durch das North Carolina Department of Public Instruction beaufsichtigt. Das System umfasst 115 lokale Einheiten und 2338 öffentliche Schulen. 1795 eröffnete mit der University of North Carolina at Chapel Hill die erste staatliche Universität der USA. Zum staatlichen Universitätssystem gehören 16 Universitäten, darunter mehrere während der Rassentrennung entstandene Historically Black Colleges and Universities. Hinzu kommen 58 staatliche Colleges. Bedeutende private Hochschulen sind die Wake Forest University und die 1924 gegründete Duke University.
Der Verkehr ist vor allem auf Kraftfahrzeuge ausgerichtet. Das Straßennetz umfasst 126.500 km und gilt als größtes von einem einzelnen US-Bundesstaat finanziertes Straßennetz. Das Schienennetz war 2006 rund 5200 km lang; Amtrak betreibt unter anderem die Verbindungen „Carolinian“ und „Piedmont“. In den Ballungsräumen bestehen Bus- und teilweise Stadtbahnsysteme. Die wichtigsten internationalen Flughäfen sind der Charlotte Douglas International Airport und der Raleigh-Durham International Airport.
Kultur, Sehenswürdigkeiten und Sport
North Carolina gehört kulturell zu den Südstaaten. Seine Musiktraditionen umfassen Old-Time Music, Country, Bluegrass, ländlichen Blues und den im Piedmont entstandenen Piedmont Blues. Historische Ereignisse werden häufig in Freilichttheatern dargestellt. „The Lost Colony“ wird seit 1937 aufgeführt und gilt als ältestes Freilichtdrama der USA.
Wichtige Museen sind das North Carolina Museum of Art in Raleigh und das North Carolina Museum of Natural Sciences, das größte naturhistorische Museum im Südosten der USA. Mehr als 2600 Gebäude, Stadtteile und Orte stehen im National Register of Historic Places. Die Architektur verbindet unter anderem Federal, Georgian, Greek Revival, Neogotik, Italianate, Châteauesque, Second Empire, Queen Anne und moderne Stile.
Der teilweise in Tennessee gelegene Great-Smoky-Mountains-Nationalpark ist mit jährlich mehr als 9 Millionen Besuchern der meistbesuchte Nationalpark der USA und seit 1983 Weltnaturerbe. Weitere bedeutende Ziele sind der Blue Ridge Parkway, der Appalachian National Scenic Trail, Cape Hatteras und Cape Lookout National Seashore sowie das Wright Brothers National Memorial.
Zur traditionellen Küche gehört Barbecue aus Schweinefleisch. Beim Eastern Style basiert die Sauce auf Essig oder Senf, beim Lexington Style auf Essig und Pfeffer mit zugesetztem Ketchup. Typische Beilagen sind Kartoffeln, Süßkartoffeln und Hushpuppies. Pepsi wurde 1898 in North Carolina entwickelt; in der Bergregion besitzt der meist illegal gebrannte Whisky „Moonshine“ eine lange Tradition.
Sportlich sind Hochschulwettbewerbe und NASCAR besonders wichtig. Mehr als 80 % der NASCAR-Rennteams und verwandten Unternehmen sitzen im Piedmont; der Charlotte Motor Speedway liegt in Concord und die NASCAR Hall of Fame in Charlotte. Im Profisport vertreten unter anderem die Charlotte Hornets die NBA, die Carolina Panthers die NFL und die Carolina Hurricanes die NHL. Die Hurricanes gewannen am 19. Juni 2006 den Stanley Cup. Im Hochschulsport besitzen besonders College Football und Basketball große Bedeutung; Rivalitäten zwischen Universitäten wie Duke, North Carolina at Chapel Hill und North Carolina State werden im ganzen Staat aufmerksam verfolgt.