Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Krishna
Für seine Anhänger ist Krishna die Inkarnation des Höchsten. Der junge Krishna als Venugopala: Flöte (venu) spielender Kuhhirte (gopala) am Hoysala-Tempel von …
Inhalt5 Abschnitte
Grundbedeutung und Verehrung
Krishna, veraltet Krischna, ist im Hinduismus eine Form des Göttlichen. Er wird meist als achter Avatara, also als Herabkunft oder Verkörperung, des Gottes Vishnu verehrt. Für seine Anhänger ist Krishna die Inkarnation des Höchsten. Sein Name wird im Sanskrit mit „der Schwarze“ oder „der Dunkle“ wiedergegeben. In Südindien heißen verbreitete Bezeichnungen auch Keshava oder Venugopala, „Kuhhirte mit Flöte“.
Krishna zählt zu den populärsten Gottheiten des Hinduismus, und seine Verehrung ist in Indien weitverbreitet. Die Krishna-Religiosität ist besonders von Bhakti Yoga geprägt. Bhakti bedeutet gefühlsbetonte religiöse Hingabe. Wichtige Ausdrucksformen sind die Verehrung des Göttlichen im Bild, Bhajans, also religiöse Gesänge, sowie Lesungen aus heiligen Schriften wie dem Bhagavatapurana und der Bhagavadgita.
Aussehen, Symbole und Namen
Die heiligen Schriften beschreiben Krishnas Körpertönung als vergleichbar mit einer frischen Gewitterwolke. Er trägt häufig eine Bambusflöte, die bansuri, bei sich und eine Pfauenfeder im Haar. Sein himmlischer Wohnort heißt goloka.
In der Kunst wird Krishna vor allem als Flöte spielender Gott dargestellt, meist stehend und mit überkreuzten Beinen. Oft erscheinen in der Randzone kleinere Kuhhirtinnen, die gopis, und ruhende Kühe. Die Flöte versinnbildlicht den Menschen, der erst durch den Atem Gottes „zum Leben erweckt“ wird. Weitere Motive zeigen Krishna beim Anheben des Berges Govardhana zum Schutz vor Unwetter, beim Tanz oder zusammen mit seiner Gefährtin Radha.
Zu seinen Namen gehören Param Brahman („das höchste Brahman“), Bhagavan („Besitzer des Glückes“, „Herr“, „Gott“), Hrishikesha („Herr der Sinne“), Vishnu („der Alldurchdringende“), Mohana („Faszinierender“), Devadideva („Gott der Götter“), Keshava („Vernichter des Keshi-Dämons“), Purushottama („das höchste Selbst“, „höchste Person“), Ishvara („Gott, Herrscher“), Govinda („der den Kühen und den Sinnen Freude bereitet“), Parameshvara („der höchste Gott“), Jagannatha („Herr der Welt“) und Giridhari („der den Hügel namens Govardhana emporhebt“).
Geburt und Kindheit
Das Bhagavatapurana erzählt, Krishna sei der achte Sohn von Prinzessin Devaki und ihrem Gatten Vasudeva gewesen. Die Familie gehörte zur königlichen Familie von Mathura. König Kamsa, Devakis Cousin, hatte seinen Vater beziehungsweise Stiefvater Ugrasena gefangen setzen lassen, um selbst zu herrschen. Nach der Hochzeit von Devaki und Vasudeva prophezeite eine Stimme, der achte Sohn des Paares werde Kamsa töten. Deshalb ließ Kamsa beide einsperren und tötete die ersten sechs Kinder gleich nach der Geburt. Das siebte Kind konnte nach einer scheinbaren Fehlgeburt gerettet werden.
Als Krishna geboren wurde, sahen seine Eltern ihn kurz in kosmischer Form mit vier Händen. Durch seine Wunderkräfte schliefen die Wächter ein, die Ketten sprangen auf und die Türen öffneten sich. Vasudeva brachte das Neugeborene über den Fluss Yamuna nach Gokul bei Vrindavan in der Region Braj, heute im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh. Dort wuchs Krishna bei den Pflegeeltern Yashoda und Nanda als Kuhhirte auf. Mit seiner Geschichte ist daher auch die Verehrung der Kuh verbunden.
Zwei Geschwister Krishnas überlebten ebenfalls: Balarama, geboren von Vasudevas erster Frau Rohini, und die später geborene Subhadra. Balarama war in Krishnas Kindheit eng mit ihm verbunden und gilt in einigen Traditionen anstelle von Buddha als neunter Avatar Vishnus. Zusammen mit Krishnas Form als Jagannath bilden Balarama und Subhadra besonders im Osten Indiens, vor allem in Odisha, eine beliebte Dreiheit.
Viele Kindheitsgeschichten zeigen Krishna als spielerischen und wunderbaren Kuhhirten. Bekannt ist die Erzählung, dass er mit Freunden Butter oder Ghee stahl, die in einem Tongefäß unter der Decke hing. Die Jungen bildeten dazu eine menschliche Pyramide. Solche Szenen erscheinen häufig in Kunst und Tanz, etwa im Bharatanatyam. Eine weitere bekannte Geschichte handelt von seinem Kampf mit dem schlangengestaltigen Flussdämon Kaliya.
Radha, Gopis und erwachsenes Wirken
Ein wichtiger Teil der Krishna-Mythologie sind seine Spiele mit den Hirtenmädchen, den Gopis. Die Geschichten erzählen, dass Krishna sie verliebt macht und sie darüber ihre Pflichten vergessen. Seine Gefährtin Radha gilt im spirituellen Sinn als seine Shakti, also seine Energie oder Kraft. Die geistige, aber auch erotische Liebe zwischen Krishna und Radha sowie den anderen Gopis wird im Hinduismus als Symbol für die Liebe Gottes zum Menschen und für die sehnsuchtsvolle Liebe des Menschen zu Gott verstanden. Die Erzählungen aus Krishnas Kindheit und Jugend in Braj werden im Tanztheater Ras lila dargestellt.
Als Erwachsener kehrt Krishna nach Mathura zurück. Dort tötet er Kamsa und gibt den Thron an den rechtmäßigen König Ugrasena zurück. Das Mahabharata berichtet außerdem, Krishna sei König von Dwarka im heutigen indischen Bundesstaat Gujarat gewesen. Im Streit zwischen den Dynastien der Pandavas und Kauravas um die rechtmäßige Thronfolge scheitern seine Friedensmissionen. Im anschließenden großen Krieg wird Krishna der Wagenlenker Arjunas, des Helden der Pandavas.
In dieser Rolle übermittelt Krishna Arjuna die Lehren der Bhagavadgita. Vor der Schlacht von Kurukshetra offenbart er sich Arjuna als der Höchste. Arjuna zögert zu kämpfen, weil auf der Gegenseite viele Verwandte stehen. Krishna belehrt ihn über Dharma, seine Pflicht als Krieger der Kshatriya-Kaste, und über Atman, die unsterbliche Seele. Außerdem gibt Krishna ethische Anweisungen, etwa dass er den liebt, der keinem Wesen übel gesinnt ist, Mitleid hat, frei von Egoismus und Selbstsucht ist, in Leid und Freude gleichmütig bleibt und geduldig ist.
36 Jahre nach der Schlacht von Kurukshetra erschlagen sich die Yadavas, deren Oberhaupt Krishna ist, während eines Trinkgelages gegenseitig. Krishna selbst wird im Alter irrtümlich durch den Pfeil eines Jägers verwundet und stirbt, nachdem er dem Jäger verziehen hat. Nach hinduistischer Tradition kehrte Krishna im Jahr 3102 v. Chr. in den Himmel zurück. Dieser Zeitpunkt gilt als Beginn des Kali-Yuga, des dunklen Zeitalters.
Historizität und Feste
Krishna gilt im wissenschaftlichen Sinn nicht als gesichert historische Person. Die meisten Hindus gehen aber davon aus, dass er wirklich gelebt hat. Die Frage der Historizität lässt sich nicht beweiskräftig klären. Einige Hinweise werden jedoch als Indizien dafür genannt, dass ein realer Stammesführer als Vorbild für die literarische Gestalt Krishna gedient haben könnte. Dazu gehört die sehr ausführliche Darstellung von Krishnas Friedensmission im 5. Buch des Mahabharata vor der großen Schlacht zwischen Pandavas und Kauravas.
Ein weiteres Indiz sind Meeresausgrabungen, die der Archäologe S. R. Rao in den 1980er Jahren in der Region des heutigen Dwarka in Gujarat durchführte. Dabei wurde die Existenz eines Stadtstaates festgestellt, der auf etwa 1500 v. Chr. datiert wird. Rao hielt ihn für möglicherweise identisch mit der im Mahabharata beschriebenen Stadt Dvaraka. Im Epos heißt es, kurz nach Krishnas Tod habe der Ozean die Stadt vollständig überflutet und versinken lassen.
Der wichtigste Feiertag zu Ehren Krishnas ist Janmashtami, meist im August nach dem Mondkalender. An diesem Tag feiern Gläubige Krishnas Geburt. Während der Puja, dem rituellen Gottesdienst, verehrt der Priester das göttliche Kind in Form einer Puppe in einem kleinen Bett, das zuvor mit Blumen geschmückt wurde. Besonders in Mathura, Krishnas Geburtsort, feiern Einwohner und viele Pilger mit Gottesdiensten und Bühnenspielen. Auch Holi, das ausgelassene Fest der Farben, ist eng mit Krishna und den sorglosen Spielen seiner Jugend verbunden.