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Public History
Public History befasst sich mit Geschichte in der Öffentlichkeit, für die Öffentlichkeit und mit der Öffentlichkeit. Im deutschsprachigen Raum wird sich der …
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Gegenstand und Bedeutung
Public History, auf Deutsch öffentliche Geschichte, bezeichnet ein breites Spektrum von Arbeitsfeldern der angewandten Geschichtswissenschaft. Diese beschäftigen sich überwiegend außerhalb des akademischen Umfelds mit Geschichte. Dazu zählen unter anderem Erinnerungskultur, Denkmalpflege, Gedenkstättenarbeit, Archivwesen, Oral History und Museumswesen.
Public History befasst sich mit Geschichte in der Öffentlichkeit, für die Öffentlichkeit und mit der Öffentlichkeit. Sie soll Geschichte zugänglich und gesellschaftlich nutzbar machen. Der Begriff entstand in den späten 1970er Jahren in den USA und Kanada. Im deutschen Sprachraum werden die genannten Arbeitsfelder teilweise noch getrennt behandelt. Seit den 2000er Jahren wird Public History dort jedoch zunehmend sowohl als Forschungsgegenstand als auch als eigenständige Fachdisziplin betrachtet: einerseits analytisch durch die Untersuchung öffentlicher Geschichtsdarstellungen, andererseits praktisch durch die Entwicklung und Vermittlung solcher Angebote.
Definition und zentrale Merkmale
Public History ist schwer eindeutig zu definieren, weil sie viele unterschiedliche Tätigkeiten umfasst. Vier Merkmale gelten als besonders wichtig:
- Sie wendet historische Methoden an.
- Sie verfolgt einen öffentlichen Nutzen, der über die bloße Aufbewahrung von Dokumenten und die akademische Bearbeitung von Geschichte hinausgeht.
- Sie analysiert Angebote der Public History innerhalb der Geschichtskultur kritisch.
- Sie legt besonderen Wert auf berufliche Ausbildung und praktische Tätigkeit.
Der US-amerikanische National Council on Public History formulierte 1989, Public History solle „to promote the utility of history in society through professional practice“ dienen, also „den sozialen Nutzen der Geschichte durch professionelle Praxis zu fördern“. Eine besondere Herausforderung entsteht bei Aufträgen außerhalb der Universität. Deshalb werden in der Public History Fragen nach beruflicher Verantwortung und Ethikkodizes besonders intensiv diskutiert.
Nach Martin Lücke und Irmgard Zündorf kann Public History zweifach verstanden werden: als jede Form öffentlicher Geschichtsdarstellung, die sich an eine breite, nicht geschichtswissenschaftliche Öffentlichkeit richtet, und als Teildisziplin der Geschichtswissenschaft, die solche Geschichtsdarstellungen erforscht. Untersuchungsgegenstand ist damit jede öffentliche Darstellung und Inszenierung von Vergangenheit. Gefragt wird, was für wen, auf welche Weise, mit welcher Bedeutung und zu welchem Zweck als Geschichte kommuniziert wird.
Methoden und praktische Arbeitsfelder
Als vergleichsweise junge Disziplin hat Public History bisher keine vollständig eigenen methodischen Zugänge entwickelt. Sie greift auf Ansätze der Geschichtswissenschaft, Kulturwissenschaft, Geschichtsdidaktik und Geschichtskultur zurück und arbeitet deshalb interdisziplinär. Zu den methodischen Zugängen und Anwendungsfeldern gehören Oral History, also die Arbeit mit mündlichen Erinnerungen, Visual History, Sound History, Materielle Kultur sowie Living History.
In der Praxis soll Geschichte einer breiten Öffentlichkeit außerhalb von Universität und Schule zugänglich gemacht werden. Public Historians arbeiten deshalb vor allem an der Kommunikation und Vermittlung von Geschichte. Dies geschieht in Museen, Gedenkstätten und Archiven, in der Denkmalpflege sowie in populärkulturellen Geschichtsprodukten. Beispiele dafür sind Bücher, Podcasts, Filme und Angebote in sozialen Medien.
Public History als Studienfach
Public History kann an Universitäten in der Bundesrepublik Deutschland und der Schweiz in der Masterphase in unterschiedlichen Formen studiert werden. An den Universitäten Hamburg, Heidelberg und Köln wird sie als Studienschwerpunkt oder Studienrichtung in geschichtswissenschaftlichen Masterstudiengängen angeboten. Konsekutive Masterstudiengänge Public History gibt es an der Freien Universität Berlin seit 2008, an der Universität zu Köln seit 2015, an der Ruhr-Universität Bochum seit 2017 und an der Universität Bremen seit 2024. Weitere Angebote sind der Joint-Master „Geschichtsdidaktik und öffentliche Geschichtsvermittlung“ an verschiedenen Schweizer Hochschulen mit der Pädagogischen Hochschule Luzern als Leading House sowie der an der Universität Regensburg ab dem Wintersemester 2018 / 2019 eingerichtete Masterstudiengang Public History und Kulturvermittlung.
Der Studiengang an der FU Berlin geht von fachwissenschaftlichen Fragen aus, berücksichtigt aber stärker ästhetische, politische und kommerzielle Dimensionen des Umgangs mit Geschichte. Inhaltlich verbindet das Fach Museumspädagogik, Geschichtsdidaktik, öffentliche Geschichtspräsentation, Kulturmanagement, Öffentlichkeitsarbeit, Medienkompetenzvermittlung und einen begrenzten fachwissenschaftlichen Anteil, vor allem in Neuerer Geschichte und Zeitgeschichte. Die Universität Heidelberg bezeichnet Public History als „Demokratiewissenschaft“.
Ein Master of Arts wird in Deutschland und der Schweiz nach einem viersemestrigen 1-Fachmaster-Studium erworben. Das Fächerspektrum ist dabei meist eng. An einigen Universitäten, etwa in Köln, kann ein zweites geistes- oder gesellschaftswissenschaftliches Fach gewählt werden. Dadurch können Studierende zusätzliche Kompetenzen in Quellenarbeit und im notwendigen Spracherwerb erwerben.
Das Studium ist weniger auf klassische geschichtswissenschaftliche Methoden ausgerichtet und bereitet auf Tätigkeiten in Medien, Verlagen, Museen, Gedenkstätten, Verbänden, Stiftungen und Unternehmen vor. Es kann an einer Fachhochschule, als Aufbaustudium nach einem fünfjährigen grundständigen fachwissenschaftlichen Studium mit Masterabschluss oder als hilfswissenschaftlicher Bereich innerhalb einer klassischen Historikerausbildung eingeordnet werden. Diese Einordnung und die Abgrenzung zur traditionellen Historikerausbildung wurden unter anderem beim Workshop „Public History in Studium und Ausbildung“ im März 2015 an der Universität Hamburg problematisiert.
Der Schweizer Joint-Master umfasst drei Studiengebiete: Geschichtsdidaktik sowie Geschichts- und Erinnerungskulturen; geschichtsdidaktische Vermittlungs- und Forschungspraxis; und Zeitgeschichte. Beteiligt sind die Pädagogische Hochschule Luzern, die Universität Freiburg, die Universitäten Luzern und Basel sowie die Pädagogischen Hochschulen der FHNW, St. Gallen und der Waadt. Der Studiengang soll unter anderem wissenschaftlichen Nachwuchs für Pädagogische Hochschulen ausbilden.
Der Masterstudiengang an der Ruhr-Universität Bochum legt besonderen Wert auf Praxisphasen. In der Lehre sind viele Akteure aus Museen, Archiven, Gedenkstätten, Medienanstalten und Geschichtsbüros vertreten. Außerdem gehört ein Praxissemester zum Studium.