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I Have a Dream
I Have a Dream (engl. für Ich habe einen Traum) ist der Titel einer berühmt gewordenen Rede von Martin Luther King, die er am 28. August 1963 beim Marsch …
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Kernaussage und Bedeutung
„I Have a Dream“ ist eine berühmte Rede des US-amerikanischen Bürgerrechtlers Martin Luther King. Er hielt sie am 28. August 1963 beim Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit vor mehr als 250.000 Menschen am Lincoln Memorial in Washington, D.C.
Die Rede bündelte zentrale Forderungen der damaligen Bürgerrechtsbewegung: Afroamerikaner sollten sozial, wirtschaftlich, politisch und rechtlich vollständig gleichgestellt werden. King stellte der von Rassentrennung und Rassismus geprägten Wirklichkeit eine Zukunftsvision gegenüber. Seine Hoffnung war, dass die gesellschaftliche Realität der Vereinigten Staaten künftig mit dem Gleichheitsgrundsatz ihrer Verfassung übereinstimmen würde.
Die Rede verkörpert Kings Verständnis des American Dream, also des amerikanischen Traums von Freiheit, Gleichheit und gesellschaftlichen Chancen. King zeigte jedoch, dass dieser Traum für die afroamerikanische Bevölkerung noch nicht verwirklicht war. Der wiederholte Satz „I have a dream“ wurde zum bekanntesten Bestandteil und schließlich zum Titel der Rede. Sie gilt als Kings meistzitierte Rede.
Historischer Anlass und Entstehung
Im Mai 1963 erreichte die Bürgerrechtsbewegung unter Kings Führung in Birmingham im Bundesstaat Alabama die Aufhebung der städtischen Rassentrennungsverordnung. Am 11. Juni kündigte Präsident John F. Kennedy in einer Fernsehansprache ein neues Bürgerrechtsgesetz an, das die Rassentrennung in den gesamten Vereinigten Staaten abschaffen sollte. Bereits am 12. Juni ermordeten weiße Rassisten Medgar Evers, den Leiter der National Association for the Advancement of Colored People (NAACP).
Sechs führende Bürgerrechtsorganisationen beschlossen daraufhin, den Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit zu veranstalten, um dem geplanten Civil Rights Act besonders in den Südstaaten zum Durchbruch zu verhelfen. Mit rund 250.000 Teilnehmern aus allen Teilen des Landes, darunter etwa ein Drittel Weiße, wurde er zur bis dahin größten Massendemonstration der USA und zu einem Höhepunkt der Bürgerrechtsbewegung. Die friedliche Demonstration verlangte vollständige Gleichberechtigung in allen Gesellschaftsbereichen.
King war Vorsitzender der Southern Christian Leadership Conference (SCLC) und als letzter Redner vorgesehen. Der Mitveranstalter Asa Philip Randolph stellte ihn als „moralischen Anführer der Nation“ vor. King hatte seinen handschriftlichen Entwurf in der Nacht zuvor fertiggestellt. Sein Freund und Berater Wyatt Walker hatte ihm davon abgeraten, die Formulierung „Ich habe einen Traum“ zu verwenden, weil sie klischeehaft und abgenutzt sei. Die entsprechende Passage fehlte deshalb in der gedruckten Erstfassung; auch am Veranstaltungstag änderte King noch zahlreiche Stellen.
Zu Beginn sprach King wegen der Hitze und der Erschöpfung vieler Zuhörer langsam und hielt sich eng an das Manuskript. Vor dem Schluss rief ihm die zuvor aufgetretene Gospel-Sängerin Mahalia Jackson zweimal zu: „Erzähl ihnen von dem Traum, Martin!“ Daraufhin legte King das Manuskript beiseite und improvisierte die berühmten Schlusspassagen, beginnend mit „Ich habe einen Traum“.
Aufbau und rhetorische Mittel
Die Rede gilt als Meisterwerk der Rhetorik. Eine Allusion ist eine erkennbare Anspielung auf einen bekannten Text. King verwendete zahlreiche solcher Anspielungen, unter anderem auf die Bibel, die Unabhängigkeitserklärung, die US-Verfassung, die Nationalhymne, William Shakespeares Drama „Richard III.“ sowie auf Abraham Lincolns Emanzipationsproklamation und Gettysburg Address. Er setzte voraus, dass viele Zuhörer diese Texte kannten.
Kings Vortragsweise erinnerte an eine baptistische Predigt. Besonders in afroamerikanischen Kirchen sind Predigten oft dialogisch: Die Gemeinde reagiert mit feststehenden Zwischenrufen wie „my Lord“ oder „oh yeah“. Auch Kings überwiegend schwarzes Publikum antwortete auf diese Weise. Wiederkehrende, rhythmisch vorgetragene Formeln verstärkten die Wirkung und vermittelten zugleich die inhaltliche Botschaft.
Ein besonders wichtiges Stilmittel war die Anapher, also die Wiederholung derselben Wörter am Anfang aufeinanderfolgender Satzteile. King erinnerte zunächst an die Emanzipationsproklamation von 1863 und stellte anschließend fest: „But one hundred years later, the Negro still is not free“ („Doch einhundert Jahre später ist der Neger noch immer nicht frei“). Die Formel „one hundred years later“ wiederholte er danach noch dreimal. Weitere anaphorische Formeln waren „now is the time“, „I have a dream“, „let freedom ring“ und „free at last“.
Daneben verwendete King Antithesen, also Gegenüberstellungen von Gegensätzen, Metaphern als bildhafte Übertragungen, Periphrasen als umschreibende Ausdrücke und Anadiplosen, bei denen das Ende eines Satzteils am Anfang des nächsten wiederholt wird. Das Zusammenspiel aus bekannten Bezügen, Wiederholungen, Rhythmus, freiem Vortrag und Publikumsreaktionen machte die Rede besonders eindringlich.
Politische und historische Einordnung
In den Tagen nach dem Marsch reagierte die Presse positiv; Kings Rede galt allgemein als Höhepunkt der Veranstaltung. Das FBI bewertete King und seine Verbündeten dagegen als subversiv. Es beschloss, das gegen politische Gruppen gerichtete COINTELPRO-Programm auf die SCLC auszuweiten und King als Hauptfeind der Vereinigten Staaten zu behandeln. Der COINTELPRO-Leiter William C. Sullivan bezeichnete ihn zwei Tage nach der Rede wegen seines Einflusses auf große Menschenmengen als den „gefährlichsten Neger der Zukunft in dieser Nation“.
Wegen ihrer kulturellen und historischen Bedeutung wurde die Rede am 27. Januar 2003 in die National Recording Registry der Library of Congress aufgenommen. Die Historikerin Jacquelyn Dowd Hall weist jedoch auf eine Verkürzung der Erinnerung hin: Die Darstellung der Bürgerrechtsbewegung der 1960er Jahre mit „I Have a Dream“ als Höhepunkt präge das heutige Bild Kings so stark, dass andere Teile seiner Arbeit oft übersehen würden. Dazu gehörten sein Kampf gegen Rassismus im Norden der USA, sein Widerstand gegen den Vietnamkrieg und die Poor People’s Campaign für gewerkschaftliche Rechte.
Überlieferung, Urheberrecht und Weiterverwendung
Die Rede wurde im Radio übertragen; der Mitschnitt ist ihre am weitesten verbreitete Überlieferungsform. Eine Transkription erschien erst 1983 in der „Washington Post“. Nach Ansicht von Alexandra Alvarez verfälscht die Schriftfassung die Rede, weil lautliche und poetische Merkmale sowie die Reaktionen des Publikums darin verloren gehen.
King meldete einen Monat nach der Rede ein Copyright auf den Mitschnitt an. Später ging die Rechteverwaltung des Martin Luther King Jr. Center for Nonviolent Social Change gegen unerlaubte Nutzungen vor. Kings Nachfahren verklagten unter anderem 1987 den Produzenten Henry Hampton wegen der Verwendung in der Dokumentation „Eyes on the Prize“, außerdem „USA Today“ wegen eines Nachdrucks und die BBC wegen des Vertriebs eines eigenen Videomitschnitts.
Das Vorgehen führte zu einem Streit über den urheberrechtlichen Status öffentlicher Reden. Umstritten war auch, dass Journalisten eine Verwendung untersagt wurde, während Lizenzen für Werbung vergeben wurden, und dass King selbst Zitate und Metaphern Dritter eingebaut hatte. Zunächst bekamen die beklagten Journalisten vor Gericht Recht. Nach einer Berufung entschied ein Richter 1999 jedoch, die Rede sei eine schützenswerte Darbietung vor einem ausgewählten Publikum und kein Allgemeingut. Der Schutz gilt bis 70 Jahre nach Kings Tod, also bis 2038.
2009 übertrug das King Center die Rechteverwaltung für eine unbekannte Summe an EMI Publishing. Für den Film „Selma“ musste die Rede paraphrasiert werden, um einen Rechtsstreit zu vermeiden. Auch die Popmusik griff sie auf: DJ Quicksilver veröffentlichte 1996 die Dance-Single „I Have a Dream“, die den berühmten Satz aus Kings Rede als Sample verwendet.