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Appell (Kommunikation)
In dem Vier-Seiten-Modell (auch „Kommunikationsquadrat“ oder „Vier-Ohren-Modell“) der Kommunikation von Friedemann Schulz von Thun ist der Appell eine Ebene …
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Bedeutung des Appells
Ein Appell ist in Linguistik und Psychologie eine Funktion zwischenmenschlicher Kommunikation. Er soll Menschen zu einem Handeln oder Nichthandeln bewegen, also ihr Verhalten oder ihre Einstellung beeinflussen. Appelle können verbal oder nonverbal sowie als analoge oder digitale Botschaften erfolgen. Ein situativ eindeutiger nonverbaler Appell ist etwa das Winken eines Hilfesuchenden mit dem Arm.
Arten und Formen
Man unterscheidet drei Arten:
- Der rationale Appell betont Nutzen oder Vorteile für die Adressaten, etwa Produktqualität oder Wirtschaftlichkeit.
- Der emotionale Appell erzeugt positive Gefühle wie Freude, Stolz oder Humor oder negative Gefühle wie Angst und Schuldgefühl.
- Der moralische Appell soll Einsicht, Verständnis oder Kooperationsbereitschaft fördern und Gerechtigkeitsgefühl oder Hilfsbereitschaft wecken.
Die Einteilung geht auf Aristoteles zurück. Er bezeichnete die entsprechenden rhetorischen Überzeugungsmittel in der Rhetorik als „Logos“, „Pathos“ und „Ethos“. Solche Appelle spielen häufig auch in der politischen Kommunikation eine Rolle.
Appellfunktion in Sprache und Texten
Nach Karl Bühler gehört die Appellfunktion im Organon-Modell zu den Axiomen der Sprachwissenschaft. Ein Appell richtet sich an einen oder mehrere Empfänger und soll eine Einstellungs- oder Verhaltensänderung bewirken. Er kann offen oder verdeckt formuliert sein.
Typische Formen sind Aufforderung, Bitte, Befehl und Überredung. Die appellative Textfunktion dominiert besonders in Textklassen wie der Werbung.
Appell als Seite einer Mitteilung
Im Vier-Seiten-Modell, auch Kommunikationsquadrat oder Vier-Ohren-Modell, von Friedemann Schulz von Thun ist der Appell eine von vier Ebenen jeder Mitteilung. Beim Hören ist er einer von vier Aspekten, auf die ein Empfänger achten kann. Die Ebenen können sich überlagern: Inhaltsaspekt oder Handlungsaufforderung können beispielsweise hinter mitschwingenden Emotionen zurücktreten.
Ein Appell kann abgelehnt werden, obwohl er inhaltlich berechtigt ist, wenn die Beziehung zwischen Sender und Empfänger seine Befolgung nicht zulässt. Das kann etwa der Fall sein, wenn der Empfänger seine Freiheit oder Ehre verletzt sieht. Von Thun beschreibt diese komplexe Abwehrreaktion als Reaktanz. Außerdem können Appelle keine „tiefgreifenden“ Veränderungen herbeiführen; bei gut gemeinten Ratschlägen, etwa einem Freund zum Rauchstopp zu raten, seien sie in den meisten Fällen sogar schädlich.
Literaturwissenschaftliche Betrachtung
Die literaturwissenschaftliche Beschäftigung mit der Appellfunktion von Texten beginnt in jüngerer Zeit mit Roman Jakobsons Textfunktionslehre. Sie wird in Wolfgang Isers Wirkungsästhetik ausdrücklich weitergeführt.