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Indianerkriege

Ihr Anfang wird gewöhnlich mit dem Krieg der ersten englischen Kolonisten gegen die Powhatan-Föderation ab 1620 datiert, ihr Ende mit dem Massaker von Wounded …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff, Zeitraum und Ursachen
  2. 2. Von den ersten Kontakten zu den Kolonialkriegen
  3. 3. Westausdehnung und Verdrängung bis 1860
  4. 4. Die Kriege von 1860 bis 1890
  5. 5. Folgen in den USA und außerhalb Nordamerikas
  6. 6. Zahlen, Gewalt und kulturelle Verarbeitung

Begriff, Zeitraum und Ursachen

Als Indianerkriege werden im engeren Sinn die Kriege und militärischen Auseinandersetzungen zwischen den indigenen Bevölkerungen Nordamerikas und europäischen Einwanderern beziehungsweise später den Truppen der Vereinigten Staaten oder Kanadas bezeichnet. Sie fanden vom Anfang des 17. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts statt und führten zur Unterwerfung, Vertreibung oder teilweise Ausrottung großer Teile der indigenen Bevölkerung. Als Beginn gilt meist der Krieg der englischen Kolonisten gegen die Powhatan-Föderation ab 1620, als Ende das Massaker von Wounded Knee im Dezember 1890. Das bekannteste Einzelereignis ist die Schlacht am Little Bighorn 1876.

Der zeitliche und geografische Umfang des Begriffs ist nicht eindeutig. Er kann die frühen Kolonialkriege, die Grenzkriege der Dreizehn Kolonien, die Westexpansion der USA und die „klassischen“ Indianerkriege von 1860 bis 1890 ebenso umfassen wie Konflikte in Kanada, Mexiko, Mittel- und Südamerika.

Zentrale Begriffe sind Land und Frontier. Die Frontier bezeichnete die sich verschiebende Siedlungsgrenze zwischen europäischen beziehungsweise US-amerikanischen Siedlungen und indianischen Gebieten. Die meisten Konflikte entstanden aus unterschiedlichen Vorstellungen von Grenzen, Territorien und Besitzrechten. Mit der Ausbreitung der Siedlungen wurden indigene Bevölkerungen zurückgedrängt, in entlegene Gebiete oder Reservate verdrängt und ihrer Lebensgrundlagen beraubt. Besonders wichtig war die Vernichtung der Bisonherden, von denen viele Präriestämme abhängig waren.

Kriege und Ruhephasen wurden von Verträgen, Abkommen und einseitigen Proklamationen begleitet. Wichtige Beispiele sind der Indian Removal Act von 1830 und der Vertrag von Laramie 1868. Seit 1871 schlossen die USA keine Verträge mehr mit Indianerstämmen ab, sondern zwangen die noch freilebenden Stämme in Reservate unter die Verfügungsgewalt der Regierung. Nach heutiger Forschung starben etwa 90 Prozent der indigenen Bevölkerung nicht durch bewaffnete Konflikte, sondern durch eingeschleppte Epidemien.

Von den ersten Kontakten zu den Kolonialkriegen

Die ersten europäischen Kontakte reichen bis zu den Wikingern zurück. Die Vinland-Kolonien von 1004 und 1009 endeten vermutlich gewaltsam. Dauerhafte Kontakte entstanden nach den Reisen von Christoph Kolumbus. Die Taíno und andere Arawak leisteten den Spaniern Widerstand, scheiterten aber an Waffenüberlegenheit und Infektionskrankheiten. In Mittel- und Südamerika unterwarfen Hernando Cortés 1519 mit rund 400 Soldaten das Aztekenreich und Francisco Pizarro 1532 das Inkareich. Die Spanier nutzten dabei Bündnisse, die Feindschaften zwischen indigenen Gruppen sowie militärische und technische Vorteile. In Mexiko sank die indigene Bevölkerung nach Schätzungen von rund 25 Millionen 1519 auf 2,5 Millionen 1567.

In Florida führte Hernando de Soto ab 1539 einen plündernden Feldzug; 1540 starben in der Schlacht von Mauvilla über 2000 Indianer. Im Südwesten revoltierten die Pueblo-Völker 1680 gegen spanische Zwangsarbeit und Bestrafung. Sie eroberten Santa Fe, und die Spanier kehrten erst 1692 zurück. In Kanada errichteten die Franzosen seit dem 16. Jahrhundert vor allem Handelsniederlassungen. Der Konflikt zwischen Micmac und Beothuk entwickelte sich zu einer lang andauernden Verfolgung; Anfang des 19. Jahrhunderts hatte der Stamm der Beothuk praktisch aufgehört zu existieren.

Die englische Kolonisierung an der Atlantikküste leitete die folgenden Grenzkriege ein. In Virginia führten die Kolonisten zwei Powhatan-Kriege. Beim Jamestown-Massaker 1622 töteten die Powhatan rund 350 Siedler. Der Zweite Powhatan-Krieg endete mit der Niederlage der Powhatan-Föderation. Im Pequot-Krieg wurde am 26. Mai 1637 eine befestigte Siedlung angegriffen; rund 500 Pequot starben, nach neueren Forschungen möglicherweise mehr. Im King Philip’s War 1676/77 griffen indigene Verbände 90 Siedlungen an, zerstörten 13 vollständig und töteten rund 600 Kolonisten. Auf indigener Seite starben rund 3000 Menschen.

Die Franzosen- und Indianerkriege von 1689 bis 1763 waren europäische Kolonialkriege, in denen beide Seiten indianische Bündnisse nutzten. Nach dem Siebenjährigen Krieg löste die britische Herrschaft den Pontiac-Aufstand aus. Die königliche Proklamation von 1763 verbot Siedlungen westlich der Appalachen, wurde aber von Siedlern und Milizen häufig missachtet. Beim Gnadenhütten-Massaker 1782 tötete die Miliz von Pennsylvania rund 100 unbewaffnete Delaware. Die Konflikte verbanden daher Landnahme, europäische Machtkämpfe, Bündnisse mit indigenen Gruppen und Gewalt gegen Zivilisten.

Westausdehnung und Verdrängung bis 1860

Nach dem Unabhängigkeitskrieg dehnten die USA ihr Gebiet stark aus: durch den Louisiana Purchase 1803, die Aufnahme von Texas 1845, die Einigung über das Oregon-Territorium 1846 und den Mexikanisch-Amerikanischen Krieg 1846 bis 1848. Die Vorstellung der „Manifest Destiny“ begründete die Besiedlung des Kontinents bis zur Pazifikküste.

Im Alten Nordwesten kämpften die USA gegen eine Koalition aus Shawnee, Miami, Huronen, Delaware und anderen Stämmen. Nach mehreren Feldzügen wurden sie 1794 in der Schlacht von Fallen Timbers besiegt und mussten im Vertrag von Greenville große Gebiete abtreten. Tecumsehs Versuch, eine große Indianerföderation zu bilden, scheiterte 1811 in der Schlacht bei Tippecanoe. Im Britisch-Amerikanischen Krieg fiel Tecumseh 1813. Andrew Jackson besiegte 1814 die Creek am Horseshoe Bend und führte 1814 bis 1818 Krieg gegen die Seminole.

Der Indian Removal Act von 1830 zielte auf die Umsiedlung der östlich des Mississippi lebenden Indianer. Besonders betroffen waren Cherokee, Creek, Chickasaw, Choctaw und Seminole. Die Deportationen erfolgten trotz der formalen Voraussetzung von Freiwilligkeit mit Zwang. Rund ein Viertel der beteiligten Indianer starb während Razzien, Internierungen und des Marsches auf dem Trail of Tears. Insgesamt setzte das Heer rund 7000 Soldaten ein. Der Black Hawk War 1831/32 war der letzte große Grenzkrieg im Alten Nordwesten.

In Texas verschärften sich seit 1821 die Konflikte mit Tonkawa, Karankawa, Cherokee, Shawnee, Delaware und vor allem den Comanche. Der Stamm der Karankawa wurde verfolgt; die letzten Überlebenden wurden nach 1850 von texanischen Siedlern getötet. Die Comancheria erstreckte sich vom Arkansas River bis nach Mittel- und Südtexas. Unter Sam Houston kam es zeitweise zu Verträgen, unter Mirabeau B. Lamar dagegen zu Vertreibungen und Feldzügen.

Der Goldrausch in Kalifornien ab 1848 führte zu einem starken Zustrom von Siedlern. Die indigene Bevölkerung sank in den folgenden zwei Jahrzehnten um 80 Prozent. Zwangsarbeit, Entführungen und Verkäufe von Kindern wurden durch Behörden und Einwohner unterstützt. 1854 bis 1864 betrieben Siedler und Milizen einen systematischen Genozid an den rund 12.000 Yuki; 1868 lebten noch etwa 100. Auch andere Gruppen wurden durch Massaker, Krankheiten und Landverlust nahezu ausgelöscht. Im westlichen Binnenland entstanden zunächst vor allem Pelzhandelsstationen. Ab den 1840er-Jahren verstärkten Oregon Trail, Goldrausch und Mormon Trail die Konflikte mit Prärie- und Bergvölkern.

Die Kriege von 1860 bis 1890

Während des Bürgerkriegs fanden drei größere Kriege statt. Im Südwesten zwang Kit Carson die Navajo mit einer Strategie der verbrannten Erde zur Kapitulation. Im Winter 1864 begannen sie den 800 Kilometer langen Langen Marsch in die Reservation Bosque Redondo; 1868 durften sie in ihr altes Gebiet zurückkehren. In Minnesota erhoben sich 1862 die Santee-Sioux, nachdem zugesagte Lebensmittel ausgeblieben waren. Von 303 Todesurteilen ließ Präsident Lincoln 39 vollstrecken; die Verurteilten wurden am 26. Dezember 1862 in Mankato gehängt. Beim Sand-Creek-Massaker am 29. November 1864 töteten rund 700 Colorado-Soldaten 105 Frauen und Kinder sowie 28 Männer der Cheyenne.

Nach 1865 wurden die Präriekriege durch neue Siedlungen, Eisenbahnbau, Goldfunde und die Reservatspolitik verschärft. Im Red-Cloud-Krieg zwangen Sioux, Cheyenne und Arapaho die USA zu einem Vertrag von Fort Laramie. 1868 erkannten die USA das Gebiet westlich des Missouri einschließlich Black Hills und Powder River als Territorium der dort lebenden Stämme an. Der Vertrag wurde später durch den Zustrom von Siedlern und Goldsuchern unterlaufen.

Die südlichen Cheyenne, Arapaho, Kiowa und Comanche wurden in Reservate gedrängt. Am Washita River griff George Armstrong Custer am 27. November 1868 ein Lager der südlichen Cheyenne an; über 100 Indianer, vorwiegend Frauen, Kinder und Alte, starben. Im Red River War 1874/75 brach der Widerstand von Kiowa und Comanche endgültig zusammen. Die Vernichtung der Bisonherden durch professionelle Jäger nahm den Präriestämmen zudem ihre wichtigste Lebensgrundlage.

Goldfunde in den Black Hills führten 1876 zu einer neuen US-Kampagne. In der Schlacht am Little Bighorn vernichteten Sioux, Cheyenne und Arapaho unter anderem die rund 700 Soldaten und Scouts umfassende Kolonne Custers. Dennoch mussten die Gruppen in den folgenden Monaten in Reservate ziehen. Crazy Horse ergab sich 1877, Sitting Bull floh zunächst nach Kanada und kehrte 1881 zurück. Weitere Konflikte waren der Nez-Percé-Krieg 1877 und der Modoc War 1872.

Die Apachenkriege im Südwesten dauerten wegen der guerillaartigen Kriegsführung bis 1886. Mexikanische Staaten zahlten zeitweise Prämien von 100 Pesos für den Skalp eines Kriegers, später 200 Pesos; für Frauen und Kinder wurden ebenfalls Prämien gezahlt. Diese Politik verschärfte die Gewalt. 1871 wurden bei Camp Grant 144 friedliche Arivaipa-Apachen ermordet. 1886 ergaben sich Geronimo und die letzten Chiricahua nach einem Feldzug, für den die USA rund 5000 Soldaten einsetzten. Viele Überlebende wurden nach Florida deportiert.

Die Geistertanz-Bewegung löste 1890 die Sorge vor einem neuen Aufstand aus. Am 29. Dezember 1890 wurden bei Wounded Knee rund 350 Männer, Frauen und Kinder getötet, teilweise durch Hotchkiss-Kanonen. Dieses Massaker gilt gewöhnlich als Ende der Indianerkriege.

Folgen in den USA und außerhalb Nordamerikas

Nach 1890 endeten die Kämpfe, nicht aber die Unterdrückung. Die US-Zensusbehörde erklärte 1890 das Ende der Frontier. Die Zahl der Indianer auf dem Gebiet der USA sank von 250.000 im Jahr 1890 auf 240.000 im Jahr 1900. Der Dawes Act von 1887 teilte Reservatsland in private Familienparzellen auf; dadurch sank der indigene Landbesitz zwischen 1881 und 1900 von 155.632.312 auf 77.865.373 Acre. Boarding Schools trennten zwischen 1880 und 1930 tausende Kinder von ihren Eltern und verboten unter anderem eigene Sprachen. Der Indian Citizenship Act von 1924 erklärte alle Indianer zu US-Bürgern. Der Indian Reorganization Act von 1933 erkannte kulturellen Pluralismus stärker an.

Seit der Gründung des American Indian Movement 1968 forderten indigene Aktivisten Selbstbewusstsein, kulturelle Rechte und Autonomie. Bedeutende Aktionen waren die Besetzung von Alcatraz 1969/70 und von Wounded Knee 1973. Reservate sind weiterhin von Armut und hoher Arbeitslosigkeit geprägt; Rohstoffabbau und Indianerkasinos sind wirtschaftlich umstritten. 2016 brachte der Protest gegen die Dakota Access Pipeline über 100 Stämme zusammen.

In Kanada war der Pelzhandel wichtiger als eine kompakte, nach Westen wandernde Frontier. Verträge galten meist als vorherrschende Form der Landregelung, weshalb die Besiedlung vergleichsweise weniger gewaltsam verlief. Die größeren Konflikte waren die Red-River-Rebellion 1869/70 und die Nordwest-Rebellion 1885, an denen sich auch Métis und Cree beteiligten.

In Mexiko und Mittelamerika bestanden Encomienda und Repartimiento mit Zwangsarbeit. Im Kastenkrieg auf Yucatán starben vermutlich 200.000 bis 300.000 Menschen. Der Krieg gegen die Yaqui dauerte von 1867 etwa drei Jahrzehnte und wurde 1897 formal beendet; einzelne Gefechte gab es bis 1917. In den Anden scheiterten Aufstände wie die Rebellion von Túpac Amaru II. 1780 bis 1783. In Ecuador bestehen Konflikte indigener Gruppen mit Bergbauprojekten fort. In Argentinien und Chile ähnelte die Frontier der US-amerikanischen: Die Kampagnen von Juan Manuel de Rosas und Julio Argentino Roca drängten die Bevölkerung der Pampa zurück; Chile gliederte das Mapuche-Gebiet 1861 gewaltsam an. In Brasilien boten Jesuitenreduktionen zeitweise Schutz vor Versklavung. Die Erschließung Amazoniens erfolgte überwiegend erst im 20. Jahrhundert, war aber ebenfalls von Gewalt und Vernichtungsaktionen begleitet.

Zahlen, Gewalt und kulturelle Verarbeitung

Die Gesamtzahlen sind teilweise umstritten. Für das Gebiet der heutigen USA und Kanadas wurden 1865 nur 0,9 bis 1,5 Millionen Ureinwohner angenommen; aktuelle Schätzungen liegen bei 5 bis 12 Millionen. Für den gesamten Kontinent werden 45 bis 60 Millionen genannt, wobei viele Forschende 6 bis 7 Millionen für USA und Kanada für realistisch halten. Nach dem Erstkontakt mit Europäern sanken indigene Populationen häufig um rund 90 Prozent, vor allem durch Krankheiten. Die Zahl der Toten unmittelbarer Kampfhandlungen lässt sich wegen unvollständiger Quellen und der vielen kleineren Konflikte nicht zuverlässig bestimmen.

Auf beiden Seiten gab es Massaker, Gewalt gegen Nichtkombattanten, Gefangenschaft und Versklavung. Unklar ist, ob das Skalpieren ursprünglich von indigenen Gruppen oder europäischen Kolonisten übernommen wurde; sicher ist, dass es von beiden Seiten praktiziert und durch Prämien gefördert wurde. Historiker bewerten die Indianerkriege unterschiedlich: Ben Kiernan erkennt zumindest teilweise genozidale Tendenzen, während Jürgen Osterhammel einen allgemeinen Vorwurf des Genozids für übertrieben hält, ihn aber für einzelne Schauplätze wie Kalifornien für berechtigt hält. Auch Konflikte zwischen indigenen Gruppen spielten eine Rolle, etwa zwischen Irokesen und Algonkin oder zwischen Präriestämmen und Apachen.

Die Aufarbeitung blieb umstritten. Eine offizielle Entschuldigung für Massaker wie Sand Creek, Washita und Wounded Knee blieb lange aus. 2009 unterzeichnete Barack Obama eine Erklärung, in der er sich für Übergriffe des US-Heeres entschuldigte; 2016 baten US-Veteranen bei Protesten gegen die Dakota Access Pipeline stellvertretend um Vergebung.

Literatur, Wildwest-Shows und Filme prägten das öffentliche Bild. James Fenimore Coopers Lederstrumpf-Romane, Buffalo Bills Wildwest-Show und in Deutschland besonders Karl Mays Winnetou-Romane verbreiteten romantisierende Vorstellungen. Hollywood-Western stellten Indianer häufig einseitig dar. Seit den 1950er- und 1960er-Jahren entstanden jedoch realistischere Werke, darunter Cheyenne Autumn, Little Big Man und Der mit dem Wolf tanzt. Auch das American Indian Movement und Musik von Künstlern wie Buffy Sainte-Marie trugen zu einer kritischeren Sicht auf Geschichte und Gegenwart der indigenen Bevölkerung bei.

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