Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Hut

Der Hut ist eine Kopfbedeckung, die sich durch die feste Form und die umlaufende Krempe von einer Mütze unterscheidet. Verläuft dieser Rand um den Hut nicht …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Definition, Funktion und Herstellung
  2. 2. Materialien und Formgebung
  3. 3. Aufbau, Gestalt und Größe
  4. 4. Wichtige Hutarten
  5. 5. Historische Entwicklung in Europa
  6. 6. Rückgang, Gegenwart und Symbolik

Definition, Funktion und Herstellung

Ein Hut ist eine Kopfbedeckung mit fester Form und einer Krempe, die rund um den Kopf verläuft. Ist der Rand nicht vollständig umlaufend, handelt es sich um eine Kappe. Die wichtigste Aufgabe eines Hutes ist der Schutz vor Kälte, Nässe oder Sonnenstrahlung. Ein breiter Rand kann vor dem Wetter schützen sowie zur Kühlung oder Wärmung beitragen, etwa beim Sombrero oder Südwester. Heute werden für solche Zwecke häufig auch Mützen, Kopftücher und Baseballcaps getragen.

Hüte können außerdem die Persönlichkeit, den sozialen Status oder die Zugehörigkeit zu einer Berufs-, Gesellschafts- oder anderen Gruppe ausdrücken. Auch das Bedecken und Entblößen des Kopfes hat in vielen Kulturen symbolische Bedeutung. Bei manchen offiziellen Anlässen wird von Frauen weiterhin ein Hut erwartet.

Traditionell werden Hüte von Hutmachern und Modisten hergestellt; Hutformenbauer liefern die benötigten Formen. Der Hutstumpen ist ein Zwischenprodukt, aus dem unterschiedliche Hutformen entstehen. Eine Hutschnur um die Hutkappe stabilisiert den Hut.

Materialien und Formgebung

Hüte werden aus zahlreichen Materialien gefertigt. Dazu gehören Filze aus Schafwolle, Kaninchenhaar, Biberhaar oder Kaschmirwolle, seltener aus Nutriahaar. Andere Tierhaare können zugemischt werden. „Antilopenfilz“ besteht nicht aus Antilopenhaar, sondern bezeichnet einen besonders dichten Wollfilz. Bei Filzen unterscheidet man glatte Sorten, aufgeraute Peachbloom- oder Veloursfilze und die langhaarige Melousine. Der in Amerika verwendete X-Wert für die Filzqualität ist nicht eindeutig vergleichbar, weil die Hersteller eigene Maßstäbe verwenden. Filzhüte gibt es außerdem in normalen, faltbaren und rollbaren Qualitäten.

Weitere Materialien sind Baumwoll-, Leinen- und Hanfstoffe, verschiedene Stroh- und Papierarten, Chemiefasern und Leder. Bei Stoffhüten spielt die Webart, bei Strohhüten die Flechtart eine Rolle. Der brasilianische Tarp-Hut wird aus recycelten Lkw-Planen hergestellt.

Besonders Wollfilz- und Strohhüte können gesteift oder unversteift sein. Traditionelle Festiger sind Schellack, teilweise in Mischungen mit Borax, Kolophonium oder Copal, außerdem Traganth, Kirschgummi, andere Gummiharze und Gelatine. Bienenwachs und Tierfette erhöhten die Wasserbeständigkeit. Moderne Mittel wie Acryle, Polyurethane und Polyvinylacetat lassen sich genauer auf den gewünschten Steifegrad abstimmen und sind länger haltbar; auch Schellack wird weiterhin eingesetzt.

Aufbau, Gestalt und Größe

Der obere Kopfteil des Hutes heißt Krone, Kopf, Kalotte oder Gupf. Seine Oberseite wird Kronendach, Platte oder Plattel genannt. Der Hals beziehungsweise das Seitenband bildet die aufrecht stehenden Seiten; die Hutschulter ist der Übergang von der Krone zur Krempe. Der Kranz bezeichnet den Übergang vom Kronendach zum Hals. Die Hutkrempe ist der umlaufende Rand. Ihr Abschluss kann beispielsweise roh, vernäht, mit Ripsband eingefasst oder speziell verpresst sein.

Im Inneren sitzt an der Berührungsstelle mit dem Kopf das Schweißband aus Leder oder Textil; hinzu kommen gegebenenfalls Hutfutter und Futterdach. Hutband, Schleife, Garnitur und weiterer Hutschmuck dienen hauptsächlich der Gestaltung. Eine Fangschnur oder ein Kordon hielt ursprünglich die Kopfbedeckung eines Reiters fest und wurde später auch zum Zierelement. Kinnriemen, Sturmriemen oder Sturmbänder können durch Nähte, Löcher, Ösen, Haken oder Schlaufen befestigt werden. Belüftungsösen, Perforationen und Mesheinsätze verbessern die Luftzirkulation.

Kniffe oder Dellen sind kleine Einbuchtungen, an denen man den Hut beim Aufsetzen und Abnehmen anfassen kann. Ein wichtiges Gestaltungsmerkmal ist die Kronenform: Bei einer C-Krone ist die Krone an der Längsseite nach unten geknickt. Auch die Neigung des Seitenbandes prägt die Form. Eine ringsum gleichmäßig eingerollte Krempe heißt Roller; ein um- oder hochgebogener Krempenrand heißt Locke.

Die deutsche Konfektionsgröße entspricht dem Kopfumfang in Zentimetern, gemessen oberhalb der Ohren und über die Mitte der Stirn. In Großbritannien und den USA wird der Kopfdurchmesser in Zoll angegeben, wobei englische und amerikanische Größen nicht gleich sind. Die französisch-italienische Größe in „Punti“ wird heute praktisch nicht mehr verwendet. Für Maßhüte vermisst ein Konformator die Kopfform genau.

Wichtige Hutarten

Hutarten unterscheiden sich nach Form, Material, Herkunft und Verwendung. Der Fedora ist ein Filzhut; seine Variante Trilby besitzt eine schmalere, hinten hochgebogene Krempe. Der Homburg gilt als elegant und staatstragend. Melone, Bowler oder Derby bezeichnen eine besonders in England verbreitete runde Form. Der Zylinder wird aus Filz oder Seide gefertigt; der Chapeau Claque ist ein zusammenklappbarer Seidenzylinder. Dreispitz und Zweispitz sind nach der Form ihrer hochgeschlagenen Krempen benannt.

Zu den Strohhüten gehören der englische Boater, der Florentinerhut aus Weizenstroh und der Panamahut, dessen Material von einer Palmenart aus Ecuador stammt. Strohhüte können außerdem aus Hanf, Seegras oder anderem Pflanzenmaterial bestehen. Der Sombrero hat eine besonders breite Krempe und gehört vor allem zur mexikanischen Folklore.

Weitere Formen sind der Glockenhut oder Cloche, der beide Ohren bedeckende Topfhut, die Schute als haubenartiger Damenhut des 19. Jahrhunderts, der runde Porkpie mit schmaler und leicht aufgebogener Krempe, der spitz zulaufende Tirolerhut, der leichte Tropenhut, der weiche Tweedhut und der frühere militärische Tschako. Akubra, Borsalino und Stetson sind eigentlich Marken oder Herstellerbezeichnungen; Stetson steht besonders für Cowboyhüte. Die Mitra ist die traditionelle liturgische Kopfbedeckung der Bischöfe.

Historische Entwicklung in Europa

In der griechischen Antike gingen Menschen meist barhäuptig. Handwerker trugen den runden Pileus; vornehme Männer verwendeten auf Reisen oder bei der Jagd den breitrandigen Petasos oder die Kausia. Im Römischen Reich kamen runde und spitze Hüte zunächst besonders bei Schauspielen, Festen und heiligen Riten vor. Der Hut wurde zum Freiheitssymbol: Freigelassene Sklaven erhielten bei ihrer Freilassung einen Hut. Nach dem Tod Neros verbreitete sich das Huttragen im Alltag stärker.

In Deutschland sind Hüte seit dem 10. Jahrhundert belegt. Ab dem 12. Jahrhundert gab es unter anderem Hochmittelalterhut, Chaperon und Jagdhut; Frauen trugen verschiedene Hauben. Im 14. Jahrhundert wurde die Gugel, im 15. Jahrhundert das flache Barett populär. Ende des 16. Jahrhunderts verbreiteten sich hohe, spitz zulaufende Hüte mit breiter Krempe. Das 17. Jahrhundert war von großen, oft reich verzierten Herrenhüten aus Biberfilz geprägt. Auf Schlapphüte und steifere Modelle mit Straußenfedern folgte der Dreispitz. Ende des 18. Jahrhunderts entwickelten sich der hohe Kastorhut und anschließend der Zylinder; der Zweispitz löste den Dreispitz ab.

Ab 1800 wurden Schutenhüte modern. Im 19. Jahrhundert konnten Hüte politische Haltung anzeigen: Um 1848 stand ein grauer, breitrandiger Filzhut für demokratische Gesinnung; nach 1849 wurden Träger dieser Kalabreser oder „Heckerhüte“ in Deutschland polizeilich verfolgt. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts verbreiteten sich kleine Damenhüte, der Cowboyhut, die Melone und der Fedora. Sarah Bernhardt machte den Fedora 1882 durch ihre Rolle in „Fédora“ bekannt. Um 1900 wurden Damenhüte groß und reich mit Blüten, Spitze oder exotischen Federn verziert.

In den 1920er-Jahren prägten tief sitzende, schlichte Topfhüte die Frauenmode; bei Männern verdrängte der Fedora zunehmend den Homburg, und der Trilby entstand als Variante. 1925 führte Kemal Atatürk in der Türkei die sogenannte Hutrevolution gegen den Fes an. In den 1930er-Jahren wurden Damenhüte wieder weiblicher, asymmetrischer und verspielter. Während des Zweiten Weltkriegs waren kleine Schiffchen und selbst hergestellte Hüte verbreitet; in der Nachkriegszeit schützten turbanartig gebundene Tücher Trümmerfrauen vor Staub und Schmutz. Die formenreiche Hutmode der 1950er-Jahre bildete die letzte große Blüte der klassischen Hutkultur.

Rückgang, Gegenwart und Symbolik

Nach etwa 1960 kamen Hüte bei beiden Geschlechtern zunehmend außer Gebrauch. Als Gründe nennt der Artikel die Verbreitung des Autos, in dem große Hüte störten, einen sportlich-ungezwungenen Lebensstil und die wachsende Bedeutung individueller Frisuren. Die 68er-Bewegung verband den klassischen Damen- und Herrenhut mit der als bieder und altmodisch empfundenen Adenauer-Ära. In den 1970er- und 1980er-Jahren wurden eher Kopftücher, Kappen, Mützen, Turbane und Arafat-Tücher getragen; Leder- und Strohhüte blieben in der Hippiemode erhalten. Das Hutmacherhandwerk verlor stark an Bedeutung und besteht heute besonders im Theater sowie in wenigen kleinen Werkstätten für handgefertigte Kopfbedeckungen fort.

Klassische Hüte erscheinen weiterhin bei besonderen Anlässen wie Hochzeiten und Beerdigungen. Beim Pferderennen in Ascot tragen Frauen fantasievolle Hutkreationen, während zur traditionellen Herrenkleidung ein grauer Zylinder mit Cutaway gehört. Bei vielen Veranstaltungen des europäischen Hochadels gilt ein Hut weiterhin als Pflicht. Seit den 1980er-Jahren verbreitete sich die Baseballcap in allen Altersgruppen und Gesellschaftsschichten. Seit etwa 2005 erlebte besonders der Trilby in Szenekreisen ein Comeback; in den 2010er-Jahren wurde der Anglerhut erneut zum Modeaccessoire Jugendlicher.

Besondere Hüte zeigen die soziale und religiöse Symbolkraft. Früher verschenkte der Papst in der Christmette geweihte Hüte an Fürsten oder Feldherren. In der katholischen Kirche trägt ein Kardinal einen roten Galero mit 15 Quasten auf jeder Seite, ein Erzbischof einen Hut mit zehn, ein Bischof mit sechs und ein Abt mit drei Quasten je Seite. Weltliche Fürsten trugen den Fürstenhut zwischen Grafen- und Königskrone; der Kurhut der deutschen Kurfürsten hatte keine Metallspangen.

Das Ziehen des Hutes vor einer Person gilt traditionell als Respektszeichen. Diese Bedeutung lebt in Wendungen wie „Ich ziehe meinen Hut“, „Hut ab!“ und „Chapeau!“ fort. Das Deutsche Hutmuseum Lindenberg und das private Hutmuseum Nürnberg behandeln die Geschichte des Hutes.

Weiterlesen

Lehnswesen Das Lehnswesen war kennzeichnend für den Feudalismus und das politisch-ökonomische System des europäischen Mittelalters. Aber auch in anderen Kulturen … Umfang (Geometrie) Der Umfang einer ebenen Figur, die durch eine Linie begrenzt ist, bezeichnet die Länge ihrer Begrenzungslinie. Umfang des Kreises: Durchmesser Allgemein ist der Durchmesser eines Rotationskörpers die Länge der längsten Sehne senkrecht zur Rotationsachse des Körpers. Ein gebräuchliches … Antikes Griechenland Das antike Griechenland hat die Entwicklung der europäischen Zivilisation maßgeblich mitgeprägt. Es umfasst im Kern den Zeitraum von ca. 800 v. Römisches Reich Die altrömische Überlieferung datiert die Gründung Roms zwischen 814 und 728 v. Chr., meist jedoch um das Jahr 750 v. · Der letzte römische bzw. etruskische … Gaius Iulius Caesar Gaius Iulius Caesar (deutsch auch Gaius Julius Cäsar; * 13. Juli 100 v. Chr. in Rom; † 15. März 44 v. Chr. ebenda) war ein römischer Staatsmann, … Niederlande Die Niederlande (niederländisch und friesisch Nederlân, Singular, auf Deutsch informell auch Holland) sind eines der vier autonomen Länder des Königreiches … Frankreich Die Französische Republik wird in ihrer Verfassung als unteilbar, laizistisch, demokratisch und sozial erklärt. Ihr Grundsatz lautet: „Regierung des Volkes … Türkei Die Türkei ist ein Schwellenland mit mittlerem Einkommen, liegt beim Bruttoinlandsprodukt weltweit auf dem 17. und bei der Kaufkraftparität auf dem 11. Platz. Zweiter Weltkrieg Als Zweiter Weltkrieg (1. September 1939 – 2. September 1945) wird der zweite global geführte Krieg sämtlicher Großmächte im 20. Jahrhundert bezeichnet. 68er-Bewegung Sie begann in den USA mit der Bürgerrechtsbewegung der Afroamerikaner und setzte sich im Protest gegen den Vietnamkrieg fort. Ähnliche Proteste flammten in … Spanien Geographie. Staatsgebiet. Spanien (Spanien). Madrid · Sevilla ... Die Reindustrialisierung nach der Krise 2009–2013, die zu einem starken …