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Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss
Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss ist eine vierteilige US-amerikanische TV-Mini-Serie aus dem Jahr 1978 von Marvin J. Chomsky.
Inhalt6 Abschnitte
Gegenstand und Aufbau
Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss ist eine vierteilige US-amerikanische Fernseh-Miniserie von Marvin J. Chomsky aus dem Jahr 1978. Das Drehbuch schrieb Gerald Green. Im Mittelpunkt steht die fiktive jüdische Berliner Arztfamilie Weiss und ihr Schicksal während der nationalsozialistischen Herrschaft. An ihr zeigt die Serie Verfolgung, Deportation, Zwangsarbeit, Massenerschießungen, Vernichtungslager, jüdischen Widerstand und einzelne Flucht- und Überlebenswege.
Die Handlung reicht von 1935 bis 1945 und verbindet die Familiengeschichte mit historischen Ereignissen. Die vier Teile heißen Die hereinbrechende Dunkelheit (1935–1940, 135 Minuten), Die Straße nach Babi Yar (1941–1942, 94 Minuten), Die Endlösung (1942–1944, 89 Minuten) und Die Überlebenden (1944–1945, 101 Minuten). Die US-Erstausstrahlung fand vom 16. bis 19. April 1978 statt; in der Bundesrepublik Deutschland wurden die Folgen am 22., 23., 25. und 26. Januar 1979 ausgestrahlt.
Die Serie wurde in den USA auf Englisch produziert, ist 1978 erschienen und hat je nach Bildfrequenz eine Gesamtlänge von 424 Minuten bei 24 fps beziehungsweise 414 Minuten bei 25 fps. Die Altersfreigabe lautet FSK 12. Zu den zentralen Darstellern gehören Fritz Weaver als Josef Weiss, Rosemary Harris als Berta Weiss, James Woods als Karl Weiss, Joseph Bottoms als Rudi Weiss, Meryl Streep als Inga Weiss und Michael Moriarty als Erik Dorf.
Vom Ausschluss zur systematischen Verfolgung
1935 heiraten der deutsche Kunstmaler Karl Weiss und Inga Helms in Berlin. Weil Karls Eltern jüdischer Herkunft sind, wird die Ehe nach den Nürnberger Rassegesetzen als sogenannte Mischehe verfolgt. Karls Eltern Josef und Berta Weiss sowie Bertas Eltern, die Familie Palitz, erleben zunächst zunehmende Ausgrenzung und später offene Gewalt.
Der Jurist Erik Dorf tritt 1935 aus Arbeitslosigkeit und auf Drängen seiner Frau der SS bei. Bis 1938 steigt er zum persönlichen Referenten Reinhard Heydrichs auf. Er berät ihn politisch und wirkt an der Einleitung der Novemberpogrome mit. Obwohl Dorf Josef Weiss zuvor zur Auswanderung rät, kann dieser seine jüdischen Patienten nicht verlassen. Nach der Reichskristallnacht wird die Buchhandlung von Bertas Vater zerstört; ihre Eltern verlieren alles und nehmen sich später das Leben.
Karl Weiss wird in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Dort wird er als angeblicher jüdischer Kommunist misshandelt und nach einer Prügelei mit dem Kapo Melnick zusammen mit dem Mithäftling Weinberg gefoltert. Josef versucht vergeblich, über Dorf seine Freilassung zu erreichen. Da Josef ursprünglich aus Polen stammt und nie die deutsche Staatsbürgerschaft erworben hat, wird er nach Polen abgeschoben.
Berta zieht mit den Kindern Rudi und Anna bei der Familie Helms ein. Die 16-jährige Anna wird von drei SA-Männern vergewaltigt. Infolge des schweren Schocks verfällt sie in Apathie und wird unter dem Vorwand einer Behandlung in die NS-Tötungsanstalt Hadamar gebracht, wo sie im Rahmen der sogenannten Euthanasie vergast wird. Rudi flieht in die Tschechoslowakei und lernt in Prag Helena Slomová kennen. Beide verlieben sich und beschließen, gemeinsam weiterzugehen.
Ghetto, Massenmord und Widerstand
Ab 1941 weitet Deutschland den Krieg auf Osteuropa aus. Josef Weiss lebt im Warschauer Ghetto, gehört dem Judenrat an und arbeitet als Arzt in der Kinderstation des jüdischen Krankenhauses. Die Krankenschwester Sarah Olnich wird hingerichtet, weil sie Lebensmittel für kranke Kinder in das Ghetto schmuggelt. Berta wird Musiklehrerin. Der 13-jährige Aaron Feldmann hilft zugleich als Schmuggler, um Menschen mit Lebensmitteln und später mit Waffen zu versorgen.
Rudi und Helena gelangen über Ungarn in die Sowjetunion. Nach dem deutschen Einmarsch in Kiew werden sie als Juden erkannt und zur Erschießungsstätte Babyn Jar gebracht. Sie können fliehen und werden Zeugen des Massakers. Erik Dorf beaufsichtigt es zusammen mit Paul Blobel. Dorf ist außerdem an der Planung des systematischen Massenmords beteiligt; auf der Wannseekonferenz wird die sogenannte Endlösung der Judenfrage beschlossen. Seine Bedeutung für Heydrich und später Heinrich Himmler wächst.
Karl wird von Buchenwald nach Theresienstadt verlegt und hält die Lagerbedingungen in Zeichnungen fest. Inga lässt sich ebenfalls dorthin bringen. Karl verzeiht ihr schließlich, dass sie dafür Heinz Müller sexuell entgegenkommen musste. Als seine Zeichnungen entdeckt werden, werden ihm beide Hände gebrochen. Rudi und Helena schließen sich jüdischen Partisanen in der Ukraine an, heiraten und beteiligen sich an bewaffneten Aktionen. Rudi zweifelt jedoch am Sinn des Tötens; Helena sieht im gemeinsamen Überleben und in einem künftigen Leben in Palästina einen Grund zum Widerstand.
Im Warschauer Ghetto unterstützt Berta den zionistischen Widerstandskämpfer Mordechaj Anielewicz finanziell beim Waffenkauf. Moses Weiss und Aaron Feldmann schmuggeln mit dem polnischen Christen Anton Waffen. Als die Deportationen nach Treblinka beginnen, versucht Josef mit einer vorgetäuschten Krankenstation am Bahnhof besonders Alte und Kinder zu retten. Die Nachricht über die Ermordung der Juden wird zwar an die BBC übermittelt, aber nicht ausgestrahlt.
Im April 1943 beginnt der Aufstand im Warschauer Ghetto. Moses und Aaron kämpfen mit anderen Widerstandskämpfern. Nach 20 Tagen werden viele Menschen in Kellern eingeschlossen; als Gas eingeleitet wird, endet der organisierte Widerstand. Die Fliehenden werden von der SS erwartet und erschossen. Josef und Berta werden später nach Auschwitz deportiert und dort in den Gaskammern ermordet. Rudi und Helena planen unterdessen einen Anschlag auf einen deutschen Transport. Der Anschlag scheitert: Helena wird erschossen, Rudi gefangen genommen und nach Sobibor deportiert. Mit Rotarmisten unter Führung von Barski gelingt ihm die Flucht.
Ende des Krieges und Überleben
Erik Dorf erhält den Auftrag, die Spuren der Massenerschießungen in Babyn Jar beseitigen zu lassen. Auch angesichts der drohenden deutschen Niederlage hält er an seiner Tätigkeit fest. In Auschwitz bewundert Professor Pfannenstiel die Funktionsweise der Gaskammern. Dorf versucht sogar, die Lager als angebliche Monumente eines Dienstes an der Menschheit zu rechtfertigen. Damit zeigt die Serie die Verbindung von bürokratischer Planung, ideologischer Selbstrechtfertigung und organisierter Vernichtung.
Josef Weiss versteht das Überleben im Lager als eine Form des Widerstands. Er und Berta spenden bis zuletzt anderen Gefangenen Trost. Kurts Dorf, Eriks Onkel, versucht Gefangene zu schützen, wird aber von Erik daran gehindert. Berta und Josef werden kurz hintereinander ermordet. Nach Kriegsende wird Erik Dorf von Captain John Cassidy als Verantwortlicher für Vergasungen und Massenerschießungen angeklagt. Er tötet sich mit Gift. Kurt Dorf spricht von einer Kollektivschuld derjenigen, die zugesehen, geschwiegen und nichts getan haben; Frau und Kinder des Angeklagten bleiben jedoch in ihrer nationalsozialistischen Gesinnung verhaftet.
Rudi erreicht das befreite Theresienstadt und trifft dort Inga mit ihrem Sohn, der nach Josef Weiss benannt ist. Inga war in Theresienstadt von Karl schwanger geworden. Rudi erfährt, dass Karl nach Folter wegen seiner Zeichnungen in Auschwitz starb. Er macht Inga trotz ihrer Zugehörigkeit zur deutschen Gesellschaft keine persönlichen Vorwürfe. Am Ende wird Rudi von einem Mitarbeiter der Jewish Agency for Palestine angeworben, um jüdische Kinder aus Thessaloniki nach Palästina zu schmuggeln. Die Originalfassung endet damit hoffnungsvoll und deutet Rudis Beteiligung an der späteren Staatsgründung Israels an.
Produktion und deutsche Fassungen
Gedreht wurde 1977 in Deutschland und Österreich. Das Konzentrationslager Mauthausen diente als Kulisse für Auschwitz-Birkenau, die Szenen in Hadamar entstanden am Originalschauplatz. Theresienstadt wurde in Freistadt dargestellt; die Deportation aus dem Warschauer Ghetto entstand am Bahnhof Berlin Eberswalder Straße. Wien stand unter anderem für Berlin, Prag und Kiew. Für die Szenen des Ausbruchs aus Sobibor und die letzte Szene am Bahngleis wurde Blumau-Neurißhof bei Baden verwendet.
Die deutsche Synchronfassung unterscheidet sich von der Originalfassung. Die Serie wurde auf 35-mm-Film mit 24 fps und einem vorgesehenen Seitenverhältnis von 4:3 gedreht. Die deutschsprachigen Fernsehausstrahlungen seit 2019 dauern etwa 422 Minuten bei 25 fps beziehungsweise 439 Minuten bei 24 fps. Sie enthalten die 1978 vom WDR gekürzte Schlusssequenz wieder, allerdings mit Untertiteln. In der deutschen Fassung fehlen unter anderem der originale Vorspann, Teile einer Erschießungsszene im Warschauer Ghetto und verschiedene kürzere Passagen.
Die Schlussbegegnung Rudis mit Inga in Theresienstadt fehlte bei der deutschen Ausstrahlung von 1979. Verantwortlich war Günter Rohrbach, der die letzten acht Minuten mit der Begründung entfernte, das US-Ende sei zu versöhnlich. Seit den Ausstrahlungen von 2019 ist die Sequenz mit Untertitel ergänzt; auf Blu-ray ist sie als Bonus enthalten. Die deutsche Synchronfassung ist seit 2008 auf DVD erhältlich, diese Veröffentlichungen sind jedoch gekürzt. US-amerikanische, britische und französische Ausgaben gelten vermutlich als ungekürzt.
Wirkung, Kritik und Auszeichnungen
Die Ausstrahlung in Westdeutschland wurde zunächst kontrovers diskutiert. Da mehrere ARD-Sendeanstalten eine Ausstrahlung im Hauptprogramm ablehnten, wurden die vier Folgen innerhalb von fünf Tagen im Dritten Programm ausgestrahlt. Rund 20 Millionen Zuschauer, etwa die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung, sahen mindestens eine Folge. Die anschließenden Live-Diskussionen erreichten bis zu 30 Prozent Sehbeteiligung. Die Redaktion erhielt mehr als 23.000 telefonische Kontakte, die Bundeszentrale für politische Bildung 15.000 Briefe und der WDR 16.000 Sendungen. Etwa zwei Drittel der WDR-Zuschriften bewerteten die Serie positiv; 13 Prozent waren ablehnend und teilweise antisemitisch oder antiamerikanisch.
Im Vorfeld verübten Rechtsextremisten Bombenanschläge auf zwei Sendemasten, den Sender Koblenz und den Longinusturm am Sender Nottuln. Betroffen waren etwa 100.000 Fernsehanschlüsse. Die Ausstrahlung gilt als medien- und erinnerungsgeschichtliche Zäsur. Sie trug zur breiten Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit bei und wurde auch in der Debatte über die Aufhebung der Verjährungsfrist für Mord im Bundestag 1979 erwähnt. In Deutschland setzte sich danach die Bezeichnung Holocaust für die nationalsozialistische Vernichtung der europäischen Juden stärker durch.
In der DDR wurde die Serie nicht ausgestrahlt, weil sie nicht in das dortige, den Judenmord wenig fokussierende Erinnerungskonzept passte. In grenznahen Gebieten wurde sie jedoch über das Westfernsehen bekannt. In Österreich führte die ORF-Ausstrahlung vom 1. bis 4. März 1979 zu einer verstärkten Diskussion über die österreichische Mitverantwortung. Konservative und rechtspopulistische Medien kritisierten die Serie teilweise scharf; sozialdemokratisch orientierte Medien reagierten überwiegend positiver.
Kritiker wie Elie Wiesel beanstandeten die fiktionale, emotionalisierende und kommerziell wirkende Darstellung. Sie befürchteten eine Trivialisierung des industriellen Massenmords und kritisierten die Verbindung historischer Fakten mit erfundenen Handlungselementen. Nach der Ausstrahlung überwogen jedoch die positiven Bewertungen als Form der Geschichtsvermittlung ohne grundsätzliche Verfälschung und ohne pauschalen Kollektivschuldvorwurf gegen alle Deutschen.
Die Serie erhielt 15 Emmy-Nominierungen und acht Emmys, unter anderem für beste Serie, Regie, Schnitt, Kostümdesign, Drehbuch sowie für Meryl Streep, Michael Moriarty und Blanche Baker. Der WDR erhielt für die deutsche Fassung den Deutschen Kritikerpreis.