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Jüdisch-christlich-islamischer Dialog

Jüdisch-christlich-islamischer Dialog bezeichnet Gespräche zwischen drei der vier monotheistischen, abrahamitischen Weltreligionen Judentum, Christentum und …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und gemeinsame Grundlage
  2. 2. Zentrale Gemeinsamkeiten und Unterschiede
  3. 3. Formen des heutigen Trialogs
  4. 4. Abrahamitische Ökumene und Kritik

Gegenstand und gemeinsame Grundlage

Der jüdisch-christlich-islamische Dialog bezeichnet Gespräche zwischen Judentum, Christentum und Islam. Diese drei Religionen werden als monotheistisch, also auf den Glauben an einen einzigen Gott bezogen, und als abrahamitisch bezeichnet. Auch die Bezeichnung christlich-jüdisch-islamischer Trialog wird verwendet. Ziel ist Verständigung zwischen den Glaubensgemeinschaften, obwohl ihre Lehren in wichtigen Fragen unterschiedlich sind.

Der gemeinsame Abraham-Bezug bedeutet nicht, dass Abraham in allen drei Religionen gleich verstanden wird. Nach der Hebräischen Bibel ist er Stammvater der Israeliten; nach dem Neuen Testament kommt der Abraham verheißene Segen durch Jesus Christus auch den Christen zu. Nach dem Koran sind Muslime, im engeren Sinn die Araber, über Ismael mit Abraham verbunden. Im Judentum heißt Abraham „unser Vater“; Personen, die zum Judentum übertreten, erhalten einen hebräischen Namen mit dem Zusatz Sohn beziehungsweise Tochter von Abraham unserem Vater. Der Koran bezeichnet Abraham als weder Jude noch Christ, sondern als gottergebenen Hanif und Muslim. Auch etwa die Bahai verstehen sich als abrahamitische oder abrahamische Religion.

Zentrale Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Alle drei Religionen bekennen sich zu einem Gott und beziehen Abraham ein, unterscheiden sich aber in Gottesverständnis, Offenbarung, heiligen Schriften und der Bedeutung Jesu. Im Judentum lautet das Schma Jisrael: „Höre Israel, der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist einzig.“ Im Christentum gibt es einen Gott, der dreieinig und seinem Wesen nach eins ist; Gott wird als Liebe beschrieben. Im Islam heißt es in Sure 112: „Gott ist einer“, und die Schahāda bekennt: „Es gibt keinen Gott außer Gott!“

Unter Offenbarung versteht man die Weise, in der Gott sich Menschen mitteilt. Im Judentum schließt JHWH mit Abraham einen Bund; durch Mose, um 1250 v. Chr., erhält Israel die Tora. Diese gilt als endgültiges Wort Gottes, während Propheten weitere, mindere Offenbarungen verkünden. Das Christentum sieht Jesus selbst als Wort Gottes: In seinem Leben, Opfertod und leiblichem Auferstehen offenbart Gott sein Wesen. Die Offenbarung ist abgeschlossen, weil das Wort Gottes Mensch geworden sei. Im Islam beginnt mit Abraham eine besondere Segensgeschichte; Muhammad (571–632 n. Chr.) gilt als Siegel der Propheten. Gott habe ihm durch Gabriel den Koran als letztes und endgültiges Wort an die Menschheit diktiert.

Die heiligen Schriften sind der Tanach, die hebräische Bibel, im Judentum, das Alte und Neue Testament im Christentum sowie der Koran im Islam. Besonders deutlich zeigen sich Unterschiede bei Jesus: Im Judentum wird er als Jude angesehen, nicht als Messias. Im Christentum ist er Christus, Sohn Gottes und der Jungfrau Maria, zugleich ganz Mensch und eins mit Gott-Vater und Heiligem Geist; durch ihn können Menschen am ewigen Leben teilhaben. Im Islam ist Jesus Prophet, Diener Allahs, Sohn der Jungfrau Maria und sündenloser Wundertäter. Er sei nicht gekreuzigt, sondern zu Gott entrückt worden, und nicht Gottes leiblicher Sohn.

Formen des heutigen Trialogs

Der Trialog wird durch Forschungsstellen, Begegnungsforen, Preise, Studierendentagungen und Dialoginitiativen praktisch umgesetzt. Dazu gehören unter anderem das Abrahamische Forum des Interkulturellen Rates in Deutschland, Freunde Abrahams, das Zürcher Institut für interreligiösen Dialog, die Stiftung Stuttgarter Lehrhaus für interreligiösen Dialog und Café Abraham Deutschland.

An Hochschulen bestehen beispielsweise das seit 1999 an der Universität Genf angebotene jüdisch-christlich-islamische Postdoc-Programm der Foundation for Interreligious and Intercultural Research and Dialogue sowie die Forschungsstelle Key Concepts in Interreligious Discourses an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Die Internationale Studierenden-Tagung zum Dialog von Juden, Christen und Muslimen in Europa in Wuppertal dient Theologiestudierenden als Konferenz und Begegnungsforum.

Auch Gebäude sollen Dialog ermöglichen: Das House of One in Berlin-Mitte befindet sich im Bau und soll Synagoge, Kirche und Moschee unter einem Dach vereinen. Das „Haus der Abrahamitischen Familie“ in Abu Dhabi wurde am 16. Februar 2023 eröffnet. Der von Adjaye Associates entworfene Komplex auf der Insel Saadiyat umfasst Kirche, Moschee, Synagoge und gemeinsam nutzbare Konferenzräume.

Abrahamitische Ökumene und Kritik

„Abrahamitische Ökumene“ ist ein von den christlichen Theologen Hans Küng und Karl-Josef Kuschel geprägter Begriff. Er soll die innerchristliche Ökumene, also das Bemühen um Einheit oder Zusammenarbeit christlicher Kirchen, auf Judentum, Christentum und Islam ausweiten. Küng und Kuschel betonen gemeinsame Wurzeln im Gott, der mit Abraham einen Bund geschlossen habe: Judentum als älteste darauf gegründete Religion, Christentum in direkter Folge des Judentums und Islam, den Mohammed nach islamischer Auffassung um 600 n. Chr. durch den einen, auf Arabisch Allah genannten Gott empfing. Für Küng ist dies ein Schritt zu seinem Projekt Weltethos, einem ethischen Minimalkonsens aller Kirchen, Religionen und Kulturen.

Der Begriff ist umstritten. Für viele christliche Kreise zielt Ökumene auf Einheit, die im Dialog zwischen Muslimen, Juden und Christen derzeit weder denkbar noch unbedingt wünschenswert erscheine. Deshalb wird teils von „Abrahamitischem Dialog“ gesprochen. Der jüdisch-christliche Dialog wird häufig vom christlich-islamischen unterschieden, weil der Tanach für Juden und Christen verbindlich ist und dadurch eine umfassende gemeinsame Grundlage für Glauben und Handeln besteht. Der Dialog mit Muslimen wird dagegen als mühsames Erarbeiten von Gemeinsamkeiten beschrieben.

Einige Teile der Christenheit fragen mit Verweis auf Rechtfertigungslehre und Scharia sogar, ob Muslime und Christen vom selben Gott sprechen. Sie sehen die Bezeichnung Abrahamitische Ökumene als Gefahr, weil sie unterschiedliche Dialogprozesse sprachlich gleichsetzt und damit die eigentliche innerchristliche Ökumene beeinträchtigen könne. Vereinzelt betrachten Feministinnen, Säkulare, Religionslose oder Atheisten sie als Gefährdung humanistischer Standards, weil Scharia und Fiqh nicht verworfen würden.

Lernvideos zu Jüdisch-christlich-islamischer Dialog

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