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Hermann Hesse

Der Steppenwolf (1974), Spielfilm USA/Frankreich/Schweiz, basierend auf dem gleichnamigen Roman. · Kinderseele (1977), deutscher Fernsehfilm, basierend auf der …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Kindheit, Ausbildung und Weg zum Schriftsteller
  3. 3. Bodensee, Indienreise und Erster Weltkrieg
  4. 4. Tessin und späte Werke
  5. 5. Literarische Bedeutung
  6. 6. Wirkung und Erinnerung

Überblick

Hermann Karl Hesse, Pseudonym Emil Sinclair, wurde am 2. Juli 1877 in Calw geboren und starb am 9. August 1962 in Montagnola in der Schweiz. Er war ein deutsch-schweizerischer Schriftsteller, Dichter und Maler. Bekannt wurde er vor allem durch Prosawerke wie Peter Camenzind, Unterm Rad, Demian, Siddhartha, Der Steppenwolf, Narziß und Goldmund und Das Glasperlenspiel sowie durch Gedichte wie Stufen.

Hesses Werk kreist immer wieder um die Suche eines Menschen nach Authentizität, Selbsterkenntnis und Spiritualität. Wichtig waren für ihn östliche religiöse, spirituelle und philosophische Traditionen sowie die Analytische Psychologie nach Carl Gustav Jung. 1946 erhielt er den Nobelpreis für Literatur, 1954 wurde er in den Orden Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste aufgenommen.

Kindheit, Ausbildung und Weg zum Schriftsteller

Hesse stammte aus einer evangelischen Missionarsfamilie. Beide Eltern waren mit der Basler Mission verbunden; seine Mutter Marie Gundert war in Indien geboren, sein Vater Johannes Hesse stammte aus dem deutschbaltischen Umfeld. Die Familie lebte in einer gebildeten, religiös geprägten Atmosphäre. Hesse hatte Zugang zur großen Bibliothek seines Großvaters Hermann Gundert und las früh viel Weltliteratur.

Seine Schulzeit war von Konflikten geprägt. Nach Stationen in Basel, Calw und Göppingen kam er 1891 in das evangelisch-theologische Seminar im Kloster Maulbronn. Dort entwich er 1892, weil er „entweder ein Dichter oder gar nichts“ werden wollte. Es folgten schwere Krisen, ein Suizidversuch im Mai 1892 und Aufenthalte in Einrichtungen. 1893 brach er auch das Gymnasium in Cannstatt ab.

Nach einer kurzen Buchhändlerlehre und einer Mechanikerlehre begann Hesse 1895 eine Buchhändlerlehre in Tübingen. Er arbeitete in der Buchhandlung Heckenhauer, bildete sich privat weiter und las unter anderem Goethe, Lessing, Schiller, Novalis, Brentano, Eichendorff, Tieck und Texte zur griechischen Mythologie. 1896 erschien sein Gedicht Madonna in einer Zeitschrift. 1898 veröffentlichte er Romantische Lieder, 1899 Eine Stunde hinter Mitternacht; beide verkauften sich schlecht.

Ab 1899 arbeitete Hesse in Basel. Dort fand er ein geistig-künstlerisches Umfeld und unternahm Reisen, darunter 1901 nach Italien. Mit Peter Camenzind gelang ihm 1904 der literarische Durchbruch. Der Erfolg erlaubte ihm, Maria Bernoulli zu heiraten und als freier Schriftsteller zu leben.

Bodensee, Indienreise und Erster Weltkrieg

1904 heiratete Hesse die Basler Fotografin Maria Bernoulli. Aus der Ehe gingen die Söhne Bruno, Hans Heinrich und Martin hervor. Die Familie zog nach Gaienhofen am Bodensee, zunächst in ein einfaches Bauernhaus, später in ein eigenes Landhaus. 1906 erschien Unterm Rad, ein Roman, in dem Hesse Erfahrungen aus Schule und Ausbildung verarbeitete. In dieser Zeit arbeitete er auch als Mitherausgeber der Zeitschrift März.

1911 reiste Hesse mit Hans Sturzenegger nach Ceylon und Indonesien; Indien selbst besuchte er nicht. Die Reise brachte ihm nicht die erhoffte religiöse Erfüllung, beeinflusste sein Werk aber stark. 1913 erschien Aus Indien. 1912 zog die Familie nach Bern. Die Eheprobleme verschärften sich und wurden später auch im Roman Roßhalde von 1914 literarisch verarbeitet.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs meldete sich Hesse 1914 freiwillig, wurde aber für untauglich erklärt. In Bern baute er die „Bücherzentrale für deutsche Kriegsgefangene“ auf, die Soldaten in ausländischen Lagern mit Lektüre versorgte. Am 3. November 1914 veröffentlichte er in der Neuen Zürcher Zeitung den Aufsatz O Freunde, nicht diese Töne, in dem er deutsche Intellektuelle vor nationalistischer Polemik warnte. Daraufhin wurde er heftig angegriffen; Freunde wandten sich ab, zugleich erhielt er Unterstützung unter anderem von Theodor Heuss und Romain Rolland.

1916 trafen Hesse mehrere Schicksalsschläge: der Tod seines Vaters, die schwere Erkrankung seines Sohnes Martin und das Zerbrechen seiner Ehe. Er begab sich in psychiatrische Behandlung und machte Erfahrungen mit Psychoanalyse. Aus den Krisen der Kriegszeit entstand 1917 in kurzer Zeit der Roman Demian, der 1919 unter dem Pseudonym Emil Sinclair erschien.

Tessin und späte Werke

1919 zog Hesse allein ins Tessin und ließ sich in Montagnola nieder, zunächst in der Casa Camuzzi. Die Trennung von Maria Bernoulli, die Unterbringung der Kinder bei anderen Familien und Freunden sowie sein neues Leben prägten Erzählungen wie Klein und Wagner und Klingsors letzter Sommer. Neben dem Schreiben wurde auch das Zeichnen und Aquarellieren wichtig für ihn.

1922 erschien Siddhartha. Der Roman zeigt Hesses Interesse an indischer Kultur und asiatischen Weisheitslehren; die Hauptfigur trägt den Vornamen des historischen Buddhas. 1924 erhielt Hesse das Bürgerrecht der Stadt Bern und wurde wieder Schweizer Staatsbürger. Im selben Jahr heiratete er Ruth Wenger; die Ehe wurde 1927 geschieden. Ebenfalls 1927 erschien Der Steppenwolf, den Hesse als „ein angstvoller Warnruf“ vor einem kommenden Weltkrieg verstand. 1930 folgte Narziß und Goldmund.

1931 heiratete Hesse Ninon Dolbin und zog mit ihr in die Casa Hesse, auch Casa Rossa genannt. Dort empfing er viele Gäste, darunter Verleger, Schriftsteller und Künstler. 1931 begann er mit Entwürfen zu Das Glasperlenspiel; 1932 erschien als Vorstufe Die Morgenlandfahrt. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 beobachtete Hesse die Entwicklung in Deutschland mit Sorge. Er trat nicht offen gegen das Regime auf, setzte sich aber in Rezensionen verstärkt für jüdische und andere verfolgte Autoren ein. Seit 1936 galt sein Werk in Deutschland als „unerwünscht“, wurde jedoch nicht offiziell verboten oder verbrannt.

Das Glasperlenspiel erschien 1943 in der Schweiz. Für sein Spätwerk und sein Gesamtwerk erhielt Hesse 1946 den Nobelpreis für Literatur, laut Begründung für Werke, die „die klassischen Ideale des Humanismus und hohe Stilkunst verkörpern“. Nach dem Zweiten Weltkrieg schrieb Hesse keine Romane mehr; er verfasste noch Erzählungen und Gedichte, widmete sich aber zunehmend seiner umfangreichen Korrespondenz. Er erhielt etwa 35.000 Briefe und beantwortete einen großen Teil persönlich; 17.000 Antwortbriefe sind ermittelt. Hesse starb am 9. August 1962 im Schlaf an einem Schlaganfall, nachdem bei ihm unerkannt Leukämie bestanden hatte. Er wurde auf dem Friedhof Sant’Abbondio in Gentilino beigesetzt.

Literarische Bedeutung

Hesses frühe Werke stehen noch in der Tradition des 19. Jahrhunderts. Seine Lyrik ist romantisch geprägt, und Peter Camenzind verstand er als Bildungsroman, also als Roman über die geistige und persönliche Entwicklung einer Hauptfigur. Inhaltlich wandte er sich gegen Industrialisierung und Verstädterung und griff damit Themen der Lebensreform und Jugendbewegung auf.

Später veränderte sich sein Stil. Ein wichtiges Muster blieb aber die Gegenüberstellung von Gegensätzen, etwa Stadt und Land oder männlich und weiblich. Die Archetypenlehre Carl Gustav Jungs beeinflusste Hesse stark. Archetypen sind grundlegende Bilder oder Figurenmuster in der menschlichen Vorstellung. Besonders in Demian wird deutlich, dass Hesses Romane oft innere Entwicklungen und seelische Konflikte darstellen. Ein zentrales Motiv ist der ältere Freund oder Meister, der einem jungen Menschen den Weg zu sich selbst zeigt.

Spiritualität ist ein weiterer Grundzug seines Werkes. In Siddhartha treten indische Weisheitslehren, Taoismus und christliche Mystik als Hintergrund auf. Hesse zeigt aber meist einen individuellen Weg zur Weisheit, also die persönliche Suche des Einzelnen. Viele Werke haben eine stark autobiografische Komponente, besonders Demian, Die Morgenlandfahrt, Klein und Wagner und Der Steppenwolf. Im Glasperlenspiel verbindet Hesse eine Utopie der Humanität und des Geistes mit der Form des Bildungsromans.

Neben Romanen, Erzählungen und Gedichten schrieb Hesse etwa 3000 Buchrezensionen für 60 Zeitungen und Zeitschriften. Dabei rezensierte er grundsätzlich keine Literatur, die er nach seinen Maßstäben für schlecht hielt. Er beschäftigte sich intensiv mit Goethe und machte auch asiatische philosophische und literarische Werke im deutschsprachigen Raum bekannter.

Wirkung und Erinnerung

Hesses Frühwerk wurde von der zeitgenössischen Kritik überwiegend positiv aufgenommen. In den Weltkriegen war die Rezeption in Deutschland wegen seiner antikriegerischen und antinationalistischen Haltung stark belastet. Nach beiden Kriegen boten seine Bücher besonders jüngeren Lesern Orientierung in Zeiten geistiger und moralischer Neuordnung.

Die Bewertung schwankte stark: 1957 kritisierte Karlheinz Deschner Hesse scharf, und Teile der deutschen Literaturkritik sahen ihn später als epigonal oder kitschig. In den 1960er Jahren kam es dagegen in den USA zu einem großen Hesse-Boom, der wieder nach Deutschland zurückwirkte. Besonders Der Steppenwolf wurde international ein Bestseller. Anfang 2007 waren weltweit über 120 Millionen Bücher Hesses verkauft; er gehört zu den meistübersetzten und meistgelesenen deutschen Autoren.

Auch die Hippiebewegung griff Hesse auf. Ken Kesey bezog sich auf Die Morgenlandfahrt, die Band Steppenwolf benannte sich nach Hesses Roman, und Santana verwendete Abraxas, einen Begriff aus Demian, als Albumtitel. Heute erinnern Museen in Calw, Gaienhofen, Montagnola und Tübingen an ihn. In Calw finden seit 1977 Internationale Hermann-Hesse-Kolloquien statt, in Sils-Maria seit 2000 die Silser Hesse-Tage.

Hesse erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1904 den Bauernfeld-Preis, 1936 den Gottfried-Keller-Preis, 1946 den Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main und den Nobelpreis für Literatur, 1947 die Ehrendoktorwürde der Universität Bern und die Ehrenbürgerwürde seiner Heimatstadt Calw, 1950 den Wilhelm-Raabe-Preis, 1954 den Pour le mérite und 1955 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Nach ihm wurden Literaturpreise, Schulen, Plätze, Straßen, die Hermann-Hesse-Bahn, eine Sonderbriefmarke von 2002 und der Asteroid (9762) Hermannhesse benannt.

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