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Importquote (Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung)
Die Importquote (englisch import quota) ist eine volkswirtschaftliche Kennzahl, die das Verhältnis der Importe zum Bruttoinlandsprodukt einer …
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Begriff und Bedeutung
Die Importquote ist eine volkswirtschaftliche Kennzahl. Sie zeigt das Verhältnis der Importe zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) einer Volkswirtschaft und wird in Prozent angegeben. Ihr Gegenstück ist die Exportquote.
Als Importe gelten aus dem Ausland bezogene Güter und Dienstleistungen. Die Importquote beschreibt damit, wie stark ein Staat in den Außenhandel eingebunden ist. Diese Außenhandelsverflechtung wird umfassender durch die Außenhandelsquote gemessen, die Exporte und Importe gemeinsam berücksichtigt. Die Differenz zwischen Exporten und Importen heißt Außenbeitrag. Der Mittelwert aus Exportquote und Importquote wird als Offenheitsgrad bezeichnet.
Annähernd autarke Staaten haben meist geringe Export- und Importquoten. Kleinstaaten weisen dagegen im Regelfall höhere Importquoten auf als Flächenstaaten, weil Flächenstaaten allgemein über eine besser diversifizierte Faktorausstattung verfügen. Das absolute Importvolumen ist für internationale Vergleiche wenig aussagekräftig; deshalb wird die Importquote als Verhältniszahl verwendet. Exporte sind als im Inland produzierte Güter im BIP enthalten, Importe dagegen nicht.
Berechnung und Veränderung
Für die Berechnung werden die innerhalb eines Jahres aus dem Ausland erworbenen Güter und Dienstleistungen erfasst. Die Werte ergeben sich aus der Handelsbilanz beziehungsweise der Dienstleistungsbilanz. Berücksichtigt werden die tatsächlich gezahlten Importausgaben in Inlandswährung und Devisen. Importe mit einem vereinbarten Zahlungsziel, die noch nicht bezahlt wurden, sind in diesen Ausgaben nicht enthalten.
Die Importausgaben werden dem BIP gegenübergestellt. Das BIP umfasst alle im Staat produzierten Güter und Dienstleistungen und schließt daher auch die im Inland produzierten Exporte ein.
Importquote = (Importausgaben / Bruttoinlandsprodukt) × 100
Wenn die Importe bei gleichbleibendem BIP zunehmen, steigt die Importquote. Sie verändert sich außerdem, wenn sich das Importausgabevolumen anders entwickelt als das Geldeinkommen. Die Nachfrageelastizität für Importe beschreibt, wie stark die Importnachfrage auf Veränderungen reagiert. Sie ist höher, wenn sich heimische Güter leicht durch Importe ersetzen lassen. Hohe Nachfrageelastizitäten treten laut Artikel dort auf, wo der Außenhandel relativ unbedeutend ist und eine niedrige Importquote besteht.
Verwendung und internationale Vergleiche
Exporterlöse können zur Bezahlung von Importen sowie zum Schuldendienst für Staatsschulden verwendet werden. Zum Schuldendienst gehören Zinsaufwand und Tilgung. Deshalb spielen Exporterlöse auch beim Zinsdeckungsgrad eine Rolle. Überschreitet der Schuldendienst 20 % bis 25 % der dauerhaft erzielbaren Exporterlöse oder mehr als 20 % der Staatsausgaben, kann ein Staat gezwungen sein, seine Importe zu verringern. Nach der Zahlung des Schuldendienstes reichen die Exporterlöse dann möglicherweise nicht mehr zur Finanzierung der Importe aus. Je höher die Exportquote ist, desto mehr Importe und Staatsschulden kann sich ein Staat grundsätzlich leisten.
Die Importquote ist außerdem für das Länderrating durch Ratingagenturen und Banken wichtig. Unter sonst gleichen Bedingungen verbessert sich ein Rating bei niedriger Importquote und verschlechtert sich bei hoher Importquote. Eine niedrige Importquote bei gleichzeitig höherer Exportquote kann zu Devisenzuflüssen und damit zu höheren Währungsreserven führen. Eine wachsende Importabhängigkeit kann jedoch auch dazu führen, dass die Wirtschaft stärker von der Konjunktur der Exportstaaten abhängt und importierte Güter die eigenen Güter verdrängen. Entstehen dadurch Handelsbilanzdefizite, wird das Ziel des außenwirtschaftlichen Gleichgewichts verfehlt.
Die genannten europäischen Werte zeigen den Unterschied zwischen Kleinstaaten und Flächenstaaten. Luxemburg führte mit einer Importquote von 177,6 %, gefolgt von Malta mit 137,8 % und Irland mit 100,6 %. Deutschland lag bei 39,1 %, Frankreich bei 31,4 %, Spanien bei 30,7 %, Griechenland bei 30,3 %, Großbritannien bei 29,4 % und Italien bei 27 %.
Importquoten über 100 % sind möglich, wenn Staaten Importe nach einer Weiterverarbeitung wieder exportieren, eine reine Handelsfunktion übernehmen oder importierte Waren teurer weiterverkaufen. Singapur ist ein Beispiel: Waren werden dorthin verschifft, ohne Weiterverarbeitung umgeladen und weitertransportiert. Dadurch erreicht Singapur hohe Exporte und Importe sowie eine Importquote von 167,7 % im Jahr 2014.
Wirtschaftliche Voraussetzungen und Wechselwirkungen
Die Höhe der Importe und damit der Importquote hängt von mehreren Voraussetzungen ab. Das Exportland muss Standortvorteile und technisches Wissen besitzen und Güter oder Dienstleistungen über den eigenen Bedarf für Konsum und Investitionen hinaus produzieren. Der für den Export bestimmte Teil muss hinsichtlich Marktpreis und Produktqualität gegenüber vergleichbaren Gütern und Dienstleistungen des Importlandes überlegen sein. Außerdem müssen die Wechselkursrelationen beziehungsweise die Terms of Trade ein günstiges Importklima ermöglichen.
Wenn diese Bedingungen erfüllt sind, können die Importe stärker wachsen als die Exporte. Die dadurch entstehenden Devisenabflüsse können die Währungsreserven vollständig abbauen. In der Folge kann es zu einer faktischen oder formalen Abwertung der Währung des Importlandes kommen. Diese Abwertung verteuert Importe, die in Fremdwährung fakturiert werden, und schwächt dadurch im Regelfall die Importe und die Importquote. Einen vergleichbaren Effekt hat eine Aufwertung im Land des Exporteurs. Auch eine Inflation im Exportland verteuert die Importpreise. Abwertung oder Aufwertung sowie Inflation gelten deshalb als wichtigste Korrektive für die Importquote.
Eine Monostruktur entsteht, wenn ein großer Anteil bestimmter Güter aus nur einem Staat importiert wird, obwohl diese Güter auch aus anderen Ländern bezogen werden könnten. Dadurch entsteht eine einseitige Abhängigkeit. Lieferengpässe im Exportland können dann das Importland treffen, etwa durch Betriebsstörungen, Boykott, Embargo oder Exportverbot.
Hohe Importquoten gehen mit einem niedrigen Selbstversorgungsgrad und einer geringeren Versorgungs- beziehungsweise Energiesicherheit einher. Für die Außenhandelspolitik ist deshalb eine Risikodiversifizierung wichtig, insbesondere bei der Gestaltung des Energiemixes.
Beispiel Energieversorgung in Deutschland
Die Struktur des Primärenergieverbrauchs in Deutschland veränderte sich zwischen 2018 und 2020. Die Anteile betrugen:
- Mineralöl: 34,0 % im Jahr 2018 und 33,7 % im Jahr 2020
- Erdgas: 23,4 % und 26,6 %
- erneuerbare Energien: 13,8 % und 16,6 %
- Braunkohle: 11,3 % und 8,1 %
- Steinkohle: 10,9 % und 7,7 %
- Kernenergie: 6,3 % und 6,0 %
- Sonstige: 0,4 % und 1,9 %
Die Abhängigkeit von fossiler Energie, insbesondere von Mineralöl und Erdgas, wird als sehr hoch und riskant beschrieben. Für das Jahr 2020 nennt der Artikel folgende Importabhängigkeiten: Beim Erdöl stammten 42 % aus Russland, 14 % aus dem Vereinigten Königreich und 14 % aus den Vereinigten Staaten; die Importquote betrug 98,0 %. Beim Erdgas kamen 55 % aus Russland, 31 % aus Norwegen und 13 % aus den Niederlanden; die Importquote lag bei 94,4 %. Steinkohle kam zu 38,9 % aus Russland und zu 17,5 % aus den Vereinigten Staaten und hatte eine Importquote von 100,0 %. Uran wurde aus Frankreich, Kanada und dem Vereinigten Königreich bezogen und ebenfalls zu 100,0 % importiert.
Die Uranförderung in Thüringen und Sachsen wurde im Mai 2021 eingestellt. Nach der Abschaltung der letzten Kernkraftwerke im Dezember 2022 werden Uranimporte laut Artikel nur noch für medizinische Zwecke benötigt. Die inländische Steinkohleproduktion endete im Januar 2019; seitdem wird Steinkohle vollständig importiert. Erdöl und Erdgas werden ebenfalls fast vollständig aus dem Ausland bezogen.
Bedeutung für Unternehmen und als staatliches Kontingent
Bei Wirtschaftszweigen und Unternehmen bezeichnet die Importquote den Anteil der Einfuhrumsätze am gesamten Beschaffungsumsatz. Sie misst die Importintensität, also die Abhängigkeit des Unternehmens von ausländischen Vorleistungen oder Waren.
Importquote = (Wareneinsatz aus dem Ausland / Umsatzerlöse) × 100
Bei gleichbleibendem Gesamtumsatz steigt die Quote, wenn der Wareneinsatz aus dem Ausland zunimmt. Im Jahr 2011 führten 17 % der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) Waren ein, bei Großunternehmen waren es 45 %. Gemessen am Außenhandelsvolumen entfielen 28 % auf KMU und 72 % auf Großunternehmen. Die Importintensität deutscher Großunternehmen war damit wesentlich höher. Nach Wirtschaftszweigen lagen 2004 Textilien, Bekleidungsindustrie und Lederherstellung mit 427 % der Bruttowertschöpfung vorn, gefolgt von Mineralölverarbeitung mit 355 %, sonstigen Fahrzeugen mit 307 % und Elektroerzeugnissen mit 168 %.
Der Begriff Importquote kann außerdem eine staatliche Importbeschränkung bedeuten. Gemeint ist dann eine mengenmäßige Kontingentierung der Importmengen für alle oder bestimmte Güter. Eine solche Beschränkung ist meist Teil der Devisenbewirtschaftung, wenn nur begrenzte Devisen zur Bezahlung von Importen vorhanden sind. Sie erhöht stets den Inlandspreis des betroffenen Importgutes.