Zum Inhalt springen
L

Das Video kommt von YouTube: erst beim Abspielen verbindet sich die Seite mit YouTube (Google).

DER STEPPENWOLF Hermann Hesse / Teil 1: "Wolf oder Mensch?"

SCHÄFER liest...55:43 44.081 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 382 Zeilen
Herunterladen
  1. [Musik] Hermann Hesse der Steppenwolf Vorwort des Herausgebers
  2. dieses buthält die uns gebliebenenichnung jenes Mannes welchen wir einem ausrck den er selbst
  3. mehrmalsuchte den steenwolfannten sein manuskpt eines einführenden Vorortes bedürfe sei
  4. dahestt mir jedenfalls ist einedfnis den Blätter des steenwolfes einigeügen aufen ich Vers me Erinnerung
  5. ihen es ist nur wenig was ich über ihn weiß und namentlich ist seine ganze
  6. Vergangenheit und Herkunft mir unbekannt geblieben doch habe ich von seiner Persönlichkeit einen starken und wie ich
  7. trotz allem sagen muss sympathischen Eindruck behalten der Steppenwolf war ein Mann
  8. von annähernd 50 Jahren der vor einigen Jahren eines Tages im Hause meiner Tante vorsprach und nach einem möblierten
  9. Zimmer suchte er mietete die mansade oben im Dachstock und die kleine Schlafkammer daneben kam nach einigen
  10. Tagen mit zwei Koffern und einer großen Bücherkiste wieder und hat neun oder 10 Monate bei uns gewohnt er lebte sehr
  11. still und für sich und wenn nicht die nachbarliche Lage unserer Schlafräume manche zufällige Begegnung auf Treppe
  12. und Korridor herbeigeführt hätte wären wir wohl überhaupt nicht miteinander bekannt geworden denn gesellig war
  13. dieser Mann nicht er war in einem hohen von mir bisher bei niemandem beobachteten gerade
  14. ungesellig er war wirklich wie er sich zuweilen nannte ein Steppenwolf ein fremdes wildes und auch scheues sogar
  15. sehr scheues Wesen aus einer anderen Welt als der meinigen in wie tiefe Vereinsamung er sich
  16. aufgrund seiner Anlage und seines Schicksals hineingelebt hatte und wie bewusst er diese Vereinsamung als sein
  17. Schicksal erkannte dies erfuhr ich allerdings erst aus den von ihm hier zurückgelassenen
  18. Aufzeichnungen doch habe ich ihn immerhin schon vorher durch manche kleine Begegnungen und Gespräche
  19. einigermaßen kennengelernt und fand das Bild das ich aus seinen Aufzeichnungen von ihm gewann im Grunde übereinstimmend
  20. mit dem freilich blasseren und lückenhafteren wie es sich mir aus unserer persönlichen Bekanntschaft
  21. ergeben hatte zufällig war ich in dem Augenblick zugegen wo der Steppenwolf zum ersten
  22. Mal unser Haus betrat und bei meiner Tante sich einmietete er kam in der Mittagszeit die
  23. Teller standen noch auf dem Tisch und ich hatte noch eine halbe Stunde Freizeit ehe ich in mein Büro gehen
  24. musste ich habe den sonderbaren und sehr zwiespältigen Eindruck nicht vergessen den er mir beim ersten begegnen machte
  25. er kam durch die Glastür wo er vorher die Glocke gezogen hatte herein und die Tante fragte ihn im halbdunklen Flur was
  26. er wünsche er aber der Steppenwolf hatte seinen scharfen kurzhaarigen Kopf witternd in die höher gereckt
  27. schnupperte mit der nervösen Nase um sich her und sagte noch ehe er Antwort gab oder seinen Namen nannte oh ihr
  28. riecht es gut er lächelte dazu und meine gute Tante lächelte auch ich aber fand diese Begrüßungsworte eher komisch und
  29. hatte etwas gegen ihn nun ja sagte er ich komme wegen des Zimmers das sie zu vermieten haben erst als wir alle drei
  30. die Treppe zum Dachboden hinaufstiegen konnte ich den Mann genauer ansehen er war nicht sehr groß hatte aber den Gang
  31. und die Kopfhaltung von großgewachsenen Menschen er trug einen modernen bequemen Wintermantel und war im übrigen
  32. anständig aber unsorgfältig gekleidet glatt rasiert und mit ganz kurzem kopfhar das hier und dort ein wenig grau
  33. flimmerte sein Gang gefiel mir anfangs gar nicht er hatte etwas mühsames und
  34. unentschlossenes das nicht so dem scharfen heftigen Profil und auch nicht zum Ton und Temperament seiner Rede
  35. passte erst später merkte und erfuhr ich dass er krank war und dass das gehen ihm Mühe machte mit einem
  36. eigentümlichen Lächeln das mir damals ebenfalls unangenehm war betrachtete er die Treppe die Wände und Fenster und die
  37. alten hohen Schränke im Treppenhaus dies alles schien ihm zu gefallen und schien ihm doch zugleich
  38. irgendwie lächerlich überhaupt machte der ganze Mann den Eindruck als komme er aus einer fremden
  39. Welt etwa aus überseischen Ländern zu uns und finde hier alles sehr hübsch aber ein wenig
  40. komisch er war wie ich nicht anders sagen kann höflich ja freundlich er war auch mit dem Haus dem Zimmer dem Preis
  41. für Miete und Frühstück und allem sofort und ohne Einwände einverstanden und dennoch war um den
  42. ganzen Mann herum eine fremde und wie man scheinen wollte ungute und feindliche Atmosphäre er mietete das
  43. Zimmer mietete noch die Schlafkammer zu ließ sich über Heizung wasserbedienung und Hausordnung unterrichten hört alles
  44. aufmerksam und freundlich an war mit allem einverstanden bot auch sogleich eine
  45. Vorauszahlung auf die Miete an und doch schien er bei allldem nicht recht dabei zu sein schien sich selber in seinem Tun
  46. komisch zu finden und nicht ernst zu nehmen so als sei es ihm seltsam und neu ein Zimmer zu mieten und mit Leuten
  47. Deutsch zu sprechen während er eigentlich und im Innern mit ganz ander Sachen beschäftigt wäre so etwa war mein
  48. Eindruck und er wäre kein guter gewesen wenn er nicht durch allerlei kleine Züge durchkreuzt und korrigiert worden
  49. wäre vor allem war es das Gesicht des Mannes das mir von Anfang an gefiel trotz jenem Ausdruck von Fremdheit
  50. gefiel es mir es war ein vielleicht etwas Eigenartiges und trauriges Gesicht aber ein waches sehr gedankenvolles
  51. durchgearbeitetes und vergeistigtes und dann kam um mich versöhnlicher zu stimmen dazu dass eine
  52. Art von Höflichkeit und Freundlichkeit obwohl sie ihm etwas Mühe zu machen schien doch ganz ohne Hochmut war im
  53. Gegenteil es war darin etwas beinah rührendes etwas wie flehendes wofür ich erst später die Erklärung fand
  54. dass mich aber sofort ein wenig für ihn einnahm noch ehe die Besichtigung der beiden Räume und die anderen
  55. Verhandlungen beendet waren war meine Mittagszeit abgelaufen und ich musste in mein Geschäft gehen ich empfahl mich und
  56. überließ ihn der Tante als ich am Abend wiederkam erzählte sie mir der fremder habe
  57. gemietet und werde dieser tager einziehen er habe nur darum gebeten seine Ankunft nicht polizeilich zu
  58. melden da ihm einem kränklichen Mann diese Formalitäten und das herumstehen in polizeistuben und so weiter
  59. unerträglich sein ich erinnere mich noch genau daran wie das mich damals stutzig machte und
  60. wie ich meine Tante davor warnte auf diese Bedingung einzugehen gerade zu dem unvertrauten
  61. und fremden das der Mann an sich hatte schien mir diese Scheu vor der Polizei allzu gut zu passen um nicht als
  62. verdächtig aufzufallen ich legte meiner Tante da dass sie auf dies ohnehin etwas
  63. eigentümlicher Ansinnen dessen Erfüllung unter Umständen recht widerliche Folgen für Sie haben könne einem völlig Fremden
  64. gegenüber unter keinen Umständen eingehen dürfe aber da stellte sich heraus dass
  65. die Tante ihm die Erfüllung seines Wunsches schon zugesagt hatte und dass sie überhaupt sich von dem fremden
  66. Menschen schon hatte einfangen und bezaubern lassen denn sie hat niemals Mieter
  67. aufgenommen zu denen sie nicht in irgendein menschliches freundliches und tantenhaftes oder vielmhr mütterliches
  68. Verhältnis treten konnte was denn auch von manchen früheren Mietern reichlich ausgenützt worden
  69. ist und in den ersten Wochen blieb es denn auch so dass ich an dem neuen Mieter mancherlei auszusetzen hatte
  70. während meine Tante ihn jedes Mal mit Wärme in Schutz nahm da diese Sache mit dem Unterlassen der polizeilichen
  71. Meldung mir nicht gefiel wollte ich wenigstens erfahren was die Tante über den Fremden über seine Herkunft und
  72. Absichten wisse und da wusste sie schon dies und jenes obwohl er nach meinem Weggang um Mittag nur noch ganz kurz da
  73. geblieben war er hatte ihr gesagt er gedenke sich einige Monate in unserer Stadt
  74. aufzuhalten die Bibliotheken zu benutzen und die Altertümer der Stadt anzusehen eigentlich passte es der Tante
  75. nicht dass er nur für so kurze Zeit mieten wollte aber er hatte sie offenbar schon für sich gewonnen trotz seinem
  76. etwas sonderbaren auftreten kurz die Zimmer waren vermietet und mein Einwende kam zu
  77. spät warum hat er das wohl gesagt dass es hier so gut rieche fragte ich da sagte meine Tante welche manchmal recht
  78. gute Ahnungen hat das weiß ich ganz genau es riecht ja bei uns nach Sauberkeit und Ordnung und nach einem
  79. freundlichen und anständigen Leben und das hat ihm gefallen er sieht aus wie wenn er daran nicht mehr gewöhnt wäre
  80. und es entbeht hätte nun ja dachte ich meinetwegen aber sagte ich wenn er an
  81. ein ordentliches und anständiges Leben nicht gewöhnt ist wie s das dann werden was willst duchen wenn er
  82. unreinlich undes verdreckt oder wenn er zu allen nachtstundenofen heimkt das werden wir sehen sagte sie und lachte
  83. und ich ließ es gut sein und in der Tat waren meine Befürchtungen unbegründet der Mieter obwohl er keineswegs ein
  84. ordentliches und vernünftiges Leben führte hat uns nicht belästigt noch geschädigt wir denken noch heute gerne
  85. an ihn im Innern aber in der Seele hat dieser Mann uns beide die Tante und mich doch sehr viel gestört und belästigt und
  86. offen gesagt bin ich noch lange nicht mit ihm fertig ich träume nachts manchmal von
  87. ihm und fühle mich durch ihn durch die bloße Existenz eines solchen Wesens im Grunde gestört und beunruhigt obwohl er
  88. mir gerade zu lieb geworden ist zwei Tage später brachte ein Fuhrmann die Sachen des Fremden der Harry Haller hieß
  89. ein sehr schöner Lederkoffer machte mir einen guten Eindruck und ein großer flacher kabinenkoffer schien auf frühere
  90. weite Reisen zu deuten wenigstens war er beeklebt mit den vergilbten firmenzetteln von Hotels und
  91. Transportgesellschaften verschiedener aber überseeischer Länder dann erschien er selbst und es
  92. begann die Zeit in der ich diesen sonderbaren Mann allmählich kennenlernte anfangs tat ich von meiner
  93. Seite nichts dazu obwohl ich mich für Haller von der ersten Minute an in der ich ihn sah interessierte tat ich in den
  94. ersten paar Wochen doch keinen Schritt um ihn anzutreffen oder ins Gespräch mit ihm zu
  95. kommen dagegen habe ich allerdings dies muss ich gestehen schon von allem Anfang an den man ein wenig beobachtet auch zu
  96. weilen während seiner Abwesenheit sein Zimmer betreten und überhaupt aus Neugierde ein klein wenig Spionage
  97. Betrieben über das Äußere des steppenwolfes habe ich einige Angaben schon gemacht er machte durchaus und
  98. gleich beim ersten Anblick den Eindruck eines bedeutenden eines seltenen und ungewöhnlich begabten Menschen sein
  99. Gesicht war voll Geist und das außerordentlich zarte und bewegliche Spiel seiner Züge spiegelte ein
  100. interessantes höchst bewegtes ungemein zartes und sensibles Seelenleben wenn man mit ihm sprach und
  101. er was nicht immer der Fall war die Grenzen des konventionellen überschritt und aus einer Fremdheit heraus
  102. persönliche eigene Worte sagte dann musste unser einer sich ihm ohne weiteres unterordnen er hatte mehr
  103. gedacht als andere Menschen und hatte in geistigen Angelegenheiten jene beinah kühle Sachlichkeit jenes sichere gedacht
  104. haben und wissen wie es nur wahrhaft geistige Menschen haben welchen jeder Ehrgeiz fehlt welche niemals zu glänzen
  105. oder den anderen zu überreden oder Recht zu behalten wünschen eines solchen Ausspruches welcher aber nicht einmal
  106. ein Ausspruch war sondern lediglich in einem Blick Bestand erinnere ich mich aus der letzten Zeit seines
  107. hieins da hatte ein berühmter geschichtsphilosof und Kulturkritiker ein Mann von europäischem Namen einen
  108. Vortrag in der Aula angekü und es war mir gelungen den Steppenwolf der erst gar keine Lust dazu hatte zum
  109. Besuch des Vortrages zu überreden wir gingen zusammen hin und saßen im Hörsaal nebeneinander als der Redner seine
  110. Kanzel bestieg und seine Ansprache begann enttäuschte er manche Zuhörer welcheer eine Art von Propheten in ihm
  111. vermutet hatten durch die etwas geschniegelte und eitle Art seines Auftretens als er nun zu reden begann
  112. und zum Beginn den Zuhörern einige Schmeicheleien sagte und für Ihr zahlreiches Erscheinen dankte da warf
  113. mir der Steppenwolf einen ganz kurzen Blick zu einen Blick der Kritik über diese
  114. Worte und über die ganze Person des Redners einen unvergesslichen und furchtbaren Blick über dessen Bedeutung
  115. man ein ganzes Buch schreiben könnte der Blick kritisierte nicht bloß jenen Redner und machte den berühmten Mann
  116. durch seine zwingende obwohl sanfte Ironie zu nichte das war das wenigste daran der Blick war viel eher traurig
  117. als ironisch er war sogar abgründig und hoffnungslos traurig eine stille gewissermaßen
  118. sichere gewissermaßen schon Gewohnheit und Form gewordene verz war der Inhalt dieses Blickes er
  119. durchleuchtete mit seiner verzweifelten Helligkeit nicht bloß die Person des eitlen Redners ironisierte und erledigte
  120. die Situation des Augenblicks die Erwartung und Stimmung des Publikums den etwas anmaßenden Titel der angekündigten
  121. Ansprache nein der Blick des steppenwolfes durchdrang unsere ganze Zeit das ganze betriebsame tue die ganze
  122. streberei die ganze Eitelkeit das ganze oberflächliche Spiel einer eingebildeten seichten Geistigkeit
  123. ach und leider ging der Blick noch tiefer ging noch viel weiter als bloß auf Mängel und hoffnungslosigkeiten
  124. unserer Zeit unserer Geistigkeit unserer Kultur er ging bis ins Herz alles Menschentums er sprach bered in ein er
  125. einzigen Sekunde den ganzen Zweifel eines Denkers eines vielleicht Wissenden aus an der würde am Sinn des
  126. Menschenlebens überhaupt dieser Blick sagte Schau solche Affen sind
  127. wir schau so ist der Mensch und alle Berühmtheit alle Gescheitheit alle Errungenschaften des
  128. Geistes alle anläuf zu Erhabenheit Größe und Dauer im menschlichen vielen zusammen und waren ein
  129. affenspiel ich habe damit weit vorgegriffen und eigentlich gegen meinen Plan und Willen im Grunde schon das
  130. Wesentliche über Halla gesagt während es ursprünglich meine Absicht war sein Bild nur allmählich im Erzählen meines
  131. stufenweisen bekannt werdens mit ihm zu enthüllen nachdem ich nun denn so vorgegriffen habe erübrigt es sich noch
  132. weiter über die rätselhafte Fremdheit Hallers zu sprechen und im Einzelnen zu berichten wie ich allmählich die Gründe
  133. und Bedeutungen dieser Fremdheit dieser außerordentlichen und furchtbaren Vereinsamung ahnte und
  134. erkannte es ist besser so denn ich möchte meine eigene Person möglichst im Hintergrunde lassen ich will nicht meine
  135. bekenn vortragen oder Novellen erzählen oder Psychologie treiben sondern lediglich als Augenzeuge etwas zum Bild
  136. des eigentümlichen Mannes beitragen der diese Steppenwolf Manuskripte hinterlassen
  137. hat schon beim allerersten Anblick als er durch die Glastür der Tante hereintrat den Kopf so vogelartig reckte
  138. und den guten Geruch des Hauses röhmte da mir wie das Besondere an diesem Manne aufgefallen und meine erste naive
  139. Reaktion darauf war Widerwille gewesen ich spürte und meine Tante die im Gegensatz zu mir ja ganz und gar kein
  140. intellektueller Mensch ist spürte ziemlich genau dasselbe ich spürte dass der Mann krank
  141. sei auf irgendeiner Art Geistes oder Gemüts oder charakterkrank und whrte mich dagegen
  142. mit dem Instinkt des gesunden diese Abwehr wurde im Lauf der Zeit abgelöst durch Sympathie beruhend
  143. auf einem großen Mitleid mit diesem Tief und dauernd leidenden dessen Vereinsamung und Inneres sterben ich mit
  144. ansah in dieser Periode kam mir mehr und mehr zum Bewusstsein dass die Krankheit dieses leidenden nicht auf irgendwelchen
  145. Mängeln seiner Natur beruhte sondern im Gegenteil nur auf dem nicht zur Harmonie gelangten großen Reichtum seiner Gaben
  146. und Kräfte ich erkannte dass Halla ein Genie des Leidens sei dass er im Sinne mancher
  147. Ansprüche nietzses in sich eine geniale eine unbegrenzte furchtbare Leidensfähigkeit herangeebildet habe
  148. zugleich erkannte ich dass nicht wel Verachtung sondern Selbstverachtung die Basis seines
  149. Pessimismus sei denn so schonungslos und vernichtend er von Institutionen oder Personen reden konnte nie schloss er
  150. sich aus immer war er selbst der erste gegen den er seine Pfeile richtete war er selbst der erste den er hasste und
  151. verneinte hier muss ich eine psychologische ung einfügen obgleich ich über das Leben des steppenwolfes sehr
  152. wenig weiß habe ich doch allen Grund zu vermuten dass er von liebevollen aber strengen und sehr frommen Eltern und
  153. Lehren in jenem Sinne erzogen wurde der das Brechen des Willens zur Grundlage der Erziehung
  154. macht dieses vernichten der persönndlichkeit und Brechen des Willens nun war bei diesem Schüler nicht
  155. gelungen dazu war er viel zu stark und hart viel zu stolz und geistig statt seine Persönlichkeit zu
  156. vernichten war es nur gelungen ihn sich selbst hassen zu lehren gegen sich selber gegen dies
  157. unschuldige und edle Objekt richtete er nun zeitlebens die ganze Genialität seiner Fantasie die ganze Stärke seines
  158. Denkvermögens denn darin war er trotz allem durch und durch Christ und durch und durch mertyer dass er jede Schärfe
  159. jede Kritik jede Bosheit jeden Hass dessen er fähig war vor allem und zuerst auf sich selbst
  160. losließ was die anderen was die Umwelt betraf so machte er beständig die heldenhaftesten und ernstesten versuche
  161. sie zu lieben ihnen gerecht zu werden Ihnen nicht weh zuutun denn das liebe deinen Nächsten war ihm
  162. ebenso tief eingebleut wie das hassen seiner selbst und so war sein ganzes Leben ein
  163. Beispiel dafür dass ohne Liebe zu sich selbst auch die nächsten Liebe unmöglich ist dass der Selbsthass genau dasselbe
  164. ist und am Ende genau dieselbe grausige Isoliertheit und Verzweiflung erzeugt wie der grelle Egoismus
  165. aber es wird nun Zeit dass ich meine Gedanken hint anstelle und von Wirklichkeiten
  166. spreche das erste also was ich über Herrn Haller in Erfahrung brachte teils durch meine Spionage teils durch
  167. Bemerkungen meiner Tante bezog sich auf die Art seiner Lebensführung dass er ein Gedanken und
  168. büchermensch war und keinen praktischen Beruf ausübte wari er lag immer sehr lange im bet oft stand
  169. er erst kurz vom Mittag auf und ging im Schlafrock die paar Schritte von derkammer seinem wnimmer
  170. hin dies wnimmer eine grße und freundliche mans zwei fensternah schonch wersus als zurit da eson anderen Mietern
  171. bewohn gewesen war esüllte sich und mit deritur es immer voller an den Wänden wurden Bilder aufgehängt
  172. Zeichnungen angeheftet zuweilen aus Zeitschriften ausgeschnittene Bilder die häufig wechselten eine südliche
  173. Landschaft Fotografien aus einem deutschen Landstädtchen offenbar der heimathallas hingen da farbige
  174. leuchtende Aquarelle dazwischen von denen wir erst spät erfuhren dass er sie selbst gemalt
  175. hatte dann die Fotografie einer hübschen jungen Frau oder eines jungen Mädchens eine Zeit lang hing ein
  176. siamesischer Buddha an der Wand er wurde abgelöst durch eine Reproduktion der Nacht von
  177. Michelangelo dann von einem Bildnis des mahatmandi Bücher füllten nicht nur den großen Bücherschrank sondern lagen auch
  178. überall auf den Tischen auf dem hübschen alten Sekretär auf dem Divan auf den Stühlen auf dem Boden herum
  179. Bücher mit eingelegten papierzeichen die beständig wechselten die Bücher nahmen beständig
  180. zu denn er brachte nicht nur ganze Packen von den Bibliotheken mit sondern bekam auch sehr häufig Pakete mit der
  181. Post der Mann der diese Stube bewohnte konnte ein Gelehrter sein dazu passte auch der Zigarrenrauch der alles
  182. einhüllte und die überall herumliegenden zigarrenreste und
  183. aschenschalen ein großer Teil der Bücher jedoch war nicht Gelehrten Inhalts die große Mehrzahl waren Werke der Dichter
  184. aus allen Zeiten und Völkern eine Zeitl lagen auf dem Divan wo er oft ganze Tage liegen zubrachte
  185. alle sechs dicken Bänder eines Werkes herum mit dem Titel sopiens Reise von mhmel nach Sachsen vom
  186. Ende des 18 Jahrhunderts eine Gesamtausgabe von Goethe und eine von Jean-Paul schien benutzt zu werden
  187. ebenso novales aber auch Lessing Jakobi und Lichtenberg einige Dostojewski Bände starken voll von beschriebenen
  188. Zetteln auf dem größeren Tisch zwischen den vielen Büchern und Schriften stand häufig ein
  189. Blumenstrauß dort trieb sich auch ein aquarellierkasten herum der aber stets voller Staub war daneben die
  190. aschenschalen und um auch dies nicht zu verschweigen allerlei Flaschen mit Getränken eine strohumflochtene Flasche
  191. war meist mit italienischem Rotwein gefüllt den er in der Nähe in einem kleinen Laden holte manchmal war auch
  192. eine Flasche Burgunder zu sehen sowie Malaga und eine dicke Flasche mit kirschgeist sah ich innerhalb recht
  193. kurzer Zeit nahezu leer werden dann aber in eine stubenecke verschwinden und ohne dass der Rest sich weiter verminderte
  194. verstauben ich will mich über die von mir getriebene Spionage nicht rechtfertigen und gestehe auch offen
  195. dass in der ersten Zeit alle diese Anzeichen eines zwar von geistigen Interessen erfüllten aber doch recht
  196. verbummelten und suchtlosen Lebens bei mir Abscheu und Misstrauen hervorriefen ich bin nicht nur ein bürgerlicher
  197. regelmäßig lebender Mensch an Arbeit und genaue Zeiteinteilung gewohnt ich bin auch abstinent und nicht raucher und
  198. jene Flaschen in Hallas Zimmer gefiel mir noch weniger als die übrige malerische
  199. Unordnung wie mit Schlaf und Arbeit so lebte der Fremde auch in Bezug auf Essen und Trinken sehr ungleichmäßig und
  200. launisch an man Tagen ging er überhaupt nicht aus und nahm außer dem Morgenkaffee gar nichts zu sich zuweilen
  201. fand die Tante als einzigen Rest seiner Mahlzeit eine Bananenschale liegen aber an anderen Tagen speiste er in
  202. Restaurants bald in guten und eleganten bald in kleinen vorstadtkneipen seine Gesundheit schien
  203. nicht gut zu sein außer der Hemmung in den Beinen mit denen er oft recht mühsam seine Treppen stieg schien er auch von
  204. anderen Störungen geplagt zu sein und einmal sagte er nebenbei er habe seit Jahren nicht mehr richtig verdaut noch
  205. richtig geschlafen ich schrieb es vor allem seinem Trinken zu später als ich ihn
  206. zuweilen in eines seiner Wirtshäuser begleitete war ich manchmal Zeuge wie er rasch und launisch die Weine hinunter
  207. gooss richtig betrunken aber habe weder ich noch sonst jemand ihn je gesehen nie vergesse ich unsere erste
  208. persönliche Begegnung wir kannten einander nur so wie eben Zimmernachbarn in einem
  209. Mietshaus ich kennen da kam ich eines Abends aus dem Geschäft nach Hause und fand zu meinem Erstaunen Herrn Haller
  210. beim Absatz der Treppe zwischen dem ersten und zweiten Stockwerk sitzen er hatte sich auf die oberste Treppenstufe
  211. gesetzt und rückte beiseite um mich vorbeizulassen ich fragte ihn ob er nicht wohl sei und
  212. bot mich an ihn vollends nach oben zu begleiten Halla sah mich an und ich merkte dass ich ihn aus einer Art von
  213. Traumzustand geweckt hatte langsam begann er zu lächeln sein hübsches und jämmerliches Lächeln mit dem er mir so
  214. oft das Herz schwer gemacht hat dann lud er mich ein mich neben ihn zu setzen ich ich dankte und sagte ich sei
  215. nicht gewohnt auf der Treppe vor anderer Leute Wohnungen zu setzen ach ja sagte er und lächelte
  216. stärker sie haben Recht aber warten Sie noch einen Augenblick ich muss ihnen doch zeigen warum ich hier ein wenig
  217. sitzen bleiben musste dabei deutete er auf den Vorplatz der Wohnung im ersten Stock wo eine Witwe wohnte auf dem
  218. kleinen Parkett belegten Platz zwischen Trepp Fenster und Glastüre stand ein hoher mahagonischrank an der Wand mit
  219. altem Zinn darauf und vor dem Schrank am Boden standen auf zwei kleinen niedern ständerchen zwei Pflanzen in großen
  220. Töpfen eine azal und eine Araukarie die Pflanzen sahen hübsch aus und waren immer sehr sauber und tadellos
  221. gehalten das war auch mir schon angenehm aufgefallen sehen sie fuhr Haller fort dieser kleine
  222. Vorplatz mit der araokarie der riecht so fabelhaft ich kann ihr oft gar nicht vorbeigehen ohne
  223. eine Weile halt zuumachchen auch bei Ihrer Frau Tante duftet es ja gut und herrscht Ordnung und höchste
  224. Sauberkeit aber der Araukarien Platz hier der ist so strahlend rein so abgestaubt und
  225. gewichst und abgewaschen so unantastbar sauber dass er förmlich ausstrahlt ich muss da immer eine Nase
  226. voll Einatmen riechen sie es nicht auch wie da der Geruch von Bodenwachs
  227. und ein schwacher Nachklang von Terpentin zusammen mit dem Mahagoni den abgewaschenen Pflanzenblättern und allem
  228. einen Duft ergibt einen Superlativ von bürgerlicher Reinheit von Sorgfalt und Genauigkeit von Pflichterfüllung und
  229. Treue im kleinen ich weiß nicht wer da wohnt aber es mus hinter dieser Glastür ein
  230. Paradies von Reinlichkeit und abgestaubter Bürgerlichkeit wohnen von Ordnung und ängstlich rührender Hingabe
  231. an kleine Gewohnheiten und Pflichten da ich schwieg fuhr er fort glauben Sie bitte nicht dass ich ironisch spreche
  232. lieber Herr nichts liegt mir ferner als diese Bürgerlichkeit und Ordnung etwa verlachen zu wollen es ist ja richtig
  233. ich selbst lebe in einer anderen Welt nicht in dieser und vielleicht wäre ich nicht imstande es auch nur einen Tag
  234. lang in einer Wohnung mit solchen Araukarien auszuhalten aber wenn ich auch ein alter und etwas
  235. ruppiger Steppenwolf bin so bin doch auch ich der Sohn einer Mutter und auch meine Mutter war eine bürgersfrau und
  236. zog Blumen und wachte über Stube und Treppe Möbel und Gardinen und bemühte sich ihrer Wohnung und ihrem Leben so
  237. viel Sauberkeit Reinheit und Ordentlichkeit zu geben als nur immer gehen
  238. wollte daran erinnert mich der Hauch von pentin daran die Araukarie und da sitze ich denn hier und
  239. da sehe in diesen stillen kleinen Garten der Ordnung und freue mich dass es das noch gibt er wollte aufstehen hatte aber
  240. Mühe damit und wies mich nicht ab als ich ihm dabei ein wenig half ich blieb schweigsam aber ich
  241. unterlag ebenso wie es zuvor meiner Tante ergangen war irgendeinem Zauber den der seltsame Mensch zuweilen haben
  242. konnte wir gingen langsam miteinander die Treppe hinauf und vor seiner Türe schon die Schlüssel in der Hand blickte
  243. er mir nochmals voll und sehr freundlich ins Gesicht und sagte sie kommen aus ihrem Geschäft nun ja
  244. davon verstehe ich nichts ich lebe so etwas abseits etwas am Rande wissen sie aber
  245. ich glaube sie haben auch Interesse für Bücher und dergleichen ihre Tante sagte mir einmal dass sie das Gymnasium
  246. absolviert haben und ein guter Grieche war nun ich habe da heute morgen einen Satz bei novales gefunden darf ich Ihnen
  247. den zeigen sie werden auch Freude daran haben er nahm mich mit in sein Zimmer wo es stark nach Tabak roch zog ein Buch
  248. aus einem der Haufen heraus blätterte suchte ach das ist gut sehr gut sagte er hören Sie einmal den
  249. Satz man sollte stolz auf den Schmerz sein jeder Schmerz ist eine Erinnerung unseres hohen
  250. Ranges fein 80 Jahre vor nietche aber das ist nicht der Spruch den ich meinte warten sie da
  251. habe ich ihn also die meisten Menschen wollen nicht eher schwimmen als bis sie es
  252. können ist das nicht witzig natürlich wollen sie nicht schwimmen sie sind ja für den Boden
  253. geboren nicht fürs Wasser und natürlich wollen sie nicht denken sie sind hier fürs Leben geschaffen nicht fürs
  254. Denken ja und wer denkt wer das Denken zur Hauptsache macht der kann es darin zwar weit bringen aber er hat doch eben
  255. den Boden mit dem Wasser vertauscht und einmal wird er ersaufen er hatte mich nun eingefangen und interessiert und ich
  256. blieb eine kleine Weile bei ihm und von da an kam es nicht selten vor dass wir auf der Treppe oder auf der Straße wenn
  257. wir uns trafen ein wenig miteinander sprachen dabei hatte ich im Anfang ebenso wie bei der
  258. Araukarie immer ein wenig das Gefühl dass er mich ironisierte aber es war nicht so er
  259. hatte vor mir wie vor der Araukarie geradezu Hochachtung er war von seiner
  260. Vereinsamung seinem schwimmen im Wasser seiner Entwurzelung so bewusst überzeugt dass tatsächlich und ohne jeden hohen
  261. zuweilen der Anblick einer alltäglichen bürgerlichen Handlung die Pünktlichkeit z.B mit der ich zu meinen Bürostunden
  262. ging oder der Ausspruch eines Dienstboten oder trambahnschaffners ihn begeistern konnte
  263. zuerst erschien mir das recht lächerlich und übertrieben so eine Herren und bummlerlaune eine spielerische
  264. Sentimentalität aber mehr und mehr musste ich sehen dass er in der Tat unsere kleine bürgerliche Welt aus
  265. seinem luftleeren Raume aus seiner Fremdheit und steppenwolfigkeit heraus geradezu
  266. bewundert und liebte als das feste und sichere als das ihm Ferne und unerreichbare als die Heimat und den
  267. Frieden zu denen ihm kein Weg gebannt war er zog vor unserer zugängerin einer braven Frau den Hut jedes Mal mit einer
  268. wahren Ehrfurcht und wenn meine Tante sich einmal mit ihm ein wenig unterhielt oder
  269. ihn auf eine Reparaturbedürftigkeit an seiner Wäsche auf einen hängenden Knopf an seinem
  270. Mantel aufmerksam machte dann hörte er mit einer merkwürdigen Aufmerksamkeit und Wichtigkeit zu als gäbe er sich eine
  271. unsägliche und hoffnungslose Mühe durch irgendeinen Spalt in diese kleine friedliche Welt einzudringen und dort
  272. heimisch zu werden sei es auch nur für eine Stunde schon bei jenem ersten Gespräch
  273. bei der Araukarie nannte er sich den Steppenwolf und auch dies befremdete und störte mich ein wenig was waren das für
  274. ausdrücke aber ich lernte den Ausdruck nicht nur durch Gewöhnung gelten zu lassen sondern bald nannte ich den Mann
  275. bei mir selbst in meinen Gedanken nie mehr anders als den Steppenwolf und wüsste auch heute noch kein treffenderes
  276. Wort für diese Erscheinung ein zu uns in die Städte und ins herdenleben verirrter Steppenwolf schlagender konnte kein
  277. anderes Bild ihn zeigen seine scheue Vereinsamung seine Wildheit seine Unruhe sein Heimweh und seine
  278. Heimatlosigkeit einmal konnte ich ihn einen ganzen Abend lang beobachten in einem symfoniekonzert wo ich ihn zu
  279. meiner Überraschung in meiner Nähe sitzen sah ohne dass er mich bemerkte erst wurde Hänel gespielt eine edle und
  280. schöne Musik aber der Steppenwolf saß in sich versunken und ohne Anschluss weder an die Musik noch an seine
  281. Umgebung unzugehörig einsam und fremd saß er mit einem kühlen aber sorgenvollen Gesicht vor sich
  282. niederblickend dann kam ein anderes Stück eine kleine von friedemannbach und da war ich ganz erstaunt zu sehen wie
  283. nach wenigen Takten mein Fremdling anfing zu lächeln und sich hinzugeben er sank ganz in sich hinein und sah wohl 10
  284. minutenlang so glücklich versunken und in gute Träume verloren aus dass ich mehr auf ihn als auf die Musik
  285. achtete als das Stück zu Ende war erwachte er setzte sich gerade machte ma aufzustehen und schien gehen zu wollen
  286. blieb dann aber doch sitzen und hörte auch noch das letzte Stück an es waren Variationen von reger eine Musik die von
  287. vielen als etwas lang und ermüdend empfunden wurde und auch der Steppenwolf der anfangs noch aufmerksam und
  288. gutwillig zugehört hatte fiel wieder ab er steckte die Hände in die Taschen und sank wieder in sich hinein
  289. diesmal aber nicht glücklich und träumerisch sondern traurig und schließlich böse sein Gesicht war wieder
  290. fern grau und erloschen er sah alt und krank und unzufrieden aus nach dem Konzert sah ich ihn auf der
  291. Straße wieder und ging hinter ihm her in seinen Mantel verkrochen schritt er unlustig und müde in der Richtung nach
  292. unserem Viertel davon vor V einem kleinen altmodischen Wirtshause aber blieb er stehen sah unschlüssig auf die
  293. Uhr und ging dann hinein ich folgte einem augenblicklichen Gelüste und ging ihm nach da saß er an
  294. einem kleinenbürgerlichen wirtstisch Wirtin und Kellnerin begrüßten ihn als bekannten Gast und ich grüßte und setzte
  295. mich zu ihm eine Stunde saßen wir dort und während ich zwei Gläser mit er trank
  296. ließ er sich einen halben und dann noch einen viertellitter Rotwein geben ich sagte dass ich im Konzert
  297. gewesen sei aber er ging nicht darauf ein er las die Etikette meiner Wasserflasche und fragte ob ich keinen
  298. Wein trinken wolle zu dem er mich einlade als er hörte dass ich nie Wein trinke machte er wieder sein hilfloses
  299. Gesicht und sagte er da haben sie recht ich habe auch jahrelang inthaltsam gelebt und auch
  300. lange Zeiten gefastet aber zur Zeit stehe ich wieder im Zeichen des Wassermanns einem dunklen
  301. und feuchten Zeichen und als ich nun scherzend auf diese Anspielung einging und andeutete
  302. wie unwahrscheinlich es mir sei dass gerade erer an Astrologie glaube dann nahm er wieder den zu höflichen Ton an
  303. der mich oft verletzte sagte ganz richtig auch an diese Wissenschaft kann ich leider nicht glauben ich ging und
  304. empfall mich und er kam erst sehr spät in der Nacht nach Hause aber sein Schritt war der gewohnte und wie immer
  305. ging er nicht so gleich zu Bett ich hörte das als sein zimmernchbar ja genau sondern hielt sich wohl noch eine Stunde
  306. bei Licht in seinem Wohnzimmer auf auch einen anderen Abend habe ich vergessen da war ich allein Hause die Tante war
  307. nicht da und es läutete an der Haustür und ich öffnete stand da eine junge sehr hübche D und sie nach Herrn Haller
  308. fragte erkannte ich sie es war die auf der fotogfie in seinem Zimmer ich zeigte ihr seine Tür und zog
  309. mich zurü sielieb eine Weile oben bald darauf aber hörte ich sie miner die Treppe hinab undusgeh lebhaft und sehr
  310. vergnügt in scherzendem Gespräch ich war sehr erstaunt dass der Einsiedler eine Geliebte habe und eine so junge hübsche
  311. und elegante und alle meine Vermutungen über ihn und sein Leben wurden mir wieder
  312. ungewiss aber eine kleine Stunde später kam er schon wieder nach Hause allein mit schwerem traurigem Schritt mühte
  313. sich die Treppe hinauf und schlich dann stundenlang in seinem Wohnzimmer leise auf und ab richtig wie ein Wolf im Käfig
  314. geht die ganze Nacht bis fast zum Morgen war Licht in seinem Zimmer ich weiß über dies Verhältnis gar
  315. nichts und will nur hinzufügen noch einmal sah ich ihn mit jener Frau zusammen in einer Straße der
  316. Stadt sie gingen Arm in Arm und er sah glücklich aus ich wunderte mich wieder wie viel Anmut ja kindlich it sein
  317. versorgtes einsames Gesicht gelegentlich haben konnte und Begriff die Frau und Begriff auch die Teilnahme die meine
  318. Tante für diesen Mann hatte aber auch an jenem Tage kam er abends traurig und Elend nach Hause ich
  319. traf ihn an der Haustür an er hatte wie manches Mal unter Mantel die italienische Weinflasche bei sich und
  320. saß mit ihr die halbe Nacht in seiner Höhle oben er tat mir leid aber was war das
  321. auch für ein trostloses verlorenes und wehrloses Leben das er führte nun es ist genug geplaudert es
  322. bedarf weiter keiner Berichte und Schilderungen um zu zeigen dass der Steppenwolf das Leben eines
  323. Selbstmörders führte aber dennoch glaube ich nicht dass er sich das Leben genommen hat
  324. damals als er unversehens und ohne Abschied aber nach Bezahlung aller Rückstände unsere Stadt eines Tages
  325. verließ und verschwunden war wir haben nie wieder etwas von ihm gehört und bewahren noch immer einige Briefe auf
  326. die noch für ihn ankamen zurück ließ er nichts als sein Manuskript dass er während seines
  327. hiesigen Aufenthaltes geschrieben hat und dass er mit wenigen Zeilen mir zueignete
  328. mit dem Bemerken ich könne damit machen was ich wolle es war mir nicht möglich die
  329. Erlebnisse von denen Hallas Manuskript erzählte auf ihren Gehalt an Realität nachzuprüfen ich zweifle nicht daran
  330. dass sie zum größten Teil Dichtung sind nicht aber im Sinn willkürlicher Erfindung sondern im Sinne eines
  331. ausdrucksversuches der tieferlebte seelische Vorgänge im Kleide sichtbarer Ereignisse
  332. darstellt die zum Teil fantastischen Vorgänge in Hallas Dichtung stammen vermutlich aus der letzten Zeit seines
  333. hiesigen Aufenthaltes und ich zweifle nicht daran dass Ihnen auch ein Stück wirklichen äußeren Erlebens zugrunde
  334. liegt in jener Zeit zeigte unser Gast in der Tat ein verändertes benehmen und Aussehen war sehr viel außer Hause
  335. zuweilen auch ganze Nächte und seine Bücher len unberührt die wenigen Male die ich ihn
  336. damals antraf schien er auffallend lebendig und verjüngt einige Male geradezu
  337. vergnügt gleich darauf folgte allerdings eine neue schwere Depression er blieb tagelang im Bett ohne Essen zu begehren
  338. und in jene Zeit fiel auch ein außerordentlich heftiger ja brutaler Zank mit seiner wieder aufgetauchten
  339. geliebten der das ganze Haus revoltierte und für welchen hallertags darauf meine Tante um Entschuldigung gebeten hat nein
  340. ich bin davon überzeugt dass er sich nicht das Leben genommen hat er lebt noch er geht irgendwo auf seinen müden
  341. Beinen die Treppen fremder Häuser auf und ab starrt irgendwo auf blank gescheuerte Parkettböden und auf sauber
  342. gepflegte Araukarien setzt Tage in Bibliotheken und Nächte in Wirtshäusern od liegt einem gemieteten kanap hört
  343. hinter den Fenstern die Welt und die Menschen leben und weiß sich ausgeschlossen tötet sich aber nicht
  344. denn ein Rest von Glaube sagt ihm dass er dies leiden dies böse leiden in seinem Herzen zu Ende kosten und dies
  345. leiden es sei woran er sterben müsse ich denke of an ihn er hat mir das Leben nicht leichter gemacht er hatte
  346. nicht die Gabe das starke und frohe in mir zu stützen und zu fördern im
  347. Gegenteil aber ich bin nicht er und ich führe nicht seine Art von Leben sondern das meine ein kleines und bürgerliches
  348. aber gesichertes und von Pflichten erfülltes und so können wir seiner in Ruhe und Freundschaft denken ich und
  349. meine Tante welche mehr über ihn zu sagen wüsste als ich aber das bleibt in ihrem gütigen Herzen
  350. verborgen was nun die Aufzeichnungen Hallas betrifft diese wunderlichen zum Teil krankhaften zum Teil schönen und
  351. gedankenvollen Fantasien so muss ich sagen dass ich diese Blätter wären sie mir zufällig in die Hand gefallen und
  352. ihr Urheber mir nicht bekannt gewesen gewiss entrüstet weggeworfen hätte aber durch meine Bekanntschaft mit
  353. Haller ist es mir möglich geworden sie teilweise zu verstehen ja zu billigen ich würde Bedenken tragen sie
  354. anderen mitzuteilen wenn ich in ihnen bloß die pathologischen Fantasien eines einzelnen eines armen gemütskranken
  355. sehen würde ich sehe in ihnen aber etwas mehr ein Dokument der Zeit denn Hallas seelenkrankheit ist das weiß ich heute
  356. nicht die Schrulle eines Einzelnen sondern die Krankheit der Zeit selbst die Neurose jener Generation welcher
  357. Haller angehört und von welcher keineswegs nur die Schwachen und minderwertigen Individuen befallen
  358. scheinen sondern gerade die starken geistigsten begabtesten diese Aufzeichnungen
  359. einerlei wie viel oder wenig realen Erlebens ihnen zugrunde liegen mag sind ein Versuch die große zeitkrankheiten
  360. nicht durch umgehen und beschönigen zu überwinden sondern durch den Versuch die Krankheit selber zum Gegenstand der
  361. Darstellung zu machen sie bedeuten ganz wörtlich einen Gang durch die Hölle einen bald angstvollen bald mutigen Gang
  362. durch das Chaos einer verfinsterten Seelenwelt gegangen mit dem Willen die Hölle zu durchqueren dem Chaos die Stirn
  363. zueten das Böse bis zu Ende zu erleiden ein Wort Hallers hat mir den
  364. Schlüssel zu diesem Verständnis gegeben er sagte einmal zu mir nachdem wir über sogenannte Grausamkeiten im
  365. Mittelalter gesprochen hatten diese Grausamkeiten sind in Wirklichkeit keine ein Mensch des
  366. Mittelalters würde den ganzen Stil unseres heutigen Lebens noch ganz anders als grausam setzlich und barbarisch
  367. verabscheuen jede Zeit jede Kultur jede Sitte und Tradition hat ihren Stil hat ihre ihr zukommenden zartheiten und
  368. Herten Schönheiten und Grausamkeiten hält gewisse leiden für selbstverständlich nimmt gewisse übel
  369. geduldig hin zum wirklichen leiden zur Hölle wird das menschliche Leben nur da wo zwei Zeiten zwei Kulturen und
  370. Religionen einander überschneiden ein Mensch der Antike der Mittelalter hätte leben müssen wäre
  371. daran jämmerlich erstickt ebenso wie ein Wilder inmitten unserer Zivilisation ersticken
  372. müsste es gibt nun Zeiten wo eine ganze Generation so zwischen zwei Zeiten zwischen zwei Lebensstile
  373. hineingerätt dass ihr jede selbstverständlich jede Sitte jede Geborgenheit und
  374. Unschuld verloren geht natürlich spürt das nicht ein jeder gleich stark eine Natur wie Nietsche hat das heutige Elend
  375. um mehr als eine Generation voraus erleiden müssen was er einsam und unverstanden auszukosten hatte das
  376. Erleiden heute Tausende dieses Wortes musste ich beim Lesen der aufzeichn
  377. oft gedenken Haller gehört zu denen die zwischen zwei Zeiten hineingeraten die aus aller Geborgenheit und Unschuld
  378. herausgefallen sind zu denen deren Schicksal es ist alle Fragwürdigkeit des Menschenlebens gesteigert als
  379. persönliche Qual und Hölle zu erleben darin scheint mir liegt der Sinn den seine Aufzeichnungen für uns haben
  380. können und darum entschloss ich mich sie mitzuteilen im übrigen will ich sie
  381. nicht in Schutz nehmen noch über sie aburteilen möge jeder Leser dies nach seinem Gewissen tun
  382. Ende erster Teil [Musik]

Zum Nachlesen