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Dreizehn Kolonien

British America bezeichnet, die sich 1776. Die Amerikanische Revolution. Geburt einer Nation 1763–1815. Globalgeschichte der Europäischen Expansion 1415–2015. …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff, Raum und Entstehung
  2. 2. Expansion, Konflikte und Unabhängigkeit
  3. 3. Politische Ordnung und Gesellschaft
  4. 4. Bevölkerung, Herkunft und Religion
  5. 5. Indigene Bevölkerung und versklavte Afrikaner
  6. 6. Wirtschaft, Bildung und Alltag

Begriff, Raum und Entstehung

Als Dreizehn Kolonien werden die britischen Siedlerkolonien an der nordamerikanischen Ostküste bezeichnet, die sich 1776 in der Unabhängigkeitserklärung vom Königreich Großbritannien lossagten und die Vereinigten Staaten von Amerika bildeten. Andere britische Besitzungen wie Québec, Nova Scotia, Prince Edward Island sowie Ost- und Westflorida blieben loyal.

Das Gebiet reichte vom Unterlauf des Sankt-Lorenz-Stroms bis zur Halbinsel Florida. Im Westen begrenzten zunächst das Küstenland, später die Appalachen die Besiedlung. Üblich ist eine Gliederung in drei Gruppen:

  • Neuengland: New Hampshire, Massachusetts Bay, Rhode Island und Connecticut.
  • Mittlere Kolonien: New York, New Jersey, Pennsylvania und Delaware.
  • Südliche Kolonien: Maryland, Virginia, North Carolina, South Carolina und Georgia.

Die Gründung erstreckte sich über 125 Jahre. Virginia entstand 1607 mit Jamestown als erste dauerhafte britische Kolonie, Georgia folgte 1732 als letzte. Die 1620 gegründete Plymouth Plantation wurde 1696 Teil von Massachusetts. New York, New Jersey und Delaware gingen aus zuvor niederländisch beziehungsweise schwedisch erschlossenen Gebieten hervor und kamen in den 1660er-Jahren an England. Carolina wurde 1729 in North und South Carolina geteilt; Delaware gehörte bis 1776 zu Pennsylvania, verwaltete sich aber seit 1702 faktisch selbst. Die Dreizehn Kolonien entsprechen Gebieten von 16 heutigen US-Bundesstaaten, deren Grenzen teilweise erst nach dem Unabhängigkeitskrieg festgelegt wurden.

Expansion, Konflikte und Unabhängigkeit

Die britischen Kolonien unterschieden sich von den vorwiegend auf Handel ausgerichteten französischen Besitzungen dadurch, dass dauerhafte Landbesiedlung und Urbarmachung im Mittelpunkt standen. Nach dem gescheiterten Versuch auf Roanoke Island (1586–1590) gelangen Jamestown 1607 und Plymouth 1620. Während der Great Migration von 1630 bis 1650 wanderten erst Tausende, dann Zehntausende Menschen aus. Massachusetts und Boston wurden Zentren Neuenglands; Philadelphia, 1682 gegründet, entwickelte sich später zur bedeutendsten Stadt der Kolonien.

Die Frontier, also die bewegliche Siedlungsgrenze, rückte von der Küste über das Hinterland bis zu den Appalachen vor. Dabei wurden indigene Gesellschaften durch Krankheiten, Verdrängung und Kriege stark geschwächt. Zu den wichtigsten Konflikten gehörten die beiden Powhatan-Kriege, der Pequot War (1636–1637) und der King Philip’s War (1676–1678). Um 1750 hatte die Siedlungsgrenze ungefähr die Appalachen erreicht. Küstenregionen besaßen kommerzielle Landwirtschaft und Handelsstädte; im Hinterland überwog Subsistenzwirtschaft, also Produktion vorwiegend für den eigenen Bedarf. An der Frontier lebten unter anderem Trapper, Pelzhändler, Holzfäller und vorgeschobene Farmer.

Großbritannien und Frankreich kämpften seit 1689 wiederholt um die Vorherrschaft. Im nordamerikanischen Teil des Siebenjährigen Kriegs (1754–1763) setzten beide Seiten verstärkt reguläre Truppen ein. Großbritannien siegte; im Pariser Frieden von 1763 erhielt es die französischen Gebiete in Kanada und östlich des Mississippi. Die Proclamation Line von 1763 sollte den Appalachenkamm zur vorläufigen westlichen Siedlungsgrenze machen, stieß aber auf Widerstand. Zusätzlich verschärften die Stempelsteuer von 1765 sowie Forderungen nach Selbstverwaltung und gleichen Rechten den Konflikt. 1775 begann der Unabhängigkeitskrieg. Im Frieden von Paris 1783 erhielten die USA neben dem bisherigen Kolonialgebiet auch das Land zwischen Appalachen, Mississippi und Großen Seen.

Politische Ordnung und Gesellschaft

Bis 1754 bestanden keine formalisierten Beziehungen zwischen den Kolonien; jede war unmittelbar auf das Mutterland ausgerichtet. Es gab Handelsgesellschafts-, Eigentümer- und Kronkolonien. Zuletzt bestanden sieben Kronkolonien, Massachusetts als Mischform, die Charterkolonien Rhode Island und Connecticut sowie die Eigentümerkolonien Pennsylvania, Delaware und Maryland.

Gemeinsam waren ihnen englische Sprache, englisches Recht und ein Zweikammersystem. Die gewählte Assembly bildete das Unterhaus; ihr stand ein Rat oder Senat gegenüber, dessen Mitglieder meist der Gouverneur bestimmte. Gouverneure wurden je nach Kolonietyp von der Krone, den Eigentümern oder den Wahlberechtigten eingesetzt. Lange galt die Politik der „heilsamen Vernachlässigung“: Großbritannien kontrollierte die Kolonien nur begrenzt. Zugleich banden die Navigation Acts von 1651 und 1660 den Handel an das Mutterland. Der zweite Act bestimmte, dass Baumwolle, Zucker und Tabak ausschließlich nach England ausgeführt werden durften. Streit um Abgaben und politische Mitwirkung führte schließlich zur Revolution.

Die soziale Struktur unterschied sich regional. Neuengland war vergleichsweise homogen, kleinbäuerlich und durch lokale Town Meetings geprägt. Die mittleren Kolonien waren ethnisch und wirtschaftlich vielfältiger; Farmer, Handwerker, Kaufleute, Arbeiter und Großgrundbesitzer lebten nebeneinander. Im Süden herrschte eine ländliche Hierarchie. Besonders South Carolina und Georgia waren durch Plantagen, Sklavenarbeit und eine wohlhabende Pflanzerelite geprägt. Maryland, Virginia und Delaware bildeten den Upper South, die Carolinas und Georgia den Lower South. Im Piedmont, dem Appalachen-Vorland, überwogen dagegen kleinere Betriebe und Subsistenzwirtschaft. Konflikte wie Bacon’s Rebellion von 1676 richteten sich gegen koloniale Eliten und deren Grenzpolitik.

Bevölkerung, Herkunft und Religion

Die Bevölkerungszahlen beruhen vor 1791 auf Schätzungen. Sie stiegen von rund 500 Menschen im Jahr 1610 auf mehrere Zehntausend 1640, rund 200.000 im Jahr 1689 und über zwei Millionen um 1760. Die Tabelle des Artikels nennt insgesamt 49.368 Einwohner für 1650, 251.444 für 1700, 1.186.408 für 1750 und 2.680.234 für 1780. Erst der US-Zensus von 1791 liefert zuverlässigere Daten. Die frühen Siedlungen litten unter hoher Sterblichkeit: Von 1.600 bis 1616 in Jamestown angekommenen Menschen lebten noch 350. Wachstum entstand zunächst durch Schuldknechtschaft, Sträflingsarbeit sowie religiös und politisch motivierte Einwanderung, später zunehmend durch hohe Geburtenraten. 1770 waren Philadelphia mit 35.000, New York mit 25.000, Boston mit 16.000 und Charleston mit 11.000 Einwohnern die größten Städte.

Neuengland war am stärksten englisch geprägt; laut Zensus von 1791 waren dort 81 % englischer Herkunft. Die mittleren Kolonien waren besonders vielfältig. In New York betrug der englische Anteil 52 %, in Pennsylvania 35 %. Niederländer stellten in New York 17,5 % und in New Jersey 16,6 %. Deutsche machten in Pennsylvania etwa ein Drittel und in allen Kolonien zusammen 10 % aus; ungefähr 100.000 Deutsche wanderten bis zum Unabhängigkeitskrieg ein. Die Behauptung, Deutsch sei beinahe Amtssprache geworden, ist jedoch ein späterer nationalistischer Mythos. Englisch blieb stets Standardsprache.

Religiös standen sich zunächst Anglikaner und Puritaner gegenüber. Neuengland war puritanisch, der Süden überwiegend anglikanisch. Die strenge Herrschaft in Massachusetts führte zur Gründung von Rhode Island und Connecticut durch Dissidenten. In den mittleren Kolonien lebten unter anderem Presbyterianer, Baptisten, Reformierte, Pietisten, Hugenotten, Katholiken, Quäker und Lutheraner. Maryland war ein Zentrum des Katholizismus. Das Great Awakening der 1730er- und 1740er-Jahre betonte das persönliche Glaubenserlebnis und stärkte besonders Baptisten und Methodisten.

Im Unabhängigkeitskonflikt bestand weder für noch gegen die Loslösung eine klare Mehrheit. Schätzungsweise 20–25 % waren skeptische Loyalisten; die größte Gruppe blieb neutral. Nach dem Krieg verließen rund 60.000 Loyalisten und etwa 33.000 Sklaven die ehemaligen Kolonien, viele davon in Richtung Kanada.

Indigene Bevölkerung und versklavte Afrikaner

Neuere Schätzungen gehen für Nordamerika zur Zeit der europäischen Entdeckung von 6 bis 7 Millionen Indigenen aus; ältere Schätzungen hatten nur 900.000 bis 1,5 Millionen angenommen. Östlich des Mississippi sank ihre Zahl von ungefähr 3 Millionen um 1570 auf etwa 300.000 im Jahr 1670. Im südlichen Neuengland ging sie im selben Zeitraum schätzungsweise von 120.000 auf 12.000 zurück. Anfangs waren die Kolonisten auf Zusammenarbeit angewiesen, doch bald folgten Kriege und Verdrängung. Missionierte „Praying Indians“ machten in Neuengland weniger als 10 % der verbliebenen indigenen Bevölkerung aus und waren weiterhin Gewalt ausgesetzt.

Frankreich setzte stärker auf Handel, besonders mit den Huronen; die Irokesen-Konföderation verbündete sich dagegen eng mit Großbritannien. Im Siebenjährigen Krieg und im Unabhängigkeitskrieg gerieten die Stämme zwischen die Fronten. Der Pontiac-Aufstand ab 1763 scheiterte. Im Unabhängigkeitskrieg zerfiel die Irokesen-Konföderation in einen neutralen Teil, eine britenfreundliche Mehrheit und eine Minderheit aufseiten der USA. Das weitere Vorrücken der Siedlungsgrenze ließ sich nicht dauerhaft verhindern.

Afrikaner waren die einzige Bevölkerungsgruppe, die unfreiwillig in die Kolonien gebracht wurde. Die ersten Versklavten trafen 1619 in Virginia ein; große Bedeutung erhielt die Sklaverei seit dem Ende des 17. Jahrhunderts durch den atlantischen Dreieckshandel. Um 1770 lebten etwa 500.000 versklavte Afrikaner in den Kolonien, überwiegend im Süden. Eine abweichende Berechnung nennt für 1760 etwa 400.000. Im Jahr 1790 waren es rund 700.000. Insgesamt wurden mehr als 9,5 Millionen Afrikaner auf den amerikanischen Doppelkontinent verschleppt; rund 5 % davon gelangten nach Nordamerika.

Im Norden und in den mittleren Kolonien gab es Sklaven, doch diese Regionen waren keine umfassenden Sklavenhaltergesellschaften. Im Süden bildete Sklavenarbeit besonders in South Carolina und Georgia die Grundlage der Plantagenwirtschaft. Slave Codes machten die Versklavung lebenslang, erschwerten Freilassungen und untersagten Ehen und sexuelle Beziehungen zwischen Schwarzen und Weißen. Widerstand zeigte sich unter anderem in Arbeitsverweigerung, Brandstiftung und Flucht. In South Carolina und Georgia entwickelte sich eine eigenständige afroamerikanische Kultur, darunter die Sprache Gullah.

Wirtschaft, Bildung und Alltag

Die Wirtschaft folgte dem Merkantilismus: Die Kolonien sollten Rohstoffe liefern und Waren aus Großbritannien beziehen. Indigo, Tabak, Reis, Wolle und Pelze durften nur an das Mutterland verkauft werden; konkurrenzfähige Fertigprodukte wie Eisenwaren, Kleidung oder Hüte sollten nicht hergestellt werden. Trotzdem wuchs der Anteil der Kolonien am Bruttosozialprodukt des Empires von 5 % im Jahr 1700 auf 40 % im Jahr 1776. Mitte des 18. Jahrhunderts machte der Binnenhandel 25 % des Handelsvolumens aus.

Etwa 80 % der Bevölkerung lebten auf Farmen oder Plantagen, 10–15 % arbeiteten im Handwerk und nur 5 % als Kaufleute oder in freien Berufen. Neuengland lebte von Landwirtschaft, Fischerei, Holz, Schiffbau, Textil- und Rumproduktion. Die mittleren Kolonien erzeugten vielfältige Agrarüberschüsse und besaßen mit New York und Philadelphia wichtige Handelszentren. Der Süden exportierte vor allem Tabak, Reis und Indigo; Plantagen und Sklavenarbeit prägten besonders die Küstengebiete. Ein dauerhaftes Problem war Geldmangel. Eigene Papierwährungen wurden durch die Currency Acts von 1751 beziehungsweise 1765 für ungültig erklärt.

Die erste Hochschule war Harvard, gegründet 1636. Es folgten William and Mary College (1693), Yale (1701) und bis 1769 weitere Einrichtungen, darunter Princeton, Columbia, Brown, Rutgers und Dartmouth. Das Grundschulwesen war in Neuengland am weitesten entwickelt und im Süden kaum vorhanden. Vor dem Unabhängigkeitskrieg konnten etwa die Hälfte der Männer und ein Viertel der Frauen lesen und schreiben. Die erste Druckpresse nahm 1639 in Cambridge den Betrieb auf; ab 1700 verbreiteten sich Bücher, Zeitungen und Pamphlete deutlich stärker. Philadelphia wurde mit Benjamin Franklin zu einem Zentrum der gemäßigten amerikanischen Aufklärung.

Die Rechtsprechung folgte meist dem britischen Common Law, in Neuengland jedoch stärker biblischen Regeln. Todesstrafen waren für zahlreiche schwere Vergehen vorgesehen, wurden aber nicht immer vollstreckt. Blue Laws regelten Sabbatruhe und Sexualmoral; im Süden kamen Vorschriften über Schuldknechtschaft und die Slave Codes hinzu. Ein extremes Beispiel religiöser Verfolgung waren die Hexenprozesse von Salem 1692: Bei rund 200 Anklagen wurden 150 Verdächtige inhaftiert, 19 Menschen und zwei Hunde gehängt und ein Verurteilter zu Tode gepresst. Im 18. Jahrhundert lockerte sich die religiöse Kontrolle allmählich. Die traditionelle Unterordnung von Frauen blieb während der Kolonialzeit grundsätzlich bestehen; nachhaltige Veränderungen in Richtung Emanzipation erfolgten erst im 19. und 20. Jahrhundert.

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