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Ganesha
Er ist der Sohn des Shiva und der Parvati, mit denen er zusammen das Idealbild einer Hindu-Familie verkörpert. Ganesha ist von allen hinduistischen Göttern der …
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Bedeutung und Verehrung
Ganesha ist eine der beliebtesten Formen des Göttlichen im Hinduismus. Er heißt unter anderem Ganapati, Vinayaka, Vighnesha, Vighnantaka, Varada, Siddhita und Ekadanta. Er gilt als Sohn von Shiva und Parvati und verkörpert mit ihnen zusammen das Idealbild einer Hindu-Familie. Außerhalb Indiens ist er einer der bekanntesten hinduistischen Götter; verehrt wird er auch im Buddhismus unter dem Namen Kangiten und im Jainismus.
Ganesha ist der „Herr der Hindernisse“: Er kann Hindernisse beseitigen, aber auch setzen, wenn jemand respektlos handelt oder wenn ein Hindernis notwendig ist. Deshalb beginnt jede morgendliche Puja, also ein hinduistischer Gottesdienst, mit einem Gebet an ihn. Er wird besonders am Anfang neuer Unternehmungen angerufen, etwa bei Reisen, Hochzeiten, Hausbau, Prüfungen, Geschäftsangelegenheiten oder dem Beginn eines neuen Tages. Er steht für Glück, Erfolg, gutes Gelingen, Weisheit und Intelligenz.
Zu seinen Bereichen gehören Poesie, Musik, Tanz, Schrift, Literatur, Wissenschaften und Handel. Viele Kaufleute sehen ihn als Schutzherrn; in fast jedem Laden findet sich eine Ganeshastatue. Für viele fromme Hindus ist eine Ganesha-Statue das Erste, was in ein neues Haus kommt, damit sie das Haus segnet und Glück verheißt. Auf Hochzeitseinladungen ist er ebenfalls sehr häufig dargestellt. Manche hinduistische Strömungen sehen in ihm eine untergeordnete Manifestation des Göttlichen und den Herrn allen Anfangs; andere, besonders in Maharashtra und einigen Gegenden Südindiens, verehren ihn als wichtigste Verkörperung des formlosen Höchsten, des Brahman.
Darstellung und Symbole
Ganesha wird meist als kleiner, roter, beleibter Mann oder als Kind mit großem Elefantenkopf dargestellt. Typisch ist, dass er nur einen Stoßzahn besitzt. Oft sitzt er auf einer Lotusblüte. Seine großen Ohren, kleinen Augen und sein durchdringender Blick gehören ebenfalls zu seiner Bildsprache. Sein kugelrunder Bauch steht für Reichtum und für die Fähigkeit, alle Erfahrungen aufzunehmen.
Sein Reittier, das Vahana, ist eine Maus oder Ratte. Sie gilt unter anderem als Symbol für Intelligenz und Stärke und als Überwinderin von Hindernissen. Philosophisch kann sie die Kontrolle über das menschliche Ego ausdrücken oder zeigen, dass selbst das kleinste Wesen das Göttliche tragen kann.
Ganesha hat zwei oder mehrere Arme. Mehrere Arme gelten in der hinduistischen Kosmologie als Zeichen überlegener, göttlicher Macht. In seinen Händen trägt er je nach Darstellung eine Waffe als Zeichen von Schutz und Kampf gegen das Übel, eine Lotusblüte als Zeichen geistiger Wiedergeburt, Weisheit und Reinheit, ein Buch oder eine Mala, also eine Gebetskette. Häufig hält er Süßigkeiten wie Modaka oder vor ihm steht eine Schale mit Laddus. Diese Süßigkeiten zeigen seine Liebe zum Essen und können auch die Belohnung spiritueller Suche bedeuten.
Wichtige Gesten, Mudras genannt, sind die tröstende Geste „Fürchte dich nicht!“ und eine gebende Geste, die seine Gnade verspricht. Weitere Attribute sind ein Elefantentreiberstock, ein Seil, mit dem er Gläubige aus weltlichen Problemen zieht, und eine Axt, mit der er das Seil von Wünschen, Bedürfnissen und Bindungen durchtrennen kann. Oft trägt er eine Schlange um den Bauch. Die Mischform aus Mensch und Elefant wird unter anderem damit erklärt, dass der Elefant in der Mythologie ein Wächter und Träger des Alls ist. Verbreitet ist auch die Deutung: Elefantenkopf als Makrokosmos und menschlicher Körper als Mikrokosmos.
Geburt und wichtige Mythen
Die Puranas erzählen verschiedene Versionen von Ganeshas Entstehung. Eine bekannte Geschichte aus dem Shiva Purana berichtet, dass Parvati ihn in Shivas Abwesenheit aus Lehm formte, mit Gangeswasser übergoss und so zum Leben erweckte. Sie setzte ihn als Wache vor ihr Haus. Als Shiva kam, ließ Ganesha ihn nicht eintreten. Shiva schlug ihm den Kopf ab. Nachdem Shiva erkannte, dass er Parvatis Sohn getötet hatte, ließ er den Kopf eines Lebewesens bringen, das nach Norden schlief. Es war ein Elefant. Shiva setzte dessen Kopf auf Ganeshas Körper und machte ihn dadurch wieder lebendig. So wurde Ganesha auch Shivas Sohn.
In einer ähnlichen Erzählung formt Parvati Ganesha aus Schorf, Salben, Ölen und Gangeswasser und stellt ihn vor ihren Baderaum. Shiva, der Ganesha nicht kennt, gerät in Zorn und enthauptet ihn. Parvati bittet Shiva, ihren Sohn wiederzubeleben. Shiva ersetzt den Kopf durch den des ersten vorbeikommenden Wesens, eines Elefanten. Danach erkennt Shiva Ganesha an, macht ihn zum obersten Heerführer seiner Ganas, also seiner Scharen oder göttlichen Gefolge, und bestimmt, dass Ganesha immer zuerst angebetet werden soll.
Andere Mythen betonen Ganeshas Weisheit. In einem Wettstreit sollten Ganesha und Karttikeya als Erste die Welt umrunden. Karttikeya flog auf seinem Pfau los und schaffte es an einem Tag. Ganesha umrundete dreimal seine Eltern Shiva und Parvati, weil sie für ihn das Universum darstellten. Daher erklärten sie ihn zum Sieger.
Auch sein verlorener Stoßzahn wird verschieden erklärt. In einer Erzählung stolpert Ganesha mit seiner Ratte über eine Schlange, sein Bauch platzt auf, und er bindet ihn mit der Schlange wieder zu. Als der Mondgott Chandra oder Soma ihn verspottet, wirft Ganesha seinen ausgerissenen Stoßzahn auf den Mond, der sich verdunkelt. Später wandelt er den Fluch in ein wiederkehrendes Abmagern des Mondes um; so erklärt der Mythos die Mondphasen. In einer anderen Version bricht er sich den Stoßzahn ab, um das Mahabharata für den Weisen Vyasa aufzuschreiben. Weitere Versionen verbinden den Zahnverlust mit Parashurama oder mit dem Kampf gegen einen Dämon.
Eigenschaften in Erzählungen
Viele Geschichten zeigen Ganesha als klug, verspielt, humorvoll, aber auch naschhaft und machtvoll. Als Kind spielt er seinen Eltern Streiche. Einmal quält er eine Katze, indem er sie am Schwanz zieht. Später findet er seine Mutter Parvati zerkratzt am Himalaya vor. Sie erklärt ihm, dass sie selbst die Katze gewesen sei. Eine andere Geschichte erzählt, wie Ganesha seinem schlafenden Vater Shiva den Mond aus den Haaren stiehlt und damit spielt.
Die Ratte als sein Reittier wird durch einen Mythos erklärt: Ein Dämon war wegen Respektlosigkeit von den Göttern in eine Ratte verwandelt worden. Er verwüstete den Aschram des Parashurama und fraß alle Lebensmittel. Ganesha erschien, fing die Ratte mit seinem Seil und zähmte sie. Seitdem dient sie ihm als Reittier.
Seine Naschhaftigkeit zeigt die Erzählung von Kubera, dem Gott des Reichtums. Kubera lädt Ganesha in seinen Palast ein, aber Ganesha isst immer weiter: erst die Speisen, dann Geschirr, Einrichtung, fast den ganzen Palast und fast ganz Alakapuri, die Königsstadt Kuberas. Schließlich droht er, auch Kubera zu verspeisen. Kubera wendet sich an Shiva. Auf dessen Rat geht Ganesha zu Parvati, die ihm einen Reiskloß gibt. Danach ist er satt, und Kubera ist gerettet.
Als Bezwinger von Ravana verhindert Ganesha, dass Ravana durch ein Linga von Shiva unbesiegbar wird. Shiva hatte Ravana erlaubt, das Linga mitzunehmen, aber es durfte unterwegs nicht auf den Boden gestellt werden. Als Ravana anhalten muss, bittet er einen Jungen, es zu halten. Der Junge ruft ihn dreimal, erhält keine Antwort und setzt das Linga ab. Als Ravana wütend wird, zeigt der Junge seine wahre Gestalt als Ganesha, überwältigt Ravana, rollt ihn zu einer Kugel und wirft ihn gen Himmel.
Familie, Geschichte und Fest
Über Ganeshas Ehestatus gibt es in Indien keine einheitliche Auffassung. Im Norden gilt er oft als verheiratet mit Siddhi, „Klugheit und Reichtum“, oder Riddhi, „Erfolg, Gedeihen“, und Buddhi, „Weisheit“. Diese Gestalten werden häufig nicht als wirkliche Ehefrauen, sondern als symbolische Eigenschaften Ganeshas verstanden; sie bilden seine Shakti, also seine göttliche weibliche Kraft. In Südindien gilt Ganesha dagegen als ewiger Junggeselle im Zölibat. Ein Mythos erklärt dies damit, dass er nur eine Frau heiraten wolle, die genau so schön sei wie seine Mutter Parvati. Da dies nach hinduistischem Verständnis unmöglich ist, sucht er noch immer.
In seiner Entwicklung nahm Ganesha verschiedene Formen anderer Gottheiten auf, besonders von Naturgottheiten. Sein kugeliger Bauch und seine „gnomhafte“ Gestalt können auf eine Entwicklung aus den Yakshas hinweisen, alten Fruchtbarkeitsgenien. Manche Attribute erinnern an Landwirtschaft, etwa Hakenpflug oder Bindeseil. Auch der Brauch, beim Fest Lehmfiguren in den Fluss zu werfen, passt zu der Vorstellung, dass sie aus der Natur kommen und in den Kreislauf der Natur zurückkehren. Historisch ist Ganesha der jüngste wichtige Gott des Hinduismus. In den Veden erscheint er namentlich nicht. Literarisch ist er erst in epischer Zeit und in den Puranas fassbar; sicher nachweisbar ist er frühestens ab dem 5. Jahrhundert nach Christus. Eine indisch-griechische Münze aus dem 1. und 2. Jahrhundert vor Christus zeigt möglicherweise eine anthropomorphe Elefantengestalt, die Ganesha darstellen könnte.
Das wichtigste Fest für Gläubige, die Ganesha oder Ganapati als Höchstes verehren, ist Ganesh Chaturthi. Es liegt nach dem Mondkalender zwischen Mitte August und Mitte September. In dieser Zeit gilt: Gott kommt zu Besuch, und zugleich wird seine Geburt gefeiert. An diesem Tag soll man vermeiden, den Mond anzusehen. Häufig wird Ganesha mit dem Mantra „Ganesha Sharanam, Sharanam Ganesha“ verehrt, das bedeutet, dass Ganesha die Hindernisse entfernen möge. Besonders prachtvoll ist das Fest in Mumbai. Dort werden kleine und riesige Lehmstatuen in Häusern und Straßen aufgestellt, mehrere Tage verehrt und am letzten Tag in Prozessionen zum Meer gebracht und dort versenkt.
Wunderbericht von 1995
1995 verbreiteten sich in Indien, besonders in Delhi, Gerüchte über ein sogenanntes „Wunder des Ganesha“. Es hieß, eine Ganeshastatue habe sämtliche Milchopfer aufgesaugt, die ihr dargebracht wurden. Die Nachricht verbreitete sich sehr schnell, und Tausende Menschen kamen, um das Ereignis zu sehen. Man sagte, Ganesha habe die Milch mit seinem Rüssel oder mit seinem Stoßzahn aufgenommen.