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Hunt-Lenox-Globus
Der Hunt-Lenox-Globus (englisch Hunt–Lenox Globe, auch Lenox Globe) ist ein Erdglobus aus der Renaissance. Das in der New York Public Library verwahrte, …
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Bedeutung und Aufbau
Der Hunt-Lenox-Globus (HLG), auch Lenox Globe, ist ein Erdglobus der Renaissance aus einer Kupferlegierung. Er wird in der New York Public Library (NYPL) verwahrt, ist etwa grapefruitgroß und gehört zu den ältesten bekannten Globen, auf denen die Neue Welt dargestellt ist. Seinen Namen trägt er nach zwei früheren Besitzern.
Der Durchmesser beträgt etwa 112 mm; andere Angaben nennen 127 mm. Der Globus besteht aus einer Nord- und einer Südhalbkugel, die am Äquator zusammengesteckt sind. Eine vermutlich eingelötete Fassung am Rand der Südhalbkugel hält sie zusammen. Das heutige, 1937 hergestellte und historisierende Gestell nutzt zwei Löcher an den Polen und hält den Globus ekliptisch geneigt.
Kartenbild und geographische Vorstellungen
Das Kartenbild ist sehr fein in die Metalloberfläche graviert und reicht auf beiden Hälften genau bis zum Äquator. Die Ozeane sind durch Wellen graviert und unterscheiden sich dadurch deutlich von den glatten Landflächen. Gefährliche Strömungen erscheinen als besonders große Wellen; außerdem sind Schiffe und ein Seeungeheuer eingezeichnet.
Von der Neuen Welt zeigt der Globus die heute Kuba und Hispaniola genannten Inseln, beschriftet als Isabel und Spagnolia, sowie einen Teil Südamerikas. Mittel- und Nordamerika fehlen. Die Neue Welt heißt Mundus novus, Terra sanctae crucis und Terra de Brazil; die Bezeichnung America kommt nicht vor. Brasilien war 1500 entdeckt worden.
Die Alte Welt nimmt den größten Teil der Kugel ein, sodass für Atlantik und Pazifik wenig Raum bleibt. Europa ist grob skizziert, Afrika in wenig wirklichkeitsnahen Proportionen. Wichtig ist jedoch, dass die Südspitze Afrikas von Asien getrennt dargestellt wird; dies war bei ptolemäischen Weltkarten nicht der Fall. Das Kap der Guten Hoffnung ist klar erkennbar. Asien folgt überwiegend mittelalterlichen europäischen Vorstellungen und Legenden. Südlich des Äquators steht im Osten Asiens die Phrase Hic sunt dracones.
Ein Gradnetz ist nur ansatzweise und nicht durchgehend vorhanden; Zahlen für Breitengrade und Längengrade fehlen. Beschriftungsumbrüche, Spatien und der am Ferro-Meridian plötzlich wechselnde Seegang sprechen dafür, dass eine Segmentkarte als Vorlage verwendet wurde.
Besitzgeschichte
Der HLG tauchte Mitte des 19. Jahrhunderts auf. Um 1855 kaufte ihn der amerikanische Architekt Richard Morris Hunt (1827–1895) in Paris am Quai Voltaire und nahm ihn in die USA mit. 1869 wurde der Globus erstmals erwähnt: Der Bibliograph Henry Stevens (1819–1886) erkannte seine mögliche Bedeutung, lieh ihn aus und datierte ihn auf 1505 bis 1510.
Stevens zeigte ihn Julius Hilgard vom United States Coast Survey in Washington. Das Kartenbild wurde dort als hemisphärische Weltkarte nachgezeichnet und illustrierte 1879 einen Eintrag über Globen in der Encyclopædia Britannica. Im selben Jahr veröffentlichten Benjamin Franklin DeCosta (1831–1904) und andere Nachzeichnungen erste wissenschaftliche Studien; dadurch wurde der Globus bekannter.
Hunt schenkte das Objekt James Lenox (1800–1880). Dessen Lenox Library ging 1895 durch Fusion in der New York Public Library auf. 1911 wurde der Globus in das neu errichtete Gebäude der NYPL an der Fifth Avenue gebracht.
Herkunft, Zweck und umstrittene Datierung
Obwohl im Historismus viele Nachahmungen und Fälschungen frühneuzeitlicher Objekte entstanden, gilt der HLG in der Forschung als authentisches Renaissance-Artefakt. Ein wichtiges Argument ist seine Ähnlichkeit mit dem Globus Jagellonicus der Jagiellonen-Universität in Krakau, der etwa 73,5 mm Durchmesser hat und ebenfalls auf den Beginn des 16. Jahrhunderts datiert wird. Beide zeigen weder Mittel- noch Nordamerika, stellen Südamerika, Kuba und Hispaniola ähnlich dar und zeigen die Malaiische Halbinsel als isolierte Insel im Indischen Ozean. Daraus wird geschlossen, dass beide Graveure unabhängig dasselbe Kartenmaterial nutzten, möglicherweise eine Segmentkarte von Louis Boulengier († 1546).
Die ursprüngliche Funktion ist unbekannt. Wegen der am Äquator möglichen Öffnung wäre ein Trinkgefäß denkbar, doch spricht das Material Kupfer dagegen. Möglich ist ein Paar mit einem Himmelsglobus. Als Zentrum einer Armillarsphäre, also eines Modells mit Ringen zur Darstellung von Himmelskreisen, wäre der HLG wegen fehlender Gradangaben wenig wahrscheinlich. Das unvollständige Gradnetz und fehlende Gradzahlen machen auch eine Nutzung als wissenschaftliches Instrument unwahrscheinlich. Als Gehäuse einer Globusuhr scheidet er aus, weil Schalllöcher und eine Öffnung zum Aufziehen eines Uhrwerks fehlen.
Im 19. und 20. Jahrhundert wurde der Globus meist in die 1510er Jahre, teils etwas früher, datiert. Pippal et al. (2025) halten dagegen eine Entstehung um etwa 1530 für möglich: Für ungefähr 1510 sei ein erstaunlich großer Teil Südamerikas abgebildet, zugleich seien neue geographische Erkenntnisse oft verzögert übernommen worden. Als kunstgeschichtliche Hinweise nennen sie die differenzierte Darstellung unterschiedlich starker Meeresströmungen, die erst bei Erdkarten ab den 1530er Jahren vorkomme, manieristische Seeungeheuer sowie auf der Südhalbkugel kopfstehend dargestellte Schiffe und Seeungeheuer. Als Ursprungsregion wird Frankreich vermutet.
Faksimiles und spätere Nachbildungen
Die Akten der NYPL dokumentieren vier Kampagnen zur Herstellung von Faksimiles, jeweils mit anderer Technik. 1958 fertigte Nancy R. Pease (1926–2015) ein einzelnes Gipsmodell mit bronzeartiger Oberfläche als Abschiedsgeschenk für den scheidenden Bibliothekspräsidenten Morris Hadley.
1970 erhielt die Gießerei Ball & Ball in Exton, Pennsylvania, einen Auftrag für Nachbildungen. Das Projekt endete 1972, weil Berylliumkupfer die feinen Oberflächenstrukturen nicht ausreichend wiedergeben konnte. Silikonnegative, Gussformen und Endprodukte blieben erhalten.
1984 begann die NYPL zusammen mit dem Metropolitan Museum of Art eine Herstellung von Kupferfaksimiles. In einem mehrstufigen Verfahren entstanden mittels Galvanoformen auf Silikonnegativformen hohle Galvanoplastiken. Sie wurden in Lederköfferchen verkauft und mit einem zylindrischen Acrylglas-Untersatz geliefert. Je ein Exemplar befand sich 2025 im Archiv der NYPL und in der Public Library von Cincinnati, Ohio. 2022 folgte ein 3D-Druck auf Grundlage eines digitalen 3D-Modells, das Forschende der University of Rochester 2020 erstellt hatten.
Als Zwischenschritt der Kupferfaksimiles von 1984–1985 entstanden Kunstharz-Positive im Gussverfahren. Eines davon ist vermutlich ein Globus eines Privatsammlers in Österreich. Sein Besitzer behauptet jedoch, er bestehe aus zwei Straußenei-Hälften und sei von Leonardo Da Vinci hergestellt worden.