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IJsselmeer
Die wasserwirtschaftlichen Anlagen und der Wasserstand der Seen und Flüsse in der Region werden verantwortlich gesteuert durch die staatliche Behörde …
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Überblick und Lage
Das IJsselmeer (auch Eisselmeer oder Ysselmeer; westfriesisch Iselmar) ist mit rund 1.100 km² der größte See der Niederlande. Es entstand aus der ehemaligen Zuiderzee und liegt zwischen Nordholland im Westen und Friesland im Osten. Im Norden trennt der Abschlussdeich den See von der Nordsee; im Süden bildet der seit 1976 bestehende Markerwaarddeich (Houtribdijk) die Grenze zum Markermeer und zugleich eine Straßenverbindung zwischen Nordholland und Flevoland.
Zusammen mit dem Markermeer, dem Veluwerandmeer und weiteren Stillgewässern am Süd- und Ostrand bildet es die IJsselmeer-Region, niederländisch IJsselmeergebied. Diese Seenplatte umfasst fast 2.000 km², ist das größte zusammenhängende Süßwassergebiet Westeuropas und ein zentrales Gebiet der niederländischen Wasserwirtschaft. Der Name geht auf die Geldersche IJssel zurück, den wichtigsten Zufluss. Im Niederländischen ist IJ ein besonderer Digraph, daher wird auch das J großgeschrieben.
Das Volumen des IJsselmeers beträgt 5,06 km³. Die mittlere Tiefe liegt bei 4,6 m, die größte Tiefe bei 5,5 m in der Val van Urk. Die Wasseroberfläche liegt bei etwa −0,3 m NAP, also unter dem Amsterdamer Pegel.
Von der Zuiderzee zum Süßwassersee
Der römische Geograph Pomponius Mela nannte 44 n. Chr. den Lacus Flevo; in anderen Quellen heißt das Gewässer Flevum. Daraus entwickelte sich der Binnensee Almere. Im Mittelalter wurde daraus die salzhaltige Zuiderzee. Ursachen waren das Steigen des Nordseespiegels während der mittelalterlichen Warmzeit, Torfgewinnung in West-Friesland, durch die das Vlie als Verbindung zwischen Almere und Wattenmeer entstand, sowie Sturmfluten wie die Julianenflut 1164, die Allerheiligenflut 1170 und die Luciaflut 1287.
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts gab es Pläne, in der Zuiderzee Land zu gewinnen und einen Abschlussdeich zu bauen. Cornelis Lely entwickelte Ende des 19. Jahrhunderts einen Plan für Hochwasserschutz und Trockenlegung. Nach der Zuiderzeeflut von 1916 setzte er ihn als Verkehrsminister durch: Das Zuiderzee-Gesetz von 1918 schuf die Grundlage, und 1919 wurden die Zuiderzeewerke gegründet.
Mit der Fertigstellung des Abschlussdeichs 1932 war die Zuiderzee von der Nordsee getrennt. Zwei Sielanlagen, also Bauwerke zum geregelten Ablassen von Wasser, hielten den Wasserstand und leiteten Wasser zur Nordsee ab. Niederschlag und Zuflüsse verdrängten das Salzwasser; nach ungefähr fünf Jahren war das Brackwasser vollständig ausgetragen. Das Gewässer erhielt den Namen IJsselmeer, denn meer bedeutet im Niederländischen auch See.
Der Abschlussdeich mit seinen Sielen und doppelten Verschlusstoren wirkt zugleich als Sturmflutsperrwerk. Er schützt die Region und das Kernland mit Amsterdam vor Nordseefluten und verkürzte die niederländische Deichlinie um mehr als 200 km. Die ursprüngliche Seefläche von rund 5.000 km² wurde durch die Trockenlegung des Wieringermeerpolders, des Noordoostpolders und des Flewopolders stark verkleinert. Der geplante Markerwaardpolder wurde aus ökologischen und finanziellen Gründen nicht gebaut. Die Abtrennung des 700 km² großen Markermeers zwischen 1963 und 1976 verringerte die Fläche des IJsselmeers weiter. Sie war nötig, weil Windstau auf der großen Wasserfläche Überschwemmungen im Süden bei Amsterdam auslösen konnte.
Am Süd- und Ostrand des Flewopolders entstanden durch eine hydrogeologische Trennung vom Festland das Veluwerandmeer und weitere Randseen, darunter Gooimeer, Eemmeer, Nijkerkernauw, Nuldernauw, Wolderwijd, Veluwemeer, Drontermeer, Vossemeer und Ketelmeer. Beim Bau des Abschlussdeichs entstanden außerdem die Festungen Den Oever und Kornwerderzand. Im Mai 1940 konnte die deutsche Wehrmacht während des Überfalls im Zweiten Weltkrieg dort keinen Zugang zur Festung Holland erzwingen.
Wasserstand und Süßwasservorrat
Die IJsselmeer-Region wird von Rijkswaterstaat, der staatlichen Behörde für Straßen und Wasserwege, gesteuert. Sie nimmt Regenwasser aus den umliegenden Provinzen einschließlich Groningen auf und heißt deshalb „nationale Regentonne“. Der Wasserstand ist für die Entwässerung und Wasserversorgung der angrenzenden, teilweise unter dem Meeresspiegel liegenden Flächen entscheidend.
Maßstab ist NAP, das Normaal Amsterdam Peil. Sein Nullpunkt liegt ungefähr auf der Höhe des mittleren Nordseewasserstands. Das Grachten- und Kanalsystem Amsterdams wird auf −0,40 m NAP gehalten. Bei einem mittleren Tidehub der Nordsee von rund drei Metern liegt der Wasserstand bei Ebbe ungefähr bei −1,5 m NAP. Daher reicht bei −0,40 m NAP das Gefälle aus, um Wasser natürlich zur Nordsee abfließen zu lassen.
Früher lag der Pegel im Sommer bei etwa −0,20 m NAP und im Winter bei −0,40 m NAP. Der niedrigere Winterpegel schuf Aufnahmevolumen für Hochwasser, der höhere Sommerpegel bildete eine Bewässerungsreserve. Seit einem Beschluss von 2018 darf der Wasserstand flexibler auf Wetter und Bedarf reagieren: Im Sommer können IJsselmeer und Markermeer normalerweise zwischen −0,30 m und −0,10 m NAP schwanken; im Winter ist eine Absenkung bis −0,40 m NAP möglich. Für die Veluwerandmere gelten eigene Sommerwerte von nur 5 bis 10 cm unter NAP.
Die Seenplatte ist zugleich ein strategischer Süßwasservorrat. Ein großes Wasserwerk in Andijk bereitet Trinkwasser für Nordholland und Friesland auf. Das Wasser dient außerdem als Prozess- und Kühlwasser für die Industrie sowie für Wasserwege und Naturschutzgebiete. Im Sommer ist es besonders wichtig, weil weniger Wasser zufließt und die Landwirtschaft mehr Bewässerungswasser benötigt.
Zuflüsse, Abfluss und Schutz vor Versalzung
Der Hauptzufluss ist die Geldersche IJssel mit durchschnittlich rund 400 m³/s; sie liefert 70 % des Gesamtzuflusses zur Seenplatte. Sie mündet unterhalb von Kampen in das Ketelmeer. Der größte Teil ihres Wassers kommt aus dem Rhein. Aufgrund einer vertraglichen Zusicherung von 1771 muss am IJsselkop südlich von Arnheim ein Neuntel des Rheinwassers in die IJssel fließen. Drei Wehranlagen mit Visier-Verschlüssen im Nederrijn und Lek sichern diese Aufteilung; parallel angeordnete Schleusen ermöglichen die Schifffahrt.
Die Schwebstoffe der IJssel bildeten im Ketelmeer ein Delta. Über das Zwarte Meer besteht eine Verbindung nach Norden. Dort mündet das Zwarte Water, der Unterlauf der Vechte aus dem Münsterland, mit im Mittel etwa 60 m³/s. Weitere Zuflüsse sind deutlich kleiner, etwa die Utrechtse Vecht bei Muiden und bei Bedarf Amstelwasser aus dem Grachtennetz Amsterdams. Pumpwerke und Schleusen der Polder leiten ebenfalls Wasser ein; bei starkem Regen kommen Ableitungen aus Seen in Nordholland, Utrecht, Overijssel, Flevoland und Friesland hinzu.
Überschüssiges Süßwasser fließt hauptsächlich über die Sielkomplexe Stevinsluizen und Lorentzsluizen am Abschlussdeich in die Nordsee. Der westliche Komplex wurde in den 2020er Jahren wegen des erwarteten Meeresspiegelanstiegs deutlich vergrößert. Wasser aus dem Markermeer wird über zwei Verbindungsstellen im Houtribdijk ins IJsselmeer geleitet. Bei Bedarf kann über die Oranjesluizen Wasser in den Nordseekanal abgelassen werden; in IJmuiden folgen ein Sielkomplex und ein Großpumpwerk zur Ableitung in die Nordsee.
Süßwasser wird auch gegen Bodenversalzung eingesetzt. Salzwasser dringt wegen des höheren Meeresspiegels von der Nordsee in den Boden ein und gefährdet Kulturpflanzen. Regenwasser wäscht Salz normalerweise aus; in trockenen Zeiten wird dieser Vorgang mit Seewasser unterstützt. Seit 1951 leitet ein Entnahmebauwerk bei Lemmer Frischwasser in den Noordostpolder. Zwei weitere Entnahmen versorgen Wasserläufe in Friesland bis Groningen. Bei extremer Trockenheit im Groene Hart kann Wasser aus dem Markermeer über das Zeeburger Pumpwerk zur Amstel gelangen.
Nutzung durch Tourismus, Schifffahrt und Wirtschaft
Die IJsselmeer-Region ist ein bedeutendes Wassersport- und Urlaubsgebiet. Orte wie Makkum, Lemmer und Enkhuizen verfügen über Yachthäfen; entlang der Ufer gibt es Campingplätze und Ferienparks. Veranstalter bieten ganzjährig Segeltörns und weitere Wassersportaktivitäten für Familien und Gruppen an.
Die Binnenschifffahrt versorgt die angrenzenden Provinzen. Die Hauptfahrrinne mit garantierten 3,50 m Wassertiefe führt von Amsterdam am Ostrand des Markermeers und des Flewopolders über Lelystad nach Lemmer. Oranjesluizen, Hountribsluizen und Prinses Margrietsluis können Schiffe bis zur CEMT-Klasse Vb aufnehmen. Diese können jedoch nicht durch Kornwerderzand am Abschlussdeich ins Wattenmeer fahren, weil die dortige große Schleuse zu kurz ist. Größere Schiffe und lange Luxusyachten müssen daher über Oranjeschleusen und Nordseekanal zur Nordsee fahren. Eine Schleuse in Kornwerderzand soll vergrößert werden. Schiffe der CEMT-Klasse Va bis 110 m Länge können über Enkhuizen und die Krabbersgat-Schleuse oder das Krabbersgat-Naviduct in Richtung Norden fahren.
Jährlich werden etwa 12 bis 16 Mio. Kubikmeter Sand gewonnen, vor allem Füllsand für Landgewinnung und Bauuntergrund. Anfang 2019 wurde ein Vorhaben vor Friesland südwestlich von Lemmer abgelehnt: Für rund 3 Mio. Tonnen Sand jährlich sollten etwa 250 Hektar bis zu 60 m tief ausgebaggert werden. Der Einspruch des Unternehmens Koninklijke Smals scheiterte beim Staatsrat in Den Haag.
Der Windpark Noordoostpolder mit 86 Anlagen an Land und im Wasser wurde 2017 fertiggestellt. Er hat 429 MW Leistung und erzeugt jährlich rund 1,4 TWh elektrische Energie.
Orte am IJsselmeer
An der Ostseite liegen Makkum, Piaam, Gaast, Workum, Hindeloopen, Molkwerum, Stavoren, Laaxum, Mirns, Lemmer und Urk. Am Markermeer liegen Lelystad, Almere, Marken, Monnickendam, Volendam, Edam und Hoorn. An der Westseite des IJsselmeers befinden sich Enkhuizen, Andijk, Wervershoof, Onderdijk, Medemblik und Den Oever.