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Hindutempel Basel
Der Hindutempel Basel (Arulmigu Hindu Alayam) ist ein Zentrum für Kultur, Gemeinschaft und Religion im Baseler Dreispitz, in dem die tamilisch-hinduistische …
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Bedeutung und Grunddaten
Der Hindutempel Basel, auch Arulmiku Hindu Alayam genannt, ist ein religiöses, kulturelles und gemeinschaftliches Zentrum im Baseler Dreispitz. Dort wird vor allem die tamilisch-hinduistische Tradition gelebt. Der Tempel dient täglichen Gottesdiensten, grossen Jahresfesten, persönlichen Ritualen und kulturellen Veranstaltungen.
Das Gebäude steht an der Mailandstrasse 30, 4053 Basel, in der Schweiz. Es wurde von 2009 bis 2015 errichtet; Architekt war Paul Leis. Der Tempel ist erbaut, etwa 10 Meter hoch und besitzt rund 1'000 m² Nutzungsfläche auf zwei Ebenen. Die Baukosten werden mit 1–2 Millionen CHF angegeben.
Entstehung und Entwicklung
Der erste Hindutempel der Schweiz entstand 1985 in Basel im Keller eines Privathauses. Dieser Sithi Vinayagar Alayam war dem Gott Ganesha geweiht, der auch Vinayagar oder Pillayair genannt wird. Später wurden zwei weitere Tempel gegründet: der Sri Raja Rajeswary Ambal für Amman, eine Form der Göttin Parvati, sowie der Sri Subramaniar für Murugan, der auch Skanda oder Kartikeya heisst. Diese drei Tempel bestimmten das religiöse Leben der tamilischen Hindus in Basel.
1993 wurde in Basel das erste hinduistische Kumbhabhishekham der Schweiz durchgeführt. Dabei handelt es sich um ein Einweihungsritual. Am 2. Juni 2004 schlossen sich die drei Tempel zur gemeinsamen Institution Hindu Tempel Basel zusammen.
Im Jahr 2008 musste das bisher genutzte Areal nach einer Kündigung aufgegeben werden. Zur Sicherung der Zukunft des Tempels wurde die Stiftung Hindugemeinde gegründet. Sie ermöglichte den Neubau im Dreispitz. Der Bau an der Mailandstrasse 30 begann 2009; die offizielle Eröffnung des neuen Tempels fand 2015 statt.
Gebäude und Standort
Der Tempel entstand durch die Umnutzung einer ehemaligen Lagerhalle. Planung und Umgestaltung erfolgten durch den Architekten Paul Leis in Zusammenarbeit mit der Stiftung Hindugemeinde. Von aussen ist der industrielle Ursprung der Halle weiterhin erkennbar. Das auffälligste Bauelement ist der farbenprächtige Gopuram, ein Tempelturm über dem Haupteingang mit typischen Elementen südindischer Tempelarchitektur.
Im Inneren liegt eine zentrale Tempelhalle mit Schreinen für die drei Hauptgottheiten Ganesha, Amman und Murugan. Weitere kleinere Altäre sind anderen Gottheiten gewidmet. Zur Anlage gehören ausserdem eine Küche, Lagerräume und Räume für kulturelle Veranstaltungen.
Der Tempel befindet sich im Dreispitz-Areal an der Grenze zwischen Basel-Stadt und Basel-Landschaft. Das Gebiet war ursprünglich ein Industrie- und Logistikareal und entwickelt sich zu einem Quartier mit gemischter Nutzung. Die Haltestelle Dreispitz ist mit Tram und Zug in wenigen Gehminuten erreichbar. Die Tramlinie 11 verbindet den Dreispitz direkt mit der Innenstadt; auch aus Muttenz und Münchenstein ist der Tempel schnell erreichbar. Die grosse Fläche und Raumhöhe eignen sich für religiöse Zwecke, und bei grösseren Festen sind wegen der Lage kaum Konflikte mit Anwohnern zu erwarten.
Gottesdienste, Feste und persönliche Rituale
Der religiöse Alltag wird durch tägliche Pujas geprägt. Eine Puja ist ein von einem Priester geleiteter Gottesdienst. Zu ihr gehören Rezitationen, Räucherungen, Lampenopfer, die Aarati genannt werden, und das Darbringen von Speisen. An bestimmten Tagen finden Abhishekas statt. Dabei werden die Götterstatuen rituell mit Milch, Wasser und Honig gebadet. Nach den Zeremonien erhalten die Besucherinnen und Besucher Prasadam, also gesegnete Speisen, die häufig gemeinsam im Untergeschoss gegessen werden.
Mitte Januar wird jährlich Thai Pongal, das tamilische Erntedankfest, gefeiert. Die Gläubigen kochen Milchreis, der Pongal genannt wird. Wenn der Reis überkocht, rufen alle gemeinsam „Pongalo Pongal“. Dieser Ausruf soll Glück, Dankbarkeit und Wohlstand ausdrücken. Anschliessend wird der Pongal zuerst den Göttern dargebracht und danach mit allen Anwesenden geteilt.
Das wichtigste Fest des Jahres ist das zehntägige Mahotsavam, das jeweils im Sommer stattfindet. Während dieser Zeit gibt es täglich Pujas, Abhishekas und kulturelle Veranstaltungen. Jede Gottheit erhält eigene Festtage mit besonderen Ritualen. Zu den Höhepunkten gehören der Sapparam, eine Prozession mit einer kleineren Götterfigur auf einem Traggestell, und der Ther, ein Wagenfest, bei dem die Hauptgottheit auf einem geschmückten Wagen durch den Tempelraum gezogen wird. Anders als in Sri Lanka oder Indien finden die Prozessionen in Basel aus Platzgründen nur auf dem Tempelgelände beziehungsweise an der Mailandstrasse statt.
Weitere Feste sind Vinayagar Chaturthi für Ganesha, Navaratri für Amman, Kanda Sashti für Murugan und Diwali, das Lichterfest. Gemeinsames Essen stärkt bei allen Feiern den sozialen Zusammenhalt. Der Tempel ist ausserdem ein Ort für Hochzeiten, Gebetsversammlungen und Trauerzeremonien, die jeweils von den entsprechenden religiösen Handlungen begleitet werden.
Verehrte Gottheiten
Im Hindutempel Basel werden 17 verschiedene Gottheiten verehrt, besonders solche, die in der tamilischen Tradition wichtig sind. Der Hinduismus kennt darüber hinaus tausende Gottheiten, darunter Vishnu, Lakshmi, Krishna, Rama, Sarasvati, Durga, Hanuman und Brahma.
Shivan gehört zu den Hauptgottheiten des Hinduismus und zur Trimurti, der göttlichen Dreiheit aus Brahma als Schöpfer, Vishnu als Erhalter und Shivan. Shivan gilt als Gott der Zerstörung und Erneuerung und herrscht über Geburt, Tod und Wiedergeburt. Er steht für Meditation, Transformation und kosmische Energie. Typische Darstellungen zeigen ihn mit Dreizack, drittem Auge, Mondsichel im Haar und einer Schlange um den Hals, oft in tiefer Meditation. Shivan ist Amman verheiratet und der Vater von Ganesha und Murugan.
Amman, auch Parvati oder Rajarajeswary genannt, ist Shivans Ehefrau sowie die Mutter von Ganesha und Murugan. Sie verkörpert die weibliche schöpferische Kraft, Shakti, und steht für Liebe, Hingabe, Fruchtbarkeit, Fürsorge und spirituelle Stärke. Sie wird als reich geschmückte Frau mit dunklem Haar und leuchtender Haut dargestellt, manchmal mit zwei oder mehreren Armen. In ihren Händen kann sie unter anderem Blumen oder Gebetsketten halten. Ihr ist das Fest Navaratri gewidmet.
Ganesha, auch Vinayagar oder Pillayair genannt, besitzt einen Elefantenkopf und einen menschlichen Körper. Er wird als Gott der Weisheit und des Erfolgs sowie als Überwinder von Hindernissen verehrt. Als älterer Sohn von Shivan und Amman wird er gewöhnlich am Anfang von Zeremonien angerufen, damit diese erfolgreich sind und Hindernisse beseitigt werden. Häufig wird er mit vier Armen dargestellt, in denen er unter anderem eine Axt, eine Lotosblume, eine Süssigkeit und eine Gebetskette trägt. Sein wichtigstes Fest ist Vinayagar Chaturthi.
Murugan, auch Skanda oder Kartikeya genannt, ist der jüngere Sohn von Shivan und Amman und der Bruder von Ganesha. Er gilt als Gott des Krieges, der Jugend, der Tapferkeit und der Weisheit. Dargestellt wird er als junger Krieger mit einem Speer, oft auf einem Pfau reitend. Der Pfau symbolisiert den Sieg über das Ego. Murugan spielt besonders in Erzählungen über den Kampf gegen das Böse und gegen Dämonen eine wichtige Rolle. Zu seinen Festen gehören Thaipusam und Kanda Shashti.