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Historisches Seminar (Universität Hamburg)
Das Historische Seminar ist das älteste geisteswissenschaftliche Institut der Universität Hamburg. Gegründet wurde es im Jahr 1907.
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Profil und heutige Struktur
Das 1907 gegründete Historische Seminar ist das älteste geisteswissenschaftliche Institut der Universität Hamburg. Es vertritt den Fachbereich Geschichte innerhalb der Fakultät für Geisteswissenschaften und ist seit 1962 im Philosophenturm ansässig.
Im Jahr 2018 umfasste es sechs Arbeitsbereiche: Alte Geschichte, Mittelalter, Deutsche Geschichte, Europäische Geschichte, Globalgeschichte und Public History. Public History beschäftigt sich mit der öffentlichen Darstellung und Vermittlung von Geschichte; Professor dieses neu hinzugekommenen Arbeitsbereichs ist Thorsten Logge. 2018 gehörten dem Seminar 19 aktive Professoren an. Seit 1997 ist es durch eine Professur mit der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg verbunden. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde außerdem das Institut für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte in das Historische Seminar integriert.
Voraussetzungen und Gründung
Schon vor der Gründung des Seminars fand in Hamburg eine institutionalisierte wissenschaftliche Beschäftigung mit Geschichte statt. Wichtige Orte waren das Staatsarchiv der Freien und Hansestadt Hamburg, die Commerzbibliothek und das Akademische Gymnasium, das eine eigene Professur für Geschichte besaß. Im Allgemeinen Vorlesungswesen wurden historische Vorträge angeboten. Dieses bestand auch nach der Auflösung des Akademischen Gymnasiums im Jahr 1883 fort. Ende des 19. Jahrhunderts lehrte dort Adolf Wohlwill, der 1887 zum Beamten und 1890 zum Professor ernannt wurde; ihm folgte Erich Marcks.
Mit der Berufung von Marcks wurde 1907 der Grundstein für das Historische Seminar gelegt. Ende desselben Jahres bewilligte die Hamburgische Bürgerschaft Geld für die Herrichtung ehemaliger Professorenhäuser nahe der Gelehrtenschule des Johanneums und für eine Seminarbibliothek. Marcks’ Professur, die auf Betreiben des Präses der Oberschulbehörde Werner von Melle entstand, wurde von der ebenfalls 1907 gegründeten Hamburgischen Wissenschaftlichen Stiftung finanziert.
1908 arbeiteten mit Erich Marcks und Adalbert Wahl zwei Professoren am Seminar. Beide vertraten vor allem Neuere Geschichte; Wahl übernahm zusätzlich Teile der mittelalterlichen Geschichte. Nachdem Wahl 1910 nach Tübingen gewechselt war, folgte ihm der Mediävist Friedrich Keutgen. 1911 bezog das Seminar ein von Edmund Siemers gestiftetes Gebäude für das Allgemeine Vorlesungswesen in Rotherbaum. Marcks ging 1913 nach München; 1914 folgte ihm Max Lenz.
Das fachliche Profil konzentrierte sich zunächst auf mittelalterliche und neuzeitliche Geschichte. Hinzu kam Richard Salomon, der 1914 als Ordentlicher Professor für Geschichte und Kultur Russlands an das 1908 eröffnete Hamburgische Kolonialinstitut berufen wurde. Wegen seines Kriegsdienstes nahm er diese Tätigkeit erst 1916 auf. Noch vor der Universitätsgründung bestanden in Hamburg damit in zwei Seminaren drei Ordinariate, also ordentliche Professuren, für Geschichte.
Ausbau in der Weimarer Republik
Mit der Gründung der Universität im Jahr 1919 wurde das geschichtswissenschaftliche Angebot erweitert. Neu entstand ein Ordinariat für Alte Geschichte, das Erich Ziebarth übernahm. Er hatte bereits zuvor am Allgemeinen Vorlesungswesen mitgewirkt und lehrte bis zu seiner Emeritierung im Wintersemester 1936/37.
1919 verfügte die Universität über einen Lehrstuhl für Alte Geschichte, zwei Lehrstühle für Mittlere und Neuere Geschichte und einen Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte. 1927 kam ein Extraordinariat für Kolonial- und Überseegeschichte hinzu. Ein Extraordinariat war eine Professur unterhalb des Rangs eines ordentlichen Lehrstuhls. Die neue Stelle erhielt Adolf Rein. Honorarprofessoren und Privatdozenten ergänzten das Lehrangebot.
Auch in der Neueren Geschichte gab es mehrere Wechsel: Max Lenz wurde 1922 emeritiert. Seine Stelle übernahm 1924 Gerhard Ritter, der jedoch bald nach Freiburg wechselte. 1926 begann Justus Hashagen seine Lehrtätigkeit in Hamburg.
Das Seminar im Nationalsozialismus
Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurde der Lehrkörper politisch und institutionell umgestaltet. Richard Salomon wurde aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums verfolgt und 1934 entlassen; seine Stelle wurde gestrichen. Gleichzeitig stieg Adolf Rein auf. In seiner Anfang 1933 erschienenen Broschüre „Die Idee der politischen Universität“ hatte er ein nationalsozialistisches Universitätskonzept vertreten. Im Mai 1933 wurde er Beauftragter für die Universitätsreform, 1934 Rektor; dieses Amt übte er bis 1938 aus. Er war auch für die Auflösung des Osteuropäischen Seminars verantwortlich.
Rein wandelte sein bisheriges Extraordinariat in eines für Kriegsgeschichte und Wehrwissenschaft um und besetzte es mit Alfred Schüz. Die bereits genehmigte Verlängerung der Amtszeit Friedrich Keutgens wurde widerrufen; dessen Stelle erhielt Otto Westphal. 1934 waren auf Reins Initiative drei der fünf Professuren des Seminars mit Nationalsozialisten besetzt. Justus Hashagen, der die Machtübertragung an die Nationalsozialisten ablehnte, wurde 1935 denunziert und später pensioniert. Seine Stelle übernahm der Nationalsozialist Otto Vehse. Vehse und seine Familie kamen im Juli 1943 beim zweiten Großangriff der Royal Air Force während der Operation Gomorrha ums Leben.
Otto Westphal und Alfred Schüz verloren in den 1930er Jahren nacheinander wegen ihrer Homosexualität ihre Stellen. Auf Erich Ziebarths Stelle wurde 1939 Hans Rudolph berufen, nach Kriegsbeginn jedoch zur Wehrmacht eingezogen. Die frühere Stelle von Schüz erhielt 1940 Paul Johansen. 1941 wurde sie in ein „Extraordinariat für Hansische und Osteuropäische Geschichte“ umbenannt; später wurde auch Johansen eingezogen. Westphals Stelle übernahm 1940 Ernst Anrich, der 1941 an die Reichsuniversität Straßburg wechselte. Zum Wintersemester 1942/43 wurde Fritz Fischer auf diese Stelle berufen, gleichzeitig aber ebenfalls zur Wehrmacht eingezogen. Bis zum Kriegsende hielt neben Adolf Rein nur noch Heinrich Reincke Veranstaltungen am Seminar ab.
Entwicklung seit 1945
Nach dem Krieg blieb die personelle Entwicklung zunächst eng mit den Berufungen vor 1945 verbunden. Hans Rudolph war im Wintersemester 1945/46 der einzige hauptamtliche Geschichtsprofessor, der tatsächlich lehrte. Adolf Rein wurde suspendiert und kehrte nicht in die Lehre zurück. Fritz Fischer befand sich im Automatischen Arrest, Paul Johansen in Kriegsgefangenschaft und Otto Vehses Lehrstuhl war unbesetzt.
1946 erhielt Hermann Aubin Vehses Stelle. Als Vertreter der deutschen Volkstumsforschung förderte er zahlreiche Beschäftigungsverhältnisse und machte Hamburg zu einem Zentrum dieses Forschungsbereichs. 1954 folgte ihm der österreichische Historiker Otto Brunner, der 1959/60 Rektor der Universität war. Brunners Nachfolger wurde 1967 Ludwig Buisson.
Fritz Fischer trat 1948 die bereits 1942 genehmigte Stelle an und lehrte bis 1973. Seit 1961 trug sein neuzeitliches Ordinariat den Zusatz „unter besonderer Berücksichtigung der Zeitgeschichte“. Fischer wurde besonders durch die Fischer-Kontroverse bekannt, die sich mit der Verantwortung für den Beginn des Ersten Weltkrieges beschäftigte. Zu seinen Gegnern gehörte Egmont Zechlin, der ebenfalls am Seminar lehrte. Auf Fischer folgten Bernd-Jürgen Wendt und anschließend Angelika Schaser. In der Osteuropäischen Geschichte wurde 1969 Klaus-Detlev Grothusen Professor; 1994 folgte ihm Frank Golczewski.
1967 wurde erstmals eine Professur des Historischen Seminars mit einer Frau besetzt: Inge Buisson war zugleich die erste Geschichtsprofessorin Hamburgs. Die zweite Professorin des Seminars war ab 1984 Barbara Vogel, als Buisson bereits im Ruhestand war. Erst mit der Berufung von Claudia Opitz-Belakhal im Jahr 1991 lehrten dort zwei Professorinnen gleichzeitig.
In den 1960er und 1970er Jahren nahm die Zahl der Geschichtsstudierenden stark zu, weshalb auch die Zahl der Professuren deutlich wuchs. Mitte der 1990er Jahre ging die Stellenzahl wieder zurück. Ende der 1980er Jahre erhielt das Seminar mit Kersten Krüger erstmals einen DV-Beauftragten, also einen Verantwortlichen für elektronische Datenverarbeitung.
Studium und studentisches Leben
Die Geschichte des Studiums am Historischen Seminar ist nur teilweise erforscht: Bis 2016 lag noch keine umfassende Untersuchung darüber vor, wie das Geschichtsstudium seit der Universitätsgründung verlaufen war. Biografien einzelner Studierender geben jedoch Einblicke. Zu ihnen gehörten etwa die späteren Vizepräsidenten der Universität Barbara Vogel und Arnold Sywottek sowie die Hochschullehrer Peter Borowsky und Klaus Saul.
Ein Beispiel für studentisches Gemeinschaftsleben ist der Historische Club, der von 1949 bis 1969 bestand. Für die fachliche Ausbildung war außerdem über lange Zeit eine von den Hamburger Lehrenden Peter Borowsky, Barbara Vogel und Heide Wunder verfasste Einführung in die Geschichtswissenschaft wichtig; sie wurde nicht nur in Hamburg zur Vermittlung grundlegender Arbeitsweisen und Kenntnisse verwendet.