Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Herzogtum Sachsen-Lauenburg

Das Herzogtum Sachsen-Lauenburg war ein seit 1296 reichsunmittelbares Fürstentum im äußersten Südosten des heutigen Schleswig-Holsteins mit dem …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Bedeutung
  2. 2. Stellung, Wirtschaft und Verwaltung
  3. 3. Vom Mittelalter zur askanischen Herrschaft
  4. 4. Hannover, Frankreich und Dänemark
  5. 5. Preußische Übernahme und Ende

Überblick und Bedeutung

Das Herzogtum Sachsen-Lauenburg war von 1296 bis 1876 ein reichsunmittelbares Fürstentum, also ein Territorium, das im Heiligen Römischen Reich unmittelbar dem Kaiser unterstand. Es lag im äußersten Südosten des heutigen Schleswig-Holsteins; sein Kerngebiet entspricht weitgehend dem heutigen Kreis Herzogtum Lauenburg. Es entstand 1296 durch die Teilung des Rest-Herzogtums Sachsen in Sachsen-Lauenburg und Sachsen-Wittenberg.

Regiert wurde es zunächst von der askanischen Linie Sachsen-Lauenburgs, später jeweils in Personalunion, also mit demselben Herrscher wie ein anderes Land: 1689–1803 mit dem Kurfürstentum Hannover, 1814–1864 mit Dänemark und 1865–1876 mit Preußen. Residenzen waren Lauenburg und später auch Ratzeburg. Seit der Reformation war das Land lutherisch. Zum Herzogtum gehörten neben dem Kernraum zeitweise unter anderem das Land Hadeln, das Amt Neuhaus, Elbmarschen mit Bleckede und Artlenburg, Bergedorf mit den Vierlanden sowie das Land Wehningen.

Stellung, Wirtschaft und Verwaltung

Als Rechtsnachfolger des alten Stammesherzogtums Sachsen beanspruchte Sachsen-Lauenburg anfangs Lehnshoheitsrechte gegenüber Holstein und im mittleren Weserraum. Diese Rechte konnten später nicht mehr durchgesetzt werden oder wurden verkauft. Besonders wichtig war der erfolglose Streit mit Sachsen-Wittenberg um die Kurwürde, das Recht zur Mitwahl des deutschen Königs. 1314 beteiligten sich beide Herzogtümer an der Königswahl, wodurch es zur Doppelwahl Friedrichs des Schönen und Ludwigs des Bayern kam. Die Goldene Bulle Karls IV. von 1356 legte die Kurwürde schließlich für Sachsen-Wittenberg fest. Nach dessen askanischem Aussterben 1422 erhob Lauenburg erneut Anspruch, doch König Sigismund verlieh das Kurfürstentum Sachsen 1423 den Wettinern. Seit 1500 gehörte das Herzogtum zum Niedersächsischen Reichskreis.

Die Landwirtschaft war die wirtschaftliche Grundlage. Zusätzliche Einnahmen kamen aus Zöllen für den Transithandel im Städtedreieck Hamburg, Lübeck und Lüneburg, besonders aus dem Salzhandel von Lüneburg zum Ostseehafen Lübeck. Dafür wurden Stecknitz und Delvenau von 1392 bis 1398 zum Stecknitzkanal ausgebaut, einer der ältesten künstlichen Wasserstraßen Europas. Die Palmschleuse gilt als älteste Kammerschleuse des Kontinents. Trotzdem überstiegen insbesondere die Kosten des Kampfes um die Kurwürde die Einnahmen: Das Herzogtum stand dauerhaft nahe am Staatsbankrott und verpfändete zahlreiche Orte an Lübeck. Mölln gehörte von 1359 bis 1683 zur lübschen Pfandherrschaft.

Auf unterer Ebene verwalteten die Städte Ratzeburg, Lauenburg und Mölln, die Ämter Ratzeburg, Lauenburg, Schwarzenbek und Steinhorst sowie adelige Güter das Land.

Vom Mittelalter zur askanischen Herrschaft

Im 7./8. Jahrhundert besiedelten Polaben, ein Teilstamm der slawischen Abodriten, den Norden des heutigen Kreisgebiets; die südliche Sadelbande gehörte zum sächsischen Einflussbereich. Karl der Große überließ 804 den Abodriten zunächst Nordalbingien als Pufferzone gegen die Dänen, machte es nach ihrer Niederlage 810 aber zum Teil des Fränkischen Reiches. Der Limes Saxoniae markierte die Grenze zwischen sächsischem und slawischem Siedlungsgebiet. Ratzeburg wurde 1062 erstmals als „Racesburg“ erwähnt. Heinrich der Löwe errichtete 1142 die Grafschaft Ratzeburg und gründete 1154 das Bistum Ratzeburg.

Nachdem Heinrich der Löwe 1180 abgesetzt worden war, erhielt der Askanier Bernhard I. von Anhalt das Herzogtum Sachsen ohne Westfalen als Lehen und errichtete 1182 die Lauenburg. Nach dem Ende der dänischen Herrschaft in Norddeutschland 1227 konnten die Askanier die erledigte Grafschaft Ratzeburg einziehen. 1296 entstand Sachsen-Lauenburg: Johann II., Erich I. und Albrecht III. erhielten es, während Albrecht II. Sachsen-Wittenberg übernahm. 1305 wurde Sachsen-Lauenburg in eine Bergedorf-Möllner und eine Ratzeburg-Lauenburger Linie geteilt, die Erich IV. 1401 wieder vereinigte.

Wichtige Entwicklungen der askanischen Zeit waren der Verlust von Bergedorf und den Vierlanden an Hamburg und Lübeck im Vertrag von Perleberg nach dem Krieg von 1401–1420, die Reformation ab 1525 im Land Hadeln und schrittweise ab 1531 im eigentlichen Herzogtum sowie die Gründung der Lauenburgischen Landeskirche 1585. Der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 und hohe Kontributionen verarmten das Land. Mit dem Westfälischen Frieden 1648 ging das Hochstift Ratzeburg an Sachsen-Lauenburg über. Julius Franz starb 1689 als letzter askanischer Herzog; trotz weiblicher Nachfolge kam es zum Erbstreit. Im Hamburger Vergleich von 1693 setzte sich das Fürstentum Calenberg durch.

Hannover, Frankreich und Dänemark

Sachsen-Lauenburg war ab 1689 mit Calenberg und später mit Kurhannover verbunden. Ratzeburg wurde 1693 im Konflikt mit Dänemark belagert, beschossen und völlig zerstört; Calenberg konnte das Herzogtum jedoch behaupten. Das Land Hadeln, seit 1689 kaiserlich verwaltet, fiel 1731 unmittelbar an Hannover und ging Sachsen-Lauenburg endgültig verloren. 1747 konnten zahlreiche an Lübeck verpfändete Dörfer ausgelöst werden.

1803 besetzten französische Truppen das Herzogtum und beendeten die Verbindung mit Hannover. 1805 gehörte es vorübergehend zu Preußen, 1806 folgte erneut französische Besatzung. Am 1. März 1810 wurde es Teil des Königreichs Westphalen, am 13. Dezember 1810 Teil des französischen Kaiserreichs.

1815 überließ Hannover Sachsen-Lauenburg rechts der Elbe an Preußen. Preußen tauschte es schon am 4. Juni 1815 gegen das dänische Schwedisch-Vorpommern; damit begann die Personalunion mit Dänemark. Sachsen-Lauenburg galt dabei als eigenständiges deutsches Herzogtum und Mitglied des Deutschen Bundes, auch wenn die Stimme im Deutschen Bund gemeinsam mit Holstein abgegeben wurde. Während der Schleswig-Holsteinischen Erhebung erhielt das Land 1848 eine demokratisch gewählte Landesversammlung und im Mai 1849 das Grundgesetz für das Herzogthum Lauenburg. Nach der Wiederherstellung der dänischen Kontrolle wurden beide 1851/52 aufgehoben.

Preußische Übernahme und Ende

Nach der dänischen Niederlage im Deutsch-Dänischen Krieg kamen Lauenburg, Schleswig und Holstein durch den Wiener Frieden vom 30. Oktober 1864 unter ein Kondominium Preußens und Österreichs, also unter gemeinsame Herrschaft beider Staaten. In der Gasteiner Konvention vom 14. August 1865 trat Österreich seine Rechte an Lauenburg gegen 2,5 Millionen Taler an Preußen ab.

Am 26. September 1865 huldigten die lauenburgischen Stände König Wilhelm I. in der Ratzeburger St.-Petri-Kirche als Herzog. Sachsen-Lauenburg war nun mit der preußischen Monarchie in Personalunion verbunden; Otto von Bismarck wurde Minister für Lauenburg. 1871 überließ der Landesherr etwa fünf Siebtel des Domaniums dem Lauenburgischen Landeskommunalverband. Die übrigen zwei Siebtel einschließlich des Sachsenwalds erhielt Bismarck als Dotation. Die Grundherrschaft wurde 1872 aufgehoben.

1876 wurde das Herzogtum als Kreis Herzogtum Lauenburg in die preußische Provinz Schleswig-Holstein eingegliedert. Damit endete seine Geschichte. Der Kreis behielt einige Sonderrechte: Der früher herzogliche Land- und Waldbesitz blieb Vermögen des Landeskommunalverbandes und wurde nicht preußisches Staatsvermögen.

Weiterlesen

Deutsche Sprache Die heutige deutsche Standardsprache entwickelte sich überwiegend aus den hochdeutschen Dialekten und fungiert als überregionale Dachsprache für sowohl hoch- … Schleswig-Holstein Geographie. Bearbeiten. Naturlandschaften in Schleswig-Holstein Schleswig ... Ferntourismus von Bedeutung, da er regelmäßig von sogenannten … Westfälischer Friede Der Westfälische Friede (lateinisch Pax Westphalica) oder der Westfälische Friedensschluss besteht aus zwei Friedensverträgen, die am 24. Oktober 1648 in … Reformation Ihr Beginn wird traditionell auf den 31. Oktober 1517 datiert, als Martin Luther seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel an die Tür der Schlosskirche zu … Kaisertum Österreich Es wurde am 11. August 1804 als Erbmonarchie von Erzherzog Franz von Österreich gegründet, der als Franz II. letzter Kaiser des Heiligen Römischen Reiches war. Staatsbankrott Der Staatsbankrott (auch Staatsinsolvenz) ist die faktische Einstellung fälliger Zahlungen oder die förmliche Erklärung einer Regierung, fällige Forderungen … Karl der Große Er erlangte am 25. Dezember 800 als erster westeuropäischer Herrscher seit der Antike die Kaiserwürde, die mit ihm erneuert wurde. Der Enkel des Hausmeiers Karl … Fränkisches Reich Das Fränkische Reich oder Frankenreich, das vom 5. bis ins 9. Jahrhundert bestand und sich im Wesentlichen aus dem römischen Gallien und angrenzenden … Dänemark Das Gymnasium ist mit dem deutschen Gymnasium vergleichbar und endet mit dem dänischen Abitur (Allgemeine Hochschulreife), dem sogenannten Studentereksamen. Lehnswesen Das Lehnswesen war kennzeichnend für den Feudalismus und das politisch-ökonomische System des europäischen Mittelalters. Aber auch in anderen Kulturen … Adel Im Mittelalter hat sich der Adel aus römischen und germanischen, ethnisch gesehen teilweise auch aus slawischen Wurzeln zu einer „multifunktionalen Elite“ … Goldene Bulle Die Goldene Bulle ist ein in Urkundenform verfasstes kaiserliches Gesetzbuch, das von 1356 an das wichtigste der „Grundgesetze“ des Heiligen Römischen Reiches …