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Il trionfo del Tempo e della Verità

Il trionfo del Tempo e della Verità ; Form: Oratorium in drei Teilen ; Originalsprache: Italienisch ; Musik: Georg Friedrich Händel ; Libretto: Benedetto Pamphilj.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Werk und Fassungen
  2. 2. Entstehung und Aufführungen
  3. 3. Allegorische Handlung
  4. 4. Text und musikalische Gestaltung
  5. 5. Aufbau und Orchester

Werk und Fassungen

Il trionfo del Tempo e della Verità (HWV 46b) ist ein italienisches Oratorium in drei Teilen von Georg Friedrich Händel nach einem Libretto von Benedetto Pamphilj. Es wurde am 23. März 1737 im Theatre Royal, Covent Garden, London, uraufgeführt und dauert etwa 2¾ Stunden. Ein Oratorium ist ein meist konzertant aufgeführtes, umfangreiches Vokalwerk; hier verbindet es geistliche Aussage und dramatische Gestaltung.

Im Mittelpunkt steht die Vergänglichkeit irdischer Werte. Händel beschäftigte sich während seiner ungefähr fünfzigjährigen Laufbahn mehrfach mit diesem Stoff. Die erste Fassung, La Bellezza Raueduta nell’ Trionfo Del Tempo e del Disinganno (HWV 46a), komponierte er 1707 in Italien; eine mögliche Aufführung im Mai oder Juni 1707 im Teatro Collegio Clementino in Rom ist nicht nachgewiesen. Die Londoner Fassung von 1737 ist eine weitreichende Neubearbeitung: Sie verwendet den fast unveränderten Text von 1707, besitzt musikalisch aber nur drei einfache Rezitative, fünf Nummern sowie Material aus sechs weiteren Rezitativen und zehn weiteren Nummern gemeinsam mit der ersten Fassung. Mehr als die Hälfte der Musik ist vom römischen Werk ganz oder weitgehend unabhängig; etwa ein Drittel ist gleich oder kaum verändert.

1757 entstand als dritte Fassung The Triumph of Time and Truth (HWV 71), mit einem wahrscheinlich von Thomas Morell ins Englische übertragenen Text. Vermutlich stellte Johann Christoph Schmidt der Jüngere die Partitur unter Händels Anleitung zusammen; Händel war damals bereits erblindet.

Entstehung und Aufführungen

Im Frühjahr 1737 hatten mehrere Opern Händels, darunter Arminio, Giustino und Berenice, nur mäßigen Erfolg. Zugleich bedrohte die Konkurrenz der Adelsoper im King’s Theatre die dritte Opernakademie finanziell. Händel nahm deshalb Oratorien wieder in den Spielplan des Covent Garden Theatre auf. Da mittwochs und freitags in der Fastenzeit keine Opern erlaubt waren, bot er an diesen Tagen Wiederaufnahmen von Oratorien und Serenaten wie Il Parnasso in festa, Das Alexanderfest und Esther an.

Für Il trionfo überarbeitete Händel die Fassung von 1707 grundlegend und erweiterte sie von zwei auf drei Teile. Dafür schrieb er neue Sätze, Sinfonias und Chöre an den Anfängen und Enden der Teile. Einige Chöre entlehnte er seinem Wedding Anthem HWV 263 Sing unto God, nämlich Nr. 1, 3 und 25. Neu waren auch Trompeten, Pauken und Hörner. Im Autograph datierte Händel die Arbeit mit „London angefangen ohngefehr den 2 March 17[37]“ und „Fine dell’Oratorio G. F. Handel London March 14 1737“.

Bei der Uraufführung sang vermutlich Anna Maria Strada del Pò die Bellezza, der Soprankastrat Gioacchino Conti („Gizziello“) den Piacere, Maria Caterina Negri den Disinganno und der Altkastrat Domenico Annibali den Tempo. Weitere Aufführungen folgten am 25. März sowie am 1. und 4. April 1737 und am 3. März 1739. Für den Bassisten Thomas Reinhold richtete Händel die Partie Tempo von der Alt- in die Basslage ein. Vor dem Schlusschor spielte er ein Orgelkonzert, HWV 292; dessen Allegro ist motivisch mit dem Alleluja, Nr. 36, verbunden. Die erste neuzeitliche Wiederaufführung dieser zweiten Fassung in italienischer Originalsprache und historischer Aufführungspraxis fand am 31. Mai 1998 im Kloster Eberbach in Eltville am Rhein statt.

Allegorische Handlung

Die vier Personen sind Allegorien, also Figuren für abstrakte Begriffe: Bellezza („die Schönheit“, Sopran), Piacere („das Vergnügen“, Sopran), Disinganno („die Erkenntnis“ oder „die Ent-Täuschung“, Alt) und Tempo („die Zeit“, Alt oder Bass). Das Werk erzählt weniger eine äußere Handlung als einen Streit über die richtige Lebensführung.

Die junge Schönheit soll entscheiden, ob sie sich dem Vergnügen hingibt oder sich, auf Rat von Zeit und Erkenntnis, früh auf ihre Vergänglichkeit und wahre Werte besinnt. Obwohl Bellezza Piacere Treue schwört, erkennt sie bereits die eigene Vergänglichkeit und die Macht der Zeit, die der „getreue Spiegel“ sichtbar macht. Zeit und Erkenntnis verweisen auf den menschlichen Lebenszyklus und die Gräber. Schließlich weist Schönheit die Täuschungen des Vergnügens zurück, trennt sich von sinnlichen Freuden und wendet sich dem wahren Vergnügen zu: der Einsicht in himmlische Wahrheiten. Sie beschließt, den Rest ihres Lebens in einer Einsiedelei oder einem Kloster zu verbringen.

Text und musikalische Gestaltung

Pamphiljs Libretto ist kunstvoll angelegt und arbeitet mit allegorischen Bildern und Anspielungen. Es knüpft unter anderem an Emilio de’ Cavalieris Oratorium Rappresentatione di Anima, et di Corpo von 1600 an, das ebenfalls allegorische Figuren wie Seele, Körper, Geist, guten Rat, Zeit und Vergnügen verwendet. Händel behielt Pamphiljs Text für 1737 weitgehend bei. Wer die Änderungen und neuen Texte der eingefügten Nummern schrieb, ist unbekannt. Das Londoner Publikum erhielt ein Libretto mit einer englischen Übersetzung von George Oldmixon; sie wurde zwanzig Jahre später zur textlichen Grundlage von The Triumph of Time and Truth.

Musikalisch ist das Werk ein geistliches „dramma per musica“: Es verbindet dramatische Opernformen mit geistlichem Inhalt. Secco-Rezitative werden nur vom Basso continuo begleitet und führen die Auseinandersetzung voran; Da-capo-Arien haben einen wiederholten ersten Teil. Daneben gibt es Accompagnato-Rezitative mit Orchesterbegleitung, Duette, Quartette und fünf neu hinzugekommene Chöre. Kleine Besetzungen stehen Arien mit obligaten, also besonders hervortretenden Soloinstrumenten gegenüber. Ruhige Abschnitte wechseln mit virtuoser, rhythmisch zugespitzter Gesangsmusik. Bei den neuen Teilen nutzte Händel neben dem eigenen Wedding Anthem auch Musik aus Georg Philipp Telemanns Harmonischem Gottesdienst und Carl Heinrich Grauns Passionsoratorium Kommt her und schaut.

Aufbau und Orchester

Das Oratorium beginnt mit einer Sinfonia und gliedert sich in drei Teile. Die Parte prima umfasst die Nummern 1–11 und führt den Konflikt zwischen Schönheit, Vergnügen, Zeit und Erkenntnis ein. Sie enthält drei Chöre, darunter Nr. 1 „Solo al goder aspira il nostro cor“, ein Duett von Bellezza und Piacere sowie Arien aller vier Figuren.

Die Parte seconda besteht aus Nr. 12a–25. Ein Concerto und eine Sonatina leiten sie ein. Im Zentrum stehen der weitere Streit, das Quartett Nr. 18 „Se non sei più ministro di pene“ und das Quartett Nr. 24 „Voglio Tempo per risolvere“; Nr. 25, „Pria che sii converta in polve“, schließt den Teil als Chor ab.

Die Parte terza umfasst Nr. 26–36 und zeigt Bellezzas endgültige Abkehr von Piacere. Die bekannte Arie des Piacere lautet „Lascia la spina, cogli la rosa“ (Nr. 27). Bellezza singt zwei Accompagnato-Rezitative, Nr. 31 und 34, bevor ein Orgelkonzert zum Schlusschor führt. Das Werk endet mit Nr. 36, dem Chor „Alleluja, alleluja“.

Vorgesehen sind zwei Traversflöten, zwei Oboen, Fagott, zwei Hörner, zwei Trompeten, Pauken, Streicher, Orgel und Basso continuo mit Violoncello, Laute und Cembalo; ein Carillon kam nur 1739 hinzu.

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