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Süßwasser
Die globalen Süßwasservorkommen schrumpfen nicht nur, sie sind darüber hinaus ungleich verteilt, daher werden sich die Konflikte um Wasser in Zukunft, auch …
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Definition und Bedeutung
Süßwasser ist frei verfügbares Wasser, also Wasser ohne den Anteil, der in Mineralen und Lebewesen gebunden ist. Unabhängig vom Aggregatzustand enthält es keine oder nur sehr geringe Mengen gelöster Salze; seine Salinität liegt unter 0,1 Prozent.
Der Anteil des Süßwassers am gesamten Wasserhaushalt der Erde ist mit 2,6 bis 3,5 % sehr gering. Ein erheblicher Teil ist in Gletschern, den Eiskappen der Pole, Permafrostböden oder als fossiles Grundwasser gebunden. Da aus Süßwasser Trinkwasser gewonnen wird, betrifft Wasserknappheit vor allem diesen Teil der Wasservorkommen. Die globale Erwärmung verstärkt das Problem.
Die Süßwasservorkommen schrumpfen und sind außerdem ungleich verteilt. Deshalb ist zu erwarten, dass Konflikte um Wasser durch die Folgen der globalen Erwärmung zunehmen. Wissenschaftler sehen den menschlichen Verbrauch als einen Schlüsselfaktor für die Abnahme des Wasservolumens vieler Seen und Stauseen. Die Menschheit soll ihren Verbrauch an das verfügbare Angebot anpassen und neue Strategien zum Schutz der Süßwasserreserven entwickeln.
Vorkommen und Wasserkreislauf
Der überwiegende Anteil des globalen Süßwassers ist als Eis gebunden. Dazu gehören Gletscher, Permafrostböden, die Polarregionen und einige Hochgebirge. Ein weiterer großer Teil liegt nicht an der Oberfläche, sondern als Grundwasser und in Wasseradern vor. Süßwasser kommt auch in unterirdischen Seen, beispielsweise im Lac Souterrain de Saint-Léonard, sowie in unterirdischen Flüssen vor, unter anderem im Phong-Nha-Kẻ-Bàng-Nationalpark in Vietnam.
An der Erdoberfläche findet man Süßwasser in Bächen, Flüssen und Seen. Im Wasserkreislauf durchläuft es verschiedene Aggregatzustände. Die wichtigsten Vorgänge sind Verdunstung, Niederschlag und Versickerung. Dadurch bewegt sich Wasser zwischen Oberfläche, Atmosphäre und Untergrund.
Ökologie und Veränderungen
Süßwasser ist Lebensraum für zahlreiche Organismen. Die Wissenschaft, die sich mit der Ökologie von Binnengewässern und anderen Süßwasserlebensräumen beschäftigt, heißt Limnologie.
Die steigende CO₂-Konzentration der Erdatmosphäre im Anthropozän führt nicht nur zur Versauerung der Weltmeere, sondern auch zur Versauerung von Süßwasserseen. Die globale Erwärmung kann außerdem die Treibhausgasemissionen nördlicher Süßwasserseen auf das 1,5- bis 2,7-Fache erhöhen.
Ein Grund dafür ist, dass in den Wäldern der nördlichen Breiten die Vegetationsbedeckung zunimmt. Dadurch gelangen mehr organische Moleküle in die Gewässer. Mikroben bauen diese Stoffe in den Seesedimenten ab. Als Nebenprodukte entstehen dabei Kohlendioxid und Methan.
Wasserknappheit und mögliche Folgen
Durch die globale Erwärmung nimmt die Menge des verfügbaren Oberflächensüßwassers ständig ab. Deutschland hat seit dem Jahr 2000 Wasser in einem Umfang verloren, der dem Volumen des Bodensees entspricht. Jährlich verliert das Land rund 2,5 Kubikkilometer Süßwasser.
Weltweit verlor zwischen 1992 und 2020 bereits jeder zweite See an Wasservolumen. Verantwortlich sind sowohl der Klimawandel als auch die ungezügelte Wasserentnahme durch Menschen. Seen und Stauseen enthalten rund 87 Prozent des an der Erdoberfläche verfügbaren Süßwassers. Besonders stark betroffen sind unter anderem der Gardasee, der Aralsee und der Baikalsee.
In Regionen wie Kalifornien führen seit 2011 wiederkehrende und ineinander übergehende Dürren zu chronischem Wassermangel. Landwirte wurden dort gesetzlich verpflichtet, ihren Wasserverbrauch einzuschränken. Der Bau einer Meerwasserentsalzungsanlage wurde wegen hoher Kosten und Umweltbelastungen nicht umgesetzt. An Meerwasserentsalzung wird dennoch geforscht, weil in den Ozeanen deutlich mehr verfügbares Salzwasser als Süßwasser vorhanden ist.
Nach Angaben der WHO benötigt ein Mensch je nach Klimazone und Ernährung täglich 7,5 bis 15 Liter Trinkwasser zum Trinken und für die Körperhygiene. Experten schätzen, dass die weltweite Nachfrage bereits 2030 das Angebot um 40 Prozent übersteigen wird. Ende 2022 lebte schon die Hälfte der Menschheit in Regionen, die von Wasserknappheit bedroht sind. Bis 2050 sollen schätzungsweise 4,8 bis 5,7 Milliarden Menschen betroffen sein. Die UNO erwartet außerdem, dass die Zahl der Umweltflüchtlinge bis 2030 um 700 Millionen Menschen steigt, die ihre Heimat wegen Wassermangels verlassen.
Zur Verringerung der globalen Wasserkrise stellte die Nichtregierungsorganisation Water.Peace.Security (WPS) 2019 ein Überwachungstool als Frühwarnsystem vor. Es soll verhindern, dass Konflikte um Wasser eskalieren. Die Organisation informiert außerdem über Ereignisse wie die Zerstörung des Kachowka-Staudamms und deren Auswirkungen auf die örtliche Wasserversorgung.