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Georg Philipp Telemann

Georg Philipp Telemann (* 14. März / 24. März 1681 in Magdeburg; † 25. Juni 1767 in Hamburg) war ein deutscher Komponist des Barock.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Lebensweg
  2. 2. Kompositionsstil und Werkgruppen
  3. 3. Instrumental- und Kammermusik
  4. 4. Geistliche und weltliche Vokalmusik
  5. 5. Wirkung und spätere Bewertung

Bedeutung und Lebensweg

Georg Philipp Telemann (* 14. März jul. / 24. März 1681 greg. in Magdeburg; † 25. Juni 1767 in Hamburg) war ein deutscher Komponist des Barock. Er prägte die Musikwelt der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts durch neue Kompositionsweisen und eine offene Musikauffassung. Seine lange Schaffenszeit von 75 Jahren und sein Nachlass von über 3600 verzeichneten Werken machen ihn zu einem der produktivsten Komponisten der Musikgeschichte.

Telemann lernte Musik weitgehend selbstständig. Schon in Magdeburg, Zellerfeld und Hildesheim spielte und erlernte er zahlreiche Instrumente; in Hildesheim entstand die erhaltene frühe Komposition Singende Geographie. Während des Jurastudiums in Leipzig gründete er wahrscheinlich 1703 ein Collegium musicum, leitete von Neujahr 1703 bis Ostern 1705 das Opernhaus und wurde 1704 Musikdirektor der Neukirche.

Ab 1705 war er Kapellmeister in Sorau, ab 1708 Konzertmeister in Eisenach. 1712 wurde er städtischer Musikdirektor und Kapellmeister in Frankfurt am Main. 1721 übernahm er in Hamburg das Amt des Cantor Johannei und Director Musices. Dort komponierte er für die Hauptkirchen, organisierte Konzerte, veröffentlichte Werke selbst und leitete von 1722 bis zur Schließung des Hauses 1738 die Oper. In Paris erhielt er 1737/38 internationale Anerkennung; der König verlieh ihm ein 20-jähriges Exklusivrecht zur Veröffentlichung seiner Werke. Sein letztes Werk war eine Markus-Passion von 1767. Nachfolger im Hamburger Amt wurde sein Patensohn Carl Philipp Emanuel Bach.

Kompositionsstil und Werkgruppen

Telemann schrieb in allen damals verbreiteten Musikgattungen. Sein Werk ist im Telemann-Werke-Verzeichnis (TWV, 1984–1999) von Martin Ruhnke erfasst; darin ist das Telemann-Vokalwerke-Verzeichnis (TVWV, 1982–1983) von Werner Menke einbezogen.

Kennzeichnend sind gesanglich geprägte Melodien, einfallsreiche Klangfarben und die Verbindung verschiedener Stile: französische, italienische, englische und osteuropäische Einflüsse sowie Elemente von Volks-, Tanz- und Kunstmusik. Telemann galt als Vertreter des „vermischten Geschmacks“, also einer Verbindung nationaler Stilarten. Als „galant“ wurde damals Musik mit verzierten Melodien, ausdrucksvollen Pausen, vielfältiger Rhythmik, einfacher Harmonik und klarer Trennung von Melodie und Begleitung bezeichnet.

Telemann kannte viele Instrumente, ohne eines virtuos zu spielen. Deshalb behandelte er Instrumentation, also die Auswahl und Kombination von Instrumenten, als wichtiges Kompositionselement. Besonders schätzte er Traversflöte, Oboe und Oboe d’amore. Schwieriges, rein virtuoses Spiel stand nicht im Mittelpunkt; auch seine Lehrwerke sollten technisch leicht zugänglich sein. In Vokalwerken waren Textverständlichkeit, Deklamation und Tonmalerei wichtig. Tonmalerei bedeutet, dass Musik Wörter, Naturvorgänge oder Situationen klanglich nachahmt, etwa lauter werdenden Wind durch nacheinander einsetzende Instrumente.

Instrumental- und Kammermusik

Zur Instrumentalmusik gehören etwa 1.000 Orchestersuiten, von denen 126 erhalten sind, außerdem Sinfonien, Konzerte, Sonaten, Duette, Triosonaten, Quartette sowie Klavier- und Orgelmusik. Seine Konzerte verbinden französische und italienische Vorbilder: Sie haben oft kantable Melodien, weniger Virtuosität als bei Antonio Vivaldi und eine engere Verbindung von Soloinstrument und Tutti, also dem gesamten Orchester. Häufig ist die Satzfolge langsam–schnell–langsam–schnell. Telemann schrieb Solokonzerte für ungewöhnlich viele Instrumente, darunter Viola da gamba, Viola d’amore und Chalumeau.

Polnische und mährische Folklore beeinflusste besonders Rhythmik und Melodik. Synkopen, also Betonungen gegen den regelmäßigen Takt, und volkstümliche Tanzweisen treten beispielsweise im Concerto Polon G-dur für 2 Violinen, Viola und Generalbass, TWV 43:G7 auf. Im Finalsatz des Doppelkonzerts e-Moll für Block- und Traversflöte, Streicher und Generalbass, TWV 52:e1, werden polnische Dudelsackbläser durch kurze Ostinato-Motive über Bordunbässen imitiert.

Die Ouvertürensuite beginnt typischerweise mit einer französischen Ouvertüre und enthält danach Tanz- oder Charaktersätze. Telemann öffnete diese Gattung für konzertierende Soloinstrumente und nutzte sie auch programmatisch für Personen-, Natur- und Situationsschilderungen. Seine Nouveaux Quatuors en Six Suites von 1738, die „Pariser Quartette“, arbeiten mit drei gleichberechtigten Instrumenten und gelten als wichtiger Schritt zum klassischen Quartettstil. Seine Kammermusik umfasst auch Solofantasien ohne Generalbass und Werke für ungewöhnliche Besetzungen.

Geistliche und weltliche Vokalmusik

Telemann schrieb 1.750 Kirchenkantaten, außerdem 16 Messen, 23 Psalmvertonungen, über 40 Passionen, 6 Oratorien sowie Motetten und weitere sakrale Werke. Kantaten sind mehrteilige Vokalwerke für den Gottesdienst; Telemann ordnete sie meist zu Kantatenjahrgängen. Ein Jahrgang kann bis zu 72 Kantaten enthalten, und etwa 30 vollständige oder teilvertonte Jahrgänge wurden identifiziert. In Hamburg war er verpflichtet, zwei Kantaten wöchentlich und jährlich eine Passion aufzuführen.

Die geistlichen Werke verbinden unterschiedliche Formen. Der Neumeister-Jahrgang folgt der Vorstellung, eine Kantate mit Rezitativ und Arie sei „ein Stück aus einer Opera“. Ein Rezitativ ist gesangsnahe, sprachbetonte Musik; eine Arie ist ein stärker melodisch ausgearbeiteter Gesangssatz. Im Harmonischen Gottesdienst richtete Telemann Kirchenmusik auch auf private Andacht aus. Textausdeutung, affektbetonte Arien und unterschiedliche Choralsätze sind zentrale Merkmale. Die reguläre Hamburger Kirchenmusik war im Wesentlichen für vier Vokalsolisten, etwa elf Streicher und drei Holzbläser vorgesehen.

Die weltlichen Vokalwerke umfassen Opern, Festmusiken, Serenaden, Kantaten, Oden, Kanons und Lieder. In Opern dominierte die italienische Da-capo-Arie, doch Telemann nutzte auch französische Einflüsse und unterschiedliche Sprachen. Pimpinone oder Die ungleiche Heirat, TVWV 21:15, verwendet unter anderem Registerwechsel, Synkopen und schnelle Zweiunddreißigstel-Ketten für komische Wirkungen. Späte weltliche Werke sind Die Tageszeiten, TVWV 20:39 (1757), und Ino, TVWV 20:41 (1765). Seine Lieder und Übungen dienten auch dem Musizieren zu Hause. Pädagogisch setzte Telemann eher auf Nachahmung durch Kompositionen als auf Regelbücher; Singen galt ihm als Grundlage des Musizierens.

Wirkung und spätere Bewertung

Zu Lebzeiten war Telemann weit über Deutschland hinaus berühmt. Bestellungen, Einladungen und Aufträge kamen unter anderem aus Frankreich, Italien, Dänemark, England, dem Baltikum und Russland. Seine geistliche Musik wurde in vielen deutschen Gemeinden und teilweise im Ausland aufgeführt. Er beeinflusste Komponisten wie Christoph Graupner, Johann Georg Pisendel, Carl Heinrich Graun, Johann Friedrich Fasch und Johann Joachim Quantz. Carl Philipp Emanuel Bach studierte und spielte seine Werke; Georg Friedrich Händel verwendete später oft Themen Telemanns. Außerdem förderte Telemann in Hamburg ein regelmäßiges öffentliches Konzertleben außerhalb von Kirche und Hof.

Nach seinem Tod nahm die Wertschätzung stark ab. Im 19. Jahrhundert wurde seine große Produktivität oft pauschal als Zeichen geringerer Qualität bewertet; Johann Sebastian Bach diente dabei häufig als einseitiger Maßstab. Telemann wurde als „Polygraph“ und bloßer Vielschreiber abgewertet, obwohl viele Urteile auf geringer Werkkenntnis beruhten.

Seit dem späten 19. Jahrhundert setzte eine wissenschaftlichere Neubewertung ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die methodische Erforschung des Gesamtwerks; seit 1953 erschienen Werkausgaben. Forschungseinrichtungen, Telemann-Festtage in Magdeburg und zahlreiche Einspielungen trugen zur Wiederentdeckung bei. Die systematische Erforschung ist wegen des Umfangs des Gesamtwerks weiterhin nicht abgeschlossen.

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