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Ägypten in griechisch-römischer Zeit
Die griechisch-römische Zeit im Alten Ägypten begann mit der Machtübernahme durch Alexander den Großen 332 v. Chr. und endete wahlweise mit dem Tod (395 n.
Inhalt5 Abschnitte
Zeitliche Einordnung und Herrschaftswechsel
Die griechisch-römische Zeit des Alten Ägypten begann 332 v. Chr. mit der Machtübernahme Alexanders des Großen. Ihr Ende wird entweder mit dem Tod Kaiser Theodosius’ I. 395 n. Chr. oder mit dem Ende der römischen Herrschaft im 7. Jahrhundert angesetzt. Nach der faktischen Teilung des Römischen Reiches 395 gehörte Ägypten zu Ostrom. Die anschließende, teils als eigene oströmisch-byzantinische Phase gezählte Zeit endete 642 mit der Eroberung durch islamische Araber.
Auf Alexander folgte nach dessen Tod 323 v. Chr. sein General Ptolemaios I., der die hellenistische Ptolemäer-Dynastie begründete. Mit dem Tod der letzten ptolemäischen Königin Kleopatra VII. wurde Ägypten 30 v. Chr. als Aegyptus eine römische Provinz.
Alexanders Eroberung und neue Herrschaft
Nach seinem Sieg über den Perserkönig Dareios III. bei Issos 333 v. Chr. eroberte Alexander Tyros nach sechs Monaten und Gaza nach zwei Monaten Belagerung. Danach zog er nach Ägypten: Pelusion nahm er kampflos ein; über Heliopolis erreichte er Memphis. Der persische Satrap Mazakes übergab ihm dort 332 v. Chr. mit 8000 Talenten und dem Inventar der königlichen Residenz die Herrschaft.
Die ägyptische Bevölkerung empfing die Makedonen freundlich, wahrscheinlich weil sie vor allem die verhassten Perser vertrieben sah. Alexander ließ sich in Memphis von den Hohepriestern des Ptah nach ägyptischem Ritus zum Pharao krönen. Er nahm den „Vornamen“ „der Geliebte des Re, der Erwählte des Amun“ an und stellte sich durch ein Opfer für Apis, den heiligen Stier von Memphis, bewusst anders dar als die Perser. Er wollte als Pharao und nicht als Fremdherrscher regieren.
Zu Beginn des Jahres 331 v. Chr. gründete Alexander im westlichen Nildelta die Hafenstadt Alexandria. Er entwarf eine Planskizze mit Agora, Straßen, Tempeln und einer 80 stádia langen Stadtmauer. Alexandria war als griechische Stadt mit demokratischem Zuschnitt geplant. Außerdem wurden der Wiederaufbau und die Restauration persisch zerstörter Tempel beauftragt. Die Einwohner Alexandrias richteten wahrscheinlich noch zu Alexanders Lebzeiten einen Kult für ihn als Gründer-Heros beziehungsweise Gründer-Gott ein.
Nachfolgekämpfe und Ptolemäerreich
Nach Alexanders Tod am 10. Juni 323 v. Chr. stritten seine Generäle, die Diadochen, über die Nachfolge. Alexander hatte Perdikkas seinen Siegelring übergeben. Während einige ein vereintes Reich unter einem Statthalter für die unmündigen Erben wollten, trat Ptolemaios für ein Entscheidungsgremium der führenden Mitstreiter ein. In der „Reichsordnung von Babylon“ erhielt Ptolemaios 323 v. Chr. Ägypten als Satrapie. Der Grundkonflikt der Diadochenkriege lag zwischen dem Erhalt eines zentral beherrschten Großreiches und dem Streben einzelner Herrscher nach selbstständigen, möglichst erweiterten Gebieten.
Ptolemaios brachte Alexanders Leichnam nach Alexandria, nachdem eine Bestattung im Heiligtum von Siwa vorgesehen gewesen war. Perdikkas scheiterte 320 v. Chr. mit seinem Angriff auf Ägypten bei Memphis und wurde von eigenen Offizieren getötet. Ptolemaios besiegte gemeinsam mit Seleukos 312 v. Chr. bei Gaza Demetrios Poliorketes und wurde anschließend als Satrap bestätigt. Ab 305 v. Chr. regierte er als Ptolemaios I. Soter, „der Retter“.
Unter Ptolemaios II. wurden die unter Ptolemaios I. begonnenen Bauten der Bibliothek von Alexandria und des Leuchtturms vollendet; der Leuchtturm war eines der sieben Weltwunder. Die größte Ausdehnung erreichte das Reich unter Ptolemaios III. Euergetes, der von 246 bis 221 v. Chr. herrschte. Nach dem gewaltsamen Tod Ptolemaios’ IV. führte die Minderjährigkeit Ptolemaios’ V. zu innerer Schwäche und zum Verlust Syriens sowie von Stützpunkten in Kleinasien.
Machtkämpfe innerhalb der ptolemäischen Familie setzten sich fort. Kleopatra VII. übernahm 51 v. Chr. mit siebzehn Jahren die Regierung von Ptolemaios XII. Neos Dionysos, musste aber ihren jüngeren Bruder Ptolemaios XIII. heiraten. Julius Caesar griff im Alexandrinischen Krieg zugunsten Kleopatras ein; nach seinem Sieg im Frühjahr 47 v. Chr. ertrank Ptolemaios XIII. im Nil. Nach der Niederlage von Antonius und Kleopatra gegen Octavian bei Actium 31 v. Chr. und ihrem Tod fiel Ägypten im folgenden Jahr an Rom.
Aegyptus als römische Provinz
Römische Truppen unter Octavian nahmen 30 v. Chr. Alexandria ein; Octavian, seit 27 v. Chr. Augustus, annektierte Ägypten. Die besonders reiche Provinz Aegyptus wurde zur Kornkammer des Römischen Reiches. Sie unterstand direkt dem Kaiser und wurde durch den praefectus Aegypti, den Präfekten Ägyptens, verwaltet. Augustus betrachtete das Land als persönliches Eigentum und erlaubte nur selbst römischen Senatoren und Angehörigen der kaiserlichen Familie die Einreise.
Die Kaiser ließen sich weiterhin als Pharaonen feiern. Tempelreliefs und Plastiken zeigen sie in ägyptischer Tracht bei Ritualen. Im Totenkult verbanden sich römische und altägyptische Elemente, etwa bei den römisch gemalten Mumienporträts. Die Alltagskultur übernahm hingegen hellenistisch-römische Formen; im 1. Jahrhundert n. Chr. wurde die materielle Kultur weitgehend römisch.
Der erste Präfekt Cornelius Gallus schlug 29 v. Chr. einen Aufstand in Oberägypten und vorrückende Äthiopier zurück, tötete sich aber 26 v. Chr. nach seiner Ungnade bei Augustus. Bedeutende Ereignisse waren Konflikte zwischen hellenischer und jüdischer Bevölkerung in Alexandria unter Caligula, die Ausrufung Vespasians zum Kaiser 69 in Alexandria sowie die Gründung Antinoupolis’ durch Hadrian nach dem Tod des Antinous im Nil 130.
Christliche Gemeinden bestanden gegen Ende des 2. Jahrhunderts besonders im Nildelta. Septimius Severus verbot 204 den Übertritt zum Christentum; unter Decius, 249 bis 251, und bis in die Zeit Valerians kam es zu erheblichen Christenverfolgungen, die Gallienus 260 beendete. Diokletian eroberte 295 nach Aufständen Oberägypten und Alexandrias das Land zurück; in seine Zeit fielen die letzten und gewalttätigsten Christenverfolgungen. Maximinus Daia, der bis 313 regierte, war der letzte in ägyptischen Königslisten geführte römische Kaiser.
Konstantin der Große ordnete die Verwaltung neu: Ägypten wurde eine Diözese mit den sechs Provinzen Ägypten, Augustamnica, Heptanomis, später Arcadia, Thebais, Oberägypten und Unterägypten. Unter Julian kam es zu gewalttätigen Konflikten zwischen Heiden und Christen. Theodosius I. machte das Christentum zur Staatsreligion; mit der Reichsteilung 395 ging Ägypten an Kaiser Arcadius und damit an Ostrom.
Priester und Tempel unter Rom
Die Priester ägyptischer Kulte behielten unter Augustus und seinen Nachfolgern Privilegien, darunter Befreiungen von verschiedenen Abgaben und körperlichen Zwangsdiensten. Die leitenden Tempelfunktionäre und Gremien wurden zugleich in den römischen Herrschaftsapparat eingebunden. Sie verwalteten sich selbst, trafen eine Vorauswahl für das Priesteramt, zogen Steuern ein und prüften zunächst Anzeigen gegen Priester wegen Verletzung des Sakralrechts, also des religiösen Rechts.
Als überholt gilt die Ansicht, Augustus habe Tempelland enteignet, um die Priesterschaft wirtschaftlich zu schwächen. Zwar wurde Tempelland in augusteischer Zeit in Staatsland umgewandelt, doch erhielten die Tempel dafür Kompensation, zum Beispiel Subventionszahlungen aus den Erträgen der abgetretenen Ländereien. Konflikte entstanden vor allem mit Verwaltungsbeamten der unteren Ebene aus der lokalen Bevölkerung. Römische Prokuratoren, also Finanz- und Verwaltungsbeamte, griffen dabei gegebenenfalls vermittelnd ein, auch zugunsten der Tempel.