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Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit

Der Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit (kurz Marsch auf Washington, englisch March on Washington for Jobs and Freedom) war eine politische …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kern und Bedeutung
  2. 2. Entstehung und Organisation
  3. 3. Ablauf und Forderungen
  4. 4. Folgen und spätere Bezüge
  5. 5. Kritik und Einwände

Kern und Bedeutung

Der Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit war eine politische Demonstration am 28. August 1963 in Washington, D.C. Er gilt zusammen mit dem Civil Rights Act und der Verleihung des Friedensnobelpreises an Martin Luther King im Jahr 1964 als einer der Höhepunkte der Bürgerrechtsbewegung in den USA. Bis zu 250.000 Menschen versammelten sich vor dem Lincoln Memorial und forderten ein Ende der Rassendiskriminierung in den Vereinigten Staaten.

Die Demonstration verband politische und wirtschaftliche Ziele. Schon der Titel machte deutlich, dass es nicht nur um Bürgerrechte, sondern auch um Arbeit und soziale Gleichstellung ging. Weltweit bekannt wurde die Veranstaltung vor allem durch Martin Luther Kings Rede „I Have a Dream“, in der er seine Vision einer Gesellschaft ohne rassistische Trennung formulierte.

Entstehung und Organisation

Die Idee eines Marsches auf Washington war älter als die Veranstaltung von 1963. Bereits 1941 planten Asa Philip Randolph, Bayard Rustin und Abraham J. Muste einen solchen Marsch, um auf die schwierige wirtschaftliche Lage schwarzer Arbeiter in den USA aufmerksam zu machen. Präsident Franklin D. Roosevelt reagierte damals mit dem Fair Employment Act, sodass der Marsch nicht stattfand.

1962 griff Randolph den Plan wieder auf. Zunächst stieß er bei Roy Wilkins von der NAACP, Whitney Young von der National Urban League und Martin Luther King auf wenig Zustimmung. King hatte jedoch 1957 an der Organisation der „Prayer Pilgrimage for Freedom“ nach Washington mitgewirkt, bei der 25.000 Menschen an das dreijährige Jubiläum der Gerichtsentscheidung Brown v. Board of Education erinnert hatten. Später unterstützte King Randolphs Idee. Auch Wilkins ließ sich überzeugen, damit die NAACP nicht von anderen Bürgerrechtsorganisationen isoliert blieb.

Anna Arnold Hedgeman setzte sich dafür ein, zwei zunächst getrennt geplante Märsche zusammenzuführen. Im Juni 1963 wurde der Termin auf einen Mittwoch gelegt, damit Juden und christliche Seelsorger teilnehmen konnten, ohne gegen religiöse Verpflichtungen zu verstoßen. Randolph wurde Direktor der Vorbereitungsgruppe, Bayard Rustin sein Stellvertreter.

Getragen wurde der Marsch unter anderem vom Congress of Racial Equality, dem Student Nonviolent Coordinating Committee, der Southern Christian Leadership Conference, der NAACP und der National Urban League. Weitere Unterstützer waren unter anderem der National Council of Churches, der American Jewish Congress, das National Community Relations Advisory Council und die United Auto Workers. Präsident John F. Kennedy war zunächst wegen der öffentlichen Sicherheit besorgt, unterstützte das Vorhaben aber durch seine Bürgerrechtspolitik, verfolgte die Veranstaltung im Fernsehen und empfing danach die Redner.

Die Organisation einer solchen Massenkundgebung erforderte genaue Planung: Anreise, Sicherheit, medizinische Versorgung, sanitäre Einrichtungen, Öffentlichkeitsarbeit und Finanzierung mussten koordiniert werden. Um eine stark sichtbare Präsenz weißer Polizisten zu vermeiden, wurden Ordner aus den Reihen der afroamerikanischen Teilnehmer ausgebildet.

Ablauf und Forderungen

Der Marsch fand einhundert Jahre nach der Emanzipations-Proklamation Abraham Lincolns statt, die die Sklaverei in den amerikanischen Südstaaten abgeschafft hatte. Mehr als 200.000 schwarze und weiße Menschen kamen zu einem friedlichen Protest nach Washington. Viele reisten am Vorabend mit Sonderzügen und Sonderbussen aus dem ganzen Land an. Gegen Mittag waren es bis zu 250.000 Personen; etwa zwanzig Prozent davon waren Schätzungen zufolge Weiße.

Der Demonstrationsweg führte nicht, wie ursprünglich geplant, zum Kapitol, sondern auf Wunsch der Behörden vom Washington Monument zum Lincoln Memorial. Um zu verhindern, dass einzelne Gruppen die Veranstaltung für Selbstdarstellung nutzten, wurden einheitliche Slogans und Transparente verwendet. Die Ziele des Marsches wurden in einem offiziellen Katalog mit zehn Forderungen zusammengefasst. Diese Forderungen unterstützten John F. Kennedys Bürgerrechtspolitik und sollten von zehn Rednern in jeweils fünf Minuten vorgestellt werden.

Nicht alle wichtigen Bürgerrechtler konnten teilnehmen. James Farmer war in Haft; seine Botschaft wurde von Floyd McKissick verlesen. W. E. B. Du Bois war einen Tag zuvor in Ghana gestorben. Die Witwe des kurz zuvor ermordeten Medgar Evers erinnerte an die Leistungen von Bürgerrechtlerinnen wie Daisy Bates, Diane Nash und Rosa Parks.

Martin Luther Kings Rede wurde von Randolph an das Ende des Programms gesetzt, damit King mehr Redezeit erhalten konnte. Randolph bezeichnete ihn als den „moralischen Führer der Nation“. Die Rede wurde unter dem Titel „I Have a Dream“ weltberühmt.

Neben den Rednern traten Musikerinnen und Musiker auf, darunter Joan Baez, Bob Dylan, Odetta Holmes, Mahalia Jackson, der Eva Jessye Choir, Peter, Paul and Mary und Marian Anderson. Auch Harry Belafonte und andere Prominente nahmen teil. Der orthodoxe Rabbiner Uri Miller sprach ein Gebet, der baptistische Pastor Benjamin Mays beendete die Kundgebung mit einem Segen. Durch die Veranstaltung führten Ruby Dee und Ossie Davis.

Folgen und spätere Bezüge

Der Marsch auf Washington wurde über den Satelliten Telstar weltweit im Fernsehen übertragen. US-amerikanische Fernsehsender berichteten live aus Washington. Unmittelbare politische Veränderungen brachte die Demonstration nicht, sie hatte aber eine große symbolische Bedeutung und löste in den USA und Europa ein starkes Medienecho aus.

Im weiteren Sinne trug der Marsch zur Durchsetzung des Civil Rights Act von 1964 und des Voting Rights Act von 1965 bei. Diese Gesetze wurden unter Kennedys Nachfolger Lyndon B. Johnson verwirklicht. Der Civil Rights Act richtete sich gegen Diskriminierung, der Voting Rights Act gegen Einschränkungen des Wahlrechts.

Der Marsch wurde später selbst zum Vorbild, etwa für den Millionen-Mann-Marsch von 1995. Vierzig Jahre nach der Demonstration fand 2003 am selben Ort eine Gedenkveranstaltung mit mehreren Tausend Teilnehmern statt, darunter Martin Luther King III und Coretta Scott King. Barack Obama schmückte 2010 das Oval Office mit einer Büste Martin Luther Kings und einem gerahmten Programm des Marsches auf Washington.

Am 28. August 2020, dem 57. Jahrestag der Kundgebung, gab es eine Neuauflage des Marsches. Das Motto lautete „Nehmt euer Knie von unseren Hälsen“ beziehungsweise „Get your knee off our necks“. Die Kundgebung stand im Zusammenhang mit Polizeigewalt und den Protesten nach dem Tod von George Floyd. Zehntausende Menschen forderten nach einem Sommer der Proteste gegen systemischen Rassismus und Polizeigewalt eine Strafrechtsreform und eine Wahlrechtsreform. Martin Luther King III forderte „echten, dauerhaften, strukturellen Wandel“. Kings Enkelin Yolanda Renee sagte, ihre Generation werde systemischen Rassismus „ein für alle Mal“ beenden.

Kritik und Einwände

Der Marsch wurde nicht nur von weißen Segregationisten kritisiert, also von Anhängern der Rassentrennung. Auch innerhalb der Bürgerrechtsbewegung gab es Einwände. Kritisiert wurden die Zusammenarbeit zwischen Staat und Veranstaltern sowie die starke Bereitschaft zu Integration und Kompromiss.

Ein Vorwurf lautete, Martin Luther King habe keinen konkreten Weg gezeigt, wie sein „Traum“ Wirklichkeit werden könne. Außerdem seien die wirtschaftlichen Forderungen der Demonstration in den Hintergrund geraten. Radikalere Afroamerikaner teilten Kings Vision einer Gesellschaft nicht, in der Schwarze und Weiße unabhängig von der Hautfarbe zu einem gemeinsamen Gemeinwesen zusammenfinden.

Malcolm X, damals Mitglied der „Nation of Islam“, griff den Marsch im November 1963 in seiner Rede „Message to the Grass Roots“ an. Er kritisierte die Teilnahme von Weißen sowie jüdischen und christlichen Geistlichen und sah darin einen Verlust schwarzer Militanz. Der Marsch sei zu einem „Zirkus“ und einem „Picknick“ geworden. Er verglich ihn mit starkem schwarzem Kaffee, der durch weiße Milch verdünnt und geschwächt worden sei. In Anspielung auf Kings Rede sagte er, er sehe einen „amerikanischen Alptraum“.

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