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Ijob
Ijob oder Hiob (auch Job; hebräisch אִיּוֹב ʾIjjôḇ, altgriechisch Ἰώβ Iṓb, lateinisch Iob, arabisch أَيُّوب ʾAyyūb) bezeichnet eine biblische Person, …
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Buch und Grundthema
Ijob oder Hiob (auch Job; hebräisch אִיּוֹב) ist eine biblische Gestalt, ein „Gerechter aus dem Land Uz“, und der Name eines Buches des Tanach. Im Tanach gehört das Buch zu den Ketuvim (Schriften), dort zu den poetischen Büchern; im christlichen Alten Testament zählt es zur Weisheitsliteratur.
Zentral ist die Krise des Tun-Ergehen-Zusammenhangs. Dieser besagt: Wer gerecht handelt, dem geht es gut; wer böse handelt, wird bestraft. Das Ijobbuch stellt diese Vorstellung infrage, weil ein schuldloser und frommer Mensch schwer leidet. Damit behandelt es die Theodizeefrage: Wie kann ein gerechter, allmächtiger und gütiger Gott zulassen, dass guten Menschen Böses widerfährt? Von den Unglücksnachrichten, die Ijob nacheinander erreichen, stammt der Ausdruck „Hiobsbotschaft“.
Aufbau und Rahmenhandlung
Das Buch besteht aus Prolog (Kapitel 1–2), Dialogteil (3–42,6) und Epilog (42,7–17). Prolog und Epilog sind Prosa und bilden die Rahmenhandlung; die Reden im Mittelteil stehen in Versform.
Ijob lebt mit seiner Frau und zehn Kindern als wohlhabender, frommer Mann im Land Uz. Er besitzt 11.000 Tiere – Kamele, Schafe, Rinder und Esel – sowie zahlreiche Knechte und Mägde. Gott beschreibt ihn als untadelig, rechtschaffen, gottesfürchtig und das Böse meidend. Der Satan, hier ein Ankläger, bezweifelt jedoch, dass Ijob Gott ohne Eigennutz fürchtet. Gott erlaubt ihm zunächst, Ijobs Besitz anzutasten: Ijob verliert seinen Reichtum und seine zehn Kinder. Danach darf der Satan ihn mit einem bösartigen Geschwür „von der Fußsohle bis zum Scheitel“ schlagen, ihn aber nicht töten.
Ijob verflucht Gott nicht. Auch als seine Frau ihn dazu auffordert, sagt er: „Nehmen wir das Gute an von Gott, sollen wir dann nicht auch das Böse annehmen?“ Im Epilog urteilt Gott gegen die drei Freunde, rechtfertigt Ijob und stellt sein Glück wieder her. Ijob erhält den doppelten früheren Besitz sowie sieben Söhne und drei Töchter: Jemima, Kezia und Keren-Happuch.
Reden und Gottesantwort
Der Dialogteil beginnt mit Ijobs Klage in Kapitel 3. Er hält sich nicht für schuldig, beklagt sein Leiden und fordert Gott heraus. Danach sprechen seine drei Freunde Elifas, Bildad und Zofar: Elifas dreimal, Bildad dreimal und Zofar zweimal. Sie vertreten die traditionelle Weisheitslehre, nach der Leiden die Folge eigener Schuld sein müsse. Deshalb drängen sie Ijob zu einem Schuldbekenntnis. Ijob weist dies zurück. Die Gespräche verschärfen sich, bis die Beteiligten aneinander vorbeireden und die Freunde ihm nicht weiterhelfen können.
In Kapitel 32–37 hält Elihu, ein zuvor nicht genannter vierter Redner, vier Reden. Er betont Gottes Allmacht und Größe. Für ihn darf der Mensch Gottes Handeln nicht beurteilen; zugleich lenkt er die Frage vom Grund auf den Zweck des Leidens. Leid kann nach dieser Sicht erzieherisch sein.
In Kapitel 38–41 antwortet Gott selbst aus einem Gewitter. Er erklärt Ijobs Leiden nicht direkt und bestätigt auch nicht die Schuldvermutung der Freunde. Stattdessen verweist er mit rhetorischen Fragen auf Schöpfung, Naturgewalten, Wasserkreislauf, Tiere, Leviathan und Behemoth. Ijob erkennt, dass er über Dinge geurteilt hat, die sein Wissen übersteigen, und stellt seine Klage ein. Gott anerkennt schließlich, dass Ijob entgegen den Behauptungen seiner Freunde schuldlos gelitten hat.
Deutungen des Leidens
Die Rahmenhandlung deutet an: Gott verursacht das Leiden nicht aus eigener Initiative, sondern lässt dem Ankläger begrenzt zu, Ijob zu prüfen. Damit soll sich zeigen, dass Ijob Gott nicht nur wegen seines Wohlstands dient. Das Leiden wird so als Bewährung seiner Uneigennützigkeit verstanden.
Die Freunde bieten mehrere Erklärungen an: Leiden sei Strafe für individuelle Schuld und solle zur Umkehr führen; es gehöre unabhängig vom Verhalten zum Menschsein; es sei eine pädagogische Zurechtweisung; oder es sei eine Bewährungsprobe für Gerechte. Die Gottesreden greifen keines dieser Muster ausdrücklich auf. Indem Gott die Annahme einer Schuld Ijobs nicht bestätigt und die Freunde im Epilog verurteilt, wird besonders die einfache Gleichsetzung von Unglück und persönlicher Schuld zurückgewiesen.
Auch für das Verhalten im Leid gibt das Buch keine bloße Aufforderung zum stillen Erdulden. Die Rahmenerzählung zeigt Ijob zunächst als geduldigen Frommen. Der Redeteil legitimiert aber seine Klage und Anklage: Gott erklärt seine Rede im Gegensatz zu der der Freunde für „recht“. Die Haltung der Freunde scheitert, weil belehrendes Reden über Gott beim konkreten Leiden eines Menschen ohne Mitgefühl sein kann. Ijob sucht dagegen die persönliche Auseinandersetzung mit Gott. Das Buch beantwortet die Theodizeefrage daher nicht mit einer einfachen Ursache, sondern verweist auf die für Menschen nicht vollständig durchschaubare Schöpfung.
Entstehung und Einordnung
Das Buch ähnelt altorientalischen und antiken Texten wie dem Sumerischen Ijob (um 2000 v. d. Z.), dem Babylonischen Ijob (um 1200 v. d. Z.) und der Babylonischen Theodizee (um 1000–800 v. d. Z.). Direkte literarische Abhängigkeiten sind nicht nachgewiesen. Die Ähnlichkeiten betreffen vor allem Klagen leidender Gerechter, Streitgespräche und Fragen nach göttlicher Ordnung.
In der Bibelwissenschaft gilt Ijob meist nicht als historische Person, sondern als bewusst gestaltete sagenhafte Figur. Das Land Uz lässt sich nicht sicher lokalisieren. Die Unterschiede zwischen Prosa-Rahmen und poetischem Redeteil sprechen für verschiedene Autoren und einen längeren Wachstumsprozess. Die Rahmenerzählung verwendet JHWH 23-mal und Elohim 11-mal und zeichnet Ijob als Nomadenscheich. Der Redeteil verwendet vor allem El, Eloah und Schaddaj, zusammen 127-mal, JHWH nur sechsmal, und schildert Ijob eher als Angehörigen der städtischen Oberschicht. Die Elihu-Reden gelten meist als spätere Ergänzung.
Die älteste Grundschicht der Rahmenerzählung kann vorexilisch sein, wird aber meist in die frühe Zeit nach dem Babylonischen Exil (586–539 v. d. Z.) datiert. Insgesamt wird die Entstehung von legendarischen Anfängen bis zur Schlussredaktion auf 500 bis 100 v. d. Z. angesetzt.