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Jüdische Allgemeine

Die Jüdische Allgemeine ist das auflagenstärkste Periodikum des deutschen Judentums. Als „Wochenzeitung für Politik, Kultur, Religion und jüdisches Leben“ …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Profil und Bedeutung
  2. 2. Entwicklung seit 1946
  3. 3. Organisation und Finanzierung
  4. 4. Vertrieb, Auflage und digitales Angebot
  5. 5. Auszeichnungen und Kritik

Profil und Bedeutung

Die Jüdische Allgemeine ist eine deutsche Wochenzeitung und das auflagenstärkste Periodikum des deutschen Judentums. Sie erscheint im Verlag Jüdische Presse, hat ihren Hauptsitz in Berlin und behandelt laut Untertitel „Politik, Kultur, Religion und jüdisches Leben“. Herausgeber ist der Zentralrat der Juden in Deutschland; Chefredakteur ist seit 2023 Philipp Peyman Engel.

Die Zeitung versteht sich als Nachfolgerin der großen liberalen jüdischen Blätter des 19. und 20. Jahrhunderts, besonders der 1837 gegründeten Allgemeinen Zeitung des Judenthums. Diese ging 1922 in der CV-Zeitung des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens auf, die am 3. November 1938 eingestellt werden musste.

Entwicklung seit 1946

Die Zeitung wurde 1946 in Düsseldorf als Jüdisches Gemeindeblatt für die Nord-Rheinprovinz und Westfalen gegründet. Der Verleger Hans Frey hatte dafür die Lizenz Nr. 50 der britischen Militärregierung erhalten. Als Herausgeber und Chefredakteur wirkte zunächst der Journalist und Publizist Hermann Lewy. Noch im Gründungsjahr übergab Frey an den neuen Lizenzträger Karl Marx.

Der Name wechselte mehrfach: zunächst zu Jüdisches Gemeindeblatt für die Britische Zone, ergänzt um den Untertitel Die Zeitung der Juden in Deutschland, 1949 zu Allgemeine Wochenzeitung der Juden in Deutschland und 1966 zu Allgemeine unabhängige jüdische Wochenzeitung. Ab 1973 hieß das Blatt Allgemeine Jüdische Wochenzeitung, seit 2002 Jüdische Allgemeine.

In den ersten vier Jahren stieg die Auflage von 1.500 auf 22.000 Exemplare. Der Historiker Michael Brenner bezeichnete die Zeitung unter Karl Marx als „Gradmesser für die Neugründung jüdischen Lebens im Nachkriegsdeutschland“. Die Redaktion zog 1985 nach Bonn und 1999 nach Berlin. Dort liegen Verlag und Redaktion neben dem Leo-Baeck-Haus, dem Sitz des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Während antisemitischer Vorfälle im Zusammenhang mit dem Krieg in Israel und Gaza 2023 begann die Redaktion auf Bitte der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, die Zeitung aus Sicherheitsgründen nur noch in neutralen Umschlägen zu versenden.

Organisation und Finanzierung

Der Zentralrat der Juden in Deutschland gibt die Zeitung heraus und finanziert sie zu etwa einem Drittel. Jeweils ungefähr ein weiteres Drittel stammt aus Anzeigen und Abonnements. Weil die Anzeigenerlöse zurückgingen, gewann die Finanzierung durch den Zentralrat zunehmend an Bedeutung. Von 2000 bis 2003 übernahm Michel Friedman als stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats die Rolle des Herausgebers.

2010 bestand die Redaktion in Deutschland aus sieben Redakteuren und zwei Pauschalisten, also regelmäßig gegen Pauschalhonorar Beschäftigten. Hinzu kamen Korrespondenten in Israel und den USA sowie freie Mitarbeiter in zahlreichen weiteren Ländern.

Christian Böhme, seit 2005 Chefredakteur, schied zum 30. September 2011 einvernehmlich aus. Nach Angaben des Zentralrats bestanden unterschiedliche Auffassungen über die Eingliederung der Wochenzeitung in dessen Strukturen. Mitarbeiter befürchteten, eine konzeptionelle Neuausrichtung könne das Blatt zu einer „Verbandspostille“ machen. Auf Böhme folgte Detlef David Kauschke; 2023 übernahm Philipp Peyman Engel die Chefredaktion.

Vertrieb, Auflage und digitales Angebot

Die Jüdische Allgemeine wird über Abonnements und Kioske vertrieben. Im vierten Quartal 2020 lag die verkaufte Auflage bei 5.047 Exemplaren, die verbreitete Auflage bei 6.869 Exemplaren. Zwischen 2002 und 2014 konkurrierte sie mit dem ausdrücklich zentralratskritischen Monatsblatt Jüdische Zeitung und dessen russischsprachiger Schwesterpublikation Jewreiskaja gaseta. Von 2002 bis 2006 verlor sie dadurch erheblich an Auflage. Seit April 2021 werden keine Auflagenzahlen mehr gemeldet.

Seit Herbst 2003 betreibt die Zeitung die Website juedische-allgemeine.de. Nach einem Neustart der Druckausgabe und der Website im Frühjahr 2010 bietet sie neben den Inhalten der wöchentlichen Printausgabe auch tagesaktuelle Texte. Für Smartphones existiert eine mobile Version; außerdem nutzt die Zeitung soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter, heute X.

Im Durchschnitt des Mai 2021 erreichten die Online-Angebote etwa 500.000 Unique User, also unterschiedliche Nutzer, und rund 1,2 Millionen Seitenaufrufe pro Monat. Nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel 2023 berichtete die Zeitung erstmals am Schabbat. In diesem Zusammenhang erhöhte sich die Auflage um zehn Prozent, während sich die Online-Reichweite verdreifachte.

Auszeichnungen und Kritik

Die Zeitung erhielt im März 2003 einen European Newspaper Award für ihre Typografie und im November 2009 eine Auszeichnung in der Kategorie „Titelseite Wochenzeitung“.

Der Soziologe Y. Michal Bodemann kritisierte 2025, das Blatt entspreche eher dem Format einer Verbandszeitung als einer lebendigen Zeitung einer Gemeinschaft. Nach seiner Einschätzung räume es israelisch-jüdischen Themen beschönigend viel Platz ein, vernachlässige andere Teile der Diaspora wie das nordamerikanische Judentum und biete zu wenig kontroverse Debatten über innerjüdische Fragen. Obwohl ungefähr ein Drittel der Zeitung israelische Angelegenheiten einschließlich Politik und Militär behandle, würden nach Bodemanns Darstellung unter anderem die Diskriminierung von Minderheiten in Israel, Korruption im Umfeld Benjamin Netanyahus und die Landnahme gewalttätiger Siedler in den besetzten Gebieten gewöhnlich nicht thematisiert. Diese Aussagen geben Bodemanns kritische Bewertung wieder.

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