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Hermann Hesse liest -Über das Glück-

Dennis Tschirner | Vocalist13:11 232.569 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 58 Zeilen
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  1. liebe Hörer lassen Sie mich über das Glück und das was das Wort mir bedeutet ein paar Worte
  2. sagen wenn altgewordene Menschen sich darauf zu besinnen suchen wann wie oft und wie stark Sie Glück empfunden haben dann such sie vor allem in ihrer
  3. Kindheit und mit Recht denn zum Erleben des Glückes bedarf es vor allem der Unabhängigkeit von der
  4. Zeit und damit von der Furcht sowohl wie von der Hoffnung und diese Fähigkeit kommt den meisten Menschen mit den Jahren
  5. abhanden Glück war nur in der Kindheit erlebt worden in Stunden oder Augenblicken deren wiederfinden sehr schwierig war denn auch dort noch auch
  6. im Bezirk der Kindheit erwies sich der Glanz beim nachprüfen nicht immer als echt das Gold nicht immer als völlig
  7. gediegen meldete sich eine solche Erinnerung so schien es zuerst als Hand es sich um Wochen oder Tage oder doch mindestens um einen Tag eine Weihnacht
  8. etwa einen Geburtstag oder einen ersten Ferientag aber um einen Kindertag im Gedächtnis wiederherzustellen bedürfte es Tausender
  9. Bilder und für keinen einzigen Tag auch nicht für einen halben brech das Gedächtnis die ausreichende Menge von Bildern zusammen ob es nun aber
  10. Erlebnisse von Tagen von Stunden oder auch nur von Minuten gewesen sind erlebt habe ich das Glück manche Male und bin auch in späten
  11. Tagen noch im Alter ihm für Augenblicke nahe gekommen von jenen glücksbegegnungen der lebensfrühe aber so oft ich sie
  12. beschworen befragt und geprüft habe hat eine besonders Stand gehalten es war in meiner schulknabenzeit und das eigentliche
  13. daran das echte urhafte und mythische darin der zu Zustand des still laachenden eins Seins mit der Welt der absoluten Freiheit von
  14. Zeit von Hoffnung und Furcht der völligen Gegenwärtigkeit kann nicht lange gewährt haben vielleicht
  15. Minuten eines morgens erwachte ich ein lebhafter Knabe von vielleicht 10 Jahren mit einem ganz ungewöhnlich Holden und tiefen Gefühl von Freude und
  16. Wohlsein das mich wie eine innere Sonne durchstrahlte so als sei jetzt eben in diesem Augenblick des Erwachens aus einem guten
  17. knabenschlaf etwas Neues und wunderbares geschehen als sei meine ganze kleingroße knabenwelt in einen neuen und höheren Zustand in ein neues Licht und Klima
  18. eingetreten als habe das ganze schöne Leben erst jetzt an diesem frühen Morgen seinen vollen Wert und Sinn bekommen ich wusste nichts von gestern
  19. noch von morgen ich war von einem glückhaften heute umfangen und sanft umspült es tat wohl und wurde von Sinnen und Seele ohne Neugierde und ohne
  20. Rechenschaft gekostet ist durchran mich und schmeckte herrlich es war Morgen durch hohe Fenster sah ich über dem langen
  21. dachrücken des Nachbarhauses den himmelheiter in reinem hellblau stehen auch er schien voll Glück als
  22. habe er Besonderes vor und habe dazu sein schönstes Kleid angezogen mehr war von meinem Bette aus von der Welt nicht zu sehen nur eben
  23. dieser schöne Himmel und das lange Stück Dach vom nachbarhause aber auch dies Dach dies langweilige und öde Dach aus
  24. dunkelrotbraunen Ziegeln schien zu lachen es ging über seine steile schattige Schrägwand ein leises Spiel von Farben und die einzelne
  25. bläuliche glaspfanne zwischen den roten tönernen schien lebendig und schien freudig bemüht etwas von diesem so leise
  26. und stetig strahlenden frühhimmel zu spiegeln der Himmel die etwas rauhe Kante des
  27. dachrückens das uniforme Heer der braunen und das luftig dünne Blau des einzigen glasziegels Schienen auf eine schöne und
  28. erfreuliche Weise miteinander einverstand sie hatten sichtlich nichts anderes im Sinn als in dieser besonderen
  29. Morgenstunde einander anzulachchen und es gut miteinander zu meinen himmelblau
  30. ziegelbraun und glasblau hatten einen Sinn sie gehörten zusammen sie spielten miteinander es war ihnen wohl und es war gut und tat wohl
  31. sie zu sehen ihrem Spiel beizuwohnen sich vom selben Morgen Glanz und Wohlgefühl durchflossen zu fühlen wie
  32. sie so lag ich den beginnenden morgen samt dem ruhigen nachgefühl des Schlafes genießend eine schöne Ewigkeit in meinem Bett und ob ich ein Gleiches oder
  33. Ähnliches Glück noch andere Male in meinem Leben gekostet habe tiefer und wirklicher konnte keines
  34. sein die Welt war in Ordnung und ob dieses Glück 100 Sekunden oder 10 Minuten gedauert habe es war so außerhalb aller Zeit dass
  35. es jedem anderen echten Glücke so vollkommen glich wie ein flatternder Bläuling dem anderen es war vergänglich es wurde von
  36. der Zeit überspült aber es war tief und ewig genug um über mehr als 60 Jahre hinweg mich noch heute zu sich zurückzur
  37. und zu ziehen es bestand aus nichts dieses Glück als aus dem Zusammenklang der paar
  38. Dinge um mich her mit meinem eigenen sein aus einem wunschlosen Wohlsein das nach keiner Änderung keiner Steigerung
  39. verlangeke die Ewigkeit des Glückes fuhr dieses Mal ihren Zerfall durch eine Steigerung des schönen durch ein mehr und zu viel an
  40. Freude während ich so lag und mich nicht rührte und die lichte Stille morgenwelt in mich eindrang und mich in sich
  41. aufnahm stieß aus der Ferne her etwas Ungewohntes etwas glänzendes und überhelles golden und triumphierend durch die stille voll
  42. strotzender Freude voll lockender und weckender Süßigkeit der Klang einer
  43. Trompete und schon war während ich nun völlig wach mich im Bett aufrichtete und die Decke zurückschlug der Klang
  44. zweistimmig und mehrtimmig geworden es war die Stadtmusik die mit lingendem Spiel durch die Gassen
  45. marschierte ein überaus seltenes und aufregendes Ereignis voll schmetternder Festlichkeit dass mir das Kinder Herz im Leibe zugleich lachte und
  46. schluchzte als wäre alles Glück aller Zauber der Seligen Stunde in diese aufreizenden scharf süßen Töne zusammengeflossen undter gösse sich nun
  47. geweckt und ins zeitliche und Vergängliche zurückgekehrt in einer Sekunde war ich aus dem Bett bebend vor
  48. Festfreude stürzte zur Tür und ins Nebenzimmer aus dessen Fenstern man die Straße sehen konnte in einem Taumel von Entzücken von
  49. Neugierde und dabei sein wollen legte ich mich in ein offenes Fenster hörte beglückt die schwellenden und hochmütigen Klänge der
  50. näherkommenden Musik sah und hörte die Nachbarhäuser und die Straßen Erwachen lebendig werden und sich mit
  51. Gesichtern gestalten und stimmen anfühlen und in derselben Sekunde wusste ich auch alles wieder was ich in jenem Wohlsein zwischen Schlaf und Tag so ganz
  52. vergessen hatte ich wusste dass heute keine Schule sei sondern ein hoher Festtag ich glaube es war des
  53. königsgeburtstag dass es Umzüge Fahnen Musik und unerhörte Belustigungen geben werde und mit diesem Wissen war ich
  54. zurückgekehrt stand ich wieder unter den Gesetzen die den Alltag beherrschen und wenn es auch kein Alltag war sondern
  55. ein Festtag zu dem die metallenen Töne mich erweckt hatten so war doch das eigentliche und schöne und göttliche
  56. dieses morgenzaubers schon vergangen und hinter dem kleinen Holden Wunder schlugen die Wellen der Zeit der
  57. Welt der Gewöhnlichkeit wieder
  58. zusammen