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House of One
Die gleichnamige Stiftung plant nicht nur den Bau dieses einzigartigen Sakralbaus, sondern engagiert sich intensiv im interreligiösen Dialog und unterhält ein …
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Gegenstand und Ziel des Projekts
Das House of One ist ein jüdisch-christlich-muslimisches Friedens- und Bauprojekt in Berlin. Geplant ist ein gemeinsames Sakral- und Bildungsgebäude mit einer Synagoge, einer Kirche und einer Moschee unter einem Dach. Die drei Räume sollen um einen zentralen Raum der Begegnung angeordnet sein. Dadurch wird der interreligiöse Austausch nicht nur durch Veranstaltungen, sondern auch durch die Architektur festgelegt.
Neben dem Bau engagiert sich die gleichnamige Stiftung im interreligiösen Dialog und bietet Bildungsarbeit für Schulen, Organisationen und Unternehmen an. Seit 2020 wird diese Arbeit unter dem Schwerpunkt „Interreligiös gegen Antisemitismus und Muslimfeindlichkeit“ durch das Programm „Demokratie leben!“ des Bundesfamilienministeriums gefördert. Das Projekt begann 2011; Träger ist die 2016 gegründete Stiftung House of One – Bet- und Lehrhaus Berlin.
Entstehung, Bauplatz und Baufortschritt
Das House of One soll am Petriplatz in Berlin-Mitte auf den Fundamenten der ehemaligen Petrikirche entstehen. Die im Zweiten Weltkrieg stark beschädigte Kirche wurde 1964 vom Ost-Berliner Magistrat abgerissen. Nach archäologischen Grabungen seit den späten 1990er Jahren und erneut ab 2006 wurden die Fundamente der Petrikirche und anderer früherer Bauten vorläufig mit Erdreich bedeckt. Gebeine aus dem Frühmittelalter wurden gesichert und sollen später in einem Ossuarium am Petriplatz beigesetzt werden.
2009 entstand aus einer Ideenversammlung der Kirchengemeinde St. Petri-St. Marien der Vorschlag, auf dem Grundstück ein gemeinsames Haus mehrerer Religionen zu errichten. Pfarrer Gregor Hohberg gewann dafür Ercan Karakoyun und später Rabbiner Walter Homolka. Der Berliner Senat beschloss, die archäologischen Funde dauerhaft sichtbar zu machen und zugleich ein gemeinsames Bethaus für Christentum, Judentum und Islam zu schaffen. Ein weltweiter Architektenwettbewerb kürte den Entwurf des Berliner Büros Kuehn Malvezzi zum Sieger.
Die Stiftung erhielt am 4. März 2019 für einen symbolischen Euro ein Erbbaurecht für 99 Jahre. 2019 wurden 30 Meter lange Betonpfeiler in den feuchten Berliner Boden eingebracht. Außerdem erfolgten 71 bis zu 35 Meter tiefe Kernbohrungen; die letzte wurde am 16. September 2019 abgeschlossen. Die Grundsteinlegung war zunächst für den 14. April 2020 geplant, wurde wegen der COVID-19-Pandemie jedoch auf den 27. Mai 2021 verschoben und mit wenigen Gästen sowie internationalem Livestream durchgeführt.
Der weitere Baufortschritt wurde durch Anforderungen des deutschen Baurechts an die bei Klinkerbauten verwendeten Ziegel und durch lange Genehmigungsverfahren gebremst. Trotz der Bohrpfähle und eines Ringfundaments zum Schutz der historischen Fundamente stiegen die erwarteten Kosten stark an. Ende März 2024 bestand laut Tagesspiegel eine Finanzierungslücke von rund 16,3 Millionen Euro. Nach einer Überarbeitung der Pläne sieht der aktuelle Zeitplan, Stand Mai 2026, einen Baubeginn im Jahr 2028 vor.
Architektur und religiöses Konzept
Der Siegerentwurf ordnet die drei religiösen Räume in der ersten Etage um den zentralen Raum der Begegnung an. Synagoge, Kirche und Moschee sind nur durch diesen Raum erreichbar. Die Architektur soll damit Begegnung zwischen den Religionen verbindlich vorgeben, ohne ihre Unterschiede aufzuheben. Jeder Sakralraum soll die Besonderheiten seiner jeweiligen Religion widerspiegeln; im Artikel wird dies mit dem Satz „Lessings Ringparabel wird Architektur“ zusammengefasst.
Der zentrale Gebäudeteil ist von außen als Turm erkennbar und endet in 40 Metern Höhe in einer „Stadtloggia“. Im Untergeschoss sollen die freigelegten Fundamente der früheren Petrikirche in einem „Archäologischen Fenster“ sichtbar werden.
Die beteiligten Religionsvertreter betonen, dass das Projekt keine neue Mischreligion schaffen soll. Pfarrer Gregor Hohberg beschreibt die drei Gemeinden als Basisbewegung, die weitere Beteiligte einbinden möchte. Rabbiner Andreas Nachama erklärt, jeder bleibe in seiner eigenen Tradition. Imam Osman Örs hebt hervor, dass die religiösen Unterschiede bestehen bleiben, zugleich aber gemeinsame Elemente entdeckt werden können.
Finanzierung und Trägerstruktur
Die Finanzierung erfolgt durch Spenden und Crowdfunding, staatliche Gelder sowie Fördermittel aus dem Berliner Landeshaushalt. Die Mitfinanzierung des Bundes sollte beginnen, sobald Land Berlin und private Spender jeweils Mittel in gleicher Höhe bereitgestellt hatten. Die Spendenkampagne startete am 3. Juni 2014; Unterstützer können symbolische Steine kaufen und mit einer Botschaft versehen. Für den Beginn des ersten Bauabschnitts war eine Spendensumme von 12,5 Millionen Euro vorgesehen. Bis Oktober 2017 waren rund 5,5 Millionen Euro eingegangen, darunter eine Zusage von 2,2 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt und 1,2 Millionen Euro vom Land Berlin.
Im dritten Quartal 2020 wurden die Baukosten auf 47,2 Millionen Euro geschätzt. Bis zum ersten Quartal 2023 stiegen sie um knapp 40 Prozent auf 69,5 Millionen Euro. Im Juni 2024 wurden im Bundestagsdienst „heute im bundestag“ bereits 72,4 Millionen Euro genannt. Damit liegen im Artikel unterschiedliche Kostenangaben vor. Für die ursprünglich genannten 69,5 Millionen Euro waren rund 45 Millionen Euro zu etwa gleichen Teilen vom Bund und von Berlin vorgesehen; der Rest sollte aus Spenden stammen.
Die Stiftung wurde am 8. September 2016 gegründet und ging aus dem inzwischen aufgelösten Verein Bet- und Lehrhaus Petriplatz Berlin e. V. hervor. Im Verwaltungsdirektorium sind Roland Stolte für Vorsitz und Konzept sowie Maximilian Müllner für die Finanzen tätig. Die christliche, jüdische und muslimische Seite ist durch verschiedene Gemeinden und Organisationen beteiligt; ihre Vertreter verstehen sich nicht als repräsentativ für jeweils die gesamte Religion, sondern als exemplarisch.
Ein Kuratorium mit 20 Mitgliedern wurde im November 2020 als beratendes Gremium eingerichtet. Es soll die gesellschaftliche und religiöse Vielfalt abbilden. Den Vorsitz hat jeweils der Regierende Bürgermeister oder die Regierende Bürgermeisterin Berlins.
Informationsangebote, internationale Verbindung und Reaktionen
Von Ende 2017 bis Januar 2019 stand neben dem Bauplatz ein beheizbarer Infopavillon. Er bildete den künftigen Begegnungsraum nahezu im Maßstab 1:1 nach und diente der Information, Veranstaltungen und Werbung. Nach seinem Abbau wurde er in Wittenberg wieder aufgebaut. Seit Juni 2023 gibt es am Bauplatz die House of One-Box, einen begehbaren Informationsort in einem Standardcontainer. Sie informiert über die Entstehung, den Bau und die Verständigungsarbeit der Stiftung und ist freitags, samstags und sonntags von 13 bis 16 Uhr geöffnet.
Der Podcast „331 – 3 Frauen, 3 Religionen, 1 Thema“ wurde 2021 gegründet. Er erreicht monatlich bis zu 4000 Hörer und erscheint jeden zweiten Donnerstag auf mehreren Podcastplattformen. 2023 erhielt er den Internationalen Deutschen PR-Preis in der Kategorie „Öffentliche Einrichtungen“.
Georgien nahm das Berliner Projekt zum Vorbild. Die dortige „Friedenskathedrale“ (Peace Cathedral) folgt einem angepassten Entwurf und steht unter dem Motto „Frieden bauen, Frieden erzählen, Frieden feiern“. Sie wurde in einer ehemaligen Kathedrale eingerichtet und bereits eingeweiht. Zwischen den Trägern besteht eine Partnerschaft. Seit 2023 vergibt die Stiftung alle zwei Jahre einen Friedenspreis in Höhe von 9000 Euro. Erster Preisträger war der georgische Metropolitanbischof Malkhaz Songulashvili für seinen Einsatz für „Toleranz und Dialog“.
Kritiker bezweifelten, ob das Projekt von Vertretern aller drei Religionen getragen werde. Besonders wurde darauf hingewiesen, dass der muslimische Trägerverein der Gülen-Bewegung angehört und nur etwa 100 Mitglieder habe. Catherine Dussmann zog sich 2019 als Unterstützerin und Spenderin zurück und begründete dies mit wachsenden Spannungen und möglichen neuen Konflikten. Dem stehen Kontakte zu unterschiedlichen muslimischen Richtungen, Imamen und islamischen Fachleuten sowie die Beteiligung katholischer und evangelischer Vertreter im Kuratorium und als Projektpartner gegenüber. Weitere Diskussionen betrafen den möglichen Wiederaufbau des früheren Kirchturms. Das Projekt erhielt 2016 die Auszeichnung als „Nationales Projekt des Städtebaus“ und den IDIZEM Dialog-Preis.