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Europäische Expansion

Das Zeitalter der europäischen Expansion begann im 15. Jahrhundert am Ende des Spätmittelalters mit den Entdeckungsfahrten der Portugiesen nach Afrika und der …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kern und Verlauf
  2. 2. Voraussetzungen und Antriebe
  3. 3. Afrika und Asien
  4. 4. Amerika und Ozeanien
  5. 5. Herrschaft, Widerstand und Folgen

Kern und Verlauf

Europäische Expansion bezeichnet die allmähliche politische Ausweitung der Herrschaft europäischer Staaten auf große Teile Afrikas, Amerikas, Asiens, Australiens und Ozeaniens in der Frühen Neuzeit. Sie begann im 15. Jahrhundert mit portugiesischen Fahrten nach Afrika und spanischen Fahrten nach Amerika und erreichte ihren Höhepunkt im Kolonialismus und Imperialismus des 19. und 20. Jahrhunderts.

Ihre Folgen waren weltweite Bevölkerungsbewegungen, europäische Auswanderung, Sklavenhandel, die Ausbreitung europäischer Kultur, des Christentums, indogermanischer Sprachen und europäischer Krankheiten. Pflanzen und Tiere wurden zwischen Alter und Neuer Welt ausgetauscht; dieser Austausch heißt Columbian Exchange. Der europäische Seehandel legte außerdem Grundlagen weltweiter Wirtschaftsbeziehungen. Für indigene Kulturen bedeutete die Expansion häufig Assimilation, Verlust ethnischer Identität, Ethnozid oder Völkermord.

Man unterscheidet mehrere Formen: Beherrschungskolonien, vor allem spanisch in Amerika, entstanden durch militärische Eroberung und dienten der Ausbeutung. Stützpunktkolonien, besonders portugiesisch und später niederländisch in Süd- und Ostasien, waren Handels- und Seestützpunkte, während einheimische Herrscher formal oft an der Macht blieben. Siedlungskolonien, besonders seit dem 17. Jahrhundert in Nordamerika und Australien, dienten der Landnahme durch europäische Siedler; indigene Bevölkerungen wurden vertrieben, dezimiert oder ausgerottet. Ab etwa 1850 durchdrangen Kolonialmächte kontrollierte Gebiete politisch, wirtschaftlich und kulturell immer stärker.

Voraussetzungen und Antriebe

Im europäischen Spätmittelalter veränderten sich Wirtschaft und Gesellschaft stark. Nach dem Ende der Kreuzzüge und der Pest um 1350, die etwa ein Drittel der europäischen Bevölkerung tötete, gewann das Bürgertum an Bedeutung. Handel und Gewerbe blühten auf. Italienische Stadtstaaten profitierten vom Seehandel und von der Nachfrage nach orientalischen Waren, besonders Gewürzen. Berichte wie Marco Polos Il Milione und Legenden wie die vom Priesterkönig Johannes verstärkten die Vorstellung von reichen Ländern in Asien.

Die Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen 1453 gilt in der Darstellung als wichtiger Rückschlag für europäische Händler, weil der Landweg nach Asien erschwert oder verteuert worden sei; diese These ist unter Historikern allerdings stark umstritten. Portugal und Kastilien suchten direkte Seewege, um Zwischenhändler auszuschalten. Portugal erkundete unter Heinrich dem Seefahrer die westafrikanische Küste; 1498 erreichte Vasco da Gama Kalikut in Indien. Christoph Kolumbus suchte 1492 im Auftrag Spaniens den westlichen Seeweg nach Asien, stieß aber auf Amerika.

Wichtige Voraussetzungen waren Kenntnisse über die Kugelgestalt der Erde, astronomische Navigation, verbesserte Karten, Kompass, Astrolabium, Quadrant, Jakobstab und Almanache. Entscheidend waren außerdem hochseetaugliche Schiffe wie Karavelle, Nao und Karacke. Schiffsgeschütze machten europäische Schiffe gegenüber vielen außereuropäischen Gegnern militärisch überlegen.

Afrika und Asien

In Afrika begann Portugal im frühen 15. Jahrhundert mit Ceuta 1415 und Tanger 1471. Madeira wurde 1420, die Azoren 1427 und die Kapverden 1458 entdeckt und besiedelt. Nach der Umsegelung des Kap Bojador durch Gil Eanes 1431 wurde die Westküste weiter erkundet. Gold, Elfenbein und besonders Sklaven wurden wichtige Handelsgüter. Papst Nikolaus V. bestätigte Portugal mit der Bulle Romanus Pontifex Rechte und erlaubte die Versklavung von Ungläubigen.

Der transatlantische Sklavenhandel wurde zu einer zentralen Folge. Zwischen 1450 und 1870 wurden etwa 11,5 Millionen Afrikaner verschleppt; 1,5 Millionen überlebten die Überfahrt nach Amerika nicht. Fast die Hälfte der tatsächlich nach Amerika gelangten Menschen wurde im 18. Jahrhundert verschifft, auch nach 1800 noch über drei Millionen. Europäische Kontrolle blieb in Afrika lange vor allem auf Küstenstützpunkte beschränkt; eine wichtige Ausnahme war die Kapkolonie, ab 1652 von Niederländern und französischen Hugenotten kolonisiert.

In Asien errichteten die Portugiesen nach Vasco da Gamas Fahrt ein Handelsimperium: Goa wurde 1510 erobert, Malakka 1511 und Hormuz 1515. Die Niederländische Ostindien-Kompanie von 1602 und die Englische Ostindien-Kompanie von 1600 wurden später entscheidend. Die Niederländer besetzten die Molukken, eroberten Ceylon und gründeten 1619 Batavia. Die Briten konzentrierten sich nach Rückschlägen in Südostasien auf Indien; nach der Schlacht von Plassey 1757 gewann Robert Clive für Großbritannien die Oberhand. 1773 wurde die Kompanie der britischen Regierung unterstellt, bis 1857 übernahmen die Briten auch offiziell die Herrschaft über Indien.

China blieb bis ins 19. Jahrhundert nur begrenzt offen: Macau und Kanton waren zentrale Handelsplätze, bezahlt wurde vor allem mit Silber und Gold. Der illegale Opiumhandel führte zum Ersten Opiumkrieg; China musste Hongkong abgeben und zwölf Vertragshäfen öffnen. Japan hatte seit 1543 Kontakt zu Europäern, übernahm unter anderem Feuerwaffen, verbot aber ab 1639 fast alle Kontakte außer mit Chinesen und Niederländern auf Deshima. Diese Isolation endete 1853 durch Commodore Matthew Perry.

Amerika und Ozeanien

In Amerika trafen Europäer auf sehr unterschiedliche indigene Kulturen. Die Bevölkerungszahl im Jahr 1492 ist umstritten; Schätzungen reichen von zehn bis einhundert Millionen Menschen für den ganzen Kontinent. Spanien und Portugal teilten ihre Ansprüche 1494 im Vertrag von Tordesillas: Spanien erhielt Gebiete westlich einer Linie 370 spanische Leguas, etwa 1770 km, westlich der Kapverden, Portugal die östlichen.

Spanien eroberte große Reiche. Hernán Cortés nahm nach Kämpfen Tenochtitlán am 13. August 1521 ein; daraus entstand Mexiko-Stadt. Francisco Pizarro eroberte ab 1532 das Inkareich, nahm Atahualpa gefangen und ließ ihn nach Zahlung eines Lösegelds töten. Später entstanden Vizekönigreiche wie Neuspanien und Neu-Kastilien. Krankheiten, Zwangsarbeit auf Haziendas und in Minen wie Potosí sowie Gewalt dezimierten die indigene Bevölkerung stark. Schutzgesetze wie die Leyes Nuevas von 1542 wirkten nur begrenzt. Der Arbeitskräftemangel führte zur Einfuhr afrikanischer Sklaven. Aus den Kolonien kamen unter anderem Silber, Zucker, Häute, Talg und Koschenille; das Silber wurde auch zum Kauf chinesischer Seide genutzt. Die spanische Herrschaft in Südamerika endete bis 1826 durch Unabhängigkeitsbewegungen um José de San Martín und Simón Bolívar.

Portugal nahm Ostbrasilien 1500 durch Pedro Álvares Cabral in Besitz, gründete Bahia aber erst 1549 als Verwaltungssitz. Brasilien wurde ein Zentrum des Zuckerrohranbaus und später, nach Goldfunden ab 1693, stärker ins Landesinnere erschlossen. 1822 erklärte Brasilien seine Unabhängigkeit, nachdem das portugiesische Königshaus zuvor nach Rio de Janeiro geflohen war.

In der Karibik besetzten zunächst die Spanier Inseln wie Hispaniola, Kuba, Puerto Rico und Trinidad. Später kamen England, Frankreich und die Niederlande hinzu. Plantagenwirtschaft, Sklaverei, Piraterie und der Atlantische Dreieckshandel prägten die Region: Fertigwaren gingen von Europa nach Afrika und in die Kolonien, Sklaven von Afrika nach Amerika, Zucker und später Tabak, Kakao und Kaffee nach Europa.

Nordamerika wurde dauerhaft erst mit Jamestown 1607 und Québec 1608 besiedelt. Frankreich baute Neufrankreich entlang des St.-Lorenz-Stroms, der Großen Seen und des Mississippi auf, verlor Kanada aber 1763 an Großbritannien. Die Dreizehn Kolonien erklärten 1776 ihre Unabhängigkeit und wurden 1783 im Vertrag von Paris anerkannt. In Ozeanien suchten europäische Fahrten lange nach der Terra Australis. Australien wurde 1606 von Niederländern entdeckt, später durch Abel Tasman und James Cook vermessen. 1788 entstand mit Sydney die erste britische Strafkolonie; 1829 annektierte Großbritannien den ganzen Kontinent.

Herrschaft, Widerstand und Folgen

Die technische Überlegenheit Europas war je nach Region unterschiedlich wirksam. In Amerika und Teilen Afrikas erleichterten Waffen, Schiffe und organisatorische Vorteile die Unterwerfung, zumal viele Gesellschaften nicht in großen Staatsgebilden organisiert waren. In Ost- und Südasien waren Staaten und Technik stärker, sodass Europäer dort lange meist nur Handelsposten, Einflusszonen oder indirekte Kontrolle erreichten. Direkte Herrschaft wurde in großem Umfang erst im Imperialismus des 19. Jahrhunderts möglich, als der technische Vorsprung Europas durch die Industrielle Revolution größer wurde.

Das Verhältnis zwischen Europäern und Einheimischen war häufig von Gewalt, Zwangsarbeit und kultureller Entwurzelung geprägt. In Amerika wurden ganze Kulturen zerstört; Krankheiten aus Europa und harte Arbeitsbedingungen töteten viele Menschen. Afrikanische Sklaven ersetzten vielerorts die dezimierte indigene Arbeitskraft. Kritiker wie Bartolomé de Las Casas konnten nur die grausamsten Formen teilweise abschwächen.

In Asien konnten viele Gesellschaften ihre Kultur länger behaupten. China reagierte mit Krieg, Japan mit Isolation während der Edo-Zeit. In Afrika und Amerika wurden einheimische Kulturen dagegen vielfach fast vollständig entwurzelt; als Ausnahme in Afrika nennt der Artikel das Kaiserreich Abessinien.

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