Das Video kommt von YouTube: erst beim Abspielen verbindet sich die Seite mit YouTube (Google).
Hermann Hesse liest -Über das Glück-
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 58 Zeilen
- liebe Hörer lassen Sie mich über das Glück und das was das Wort mir bedeutet ein paar Worte
- sagen wenn altgewordene Menschen sich darauf zu besinnen suchen wann wie oft und wie stark Sie Glück empfunden haben dann such sie vor allem in ihrer
- Kindheit und mit Recht denn zum Erleben des Glückes bedarf es vor allem der Unabhängigkeit von der
- Zeit und damit von der Furcht sowohl wie von der Hoffnung und diese Fähigkeit kommt den meisten Menschen mit den Jahren
- abhanden Glück war nur in der Kindheit erlebt worden in Stunden oder Augenblicken deren wiederfinden sehr schwierig war denn auch dort noch auch
- im Bezirk der Kindheit erwies sich der Glanz beim nachprüfen nicht immer als echt das Gold nicht immer als völlig
- gediegen meldete sich eine solche Erinnerung so schien es zuerst als Hand es sich um Wochen oder Tage oder doch mindestens um einen Tag eine Weihnacht
- etwa einen Geburtstag oder einen ersten Ferientag aber um einen Kindertag im Gedächtnis wiederherzustellen bedürfte es Tausender
- Bilder und für keinen einzigen Tag auch nicht für einen halben brech das Gedächtnis die ausreichende Menge von Bildern zusammen ob es nun aber
- Erlebnisse von Tagen von Stunden oder auch nur von Minuten gewesen sind erlebt habe ich das Glück manche Male und bin auch in späten
- Tagen noch im Alter ihm für Augenblicke nahe gekommen von jenen glücksbegegnungen der lebensfrühe aber so oft ich sie
- beschworen befragt und geprüft habe hat eine besonders Stand gehalten es war in meiner schulknabenzeit und das eigentliche
- daran das echte urhafte und mythische darin der zu Zustand des still laachenden eins Seins mit der Welt der absoluten Freiheit von
- Zeit von Hoffnung und Furcht der völligen Gegenwärtigkeit kann nicht lange gewährt haben vielleicht
- Minuten eines morgens erwachte ich ein lebhafter Knabe von vielleicht 10 Jahren mit einem ganz ungewöhnlich Holden und tiefen Gefühl von Freude und
- Wohlsein das mich wie eine innere Sonne durchstrahlte so als sei jetzt eben in diesem Augenblick des Erwachens aus einem guten
- knabenschlaf etwas Neues und wunderbares geschehen als sei meine ganze kleingroße knabenwelt in einen neuen und höheren Zustand in ein neues Licht und Klima
- eingetreten als habe das ganze schöne Leben erst jetzt an diesem frühen Morgen seinen vollen Wert und Sinn bekommen ich wusste nichts von gestern
- noch von morgen ich war von einem glückhaften heute umfangen und sanft umspült es tat wohl und wurde von Sinnen und Seele ohne Neugierde und ohne
- Rechenschaft gekostet ist durchran mich und schmeckte herrlich es war Morgen durch hohe Fenster sah ich über dem langen
- dachrücken des Nachbarhauses den himmelheiter in reinem hellblau stehen auch er schien voll Glück als
- habe er Besonderes vor und habe dazu sein schönstes Kleid angezogen mehr war von meinem Bette aus von der Welt nicht zu sehen nur eben
- dieser schöne Himmel und das lange Stück Dach vom nachbarhause aber auch dies Dach dies langweilige und öde Dach aus
- dunkelrotbraunen Ziegeln schien zu lachen es ging über seine steile schattige Schrägwand ein leises Spiel von Farben und die einzelne
- bläuliche glaspfanne zwischen den roten tönernen schien lebendig und schien freudig bemüht etwas von diesem so leise
- und stetig strahlenden frühhimmel zu spiegeln der Himmel die etwas rauhe Kante des
- dachrückens das uniforme Heer der braunen und das luftig dünne Blau des einzigen glasziegels Schienen auf eine schöne und
- erfreuliche Weise miteinander einverstand sie hatten sichtlich nichts anderes im Sinn als in dieser besonderen
- Morgenstunde einander anzulachchen und es gut miteinander zu meinen himmelblau
- ziegelbraun und glasblau hatten einen Sinn sie gehörten zusammen sie spielten miteinander es war ihnen wohl und es war gut und tat wohl
- sie zu sehen ihrem Spiel beizuwohnen sich vom selben Morgen Glanz und Wohlgefühl durchflossen zu fühlen wie
- sie so lag ich den beginnenden morgen samt dem ruhigen nachgefühl des Schlafes genießend eine schöne Ewigkeit in meinem Bett und ob ich ein Gleiches oder
- Ähnliches Glück noch andere Male in meinem Leben gekostet habe tiefer und wirklicher konnte keines
- sein die Welt war in Ordnung und ob dieses Glück 100 Sekunden oder 10 Minuten gedauert habe es war so außerhalb aller Zeit dass
- es jedem anderen echten Glücke so vollkommen glich wie ein flatternder Bläuling dem anderen es war vergänglich es wurde von
- der Zeit überspült aber es war tief und ewig genug um über mehr als 60 Jahre hinweg mich noch heute zu sich zurückzur
- und zu ziehen es bestand aus nichts dieses Glück als aus dem Zusammenklang der paar
- Dinge um mich her mit meinem eigenen sein aus einem wunschlosen Wohlsein das nach keiner Änderung keiner Steigerung
- verlangeke die Ewigkeit des Glückes fuhr dieses Mal ihren Zerfall durch eine Steigerung des schönen durch ein mehr und zu viel an
- Freude während ich so lag und mich nicht rührte und die lichte Stille morgenwelt in mich eindrang und mich in sich
- aufnahm stieß aus der Ferne her etwas Ungewohntes etwas glänzendes und überhelles golden und triumphierend durch die stille voll
- strotzender Freude voll lockender und weckender Süßigkeit der Klang einer
- Trompete und schon war während ich nun völlig wach mich im Bett aufrichtete und die Decke zurückschlug der Klang
- zweistimmig und mehrtimmig geworden es war die Stadtmusik die mit lingendem Spiel durch die Gassen
- marschierte ein überaus seltenes und aufregendes Ereignis voll schmetternder Festlichkeit dass mir das Kinder Herz im Leibe zugleich lachte und
- schluchzte als wäre alles Glück aller Zauber der Seligen Stunde in diese aufreizenden scharf süßen Töne zusammengeflossen undter gösse sich nun
- geweckt und ins zeitliche und Vergängliche zurückgekehrt in einer Sekunde war ich aus dem Bett bebend vor
- Festfreude stürzte zur Tür und ins Nebenzimmer aus dessen Fenstern man die Straße sehen konnte in einem Taumel von Entzücken von
- Neugierde und dabei sein wollen legte ich mich in ein offenes Fenster hörte beglückt die schwellenden und hochmütigen Klänge der
- näherkommenden Musik sah und hörte die Nachbarhäuser und die Straßen Erwachen lebendig werden und sich mit
- Gesichtern gestalten und stimmen anfühlen und in derselben Sekunde wusste ich auch alles wieder was ich in jenem Wohlsein zwischen Schlaf und Tag so ganz
- vergessen hatte ich wusste dass heute keine Schule sei sondern ein hoher Festtag ich glaube es war des
- königsgeburtstag dass es Umzüge Fahnen Musik und unerhörte Belustigungen geben werde und mit diesem Wissen war ich
- zurückgekehrt stand ich wieder unter den Gesetzen die den Alltag beherrschen und wenn es auch kein Alltag war sondern
- ein Festtag zu dem die metallenen Töne mich erweckt hatten so war doch das eigentliche und schöne und göttliche
- dieses morgenzaubers schon vergangen und hinter dem kleinen Holden Wunder schlugen die Wellen der Zeit der
- Welt der Gewöhnlichkeit wieder
- zusammen