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Generalisierendes Personalpronomen

Deutsch man und einen. Bearbeiten. Das allgemein etablierte Generalpronomen der deutschen Sprache ist man; es verbindet sich als Subjekt mit Verbformen der 3 …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee
  2. 2. Abgrenzung zu Personal- und Indefinitpronomina
  3. 3. Deutsch: man, einem und einen
  4. 4. Weitere deutsche Formen
  5. 5. Generalpronomen in anderen Sprachen
  6. 6. Generalisierende Personalpronomen

Grundidee

Ein generalisierendes Personalpronomen, kurz Generalpronomen, ist ein Pronomen, das sich nicht auf eine genau bestimmte Person bezieht. Es meint eine im Zusammenhang vorausgesetzte, aber nur vage bestimmbare Einzelperson oder Gruppe. Ein wichtiges deutsches Beispiel ist man.

Generalpronomen stehen zwischen Personalpronomina und unbestimmten Ausdrücken: Sie haben keinen eindeutig festgelegten Bezug auf 1., 2. oder 3. Person, können aber innerhalb eines Textes denselben unbestimmten Bezug wieder aufnehmen. Die traditionelle Einstufung von man als Indefinitpronomen wird in der Sprachwissenschaft deshalb als fehlerhaft angesehen.

Neben eigentlichen Generalpronomina, bei denen diese Bedeutung fest zur Wortbedeutung gehört, gibt es auch generalisierende Verwendungen gewöhnlicher Personalpronomina, etwa du oder ich.

Abgrenzung zu Personal- und Indefinitpronomina

Ein Generalpronomen bezeichnet Personen oder Gruppen, deren Identität nur ungefähr aus dem Kontext erschlossen werden kann. Beim deutschen man steht das Verb zwar in der 3. Person Singular, aber die Aussage kann inhaltlich auf unterschiedliche Personen bezogen werden: auf den Sprecher, den Hörer oder eine dritte Person.

Der wichtige Unterschied zu Indefinitpronomina wie jemand ist die Wiederaufnahme desselben Bezugs. In einem Satz wie „Bevor man eine Ware kauft, darf man sie anschauen“ ist das zweite man mit dem ersten identisch gemeint. Bei „Bevor jemand eine Ware kauft, darf jemand sie anschauen“ ist der zweite Bezug gerade nicht derselbe wie der erste.

Gerade dieses Verhalten erklärt, warum Generalpronomen zu den Personalpronomina gerechnet werden können, obwohl ihnen die klassischen Personalmerkmale fehlen.

Deutsch: man, einem und einen

Das zentrale deutsche Generalpronomen ist man. Es wird als Subjekt verwendet und verbindet sich mit Verbformen der 3. Person Singular: „Man gönnt sich ja sonst nichts.“

Für Dativ und Akkusativ dienen die maskulinen Formen einem und einen, die formal wie Formen von einer aussehen. Sie sind aber keine Indefinitpronomina, wenn sie denselben unbestimmten Bezug weiterführen: „Wenn man eine Frau beleidigt, dann ohrfeigt sie einen.“ Hier meint einen dieselbe Person wie man. Dagegen würde jemanden eine andere Person bezeichnen.

Ein normales Personalpronomen kann man in dieser Funktion nicht einfach ersetzen: „Wenn man eine Frau beleidigt, dann ohrfeigt sie ihn“ ist für denselben Bezug nicht passend. Wiederaufgreifen ist aber mit dem maskulinen Possessivum sein möglich: „Man muss seinen Kindern immer ein Vorbild sein“ oder „Vernünftiges Feedback kann einem seine Stärken und Schwächen zeigen.“ Dieses Possessivum kann in der unpersönlichen Bedeutung jedoch nicht allein im Satz stehen.

Weitere deutsche Formen

In der feministischen Sprachkritik wurden die Alternativen frau und mensch zu man geschaffen. Begründet wird das damit, dass man grammatisch maskulin sei und daher eher mit männlichen als mit weiblichen Personen verbunden werde. Außerdem wird die Homophonie mit dem Substantiv Mann als problematisch angesehen, wenn Personen jedes Geschlechts gemeint sein sollen.

Historisch ist das deutsche Pronomen man aus dem althochdeutschen Wort man entstanden, das „irgendeiner“ oder „jeder beliebige Mensch“ bedeutete. Aus derselben Herkunft entwickelte sich auch das Wort Mann. In manchen Sprachen gibt es ähnliche Übergänge von Substantiven mit allgemeiner Bedeutung zu Generalpronomina, etwa serbokroatisch čovjek „Mann / Mensch / man“.

Generalpronomen in anderen Sprachen

In mehreren Sprachen gibt es eigene Formen, die ähnlich wie deutsches man funktionieren. Im Alt- und Mittelenglischen gab es wie im Deutschen eine Form man, im Mittelenglischen daneben men und me. Diese Form kam im Laufe des 15. Jahrhunderts außer Gebrauch. Im modernen Englisch steht dafür one oder eine generalisierende Verwendung von you, they oder we: „That’s a miracle, one may think“ bedeutet „Das ist ein Wunder, möchte man meinen.“

Französisch on geht auf lateinisch homo, „Mensch“, zurück und steht wie man mit Verbformen der 3. Person Singular. Es kann allgemein gemeint sein, konkurriert aber auch mit nous für die 1. Person Plural: „Qu’est-ce qu’on fait?“ bedeutet „Was machen wir?“ Ähnlich ist katalanisch hom, ebenfalls von lateinisch homo, zum Beispiel in „Früher glaubte man, dass sich die Sonne um die Erde dreht.“

Im Irischen gibt es kein separates Pronomen dieser Art. Stattdessen trägt eine eigene Verbform, die „autonome Form“, als personale Konjugationsform des Verbs dieselbe Bedeutung wie ein selbständiges Generalpronomen.

Generalisierende Personalpronomen

Auch gewöhnliche Personalpronomen können generalisierend verwendet werden. Das kann ein Ersatz sein, wenn eine Sprache kein eigenes Generalpronomen hat, etwa im Italienischen oder Russischen, oder zusätzlich zu einem Generalpronomen vorkommen.

Häufig ist eine unbestimmte 3. Person Plural. Spanisch „Dicen que viajar ilustra“ bedeutet „Man sagt, Reisen bildet“, wörtlich „Sie sagen“. Auch Englisch they kann so gebraucht werden. In manchen Sprachen entstehen besondere Bedeutungen: Rumänisch „Mă cheamă Ramona“ und Russisch „Menjá zovút Olég“ bedeuten jeweils „Ich heiße Ramona/Oleg“, wörtlich etwa „Sie nennen mich ...“.

Die 2. Person Singular kann ebenfalls verallgemeinern. Englisch „You shouldn’t drink and drive“ oder deutsch „Als Stürmer musst du egoistisch sein, wenn du Tore machen willst“ können nicht nur eine bestimmte angesprochene Person meinen, sondern eine allgemeine Regel ausdrücken. Gegenüber man oder one lädt diese Form den Hörer stärker ein, sich in die unbestimmte Person hineinzuversetzen.

Die 1. Person Singular kann im Deutschen eingeschränkt generalisierend verwendet werden: „Ich kann doch als Brautpaar nicht von meinen Gästen erwarten, dass sie mir quasi die Feier finanzieren.“ Der allgemeine Bezug wird hier dadurch klar, dass „als Brautpaar“ eine Gruppe nennt, obwohl der Sprecher offensichtlich nicht selbst ein Brautpaar ist. Im Englischen scheint eine solche Verwendung nicht möglich zu sein.

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