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Wasserwirtschaft
Wasserwirtschaft ist „die zielbewusste Ordnung aller menschlichen Einwirkungen auf das ober- und unterirdische Wasser“ (DIN 4049).
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Begriff und Bedeutung
Wasserwirtschaft ist nach DIN 4049 „die zielbewusste Ordnung aller menschlichen Einwirkungen auf das ober- und unterirdische Wasser“. Sie stützt sich auf die Hydrologie, also die Wissenschaft vom Wasser und seinem Kreislauf. Sie liefert Methoden für Maßnahmen des Wasserbaus und soll Wasser langfristig und nachhaltig verwalten und nutzen, ohne die Umwelt zu schädigen.
Ihre zentrale Aufgabe ist der Ausgleich zwischen dem begrenzten Wasserdargebot, also dem verfügbaren Wasser, und dem Bedarf der Gesellschaft. Dabei können Nutzungen miteinander konkurrieren. Wasser ist lebensnotwendig, nicht substituierbar und wichtig für Klima, Gewässer, Gletscher, Gesundheit, Natur sowie gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung. Grundwasser und Gewässer sollen deshalb in Menge und Qualität geschützt werden. Die EU-Wasserrahmenrichtlinie erklärte 2000: „Wasser ist keine übliche Handelsware, sondern ein ererbtes Gut, das geschützt, verteidigt und entsprechend behandelt werden muss.“
Rechtliche Grundlagen und verfügbare Wassermenge
Nach völkerrechtlicher Raumordnung ist Wasser der Souveränität eines Staates zugeordnet. Regierungen müssen Rahmenbedingungen schaffen, damit Wasser in ausreichender Menge und hygienischer Qualität bezahlbar, verlässlich und dauerhaft bereitsteht. In Deutschland regelt das Wasserhaushaltsgesetz den Nießbrauch des Wassers; Grundwasser und oberirdisch fließendes Wasser sind grundsätzlich nicht eigentumsfähig. Kommunen stellen Wasser im Rahmen der Daseinsvorsorge bereit.
2010 erklärte die UN-Generalversammlung den Zugang zu sauberem Wasser zum Menschenrecht. Ohne Verankerung in den Rechtsnormen eines Nationalstaats ist dieses Recht jedoch nicht rechtlich bindend und nicht einklagbar.
Das Wasserdargebot ist die langfristig nutzbare Gesamtmenge von Grund- und Oberflächenwasser einer Region oder eines Landes. Es entsteht, abzüglich der Verdunstung, hauptsächlich aus Niederschlag und heißt auch erneuerbare Süßwasserressource. Jährlich sollten höchstens 40 Prozent des Wasserdargebots genutzt werden. Eine stärkere Nutzung kann Umweltprobleme, wirtschaftliche Schwierigkeiten und die Ausbreitung von Krankheiten verursachen. Der Falkenmark-Index gibt die verfügbare Menge je Person an: Über 1.700 m³ pro Person und Jahr bedeutet eine gesicherte Wasserversorgung; darunter können Wasserstress, Wasserknappheit oder Wassermangel auftreten.
Ziele und aktuelle Aufgaben
Wasserwirtschaft soll das ökologische Gleichgewicht der Gewässer bewahren oder wiederherstellen. Wasser soll dauerhaft in ausreichender Menge und Qualität verfügbar sein. Zu den Zielen der zuständigen Behörden der Bundesländer gehören der Schutz von Wasser als Teil des Naturhaushalts und Lebensraum für Flora und Fauna, eine verantwortungsvolle Nutzung, Schutz vor Starkregen und Hochwasser, die Bereitstellung hygienisch einwandfreien Wassers sowie die fachgerechte Abwasserentsorgung einschließlich der Reststoffe.
Sie plant, entwickelt, verteilt und steuert die Nutzung von Wasserressourcen gemeinsam mit dem Wasserbau. Dabei muss sie Infrastruktur für Versorgung und Entsorgung erhalten, den Landschaftsraum berücksichtigen und Folgen des Klimawandels sowie früherer Maßnahmen einbeziehen.
Eine vordringliche Aufgabe in Deutschland ist die Renaturierung von Fließgewässern. Durch Gewässerentwicklung und naturnahen Wasserbau soll die von der EU-Wasserrahmenrichtlinie geforderte ökologische Durchgängigkeit wiederhergestellt werden. Frühere Meliorationen, also Maßnahmen wie das Trockenlegen von Feuchtgebieten, werden teilweise zurückgenommen. Sie hatten Lebensräume verloren gehen lassen; Flussbegradigungen erhöhten zudem die Hochwassergefahr auf angrenzenden Flächen.
Retentionsflächen und Polder sollen Hochwasserwellen abschwächen und gespeichertes Wasser für die Grundwasserneubildung nutzbar machen. Das Prinzip der Schwammstadt wirkt der Flächenversiegelung entgegen: Regen- und Oberflächenwasser soll vor Ort aufgenommen und im Boden gespeichert werden. Moore dienen dabei als natürliches Vorbild, weil sie Wasser speichern und filtern sowie CO_{2} speichern.
Zusammenarbeit und Wissensgrundlagen
Wasserwirtschaft ist interdisziplinär. Als Teil des Bauingenieurwesens umfasst sie Infrastruktur wie Stauanlagen und Energiewasserbau, Verkehrswasserbau, Gewässerausbau, Hochwasserschutz, Abwasserbehandlung, Wasserversorgung sowie Be- und Entwässerung. Dafür sind auch Kenntnisse des Erd- und Grundbaus wichtig.
Geowissenschaften untersuchen Wasserressourcen im Boden und die Wasserverteilung auf der Erde. Wichtige Fachbereiche sind Hydrologie, Geographie, Geologie, Meteorologie und Bodenkunde. Die Ökologie untersucht die Folgen menschlichen Handelns für Wassersysteme und soll Umweltbelastungen verringern; dazu gehören Limnologie, Meereskunde und Umweltwissenschaften. Je nach Aufgabe wirken unter anderem Informatiker, Verfahrenstechniker, Maschinenbauer, Elektrotechniker, Mikrobiologen, Biochemiker und Landschaftsplaner mit.
Zukünftig soll sich die Wasserwirtschaft zum Integrierten Wassermanagement entwickeln. Dabei werden betroffene und interessierte Gruppen sowie Institutionen, die Stakeholder, einbezogen. Die Agenda 2030 der UN von 2015 enthält 17 Sustainable Development Goals. Ziel Nr. 6 fordert weltweit Zugang zu sauberem Wasser, sanitären Einrichtungen und Hygienemaßnahmen. Die EU-Verordnung über die Wiederherstellung der Natur von 2024 verpflichtet Mitgliedstaaten außerdem zur Renaturierung in einen „guten ökologischen Zustand“.
Bewirtschaftung von Gewässern und Versorgung
Oberirdische Gewässer wie Seen und Flüsse werden gestaltet, um Transporte zu erleichtern, Nahrungsmittelerzeugung durch Be- oder Entwässerung und Fischteiche zu fördern, Energie aus Wassermühlen oder Wasserkraftwerken zu gewinnen und Freizeitnutzung zu ermöglichen. Talsperren und Hochwasserrückhaltebecken können Hochwasserschutz, Trinkwasserversorgung oder Niedrigwasseraufhöhung dienen. Ein Wasserwirtschaftsplan koordiniert diese unterschiedlichen Ziele.
Seit Ende des 20. Jahrhunderts werden in Deutschland frühere wasserbauliche Veränderungen teilweise zurückgebaut: Begradigungen werden aufgehoben und Flüsse dürfen wieder mäandrieren. Naturnahe Flusssysteme können den Hochwasserscheitel, also den höchsten Abfluss einer Hochwasserwelle, senken. Allerdings verlängert sich dabei die Hochwasserdauer.
Trinkwassergewinnung umfasst Gewinnung, Aufbereitung und Verteilung von Trinkwasser in Siedlungen. Die WHO hat dafür die „Guidelines for drinking-water quality“ erstellt; in vielen Industrieländern wird die Trinkwassergewinnung behördlich überwacht. Kommunen überwachen die Versorgung oder betreiben sie selbst. Vereinzelt kommt es wegen knapper kommunaler Haushalte zu Privatisierungen im Wasserver- und Wasserentsorgungsbereich.
Brauchwasser oder Betriebswasser benötigen etwa Industrie, Kraftwerke und Landwirtschaft in großen Mengen. Weil dafür andere oder geringere Anforderungen an Qualität, Zusammensetzung und Temperatur gelten, kann es teilweise ohne oder mit geringem Aufbereitungsaufwand gefördert werden.
Abwasser und Regenwasser
Abwasserbewirtschaftung umfasst das Sammeln, die Ableitung durch Kanalisation, Reinigung und Aufbereitung in Kläranlagen sowie die Entsorgung der entfernten Reststoffe. Wichtig sind außerdem Überwachung und Instandhaltung der Infrastruktur. Schäden an Kanälen können Umweltbelastungen verursachen und machen gezielte Sanierungen nötig. In Deutschland übernehmen dies hauptsächlich Kommunen und Stadtwerke; regional sind auch Wasser- und Abwasserverbände oder private Unternehmen tätig.
Regenwasserbewirtschaftung umfasst das Sammeln, gegebenenfalls Reinigen und Versickernlassen von Regenwasser in das Grundwasser. Regenwasser kann vor der Einleitung in oberirdische Gewässer zurückgehalten oder beispielsweise zur Bewässerung genutzt werden. Solche Maßnahmen werden häufig bei der Planung versiegelter Flächen, etwa bei Gebäude- oder Straßenbau, berücksichtigt.