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IKEA
IKEA leugnete in der Sendung, dass in Belarus produziert würde, und berief sich auf die strengen ethischen Firmengrundsätze. Die ARD stellte diese als …
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Profil und Geschäftsmodell
IKEA ist ein multinationaler Einrichtungskonzern für Möbel und Innenausstattung, Einzelhandel, Produktion und Gastronomie. Das Unternehmen wurde 1943 vom damals 17-jährigen Ingvar Kamprad in Schweden gegründet. Der Name IKEA setzt sich aus den Anfangsbuchstaben von Ingvar Kamprad, dem elterlichen Bauernhof Elmtaryd und dem Dorf Agunnaryd zusammen.
Das Geschäftsmodell verbindet funktionelle, meist skandinavisch geprägte Gestaltung mit vergleichsweise niedrigen Preisen. Möbel werden überwiegend als Bausätze verkauft. Die Kunden übernehmen Transport und Montage selbst; dadurch werden Versand- und Montagekosten gesenkt. IKEA verkauft Möbel nicht nur als einzelne Gegenstände, sondern zeigt sie in Katalogen und Einrichtungshäusern als Bestandteile vollständig eingerichteter Räume. Dieses Prinzip beeinflusst sowohl die Produktgestaltung als auch die Werbung und die Wegeführung in den Märkten.
Zum Stand 17. Oktober 2022 gehörten zur Branche Möbel und Innenausstattung, Einzelhandel und Produktion sowie Gastronomie. IKEA hatte 231.000 Mitarbeitende und erzielte 2022 einen Umsatz von 44,6 Mrd. Euro. CEO war Jesper Brodin. Die Eigentümerstruktur ist stiftungsbasiert und international gegliedert.
Von der Versandfirma zum Weltkonzern
Anfangs verkaufte IKEA verschiedene Konsumgüter wie Kugelschreiber, Brieftaschen, Bilderrahmen, Tischdecken, Uhren, Streichhölzer, Schmuck, Nylonstrümpfe und Postkarten. 1947 begann der Möbelversand, zunächst besonders für Bauern in Småland. 1951 erschien der erste IKEA-Katalog; danach konzentrierte sich das Unternehmen ausschließlich auf Möbel. Ab 1955 bot IKEA eigene Entwürfe an, ab 1956 wurden die Möbel zur Kostensenkung als Bausätze verschickt.
Am 30. Oktober 1958 eröffnete in Älmhult das erste IKEA-Möbelhaus. Der Selbsttransport durch die Kunden wurde zu einem wichtigen Bestandteil des Konzepts. Auf Anregung Kamprads gab es von Anfang an Restaurants in den Warenhäusern. Daraus entstand IKEA Food Service; zusätzlich gibt es den „Schweden Shop“ mit Lebensmitteln. Die Speisen orientieren sich an schwedischen Nationalgerichten, werden aber an einzelne Länder angepasst.
Als die etablierte schwedische Möbelindustrie Anfang der 1960er Jahre zum Boykott aufrief und Zulieferer unter Druck setzte, verlagerte IKEA einen Teil der Produktion nach Polen. 1963 eröffnete das Unternehmen sein erstes Möbelhaus außerhalb Schwedens im norwegischen Asker. Nach einem großen Kundenansturm 1965 in Kungens kurva bei Stockholm wurden die Lager für Kunden geöffnet; bis heute sind Lager zugleich Verkaufsräume.
In den 1970er Jahren stellte IKEA Möbel als Mode- und Verbrauchsgegenstände dar. Wegen Qualitätsproblemen automatisierte das Unternehmen die Produktion stärker und verbesserte die Vollständigkeit der Packungen. 1973 führte die Inflation und Ölkrise zu einer schweren Krise. IKEA hielt dennoch an einer Preisgarantie für das gesamte Katalogjahr fest und nutzte unter anderem nicht öffentlich erkennbare Kennzeichnungen sowie Preisanpassungen außerhalb des Katalogsortiments.
1994 entstand ein großer Imageschaden, nachdem Kamprads finanzielle Unterstützung einer nationalsozialistischen Organisation bis 1945 bekannt geworden war. Er entschuldigte sich und bezeichnete dies als „größte Dummheit meines Lebens“. 2018 kündigte IKEA Investitionen in neue Warenhäuser und in das Onlinegeschäft an. Ende Oktober 2020 eröffnete in Eskilstuna die erste Second-Hand-Filiale als Teil des angestrebten Wechsels zu einer „Circular Economy“, also einer Kreislaufwirtschaft mit geringerem Verbrauch neuer Ressourcen. Im Mai 2026 wurden im Rahmen einer internationalen Restrukturierung mindestens 250 Arbeitsplätze in Dortmund angekündigt; interne Angaben nannten bis zu rund 350 Betroffene. Aufgaben sollen teilweise, unter anderem nach Warschau, verlagert werden.
Konzernstruktur und internationale Organisation
Die Stichting INGKA Foundation mit Sitz in den Niederlanden ist Eigentümerin des IKEA-Konzerns. Sie ist als gemeinnützige Stiftung registriert, dadurch vor Übernahmen geschützt und steuerlich begünstigt. Ihr Wert wurde mit 36 Milliarden US-Dollar angegeben. Die INGKA Holding B.V. ist die Muttergesellschaft der Unternehmen von Zulieferern bis zu den Verkaufsgesellschaften.
Die Inter IKEA Group verbindet die Franchisenehmer mit Sortimentsentwicklung und Lieferanten und bestimmt die strategische Ausrichtung. Inter IKEA Systems B.V. in Delft besitzt die Markenrechte und das IKEA-Konzept und ist weltweiter Franchisegeber. Dafür erhält sie 3 % des Umsatzes der Einrichtungshäuser. Eigentümerin der Inter IKEA ist die von der Familie Kamprad kontrollierte Interogo Foundation in Vaduz. Ihr Vermögen wurde im Januar 2011 auf rund 11 Milliarden Euro geschätzt.
Weitere wichtige Bereiche sind IKEA of Sweden für die Produktentwicklung, IKEA Catalogue Production in Älmhult, die Produktionsgruppe Swedwood sowie IKEA Food Services. Swedwood betrieb 36 Fabriken und Sägewerke in neun Ländern und beschäftigte mehr als 14.000 Menschen. Die Ikano Bank gehört nicht zum IKEA-Konzern, hat aber mit der Familie Kamprad dieselben Hauptanteilseigner und finanziert unter anderem Verbraucherkredite.
Die INGKA Holding wies laut Dagens Industri zwischen Anfang 2000 und Ende 2008 einen Gewinn von 20 Milliarden Euro vor Steuern aus. Für den 31. August 2010 wurden 2,7 Milliarden Euro Jahresgewinn und 23,1 Milliarden Euro Umsatz genannt; 2012 betrug der Umsatz 27 Milliarden Euro und die Beschäftigtenzahl rund 139.000 in 44 Ländern beziehungsweise Hoheitsgebieten.
Märkte, Einkauf und Logistik
Deutschland ist der wichtigste Markt. Das erste deutsche IKEA-Möbelhaus eröffnete am 17. Oktober 1974 in Eching bei München. 2012 gab es 46 Häuser, im August 2015 das 50. und am 24. September 2020 in Karlsruhe das 54. Einrichtungshaus. 2010/2011 wurden in Deutschland 3,65 Milliarden Euro umgesetzt, entsprechend 15 % des Gesamtumsatzes. Die deutsche IKEA-Klausel von 2002 erlaubt Beanstandungen, wenn ein Produkt wegen einer fehlerhaften Montageanleitung falsch aufgebaut wurde.
In Österreich gibt es acht Möbelhäuser. Das erste wurde 1977 in der Shopping City Süd bei Wien eröffnet. Das Zentrallager in Wels besteht seit 1989 und versorgt Mittel- und Osteuropa. Am 26. August 2021 eröffnete IKEA am Wiener Westbahnhof ein autofreies Einrichtungshaus. Waren, die sich nicht mit Transportrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln mitnehmen lassen, werden dort ausschließlich zugestellt. In der Schweiz gibt es zehn Einrichtungshäuser; das erste außerhalb Skandinaviens wurde 1973 in Spreitenbach eröffnet. Das neueste Schweizer Haus entstand 2024 in Riddes.
2019 gab es weltweit 433 Einrichtungshäuser, davon 40 Franchiseunternehmen außerhalb des IKEA-Konzerns. Der Umsatz betrug rund 41,3 Milliarden Euro bei insgesamt 211.000 Mitarbeitenden. 79 % des Umsatzes wurden in Europa, 14 % in Nordamerika und 7 % in Russland, Asien und Australien erzielt. Deutschland hatte mit 15 % den größten Länderanteil, gefolgt von den USA mit 11 %, Frankreich mit 10 %, Italien mit 7 % und Schweden mit 6 %. Anfang März 2022 stellte IKEA wegen des Kriegs gegen die Ukraine den Geschäftsbetrieb, die Produktion sowie Ein- und Ausfuhren in Russland und Belarus ein.
IKEA arbeitet mit 29 Einkaufsbüros in 25 Ländern und 1046 Herstellern in 52 Ländern. Die fünf größten Lieferantenländer sind China, Polen, Italien, Schweden und Deutschland. 63 % des Einkaufswerts stammten 2011 aus Europa, 33 % aus Russland, Asien und Australien und 4 % aus Nordamerika. Im März 2022 stoppte IKEA den Bezug von Holz aus Russland und Belarus.
Die Logistik ist ein zentraler Erfolgsfaktor. Das Warenverteilzentrum in Dortmund verfügt über 430.000 Palettenplätze auf rund 200.000 Quadratmetern. Das europäische Zentrallager wurde für 135 Millionen Euro auf einer ehemaligen Montanbrache errichtet. Von dort werden europäische Einrichtungshäuser sowie teilweise der Online-Direktvertrieb mit kleinvolumigen Artikeln und Aktivitätswaren versorgt.
Sortiment, Design und Kundenbindung
IKEA führt rund 12.000 Artikel. Den größten Umsatz erzielt das Unternehmen nicht mit Möbeln, sondern mit „Satelliten“, also Accessoires, Küchen- und Gebrauchsartikeln sowie Kleinteilen. Stückzahl-Spitzenreiter sind Teelichte. Zum Sortiment gehören außerdem Restaurants, Lebensmittel, Unterhaltungselektronik und Lautsprecher. Das Möbelstück UPPLEVA enthielt eine Heimkinoanlage aus HDTV, Blu-ray-Player und kabellosem 2.1-Soundsystem; die Kooperation bestand mit TCL. Die 2012 vorgestellte Kartonkamera KNÄPPA hatte einen eingebauten USB-Stecker. Seit 2018 verkauft IKEA gemeinsam mit Sonos entwickelte Lautsprecher, teils in Lampen und Bilderrahmen integriert.
Die Produkte sind überwiegend funktionell gestaltet, teilweise im Landhausstil. Viele bleiben über Jahre im Sortiment. Als Designklassiker gelten unter anderem das Sofa „Stockholm“ und der Sessel „Poäng“. Fast alle Gegenstände entwirft die interne Designabteilung; externe Designer arbeiten vereinzelt an der „PS-Kollektion“. Bekannte Serien sind „Ivar“ seit 1975, „Klippan“ seit 1978, „Poem“ beziehungsweise „Poäng“ seit 1976 und das Regal „Billy“, das seit 1982, mit einer Unterbrechung von 1991 bis 1993, im Programm ist.
Die Produktnamen folgen einem System: Polster- und Rattanmöbel sowie Bücherregale tragen meist schwedische Ortsnamen, Betten und Kleiderschränke norwegische Ortsnamen, Esstische und -stühle finnische Ortsnamen. Stühle, Schreibtische und Regalsysteme erhalten häufig männliche Vornamen, Stoffe und Gardinen weibliche Vornamen, Kinderartikel Namen von Säugetieren oder Vögeln. Küchen, Badezimmerartikel, Beleuchtung, Teppiche und Gartenmöbel haben jeweils eigene Namensgruppen.
Das Corporate Design verwendet vor allem Blau und Gelb; für Displays kommen auch Rot, Weiß oder Schwarz vor. Produktnamen werden in Majuskeln geschrieben. Seit dem Katalog 2010 löste Verdana die Futura als Katalogschrift ab, während Futura bei Verpackungen weiter verwendet wird.
IKEA richtet sich besonders an junge Paare, Familien mit kleinen Kindern, Studierende und Singles mit geringen finanziellen Mitteln. Werbung und Kataloge zeigen passende Wohnsituationen. Die Kunden werden mit „Du“ angesprochen, in Deutschland seit 2004, in Österreich bereits seit jeher. Die IKEA-Family-Karte bot 2016 für 10,4 Millionen Mitglieder Rabatte. Kindertoiletten, Wickelräume, Spielflächen und das betreute „Småland“ sollen den Einkauf erleichtern. Der sogenannte IKEA-Effekt bezeichnet die besondere Wertschätzung selbst zusammengebauter Möbel; ein „IKEA-Hack“ ist die individuelle Umgestaltung von Bausatzmöbeln.
Der gedruckte IKEA-Katalog erschien 70 Jahre lang und erreichte eine Auflage von 220 Millionen. Ende 2020 wurde er wegen veränderten Kunden- und Medienverhaltens eingestellt. In Österreich gilt ein 365-tägiges Rückgaberecht, für IKEA-Family-Mitglieder grundsätzlich ein unbegrenztes; seit dem 1. September 2018 darf nur Neuware beziehungsweise unbenutzte Ware zurückgegeben werden.
Fertighäuser, Rückrufe, Kritik und öffentliche Wahrnehmung
Unter dem Markennamen BoKlok („smart wohnen“) verkauft IKEA zusammen mit Skanska industriell vorgefertigte, bezugsfertige Häuser in Holzrahmenbauweise. Sie besitzen einen standardisierten offenen Grundriss, hohe helle Räume, große Fenster und meist private Grünflächen mit einem Apfelbaum. Zielgruppen sind Geringverdiener und Berufsanfänger; eine Finanzierung wird mit angeboten. Die Häuser entstehen nur an vom Anbieter festgelegten Standorten. In Deutschland wurde der Vertrieb Anfang 2012 nach acht verkauften Häusern eingestellt, nachdem die Stiftung Warentest die Häuser schlecht beurteilt hatte. Sie kritisierte unter anderem Vertragsklauseln, fehlende Garantien für den Fertigstellungstermin, eine lückenhafte Baubeschreibung, Mängel beim Schallschutz und eine mindestens 15-jährige Bindung an einen bestimmten Energieversorger. Für das UN-Flüchtlingshilfswerk entwickelte die IKEA-Stiftung außerdem ab 2015 die mobile Unterkunft Better Shelter.
Ende 2017 erneuerte IKEA in den USA und Kanada den Rückruf von 29 Millionen Kommoden, die ohne Wandbefestigung leicht umfallen können. In diesem Zusammenhang wurden acht Todesfälle und 50 Millionen US-Dollar Entschädigungszahlungen genannt. In Deutschland wurden Kunden zur Befestigung nach Gebrauchsanleitung aufgefordert.
Die Kritik betrifft unter anderem Umwelt- und Tierschutz, Arbeitnehmerüberwachung und Diskriminierung, Kinderarbeit, Billiglohn, Steuervermeidung, Korruption und Zwangsarbeit. Berichte warfen IKEA beziehungsweise Swedwood vor, schützenswerte Wälder in Karelien und Rumänien zu nutzen; Swedwood stellte den Betrieb in Karelien 2014 ein. IKEA bestätigte, Rumänien sei ein „Hochrisikoland“, erklärte aber, Gesetze einzuhalten und nur zertifiziertes Holz zu kaufen. Außerdem nahm IKEA 2009 Gänsekeulen aus tierquälerischer Haltung aus dem Sortiment und musste 2017 eine Tierschutz-Auszeichnung wegen nicht eingehaltener Selbstverpflichtungen zurückgeben.
In Frankreich verurteilte ein Gericht IKEA im Juni 2021 wegen unrechtmäßiger Datensammlung über Beschäftigte zu einer Geldstrafe von 1 Million Euro. Der frühere Chef von IKEA France, Jean-Louis Baillot, erhielt zwei Jahre Haft auf Bewährung und eine Geldstrafe von 50.000 Euro. 2022 wurde IKEA Österreich wegen grob fahrlässiger unrechtmäßiger Videoüberwachung bei der Eingabe von PIN-Codes mit 1,5 Millionen Euro bestraft; IKEA legte Revision ein.
In den 1970er und 1980er Jahren wurden IKEA-Möbel durch politische Häftlinge und Strafgefangene in DDR-Gefängnissen produziert. IKEA räumte dies 2012 ein, entschuldigte sich und finanzierte ein Forschungsprojekt. Am 29. Oktober 2024 kündigte das Unternehmen an, sich mit 6 Millionen Euro an einem geplanten Entschädigungsfonds zu beteiligen. Weitere Kritik bezog sich auf die Zerstörung von etwa zwölf rund 1800 Jahre alten Grabanlagen beim Bau eines Hauses in Nanjing 2007 sowie auf mögliche Verödung von Stadtzentren durch Märkte außerhalb der Zentren.
Das IKEA Museum in Älmhult zeigt die Unternehmensgeschichte und Sonderausstellungen. 2009 widmete die Pinakothek der Moderne in München dem IKEA-Design die Ausstellung „Democratic Design – IKEA“; 2009/2010 untersuchte „Fenomen IKEA“ im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, wie IKEA-Ideen zu bezahlbaren Möbeln für alle mit Werkbund und Bauhaus zusammenhängen. Zu aktuellen Auszeichnungen zählen der Catalyst 2030 Award 2021, der Student's Choice Award 2023, Leading Employer 2024, der Marken-Award 2025 und der Best Brands Award 2026.