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Arnsberg

Arnsberg () ist eine große kreisangehörige Stadt im Sauerland in Nordrhein-Westfalen und Sitz der Bezirksregierung des Regierungsbezirks Arnsberg.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Raum
  2. 2. Entstehung und historische Entwicklung
  3. 3. Bevölkerung, Religion und Politik
  4. 4. Kultur, Bauwerke und Freizeit
  5. 5. Wirtschaft, Verkehr und öffentliche Aufgaben

Überblick und Raum

Arnsberg ist eine große kreisangehörige Stadt im Sauerland in Nordrhein-Westfalen. Sie ist Sitz der Bezirksregierung des Regierungsbezirks Arnsberg und gehört seit der kommunalen Neugliederung 1975 zum Hochsauerlandkreis. Die heutige Stadt entstand durch das Sauerland/Paderborn-Gesetz aus Arnsberg, Neheim-Hüsten und weiteren Gemeinden. Am 31. Dezember 2025 hatte sie 74.479 Einwohner, eine Fläche von 193,72 km² und 15 Ortsteile.

Die Stadt liegt bei 51° 24′ N, 8° 4′ O im Tal der Ruhr, im Norden des Rheinischen Schiefergebirges. Röhr und Möhne münden im Stadtgebiet in die Ruhr. Prägend ist eine große Ruhrschleife, die die Arnsberger Altstadt auf zwei Seiten umschließt. Die Höhenlage reicht von 146 bis 448 Metern über NN. 63 Prozent des Stadtgebiets sind Wald; jeweils 18 Prozent sind Landwirtschafts- sowie Siedlungs- und Verkehrsflächen. Nördlich liegen Höhen des Naturparks Arnsberger Wald, südlich Ausläufer des Naturparks Sauerland-Rothaargebirge.

Das Gebiet misst etwa 13 Kilometer von Nord nach Süd und 24 Kilometer von Ost nach West. Oeventrop ist der östlichste, Voßwinkel der westlichste Stadtteil. Nachbarn sind Ense, Wickede (Ruhr), Möhnesee, Warstein, Meschede, Sundern, Balve und Menden. Größte Ortsteile waren am 31. Dezember 2019 Neheim mit 22.955, Arnsberg mit 18.650 und Hüsten mit 10.708 Einwohnern. Die Jahresmitteltemperatur beträgt 8,4 °C, der Jahresniederschlag 1029 Liter je Quadratmeter; im Zeitraum 1961–1990 war Juli mit durchschnittlich 16,2 °C der wärmste Monat.

Geologisch liegt Arnsberg auf einem östlichen Ausläufer des Remscheid-Altenaer Sattels. Die Gesteine stammen überwiegend aus dem Pennsylvanium. Am Ruhr-Ufer sind stark gefaltete Namur-Schiefer und Grauwacken sichtbar; der Schlossberg liegt auf Kulm-Plattenkalken aus dem Mississippium. Bei Rumbeck zeigen Terrassenschotter frühere Flussniveaus: Die höchsten liegen bis zu 100 Meter über der heutigen Ruhr, jüngere Terrassen 40 bis 50, 25 und 15 Meter über der Talsohle.

Entstehung und historische Entwicklung

Die Stadt entwickelte sich aus der Burg Arnsberg auf dem Adlerberg (Aarberg), die gegen Ende des 11. Jahrhunderts von Graf Friedrich dem Streitbaren errichtet und 1102 erstmals erwähnt wurde. Im Schutz der Burg entstand eine Siedlung; 1114 stellten sich die ersten 14 freien Familien unter den Schutz des Burgherrn. 1238 erhielt Arnsberg Stadtrecht. Graf Gottfried IV., der letzte Graf von Arnsberg, verkaufte die Grafschaft 1368 an den Kurfürsten von Köln. Danach war Arnsberg Residenz der Kölner Erzbischöfe im Herzogtum Westfalen, Tagungsort der Landstände und mit dem Oberfreistuhl ein Zentrum der Feme, einer frühneuzeitlichen Rechtspflege. Arnsberg gehörte zur Hanse.

Die kurkölnische Zeit war trotz dieser Funktionen wirtschaftlich begrenzt; über Jahrhunderte lebten deutlich weniger als 2.000 Menschen in der Stadt. Ein Brand zerstörte 1600 bis auf elf Häuser die ganze Stadt und auch das Archiv. Der Dreißigjährige Krieg, Kontributionen, Hunger und Pest führten zu einem starken Bevölkerungsrückgang: von 1.026 Einwohnern 1633 auf 810 im Jahr 1640. Das 1170/1173 gegründete Prämonstratenserstift Wedinghausen blieb ein geistliches Zentrum; 1643 wurde das Gymnasium Laurentianum gegründet. Während der Hexenverfolgungen leitete Heinrich von Schultheiß ab 1621 Prozesse in Arnsberg. Bürgermeister Henneke von Essen starb am 14. August 1631 im Gefängnis, nachdem er unter Folter nicht gestanden hatte.

Die Burg wurde Ende des 16. Jahrhunderts zu einem repräsentativen Schloss umgebaut, im Siebenjährigen Krieg jedoch 1762 durch Kanonenbeschuss zerstört. Seither ist sie Ruine. Auch die Stadt wurde weitgehend zerstört. Nach einem weiteren Brand 1799 entstanden beim Wiederaufbau breitere Straßen statt enger Gassen.

1802 kam Arnsberg mit dem Herzogtum Westfalen an Hessen-Darmstadt, 1816 nach dem Wiener Kongress an Preußen. Es wurde Kreisstadt und Sitz des Regierungspräsidenten. Im 19. Jahrhundert entstanden neue Stadtbereiche in klassizistischem preußischem Stil, darunter die protestantische Kirche und das Casino. Arnsberg blieb vor allem Verwaltungs- und Beamtenstadt. Einen wirtschaftlichen Wandel brachten die Eisenbahnhauptwerkstätte mit mehreren hundert Beschäftigten und später die Ruhrwerke, heute Reno de Medici/RDM. Die Werkstätte schloss 1926; dies trug zur politischen Radikalisierung bei und machte Arnsberg zeitweise zur einzigen westfälischen Stadt mit sinkender Einwohnerzahl.

Nach 1933 wurden Beamte von Zentrum und SPD entlassen, Regimegegner und jüdische Menschen verfolgt. Im Zweiten Weltkrieg wurde Arnsberg wiederholt angegriffen. Nach dem Bruch der Möhnetalsperre am 17. Mai 1943 erreichte die Flutwelle im Möhnetal bis zu 12 Meter Höhe; besonders viele Menschen starben im Zwangsarbeiterlager Möhnewiesen. Das Eisenbahnviadukt wurde vom 9. Februar bis 19. März 1945 siebenmal angegriffen und am 19. März zerstört. Vom 10. bis 12. April 1945 besetzte die United States Army das Stadtgebiet fast kampflos. 1975 schlossen sich Arnsberg, Neheim-Hüsten und zwölf Landgemeinden zur heutigen Stadt zusammen.

Bevölkerung, Religion und Politik

Die Einwohnerzahl der alten Stadt wuchs zunächst langsam. Sie stieg von 1.843 im Jahr 1802 auf 8.500 im Jahr 1900 und 23.369 am 31. Dezember 1965. Der Zusammenschluss am 1. Januar 1975 schuf eine Stadt mit 81.049 Einwohnern, dem historischen Höchststand. Seit 1976 lag die Zahl unter 80.000; am 31. Dezember 2022 betrug sie 74.323. Die Entwicklung der Ortsteile hing im 19. und frühen 20. Jahrhundert besonders von Behörden, Industrie und Pendelmöglichkeiten ab. Neheim und Hüsten wuchsen durch Industrialisierung stark.

Historisch dominierte der Katholizismus. 1912 waren in Arnsberg 82 Prozent der Bevölkerung katholisch und fast 17 Prozent protestantisch. In Neheim waren es etwas mehr als 87 Prozent Katholiken und fast 12 Prozent Protestanten, in Hüsten 90 Prozent und knapp 8 Prozent; Voßwinkel war damals ausschließlich katholisch. Flüchtlinge und Vertriebene veränderten die Konfessionsstruktur nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Mai 1987 gehörten 92,2 Prozent der 74.091 Einwohner einer der beiden öffentlich-rechtlichen Religionen an, Ende Dezember 2013 noch 79,2 Prozent; 20,8 Prozent waren konfessionslos oder gehörten anderen Religionen an. Es gibt drei Moscheen: Al-Rahma-, Yeni- und Ahl-Sunna-Moschee. Jüdische Gemeinden bestanden seit dem 19. Jahrhundert in Arnsberg und Neheim, endeten aber faktisch durch NS-Verfolgung und Holocaust. Gedenktafeln und Stolpersteine erinnern an die Opfer.

Bürgermeister ist seit 2018 Ralf Paul Bittner (SPD). Bei der Kommunalwahl vom 14. September 2025 gewann er im ersten Wahlgang mit 57,30 Prozent. Der Stadtrat hat seit 2025 insgesamt 46 Sitze: CDU und SPD jeweils 16, AfD 6, Grüne 4 sowie FDP, Linke, PARTEI und Sauerländer BürgerListe jeweils 1. Die Wahlbeteiligung 2025 betrug 56,62 Prozent. Das Stadtwappen lautet: „In Blau, ein gold bewehrter silberner Adler.“ Der Adler geht auf die Grafen von Arnsberg zurück; die ursprüngliche Schildfarbe Rot wurde im 17. Jahrhundert durch Blau ersetzt.

Arnsberg unterhält Partnerschaften mit Bexley, Fos-sur-Mer, Deventer, Alba Iulia, Olesno und Caltagirone.

Kultur, Bauwerke und Freizeit

Das wichtigste historische Bauwerk ist die Ruine von Schloss Arnsberg, der früheren Burg und späteren Residenz der Kölner Kurfürsten. Die Arnsberger Altstadt besitzt Fachwerkhäuser, kurfürstliche Höfe, Reste der Stadtmauer und Türme. Wahrzeichen sind Glockenturm und Stadtkapelle St. Georg. Weitere wichtige Bauten sind das Alte Rathaus am Alten Markt mit Maximilianbrunnen, der Landsberger Hof mit dem Sauerland-Museum, die Alte Regierung als heutiger Sitz des Verwaltungsgerichts, die klassizistische Regierungsneustadt und das Kloster Wedinghausen mit Propsteikirche St. Laurentius und Gymnasium Laurentianum.

In anderen Ortsteilen prägen unter anderem Schloss Herdringen im englischen Tudorstil, die St.-Petri-Kirche in Hüsten, die Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Neheim als „Sauerländer Dom“, Schloss Höllinghofen, Kloster Oelinghausen und das ehemalige Prämonstratenserinnenkloster Rumbeck das Stadtbild. Das Sauerland-Museum vermittelt Natur-, Kultur- und allgemeine Geschichte des Hochsauerlandkreises. Weitere Einrichtungen sind das Museum für Licht und Beleuchtung, die Franz-Stock-Gedenk- und Begegnungsstätte, eine Ausstellung im Kloster Wedinghausen, das Feuerwehrmuseum Brennpunkt und eine begehbare Camera Obscura in Limps Turm.

Das Sauerland-Theater dient Theater-, Opern-, Musik- und anderen Veranstaltungen. Die Freilichtbühne Herdringen zeigt jährlich je ein Stück für Erwachsene und Kinder. Regelmäßige Veranstaltungen sind unter anderem Arnsberger Woche mit Ruinenfest, Internationaler Kunstsommer, Hüstener Kirmes, Schützenfeste, Weihnachtsmärkte, der Karnevalsumzug „Lindwurm der Freude“ im Stadtteil Arnsberg und das Nachhaltigkeitsfestival #Schlabberkappes.

Für Freizeit und Sport gibt es 97 Sportvereine, das Stadion Große Wiese, den Wildwald Voßwinkel, Parks und mehrere Bäderangebote. Die Stadt hat 15 städtische, sechs katholische und drei geschlossene jüdische Friedhöfe. Historisch bedeutsam sind etwa Eichholzfriedhof, Möhnefriedhof und jüdischer Friedhof am Seltersberg.

Wirtschaft, Verkehr und öffentliche Aufgaben

Arnsberg ist Verwaltungszentrum und wirtschaftliches Zentrum des Hochsauerlandkreises. Die Gesamtstadt besitzt eine vorwiegend mittelständische, metallindustrielle Struktur. Bedeutend sind Papierindustrie und Papierverarbeitung: Wepa ist Marktführer bei Hygienepapier, Reno de Medici stellt Faltschachtelkarton her. Die Leuchten- und Elektroindustrie umfasst unter anderem BJB, Trilux, ELPRO, Bankamp Leuchten, Eglo Leuchten und Cloer. Weitere Branchen sind Metallverarbeitung, Holzverarbeitung, Chemie, Sanitärtechnik und Maschinenbau. Genannt werden beispielsweise Berndes, A&E Keller, Julius Cronenberg o.H., Sauerländer Spanplatte, Pfleidererwerk, Umarex, Schroth-Gurte, Perstorp, DESCH Antriebstechnik, Dallmer, Imperial, Gebr. Graef, Meta-Regalbau und Interprint. Wesco musste Anfang 2024 Insolvenz anmelden.

Der Tourismus stützt sich auf die historische Altstadt, Ruhr und Sauerland. 2007 wurden 165.687 Übernachtungen gezählt; die durchschnittliche Aufenthaltsdauer betrug 3,2 Tage. Wichtige Angebote sind RuhrtalRadweg, Sauerland-Waldroute, der 2011 eröffnete 12 km lange Kurfürstliche Thiergarten Arnsberg, Stadtführungen und Wildwald Voßwinkel.

Drei Bahnstationen – Arnsberg/Westfalen, Oeventrop und Neheim-Hüsten – liegen an der Oberen Ruhrtalbahn. RE 17 und RE 57 verkehren stündlich und ergeben zwischen Fröndenberg und Bestwig zusammen einen Halbstundentakt. Stadt- und Schnellbusse ergänzen den Verkehr. Wichtige Straßen sind Bundesstraße 7 sowie A445 und A46. Der Ruhrtalradweg durchquert das gesamte Stadtgebiet. Es gibt den Flugplatz Arnsberg-Menden und das Segelfluggelände Oeventrop-Ruhrwiesen, das seit 2016 nicht mehr genutzt wird.

Arnsberg bleibt Sitz der Bezirksregierung, außerdem bestehen unter anderem Landgericht, Amtsgericht, Verwaltungsgericht, Arbeitsgericht und Staatsanwaltschaft. Die Stadt ist Schulträger für 32 Schulen. Im Schuljahr 2014/15 betreute sie 8.716 Schülerinnen und Schüler; für 2020/21 wurde mit 6.976 gerechnet. Zu den Bildungsangeboten gehören Grund-, Sekundar-, Real- und Gymnasialschulen, Berufskollegs, Förderschulen, Volkshochschule und Sauerland-Kolleg für Erwachsene.

Die drei Krankenhausstandorte Marienhospital Arnsberg, Karolinenhospital Hüsten und St. Johannes-Hospital Neheim wurden 2011 zum Klinikum Arnsberg zusammengeschlossen, das seit 2018 Klinikum Hochsauerland heißt. Es hat mehr als 700 Betten und 1.500 Mitarbeiter. Arnsberg ist unter anderem für Urologie und eine Isolierstation zuständig, Hüsten für Geburtshilfe sowie Neheim für Geriatrie und Psychiatrie.

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