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Alstaden
Mit 17.581 Einwohnern Ende 2023 auf einer Fläche von 3,85 km² handelt es sich bei Alstaden um den bevölkerungsreichsten Stadtteil Oberhausens.
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Überblick und Lage
Alstaden an der Ruhr ist ein Stadtteil der kreisfreien Stadt Oberhausen in Nordrhein-Westfalen. Die frühere Gemeinde wurde am 1. April 1910 eingemeindet. Mit 17.581 Einwohnern am 31. Dezember 2023 und 3,85 km² Fläche ist Alstaden der bevölkerungsreichste Oberhausener Stadtteil. Es liegt 32 m hoch; das Ruhrufer ist mit 25 m über NN der tiefste Punkt.
Alstaden liegt im Süden Oberhausens und ist als einziger Stadtteil der Stadt direkt an der Ruhr gelegen. Es besitzt 1,8 km Anteil am Flussufer. Der dortige Ruhrarm heißt häufig Alte Ruhr oder Kleines Strömchen. Das Gebiet umfasst überwiegend die Ruhr-Emscher-Platte, teilweise aber auch die Untere Ruhraue.
Die Wohnnutzung prägt den Stadtteil. Nach den Daten von 2009 entfielen von 338 ha Katasterfläche 168 ha beziehungsweise 49,8 % auf Wohnflächen, 10 ha auf wirtschaftliche Nutzung und 120 ha beziehungsweise 35,5 % auf Wald, Wasser, Landwirtschaft, Parks und Grünanlagen. Die Abweichung zur offiziellen Fläche von 385 ha wird mit einer anderen Grenzziehung im Stadtteilentwicklungskonzept erklärt. Die durchschnittliche Besiedlungsdichte beträgt 4.672 Einwohner je km².
Vom Bauerndorf zum Oberhausener Stadtteil
Die Lage an Ruhr, fruchtbarer Aue und hochwasserfreier Niederterrasse bestimmte die frühe Entwicklung. Der erste Siedlungskern lag an der heutigen Kewerstraße und Speldorfer Straße und bestand aus einer Reihe von Bauernhöfen. Archäologische Nachweise für eine vor- oder frühgeschichtliche sowie germanische Besiedlung fehlen. Häufig behauptete fränkische Ursprünge und eine Erwähnung um 1200 sind ebenfalls nicht belegt; die früheste gesicherte Überlieferung stammt von 1393 und betrifft den Verkauf des Hofes „Höffkenscheidts Gut“ an das Kloster Sterkrade.
Alstaden gehörte zur Herrschaft Broich und damit als nordwestlicher Randbereich zur Grafschaft beziehungsweise zum Herzogtum Berg. 1550 wurde die Reformation durchgeführt; die Einwohner mussten den reformierten Glauben annehmen. Neben dem Dorfkern entstand später bei Heiderhöfen ein zweiter Siedlungsschwerpunkt. Bis etwa 1800 war Alstaden landwirtschaftlich geprägt. Mit der Ruhrschifffahrt kamen Schiffer, Werften und Handwerk hinzu; zwischen 1840 und 1855 passierten zeitweise bis zu hundert Kähne täglich den Ort.
Nach französischer und preußischer Verwaltungsneuordnung gehörte Alstaden zunächst zur Bürgermeisterei Mülheim an der Ruhr. 1845 erhielt es mit Heiderhöfen den Status einer eigenen Gemeinde. Nach weiteren Zugehörigkeiten zu Mülheim-Land und Styrum wurde es 1904 eigene Bürgermeisterei; Ludolf Kewer war von 1904 bis 1910 der einzige Bürgermeister. Seit der Eingemeindung nach Oberhausen 1910 gehört Alstaden zu dieser Stadt. 1929 kamen Teile an der Obermeidericher Straße und ein Teil der früher abgetrennten Alstadener Heide hinzu.
Industrialisierung und Bevölkerungswachstum
Die Industrialisierung wurde vor allem durch die Zeche Alstaden bestimmt. Nach dem ersten Kohlefund 1851 begann 1855 der Schachtbau; wegen Wassereinbrüchen dauerte er bis 1858, als erstmals Kohle gefördert wurde. 1875 begann die regelmäßige Förderung von Schacht 2. Die Hibernia AG übernahm die Zeche 1904, errichtete eine Brikettfabrik und legte Schacht 1 als Förderschacht still. Schacht 3 nahm 1933 die Förderung auf. Die auf Anthrazitkohle und Briketts spezialisierte Hausbrandzeche überstand die Kohlekrise der 1950er und 1960er Jahre, wurde 1968 Teil der Ruhrkohle AG und 1973 geschlossen.
Die Belegschaft stieg von 253 Bergarbeitern 1860 auf 1.196 im Jahr 1900; 1913 lag sie meist bei knapp über 1.000. Die Förderung wuchs von 41.000 Tonnen 1860 auf 295.000 Tonnen 1913, allerdings mit Einbrüchen durch Absatzkrisen. Auch die nahe Zeche Concordia war wichtig: Von 1.159 1893 in Alstaden wohnenden Bergarbeitern arbeiteten 648 auf Zeche Alstaden und 492 auf Zeche Concordia. Daneben produzierten Ziegeleien bis zum Ersten Weltkrieg aus Lehm Millionen Ziegel; ein großer Teil der Oberhausener Fabriken wurde aus Alstadener Ziegeln gebaut.
Der Wandel führte zu starkem Einwohnerwachstum: von 280 Personen 1812 über 2.675 im Jahr 1867 und 9.606 im Jahr 1900 auf 14.117 im Jahr 1910. Die Werte vor 1871, mit Ausnahme von 1812, sind Schätzungen des Landratsamts Mülheim; spätere Werte beruhen auf Volkszählungen. Im Januar und Februar 1869 streikten die Bergarbeiter der Zeche Alstaden für eine achtstündige Schicht. Der Streik scheiterte letztlich, doch bis auf zwei Mitglieder des Streikkomitees sollten die Beschäftigten keine Repressalien erfahren. Politisch wurde die SPD 1903 mit 50,1 % der gültigen Stimmen zur führenden Kraft.
Kirchen und religiöses Leben
Alstaden war seit der Reformation überwiegend evangelisch. Die evangelische Bevölkerung erhielt am 1. Oktober 1901 eine eigene Kirchengemeinde; Friedrich Fohrmann wurde 1902 ihr erster Pfarrer. Die Evangelische Kirche Alstaden wurde 1905 eingeweiht. Im Nationalsozialismus stand ein Konflikt zwischen Deutschen Christen, die den Nationalsozialismus unterstützten, und der Bekennenden Kirche. Richard Sauerbier wurde im April 1942 offiziell Pfarrer und starb am 8. April 1945 infolge einer Granatverletzung.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die beschädigte evangelische Kirche wiederhergestellt. Seit 1967 ist sie eine Predigtkirche: Altar und Kanzel stehen an der Längsseite, das Gestühl ist halbkreisförmig angeordnet. Am 1. Juli 2007 schloss sich die Gemeinde mit Gemeinden aus Lirich und Buschhausen zur Evangelischen Emmaus-Kirchengemeinde Oberhausen zusammen. Der Bereich Alstaden hat etwa 5.000 Mitglieder.
Die Zahl katholischer Einwohner stieg durch die Industrialisierung von 12 im Jahr 1809 auf 874 im Jahr 1860. St. Antonius wurde 1896 bis 1897 gebaut und 1903 zur selbstständigen Pfarrei. Die Kirche St. Hildegard wurde 1969 als Filialkirche errichtet, 2007 entweiht und 2008 abgerissen. St. Peter entstand 1916 bis 1918, wurde 1920 eigene Pfarrei und im Oktober 2021 profaniert. St. Antonius und St. Peter wurden zur Großgemeinde St. Antonius Alstaden zusammengefasst; sie gehört seit 2007 zur Pfarrei Herz Jesu Oberhausen und hat etwa 7.640 Mitglieder. Daneben gibt es wenige muslimische und jüdische Einwohner, die Gemeinden in der Umgebung angehören.
Grünflächen, Bauwerke und Vereinsleben
Alstaden verbindet Wohnbebauung mit Naherholung an Ruhr und Ruhraue. Der rund 15 ha große Ruhrpark ist als Englischer Garten angelegt; dort stehen unter anderem ein Ehrenmal für die Gefallenen der Weltkriege, ein Jahn-Denkmal und ein halbes Förderrad der Zeche Alstaden. Das Biotop Alstaden entstand auf einer Abraumhalde der Zeche, die von 1982 bis 1993 durch Selbstentzündung brannte. Nach dem Abtragen der Halde bis knapp unter den Grundwasserspiegel bildeten sich Seen, an denen sich besondere Tier- und Pflanzenarten ansiedelten. Auch die bewaldete Solbadhalde bietet einen Rundweg.
Das Ortsbild prägen drei historistische Kirchen. St. Antonius ist eine dreischiffige neoromanische Basilika aus rotem Backstein, 1897 geweiht und nach Kriegsschäden 1949 wiedererrichtet. Die ehemalige St.-Peter-Kirche ist eine dreischiffige Basilika von 1916 bis 1918. Die Evangelische Kirche wurde 1902 bis 1904 als Saalkirche gebaut. Erhaltene Baudenkmäler sind außerdem die frühere Antoniusschule, der Kiepens Hof, der Lindermannshof und ein Fachwerkhaus an der Speldorfer Straße.
Sportvereine, Kirchengemeinden und der Bürgerring prägen das örtliche Gemeinschaftsleben. Der Bürgerring entstand 1950 als Gartenkulturring und setzt sich seit 1953 für Lebensqualität und Heimatgeschichte ein. Er trug unter anderem zum Erhalt des Friedhofs bei, dessen Schließung 1985, 1987 und 2005 durch Bürgerproteste verhindert wurde. Auf dem städtischen Friedhof dürfen grundsätzlich nur Alstadener Bürger bestattet werden; Ausnahmen sind bei Familienzusammenführungen möglich. Regelmäßige Veranstaltungen sind die Alstadener Musiktage, der Rosenmontagszug „Pöstertreck“ und das Bärenfest.
Wohnen, Bildung und Verkehr
Heute ist Alstaden überwiegend ein Wohnstandort mit lokalem Handel, wenigen Gewerbeflächen und vielfältigen Bauformen: Bergmannshäuser, Gründerzeitbauten, Mehrfamilien-, Reihen- und Einfamilienhäuser. Ein klassischer Ortskern fehlt, doch am Antoniusplatz besteht ein kleines Geschäftszentrum. Sozialräumlich schneidet der Stadtteil bei Indikatoren wie Arbeitslosenquote, Übergang zum Gymnasium und Anteil von Leistungsempfängern besser ab als Alt-Oberhausen und Oberhausen insgesamt. Die Arbeitslosenquote lag 2014 zwischen 4,2 % im Westen, 4,6 % im Norden und 8,7 % im Osten.
Die erste eigene Schule wurde 1841 eröffnet. Mit dem Bevölkerungswachstum folgten weitere evangelische und katholische Schulen. Die frühere Hauptschule Alstaden wurde 2018 geschlossen; seit Sommer 2019 nutzt die Ruhrschule ihr Gebäude. Im Stadtteil liegen heute die Bismarckschule, Landwehrschule und katholische GK Ruhrschule; an der Grenze liegt die Concordiaschule. Hinzu kommen kommunale, katholische und evangelische Kindertageseinrichtungen. Die ehrenamtlich betriebene Bücherei St. Antonius besteht seit 1903 und ist die älteste Bücherei Oberhausens.
Straßenseitig ist Alstaden über nahe Anschlüsse an A40 und A3 sowie über A42 erreichbar. Wichtige Straßen sind die Bebelstraße als K5 und die Alstadener Straße als K14. Am Rand liegt der Haltepunkt Duisburg-Obermeiderich. Ein geplanter S-Bahn-Halt in Alstaden ist bisher nicht verwirklicht; Studien rechnen im Einzugsbereich mit 15.000 Menschen und 2.600 Fahrgästen täglich. Buslinien der STOAG und weiterer Betreiber verbinden Alstaden unter anderem mit Oberhausen, Mülheim-Styrum, Essen und Duisburg.