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DER STEPPENWOLF Hermann Hesse / Teil 1: "Wolf oder Mensch?"
Das Wichtigste aus dem Video
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Transkriptautomatisch erstellt · 382 Zeilen
- [Musik] Hermann Hesse der Steppenwolf Vorwort des Herausgebers
- dieses buthält die uns gebliebenenichnung jenes Mannes welchen wir einem ausrck den er selbst
- mehrmalsuchte den steenwolfannten sein manuskpt eines einführenden Vorortes bedürfe sei
- dahestt mir jedenfalls ist einedfnis den Blätter des steenwolfes einigeügen aufen ich Vers me Erinnerung
- ihen es ist nur wenig was ich über ihn weiß und namentlich ist seine ganze
- Vergangenheit und Herkunft mir unbekannt geblieben doch habe ich von seiner Persönlichkeit einen starken und wie ich
- trotz allem sagen muss sympathischen Eindruck behalten der Steppenwolf war ein Mann
- von annähernd 50 Jahren der vor einigen Jahren eines Tages im Hause meiner Tante vorsprach und nach einem möblierten
- Zimmer suchte er mietete die mansade oben im Dachstock und die kleine Schlafkammer daneben kam nach einigen
- Tagen mit zwei Koffern und einer großen Bücherkiste wieder und hat neun oder 10 Monate bei uns gewohnt er lebte sehr
- still und für sich und wenn nicht die nachbarliche Lage unserer Schlafräume manche zufällige Begegnung auf Treppe
- und Korridor herbeigeführt hätte wären wir wohl überhaupt nicht miteinander bekannt geworden denn gesellig war
- dieser Mann nicht er war in einem hohen von mir bisher bei niemandem beobachteten gerade
- ungesellig er war wirklich wie er sich zuweilen nannte ein Steppenwolf ein fremdes wildes und auch scheues sogar
- sehr scheues Wesen aus einer anderen Welt als der meinigen in wie tiefe Vereinsamung er sich
- aufgrund seiner Anlage und seines Schicksals hineingelebt hatte und wie bewusst er diese Vereinsamung als sein
- Schicksal erkannte dies erfuhr ich allerdings erst aus den von ihm hier zurückgelassenen
- Aufzeichnungen doch habe ich ihn immerhin schon vorher durch manche kleine Begegnungen und Gespräche
- einigermaßen kennengelernt und fand das Bild das ich aus seinen Aufzeichnungen von ihm gewann im Grunde übereinstimmend
- mit dem freilich blasseren und lückenhafteren wie es sich mir aus unserer persönlichen Bekanntschaft
- ergeben hatte zufällig war ich in dem Augenblick zugegen wo der Steppenwolf zum ersten
- Mal unser Haus betrat und bei meiner Tante sich einmietete er kam in der Mittagszeit die
- Teller standen noch auf dem Tisch und ich hatte noch eine halbe Stunde Freizeit ehe ich in mein Büro gehen
- musste ich habe den sonderbaren und sehr zwiespältigen Eindruck nicht vergessen den er mir beim ersten begegnen machte
- er kam durch die Glastür wo er vorher die Glocke gezogen hatte herein und die Tante fragte ihn im halbdunklen Flur was
- er wünsche er aber der Steppenwolf hatte seinen scharfen kurzhaarigen Kopf witternd in die höher gereckt
- schnupperte mit der nervösen Nase um sich her und sagte noch ehe er Antwort gab oder seinen Namen nannte oh ihr
- riecht es gut er lächelte dazu und meine gute Tante lächelte auch ich aber fand diese Begrüßungsworte eher komisch und
- hatte etwas gegen ihn nun ja sagte er ich komme wegen des Zimmers das sie zu vermieten haben erst als wir alle drei
- die Treppe zum Dachboden hinaufstiegen konnte ich den Mann genauer ansehen er war nicht sehr groß hatte aber den Gang
- und die Kopfhaltung von großgewachsenen Menschen er trug einen modernen bequemen Wintermantel und war im übrigen
- anständig aber unsorgfältig gekleidet glatt rasiert und mit ganz kurzem kopfhar das hier und dort ein wenig grau
- flimmerte sein Gang gefiel mir anfangs gar nicht er hatte etwas mühsames und
- unentschlossenes das nicht so dem scharfen heftigen Profil und auch nicht zum Ton und Temperament seiner Rede
- passte erst später merkte und erfuhr ich dass er krank war und dass das gehen ihm Mühe machte mit einem
- eigentümlichen Lächeln das mir damals ebenfalls unangenehm war betrachtete er die Treppe die Wände und Fenster und die
- alten hohen Schränke im Treppenhaus dies alles schien ihm zu gefallen und schien ihm doch zugleich
- irgendwie lächerlich überhaupt machte der ganze Mann den Eindruck als komme er aus einer fremden
- Welt etwa aus überseischen Ländern zu uns und finde hier alles sehr hübsch aber ein wenig
- komisch er war wie ich nicht anders sagen kann höflich ja freundlich er war auch mit dem Haus dem Zimmer dem Preis
- für Miete und Frühstück und allem sofort und ohne Einwände einverstanden und dennoch war um den
- ganzen Mann herum eine fremde und wie man scheinen wollte ungute und feindliche Atmosphäre er mietete das
- Zimmer mietete noch die Schlafkammer zu ließ sich über Heizung wasserbedienung und Hausordnung unterrichten hört alles
- aufmerksam und freundlich an war mit allem einverstanden bot auch sogleich eine
- Vorauszahlung auf die Miete an und doch schien er bei allldem nicht recht dabei zu sein schien sich selber in seinem Tun
- komisch zu finden und nicht ernst zu nehmen so als sei es ihm seltsam und neu ein Zimmer zu mieten und mit Leuten
- Deutsch zu sprechen während er eigentlich und im Innern mit ganz ander Sachen beschäftigt wäre so etwa war mein
- Eindruck und er wäre kein guter gewesen wenn er nicht durch allerlei kleine Züge durchkreuzt und korrigiert worden
- wäre vor allem war es das Gesicht des Mannes das mir von Anfang an gefiel trotz jenem Ausdruck von Fremdheit
- gefiel es mir es war ein vielleicht etwas Eigenartiges und trauriges Gesicht aber ein waches sehr gedankenvolles
- durchgearbeitetes und vergeistigtes und dann kam um mich versöhnlicher zu stimmen dazu dass eine
- Art von Höflichkeit und Freundlichkeit obwohl sie ihm etwas Mühe zu machen schien doch ganz ohne Hochmut war im
- Gegenteil es war darin etwas beinah rührendes etwas wie flehendes wofür ich erst später die Erklärung fand
- dass mich aber sofort ein wenig für ihn einnahm noch ehe die Besichtigung der beiden Räume und die anderen
- Verhandlungen beendet waren war meine Mittagszeit abgelaufen und ich musste in mein Geschäft gehen ich empfahl mich und
- überließ ihn der Tante als ich am Abend wiederkam erzählte sie mir der fremder habe
- gemietet und werde dieser tager einziehen er habe nur darum gebeten seine Ankunft nicht polizeilich zu
- melden da ihm einem kränklichen Mann diese Formalitäten und das herumstehen in polizeistuben und so weiter
- unerträglich sein ich erinnere mich noch genau daran wie das mich damals stutzig machte und
- wie ich meine Tante davor warnte auf diese Bedingung einzugehen gerade zu dem unvertrauten
- und fremden das der Mann an sich hatte schien mir diese Scheu vor der Polizei allzu gut zu passen um nicht als
- verdächtig aufzufallen ich legte meiner Tante da dass sie auf dies ohnehin etwas
- eigentümlicher Ansinnen dessen Erfüllung unter Umständen recht widerliche Folgen für Sie haben könne einem völlig Fremden
- gegenüber unter keinen Umständen eingehen dürfe aber da stellte sich heraus dass
- die Tante ihm die Erfüllung seines Wunsches schon zugesagt hatte und dass sie überhaupt sich von dem fremden
- Menschen schon hatte einfangen und bezaubern lassen denn sie hat niemals Mieter
- aufgenommen zu denen sie nicht in irgendein menschliches freundliches und tantenhaftes oder vielmhr mütterliches
- Verhältnis treten konnte was denn auch von manchen früheren Mietern reichlich ausgenützt worden
- ist und in den ersten Wochen blieb es denn auch so dass ich an dem neuen Mieter mancherlei auszusetzen hatte
- während meine Tante ihn jedes Mal mit Wärme in Schutz nahm da diese Sache mit dem Unterlassen der polizeilichen
- Meldung mir nicht gefiel wollte ich wenigstens erfahren was die Tante über den Fremden über seine Herkunft und
- Absichten wisse und da wusste sie schon dies und jenes obwohl er nach meinem Weggang um Mittag nur noch ganz kurz da
- geblieben war er hatte ihr gesagt er gedenke sich einige Monate in unserer Stadt
- aufzuhalten die Bibliotheken zu benutzen und die Altertümer der Stadt anzusehen eigentlich passte es der Tante
- nicht dass er nur für so kurze Zeit mieten wollte aber er hatte sie offenbar schon für sich gewonnen trotz seinem
- etwas sonderbaren auftreten kurz die Zimmer waren vermietet und mein Einwende kam zu
- spät warum hat er das wohl gesagt dass es hier so gut rieche fragte ich da sagte meine Tante welche manchmal recht
- gute Ahnungen hat das weiß ich ganz genau es riecht ja bei uns nach Sauberkeit und Ordnung und nach einem
- freundlichen und anständigen Leben und das hat ihm gefallen er sieht aus wie wenn er daran nicht mehr gewöhnt wäre
- und es entbeht hätte nun ja dachte ich meinetwegen aber sagte ich wenn er an
- ein ordentliches und anständiges Leben nicht gewöhnt ist wie s das dann werden was willst duchen wenn er
- unreinlich undes verdreckt oder wenn er zu allen nachtstundenofen heimkt das werden wir sehen sagte sie und lachte
- und ich ließ es gut sein und in der Tat waren meine Befürchtungen unbegründet der Mieter obwohl er keineswegs ein
- ordentliches und vernünftiges Leben führte hat uns nicht belästigt noch geschädigt wir denken noch heute gerne
- an ihn im Innern aber in der Seele hat dieser Mann uns beide die Tante und mich doch sehr viel gestört und belästigt und
- offen gesagt bin ich noch lange nicht mit ihm fertig ich träume nachts manchmal von
- ihm und fühle mich durch ihn durch die bloße Existenz eines solchen Wesens im Grunde gestört und beunruhigt obwohl er
- mir gerade zu lieb geworden ist zwei Tage später brachte ein Fuhrmann die Sachen des Fremden der Harry Haller hieß
- ein sehr schöner Lederkoffer machte mir einen guten Eindruck und ein großer flacher kabinenkoffer schien auf frühere
- weite Reisen zu deuten wenigstens war er beeklebt mit den vergilbten firmenzetteln von Hotels und
- Transportgesellschaften verschiedener aber überseeischer Länder dann erschien er selbst und es
- begann die Zeit in der ich diesen sonderbaren Mann allmählich kennenlernte anfangs tat ich von meiner
- Seite nichts dazu obwohl ich mich für Haller von der ersten Minute an in der ich ihn sah interessierte tat ich in den
- ersten paar Wochen doch keinen Schritt um ihn anzutreffen oder ins Gespräch mit ihm zu
- kommen dagegen habe ich allerdings dies muss ich gestehen schon von allem Anfang an den man ein wenig beobachtet auch zu
- weilen während seiner Abwesenheit sein Zimmer betreten und überhaupt aus Neugierde ein klein wenig Spionage
- Betrieben über das Äußere des steppenwolfes habe ich einige Angaben schon gemacht er machte durchaus und
- gleich beim ersten Anblick den Eindruck eines bedeutenden eines seltenen und ungewöhnlich begabten Menschen sein
- Gesicht war voll Geist und das außerordentlich zarte und bewegliche Spiel seiner Züge spiegelte ein
- interessantes höchst bewegtes ungemein zartes und sensibles Seelenleben wenn man mit ihm sprach und
- er was nicht immer der Fall war die Grenzen des konventionellen überschritt und aus einer Fremdheit heraus
- persönliche eigene Worte sagte dann musste unser einer sich ihm ohne weiteres unterordnen er hatte mehr
- gedacht als andere Menschen und hatte in geistigen Angelegenheiten jene beinah kühle Sachlichkeit jenes sichere gedacht
- haben und wissen wie es nur wahrhaft geistige Menschen haben welchen jeder Ehrgeiz fehlt welche niemals zu glänzen
- oder den anderen zu überreden oder Recht zu behalten wünschen eines solchen Ausspruches welcher aber nicht einmal
- ein Ausspruch war sondern lediglich in einem Blick Bestand erinnere ich mich aus der letzten Zeit seines
- hieins da hatte ein berühmter geschichtsphilosof und Kulturkritiker ein Mann von europäischem Namen einen
- Vortrag in der Aula angekü und es war mir gelungen den Steppenwolf der erst gar keine Lust dazu hatte zum
- Besuch des Vortrages zu überreden wir gingen zusammen hin und saßen im Hörsaal nebeneinander als der Redner seine
- Kanzel bestieg und seine Ansprache begann enttäuschte er manche Zuhörer welcheer eine Art von Propheten in ihm
- vermutet hatten durch die etwas geschniegelte und eitle Art seines Auftretens als er nun zu reden begann
- und zum Beginn den Zuhörern einige Schmeicheleien sagte und für Ihr zahlreiches Erscheinen dankte da warf
- mir der Steppenwolf einen ganz kurzen Blick zu einen Blick der Kritik über diese
- Worte und über die ganze Person des Redners einen unvergesslichen und furchtbaren Blick über dessen Bedeutung
- man ein ganzes Buch schreiben könnte der Blick kritisierte nicht bloß jenen Redner und machte den berühmten Mann
- durch seine zwingende obwohl sanfte Ironie zu nichte das war das wenigste daran der Blick war viel eher traurig
- als ironisch er war sogar abgründig und hoffnungslos traurig eine stille gewissermaßen
- sichere gewissermaßen schon Gewohnheit und Form gewordene verz war der Inhalt dieses Blickes er
- durchleuchtete mit seiner verzweifelten Helligkeit nicht bloß die Person des eitlen Redners ironisierte und erledigte
- die Situation des Augenblicks die Erwartung und Stimmung des Publikums den etwas anmaßenden Titel der angekündigten
- Ansprache nein der Blick des steppenwolfes durchdrang unsere ganze Zeit das ganze betriebsame tue die ganze
- streberei die ganze Eitelkeit das ganze oberflächliche Spiel einer eingebildeten seichten Geistigkeit
- ach und leider ging der Blick noch tiefer ging noch viel weiter als bloß auf Mängel und hoffnungslosigkeiten
- unserer Zeit unserer Geistigkeit unserer Kultur er ging bis ins Herz alles Menschentums er sprach bered in ein er
- einzigen Sekunde den ganzen Zweifel eines Denkers eines vielleicht Wissenden aus an der würde am Sinn des
- Menschenlebens überhaupt dieser Blick sagte Schau solche Affen sind
- wir schau so ist der Mensch und alle Berühmtheit alle Gescheitheit alle Errungenschaften des
- Geistes alle anläuf zu Erhabenheit Größe und Dauer im menschlichen vielen zusammen und waren ein
- affenspiel ich habe damit weit vorgegriffen und eigentlich gegen meinen Plan und Willen im Grunde schon das
- Wesentliche über Halla gesagt während es ursprünglich meine Absicht war sein Bild nur allmählich im Erzählen meines
- stufenweisen bekannt werdens mit ihm zu enthüllen nachdem ich nun denn so vorgegriffen habe erübrigt es sich noch
- weiter über die rätselhafte Fremdheit Hallers zu sprechen und im Einzelnen zu berichten wie ich allmählich die Gründe
- und Bedeutungen dieser Fremdheit dieser außerordentlichen und furchtbaren Vereinsamung ahnte und
- erkannte es ist besser so denn ich möchte meine eigene Person möglichst im Hintergrunde lassen ich will nicht meine
- bekenn vortragen oder Novellen erzählen oder Psychologie treiben sondern lediglich als Augenzeuge etwas zum Bild
- des eigentümlichen Mannes beitragen der diese Steppenwolf Manuskripte hinterlassen
- hat schon beim allerersten Anblick als er durch die Glastür der Tante hereintrat den Kopf so vogelartig reckte
- und den guten Geruch des Hauses röhmte da mir wie das Besondere an diesem Manne aufgefallen und meine erste naive
- Reaktion darauf war Widerwille gewesen ich spürte und meine Tante die im Gegensatz zu mir ja ganz und gar kein
- intellektueller Mensch ist spürte ziemlich genau dasselbe ich spürte dass der Mann krank
- sei auf irgendeiner Art Geistes oder Gemüts oder charakterkrank und whrte mich dagegen
- mit dem Instinkt des gesunden diese Abwehr wurde im Lauf der Zeit abgelöst durch Sympathie beruhend
- auf einem großen Mitleid mit diesem Tief und dauernd leidenden dessen Vereinsamung und Inneres sterben ich mit
- ansah in dieser Periode kam mir mehr und mehr zum Bewusstsein dass die Krankheit dieses leidenden nicht auf irgendwelchen
- Mängeln seiner Natur beruhte sondern im Gegenteil nur auf dem nicht zur Harmonie gelangten großen Reichtum seiner Gaben
- und Kräfte ich erkannte dass Halla ein Genie des Leidens sei dass er im Sinne mancher
- Ansprüche nietzses in sich eine geniale eine unbegrenzte furchtbare Leidensfähigkeit herangeebildet habe
- zugleich erkannte ich dass nicht wel Verachtung sondern Selbstverachtung die Basis seines
- Pessimismus sei denn so schonungslos und vernichtend er von Institutionen oder Personen reden konnte nie schloss er
- sich aus immer war er selbst der erste gegen den er seine Pfeile richtete war er selbst der erste den er hasste und
- verneinte hier muss ich eine psychologische ung einfügen obgleich ich über das Leben des steppenwolfes sehr
- wenig weiß habe ich doch allen Grund zu vermuten dass er von liebevollen aber strengen und sehr frommen Eltern und
- Lehren in jenem Sinne erzogen wurde der das Brechen des Willens zur Grundlage der Erziehung
- macht dieses vernichten der persönndlichkeit und Brechen des Willens nun war bei diesem Schüler nicht
- gelungen dazu war er viel zu stark und hart viel zu stolz und geistig statt seine Persönlichkeit zu
- vernichten war es nur gelungen ihn sich selbst hassen zu lehren gegen sich selber gegen dies
- unschuldige und edle Objekt richtete er nun zeitlebens die ganze Genialität seiner Fantasie die ganze Stärke seines
- Denkvermögens denn darin war er trotz allem durch und durch Christ und durch und durch mertyer dass er jede Schärfe
- jede Kritik jede Bosheit jeden Hass dessen er fähig war vor allem und zuerst auf sich selbst
- losließ was die anderen was die Umwelt betraf so machte er beständig die heldenhaftesten und ernstesten versuche
- sie zu lieben ihnen gerecht zu werden Ihnen nicht weh zuutun denn das liebe deinen Nächsten war ihm
- ebenso tief eingebleut wie das hassen seiner selbst und so war sein ganzes Leben ein
- Beispiel dafür dass ohne Liebe zu sich selbst auch die nächsten Liebe unmöglich ist dass der Selbsthass genau dasselbe
- ist und am Ende genau dieselbe grausige Isoliertheit und Verzweiflung erzeugt wie der grelle Egoismus
- aber es wird nun Zeit dass ich meine Gedanken hint anstelle und von Wirklichkeiten
- spreche das erste also was ich über Herrn Haller in Erfahrung brachte teils durch meine Spionage teils durch
- Bemerkungen meiner Tante bezog sich auf die Art seiner Lebensführung dass er ein Gedanken und
- büchermensch war und keinen praktischen Beruf ausübte wari er lag immer sehr lange im bet oft stand
- er erst kurz vom Mittag auf und ging im Schlafrock die paar Schritte von derkammer seinem wnimmer
- hin dies wnimmer eine grße und freundliche mans zwei fensternah schonch wersus als zurit da eson anderen Mietern
- bewohn gewesen war esüllte sich und mit deritur es immer voller an den Wänden wurden Bilder aufgehängt
- Zeichnungen angeheftet zuweilen aus Zeitschriften ausgeschnittene Bilder die häufig wechselten eine südliche
- Landschaft Fotografien aus einem deutschen Landstädtchen offenbar der heimathallas hingen da farbige
- leuchtende Aquarelle dazwischen von denen wir erst spät erfuhren dass er sie selbst gemalt
- hatte dann die Fotografie einer hübschen jungen Frau oder eines jungen Mädchens eine Zeit lang hing ein
- siamesischer Buddha an der Wand er wurde abgelöst durch eine Reproduktion der Nacht von
- Michelangelo dann von einem Bildnis des mahatmandi Bücher füllten nicht nur den großen Bücherschrank sondern lagen auch
- überall auf den Tischen auf dem hübschen alten Sekretär auf dem Divan auf den Stühlen auf dem Boden herum
- Bücher mit eingelegten papierzeichen die beständig wechselten die Bücher nahmen beständig
- zu denn er brachte nicht nur ganze Packen von den Bibliotheken mit sondern bekam auch sehr häufig Pakete mit der
- Post der Mann der diese Stube bewohnte konnte ein Gelehrter sein dazu passte auch der Zigarrenrauch der alles
- einhüllte und die überall herumliegenden zigarrenreste und
- aschenschalen ein großer Teil der Bücher jedoch war nicht Gelehrten Inhalts die große Mehrzahl waren Werke der Dichter
- aus allen Zeiten und Völkern eine Zeitl lagen auf dem Divan wo er oft ganze Tage liegen zubrachte
- alle sechs dicken Bänder eines Werkes herum mit dem Titel sopiens Reise von mhmel nach Sachsen vom
- Ende des 18 Jahrhunderts eine Gesamtausgabe von Goethe und eine von Jean-Paul schien benutzt zu werden
- ebenso novales aber auch Lessing Jakobi und Lichtenberg einige Dostojewski Bände starken voll von beschriebenen
- Zetteln auf dem größeren Tisch zwischen den vielen Büchern und Schriften stand häufig ein
- Blumenstrauß dort trieb sich auch ein aquarellierkasten herum der aber stets voller Staub war daneben die
- aschenschalen und um auch dies nicht zu verschweigen allerlei Flaschen mit Getränken eine strohumflochtene Flasche
- war meist mit italienischem Rotwein gefüllt den er in der Nähe in einem kleinen Laden holte manchmal war auch
- eine Flasche Burgunder zu sehen sowie Malaga und eine dicke Flasche mit kirschgeist sah ich innerhalb recht
- kurzer Zeit nahezu leer werden dann aber in eine stubenecke verschwinden und ohne dass der Rest sich weiter verminderte
- verstauben ich will mich über die von mir getriebene Spionage nicht rechtfertigen und gestehe auch offen
- dass in der ersten Zeit alle diese Anzeichen eines zwar von geistigen Interessen erfüllten aber doch recht
- verbummelten und suchtlosen Lebens bei mir Abscheu und Misstrauen hervorriefen ich bin nicht nur ein bürgerlicher
- regelmäßig lebender Mensch an Arbeit und genaue Zeiteinteilung gewohnt ich bin auch abstinent und nicht raucher und
- jene Flaschen in Hallas Zimmer gefiel mir noch weniger als die übrige malerische
- Unordnung wie mit Schlaf und Arbeit so lebte der Fremde auch in Bezug auf Essen und Trinken sehr ungleichmäßig und
- launisch an man Tagen ging er überhaupt nicht aus und nahm außer dem Morgenkaffee gar nichts zu sich zuweilen
- fand die Tante als einzigen Rest seiner Mahlzeit eine Bananenschale liegen aber an anderen Tagen speiste er in
- Restaurants bald in guten und eleganten bald in kleinen vorstadtkneipen seine Gesundheit schien
- nicht gut zu sein außer der Hemmung in den Beinen mit denen er oft recht mühsam seine Treppen stieg schien er auch von
- anderen Störungen geplagt zu sein und einmal sagte er nebenbei er habe seit Jahren nicht mehr richtig verdaut noch
- richtig geschlafen ich schrieb es vor allem seinem Trinken zu später als ich ihn
- zuweilen in eines seiner Wirtshäuser begleitete war ich manchmal Zeuge wie er rasch und launisch die Weine hinunter
- gooss richtig betrunken aber habe weder ich noch sonst jemand ihn je gesehen nie vergesse ich unsere erste
- persönliche Begegnung wir kannten einander nur so wie eben Zimmernachbarn in einem
- Mietshaus ich kennen da kam ich eines Abends aus dem Geschäft nach Hause und fand zu meinem Erstaunen Herrn Haller
- beim Absatz der Treppe zwischen dem ersten und zweiten Stockwerk sitzen er hatte sich auf die oberste Treppenstufe
- gesetzt und rückte beiseite um mich vorbeizulassen ich fragte ihn ob er nicht wohl sei und
- bot mich an ihn vollends nach oben zu begleiten Halla sah mich an und ich merkte dass ich ihn aus einer Art von
- Traumzustand geweckt hatte langsam begann er zu lächeln sein hübsches und jämmerliches Lächeln mit dem er mir so
- oft das Herz schwer gemacht hat dann lud er mich ein mich neben ihn zu setzen ich ich dankte und sagte ich sei
- nicht gewohnt auf der Treppe vor anderer Leute Wohnungen zu setzen ach ja sagte er und lächelte
- stärker sie haben Recht aber warten Sie noch einen Augenblick ich muss ihnen doch zeigen warum ich hier ein wenig
- sitzen bleiben musste dabei deutete er auf den Vorplatz der Wohnung im ersten Stock wo eine Witwe wohnte auf dem
- kleinen Parkett belegten Platz zwischen Trepp Fenster und Glastüre stand ein hoher mahagonischrank an der Wand mit
- altem Zinn darauf und vor dem Schrank am Boden standen auf zwei kleinen niedern ständerchen zwei Pflanzen in großen
- Töpfen eine azal und eine Araukarie die Pflanzen sahen hübsch aus und waren immer sehr sauber und tadellos
- gehalten das war auch mir schon angenehm aufgefallen sehen sie fuhr Haller fort dieser kleine
- Vorplatz mit der araokarie der riecht so fabelhaft ich kann ihr oft gar nicht vorbeigehen ohne
- eine Weile halt zuumachchen auch bei Ihrer Frau Tante duftet es ja gut und herrscht Ordnung und höchste
- Sauberkeit aber der Araukarien Platz hier der ist so strahlend rein so abgestaubt und
- gewichst und abgewaschen so unantastbar sauber dass er förmlich ausstrahlt ich muss da immer eine Nase
- voll Einatmen riechen sie es nicht auch wie da der Geruch von Bodenwachs
- und ein schwacher Nachklang von Terpentin zusammen mit dem Mahagoni den abgewaschenen Pflanzenblättern und allem
- einen Duft ergibt einen Superlativ von bürgerlicher Reinheit von Sorgfalt und Genauigkeit von Pflichterfüllung und
- Treue im kleinen ich weiß nicht wer da wohnt aber es mus hinter dieser Glastür ein
- Paradies von Reinlichkeit und abgestaubter Bürgerlichkeit wohnen von Ordnung und ängstlich rührender Hingabe
- an kleine Gewohnheiten und Pflichten da ich schwieg fuhr er fort glauben Sie bitte nicht dass ich ironisch spreche
- lieber Herr nichts liegt mir ferner als diese Bürgerlichkeit und Ordnung etwa verlachen zu wollen es ist ja richtig
- ich selbst lebe in einer anderen Welt nicht in dieser und vielleicht wäre ich nicht imstande es auch nur einen Tag
- lang in einer Wohnung mit solchen Araukarien auszuhalten aber wenn ich auch ein alter und etwas
- ruppiger Steppenwolf bin so bin doch auch ich der Sohn einer Mutter und auch meine Mutter war eine bürgersfrau und
- zog Blumen und wachte über Stube und Treppe Möbel und Gardinen und bemühte sich ihrer Wohnung und ihrem Leben so
- viel Sauberkeit Reinheit und Ordentlichkeit zu geben als nur immer gehen
- wollte daran erinnert mich der Hauch von pentin daran die Araukarie und da sitze ich denn hier und
- da sehe in diesen stillen kleinen Garten der Ordnung und freue mich dass es das noch gibt er wollte aufstehen hatte aber
- Mühe damit und wies mich nicht ab als ich ihm dabei ein wenig half ich blieb schweigsam aber ich
- unterlag ebenso wie es zuvor meiner Tante ergangen war irgendeinem Zauber den der seltsame Mensch zuweilen haben
- konnte wir gingen langsam miteinander die Treppe hinauf und vor seiner Türe schon die Schlüssel in der Hand blickte
- er mir nochmals voll und sehr freundlich ins Gesicht und sagte sie kommen aus ihrem Geschäft nun ja
- davon verstehe ich nichts ich lebe so etwas abseits etwas am Rande wissen sie aber
- ich glaube sie haben auch Interesse für Bücher und dergleichen ihre Tante sagte mir einmal dass sie das Gymnasium
- absolviert haben und ein guter Grieche war nun ich habe da heute morgen einen Satz bei novales gefunden darf ich Ihnen
- den zeigen sie werden auch Freude daran haben er nahm mich mit in sein Zimmer wo es stark nach Tabak roch zog ein Buch
- aus einem der Haufen heraus blätterte suchte ach das ist gut sehr gut sagte er hören Sie einmal den
- Satz man sollte stolz auf den Schmerz sein jeder Schmerz ist eine Erinnerung unseres hohen
- Ranges fein 80 Jahre vor nietche aber das ist nicht der Spruch den ich meinte warten sie da
- habe ich ihn also die meisten Menschen wollen nicht eher schwimmen als bis sie es
- können ist das nicht witzig natürlich wollen sie nicht schwimmen sie sind ja für den Boden
- geboren nicht fürs Wasser und natürlich wollen sie nicht denken sie sind hier fürs Leben geschaffen nicht fürs
- Denken ja und wer denkt wer das Denken zur Hauptsache macht der kann es darin zwar weit bringen aber er hat doch eben
- den Boden mit dem Wasser vertauscht und einmal wird er ersaufen er hatte mich nun eingefangen und interessiert und ich
- blieb eine kleine Weile bei ihm und von da an kam es nicht selten vor dass wir auf der Treppe oder auf der Straße wenn
- wir uns trafen ein wenig miteinander sprachen dabei hatte ich im Anfang ebenso wie bei der
- Araukarie immer ein wenig das Gefühl dass er mich ironisierte aber es war nicht so er
- hatte vor mir wie vor der Araukarie geradezu Hochachtung er war von seiner
- Vereinsamung seinem schwimmen im Wasser seiner Entwurzelung so bewusst überzeugt dass tatsächlich und ohne jeden hohen
- zuweilen der Anblick einer alltäglichen bürgerlichen Handlung die Pünktlichkeit z.B mit der ich zu meinen Bürostunden
- ging oder der Ausspruch eines Dienstboten oder trambahnschaffners ihn begeistern konnte
- zuerst erschien mir das recht lächerlich und übertrieben so eine Herren und bummlerlaune eine spielerische
- Sentimentalität aber mehr und mehr musste ich sehen dass er in der Tat unsere kleine bürgerliche Welt aus
- seinem luftleeren Raume aus seiner Fremdheit und steppenwolfigkeit heraus geradezu
- bewundert und liebte als das feste und sichere als das ihm Ferne und unerreichbare als die Heimat und den
- Frieden zu denen ihm kein Weg gebannt war er zog vor unserer zugängerin einer braven Frau den Hut jedes Mal mit einer
- wahren Ehrfurcht und wenn meine Tante sich einmal mit ihm ein wenig unterhielt oder
- ihn auf eine Reparaturbedürftigkeit an seiner Wäsche auf einen hängenden Knopf an seinem
- Mantel aufmerksam machte dann hörte er mit einer merkwürdigen Aufmerksamkeit und Wichtigkeit zu als gäbe er sich eine
- unsägliche und hoffnungslose Mühe durch irgendeinen Spalt in diese kleine friedliche Welt einzudringen und dort
- heimisch zu werden sei es auch nur für eine Stunde schon bei jenem ersten Gespräch
- bei der Araukarie nannte er sich den Steppenwolf und auch dies befremdete und störte mich ein wenig was waren das für
- ausdrücke aber ich lernte den Ausdruck nicht nur durch Gewöhnung gelten zu lassen sondern bald nannte ich den Mann
- bei mir selbst in meinen Gedanken nie mehr anders als den Steppenwolf und wüsste auch heute noch kein treffenderes
- Wort für diese Erscheinung ein zu uns in die Städte und ins herdenleben verirrter Steppenwolf schlagender konnte kein
- anderes Bild ihn zeigen seine scheue Vereinsamung seine Wildheit seine Unruhe sein Heimweh und seine
- Heimatlosigkeit einmal konnte ich ihn einen ganzen Abend lang beobachten in einem symfoniekonzert wo ich ihn zu
- meiner Überraschung in meiner Nähe sitzen sah ohne dass er mich bemerkte erst wurde Hänel gespielt eine edle und
- schöne Musik aber der Steppenwolf saß in sich versunken und ohne Anschluss weder an die Musik noch an seine
- Umgebung unzugehörig einsam und fremd saß er mit einem kühlen aber sorgenvollen Gesicht vor sich
- niederblickend dann kam ein anderes Stück eine kleine von friedemannbach und da war ich ganz erstaunt zu sehen wie
- nach wenigen Takten mein Fremdling anfing zu lächeln und sich hinzugeben er sank ganz in sich hinein und sah wohl 10
- minutenlang so glücklich versunken und in gute Träume verloren aus dass ich mehr auf ihn als auf die Musik
- achtete als das Stück zu Ende war erwachte er setzte sich gerade machte ma aufzustehen und schien gehen zu wollen
- blieb dann aber doch sitzen und hörte auch noch das letzte Stück an es waren Variationen von reger eine Musik die von
- vielen als etwas lang und ermüdend empfunden wurde und auch der Steppenwolf der anfangs noch aufmerksam und
- gutwillig zugehört hatte fiel wieder ab er steckte die Hände in die Taschen und sank wieder in sich hinein
- diesmal aber nicht glücklich und träumerisch sondern traurig und schließlich böse sein Gesicht war wieder
- fern grau und erloschen er sah alt und krank und unzufrieden aus nach dem Konzert sah ich ihn auf der
- Straße wieder und ging hinter ihm her in seinen Mantel verkrochen schritt er unlustig und müde in der Richtung nach
- unserem Viertel davon vor V einem kleinen altmodischen Wirtshause aber blieb er stehen sah unschlüssig auf die
- Uhr und ging dann hinein ich folgte einem augenblicklichen Gelüste und ging ihm nach da saß er an
- einem kleinenbürgerlichen wirtstisch Wirtin und Kellnerin begrüßten ihn als bekannten Gast und ich grüßte und setzte
- mich zu ihm eine Stunde saßen wir dort und während ich zwei Gläser mit er trank
- ließ er sich einen halben und dann noch einen viertellitter Rotwein geben ich sagte dass ich im Konzert
- gewesen sei aber er ging nicht darauf ein er las die Etikette meiner Wasserflasche und fragte ob ich keinen
- Wein trinken wolle zu dem er mich einlade als er hörte dass ich nie Wein trinke machte er wieder sein hilfloses
- Gesicht und sagte er da haben sie recht ich habe auch jahrelang inthaltsam gelebt und auch
- lange Zeiten gefastet aber zur Zeit stehe ich wieder im Zeichen des Wassermanns einem dunklen
- und feuchten Zeichen und als ich nun scherzend auf diese Anspielung einging und andeutete
- wie unwahrscheinlich es mir sei dass gerade erer an Astrologie glaube dann nahm er wieder den zu höflichen Ton an
- der mich oft verletzte sagte ganz richtig auch an diese Wissenschaft kann ich leider nicht glauben ich ging und
- empfall mich und er kam erst sehr spät in der Nacht nach Hause aber sein Schritt war der gewohnte und wie immer
- ging er nicht so gleich zu Bett ich hörte das als sein zimmernchbar ja genau sondern hielt sich wohl noch eine Stunde
- bei Licht in seinem Wohnzimmer auf auch einen anderen Abend habe ich vergessen da war ich allein Hause die Tante war
- nicht da und es läutete an der Haustür und ich öffnete stand da eine junge sehr hübche D und sie nach Herrn Haller
- fragte erkannte ich sie es war die auf der fotogfie in seinem Zimmer ich zeigte ihr seine Tür und zog
- mich zurü sielieb eine Weile oben bald darauf aber hörte ich sie miner die Treppe hinab undusgeh lebhaft und sehr
- vergnügt in scherzendem Gespräch ich war sehr erstaunt dass der Einsiedler eine Geliebte habe und eine so junge hübsche
- und elegante und alle meine Vermutungen über ihn und sein Leben wurden mir wieder
- ungewiss aber eine kleine Stunde später kam er schon wieder nach Hause allein mit schwerem traurigem Schritt mühte
- sich die Treppe hinauf und schlich dann stundenlang in seinem Wohnzimmer leise auf und ab richtig wie ein Wolf im Käfig
- geht die ganze Nacht bis fast zum Morgen war Licht in seinem Zimmer ich weiß über dies Verhältnis gar
- nichts und will nur hinzufügen noch einmal sah ich ihn mit jener Frau zusammen in einer Straße der
- Stadt sie gingen Arm in Arm und er sah glücklich aus ich wunderte mich wieder wie viel Anmut ja kindlich it sein
- versorgtes einsames Gesicht gelegentlich haben konnte und Begriff die Frau und Begriff auch die Teilnahme die meine
- Tante für diesen Mann hatte aber auch an jenem Tage kam er abends traurig und Elend nach Hause ich
- traf ihn an der Haustür an er hatte wie manches Mal unter Mantel die italienische Weinflasche bei sich und
- saß mit ihr die halbe Nacht in seiner Höhle oben er tat mir leid aber was war das
- auch für ein trostloses verlorenes und wehrloses Leben das er führte nun es ist genug geplaudert es
- bedarf weiter keiner Berichte und Schilderungen um zu zeigen dass der Steppenwolf das Leben eines
- Selbstmörders führte aber dennoch glaube ich nicht dass er sich das Leben genommen hat
- damals als er unversehens und ohne Abschied aber nach Bezahlung aller Rückstände unsere Stadt eines Tages
- verließ und verschwunden war wir haben nie wieder etwas von ihm gehört und bewahren noch immer einige Briefe auf
- die noch für ihn ankamen zurück ließ er nichts als sein Manuskript dass er während seines
- hiesigen Aufenthaltes geschrieben hat und dass er mit wenigen Zeilen mir zueignete
- mit dem Bemerken ich könne damit machen was ich wolle es war mir nicht möglich die
- Erlebnisse von denen Hallas Manuskript erzählte auf ihren Gehalt an Realität nachzuprüfen ich zweifle nicht daran
- dass sie zum größten Teil Dichtung sind nicht aber im Sinn willkürlicher Erfindung sondern im Sinne eines
- ausdrucksversuches der tieferlebte seelische Vorgänge im Kleide sichtbarer Ereignisse
- darstellt die zum Teil fantastischen Vorgänge in Hallas Dichtung stammen vermutlich aus der letzten Zeit seines
- hiesigen Aufenthaltes und ich zweifle nicht daran dass Ihnen auch ein Stück wirklichen äußeren Erlebens zugrunde
- liegt in jener Zeit zeigte unser Gast in der Tat ein verändertes benehmen und Aussehen war sehr viel außer Hause
- zuweilen auch ganze Nächte und seine Bücher len unberührt die wenigen Male die ich ihn
- damals antraf schien er auffallend lebendig und verjüngt einige Male geradezu
- vergnügt gleich darauf folgte allerdings eine neue schwere Depression er blieb tagelang im Bett ohne Essen zu begehren
- und in jene Zeit fiel auch ein außerordentlich heftiger ja brutaler Zank mit seiner wieder aufgetauchten
- geliebten der das ganze Haus revoltierte und für welchen hallertags darauf meine Tante um Entschuldigung gebeten hat nein
- ich bin davon überzeugt dass er sich nicht das Leben genommen hat er lebt noch er geht irgendwo auf seinen müden
- Beinen die Treppen fremder Häuser auf und ab starrt irgendwo auf blank gescheuerte Parkettböden und auf sauber
- gepflegte Araukarien setzt Tage in Bibliotheken und Nächte in Wirtshäusern od liegt einem gemieteten kanap hört
- hinter den Fenstern die Welt und die Menschen leben und weiß sich ausgeschlossen tötet sich aber nicht
- denn ein Rest von Glaube sagt ihm dass er dies leiden dies böse leiden in seinem Herzen zu Ende kosten und dies
- leiden es sei woran er sterben müsse ich denke of an ihn er hat mir das Leben nicht leichter gemacht er hatte
- nicht die Gabe das starke und frohe in mir zu stützen und zu fördern im
- Gegenteil aber ich bin nicht er und ich führe nicht seine Art von Leben sondern das meine ein kleines und bürgerliches
- aber gesichertes und von Pflichten erfülltes und so können wir seiner in Ruhe und Freundschaft denken ich und
- meine Tante welche mehr über ihn zu sagen wüsste als ich aber das bleibt in ihrem gütigen Herzen
- verborgen was nun die Aufzeichnungen Hallas betrifft diese wunderlichen zum Teil krankhaften zum Teil schönen und
- gedankenvollen Fantasien so muss ich sagen dass ich diese Blätter wären sie mir zufällig in die Hand gefallen und
- ihr Urheber mir nicht bekannt gewesen gewiss entrüstet weggeworfen hätte aber durch meine Bekanntschaft mit
- Haller ist es mir möglich geworden sie teilweise zu verstehen ja zu billigen ich würde Bedenken tragen sie
- anderen mitzuteilen wenn ich in ihnen bloß die pathologischen Fantasien eines einzelnen eines armen gemütskranken
- sehen würde ich sehe in ihnen aber etwas mehr ein Dokument der Zeit denn Hallas seelenkrankheit ist das weiß ich heute
- nicht die Schrulle eines Einzelnen sondern die Krankheit der Zeit selbst die Neurose jener Generation welcher
- Haller angehört und von welcher keineswegs nur die Schwachen und minderwertigen Individuen befallen
- scheinen sondern gerade die starken geistigsten begabtesten diese Aufzeichnungen
- einerlei wie viel oder wenig realen Erlebens ihnen zugrunde liegen mag sind ein Versuch die große zeitkrankheiten
- nicht durch umgehen und beschönigen zu überwinden sondern durch den Versuch die Krankheit selber zum Gegenstand der
- Darstellung zu machen sie bedeuten ganz wörtlich einen Gang durch die Hölle einen bald angstvollen bald mutigen Gang
- durch das Chaos einer verfinsterten Seelenwelt gegangen mit dem Willen die Hölle zu durchqueren dem Chaos die Stirn
- zueten das Böse bis zu Ende zu erleiden ein Wort Hallers hat mir den
- Schlüssel zu diesem Verständnis gegeben er sagte einmal zu mir nachdem wir über sogenannte Grausamkeiten im
- Mittelalter gesprochen hatten diese Grausamkeiten sind in Wirklichkeit keine ein Mensch des
- Mittelalters würde den ganzen Stil unseres heutigen Lebens noch ganz anders als grausam setzlich und barbarisch
- verabscheuen jede Zeit jede Kultur jede Sitte und Tradition hat ihren Stil hat ihre ihr zukommenden zartheiten und
- Herten Schönheiten und Grausamkeiten hält gewisse leiden für selbstverständlich nimmt gewisse übel
- geduldig hin zum wirklichen leiden zur Hölle wird das menschliche Leben nur da wo zwei Zeiten zwei Kulturen und
- Religionen einander überschneiden ein Mensch der Antike der Mittelalter hätte leben müssen wäre
- daran jämmerlich erstickt ebenso wie ein Wilder inmitten unserer Zivilisation ersticken
- müsste es gibt nun Zeiten wo eine ganze Generation so zwischen zwei Zeiten zwischen zwei Lebensstile
- hineingerätt dass ihr jede selbstverständlich jede Sitte jede Geborgenheit und
- Unschuld verloren geht natürlich spürt das nicht ein jeder gleich stark eine Natur wie Nietsche hat das heutige Elend
- um mehr als eine Generation voraus erleiden müssen was er einsam und unverstanden auszukosten hatte das
- Erleiden heute Tausende dieses Wortes musste ich beim Lesen der aufzeichn
- oft gedenken Haller gehört zu denen die zwischen zwei Zeiten hineingeraten die aus aller Geborgenheit und Unschuld
- herausgefallen sind zu denen deren Schicksal es ist alle Fragwürdigkeit des Menschenlebens gesteigert als
- persönliche Qual und Hölle zu erleben darin scheint mir liegt der Sinn den seine Aufzeichnungen für uns haben
- können und darum entschloss ich mich sie mitzuteilen im übrigen will ich sie
- nicht in Schutz nehmen noch über sie aburteilen möge jeder Leser dies nach seinem Gewissen tun
- Ende erster Teil [Musik]
Zum Nachlesen
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