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Johann Gustav Droysen

Den Begriff „Hellenismus“ erhob er anschließend mit seiner wegweisenden Geschichte des Hellenismus zur Epochenbezeichnung für die Zeit zwischen Alexander und …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Leben und politische Tätigkeit
  2. 2. Bedeutung für die Geschichtswissenschaft
  3. 3. Familie
  4. 4. Ehrungen und wichtige Schriften

Leben und politische Tätigkeit

Johann Gustav Bernhard Droysen (6. Juli 1808 in Treptow an der Rega – 19. Juni 1884 in Berlin) war ein deutscher Historiker und Geschichtstheoretiker. Nach dem Gymnasium in Stettin studierte er Philosophie und Philologie an der Universität Berlin. Zu seinen Lehrern gehörten Georg Wilhelm Friedrich Hegel, August Boeckh und Karl Lachmann. Von 1827 bis 1829 war er Hauslehrer von Felix Mendelssohn Bartholdy, anschließend Lehrer am Berlinischen Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin.

1831 wurde Droysen an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin promoviert. Ab 1833 arbeitete er dort als Privatdozent, ab 1835 als außerordentlicher Professor. 1840 wurde er Professor an der Universität Kiel, 1851 an der Universität Jena und 1859 erneut an der Universität Berlin. In Kiel entstand seine unvollendet gebliebene Geschichte des Hellenismus.

Droysen engagierte sich früh politisch. 1846 nahm er an den Germanistentagen teil. 1848 war er Vertreter der Provisorischen Regierung in Kiel beim Bundestag in Frankfurt. Ab Mai 1848 gehörte er der Frankfurter Nationalversammlung an und arbeitete im Verfassungsausschuss mit. Er schloss sich dem rechten Zentrum, der Fraktion „Casino“, an. Obwohl er im Parlament nie eine Rede hielt, galt er hinter den Kulissen als einer der einflussreichsten rechtsliberalen Politiker.

Droysen setzte sich entschieden für die Trennung Schleswigs und Holsteins von der dänischen Krone ein. Dies führte zu Spannungen mit der Regierung in Kopenhagen. Seine Bewerbung um den Lehrstuhl für Geschichte an der Universität Jena scheiterte 1846; die Stelle erhielt Adolf Schaumann. Eine erneute Bewerbung 1851 war erfolgreich. Nach dem Scheitern der Schleswig-Holsteinischen Erhebung wurden 1852 die acht übrigen revolutionären Professoren der Universität Kiel entlassen.

Droysen wurde auf dem Alten Zwölf-Apostel-Kirchhof in Berlin bestattet. Sein Grab war von 1958 bis 2015 als Ehrengrab der Stadt Berlin gewidmet.

Bedeutung für die Geschichtswissenschaft

Droysen trat 1833 mit der Geschichte Alexanders des Großen in die erste Reihe der Historiker seiner Zeit. Mit seiner Geschichte des Hellenismus machte er den Begriff „Hellenismus“ zu einer Epochenbezeichnung für die Zeit zwischen Alexander und Kleopatra. Er gehörte zu den ersten Historikern, die die drei Jahrhunderte nach Alexander nicht grundsätzlich als Verfallszeit deuteten. Nach seiner Auffassung entwickelten sich in dieser Epoche Voraussetzungen, ohne die das Christentum nicht möglich gewesen wäre.

Später konzentrierte sich Droysen vor allem auf die neuere Geschichte. Seine Geschichte der preußischen Politik (1855–1886) ist die umfassendste Darstellung der preußisch-kleindeutschen Geschichtsidee. Droysen gehörte zwar nicht unmittelbar zur Schule Heinrich von Sybels und Heinrich von Treitschkes, verstand die Aufgabe der Geschichtswissenschaft jedoch in einem verwandten Sinn. Die von Leopold von Ranke geforderte Objektivität der Geschichtsschreibung lehnte er entschieden ab. Für Droysen sollte Geschichte vielmehr eine erzieherische Funktion für den Staat erfüllen. Kritiker bezeichneten seine Geschichtsschreibung deshalb als „Borussianismus“.

Als Geschichtstheoretiker legte Droysen eine Grundlage für die hermeneutische Methodik der modernen Geschichtswissenschaft. Hermeneutik bezeichnet dabei die methodische Auslegung und das Verstehen historischer Zeugnisse. Die quellenkritische Methode, also die systematische Prüfung und Bewertung von Quellen, geht auf Droysen und Barthold Georg Niebuhr zurück und beeinflusste die Historiographie weitreichend. Droysen war Mitglied der Königlich Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Leipzig, der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen und der Preußischen Akademie der Wissenschaften. Zu seinen bedeutendsten Studenten gehörte Friedrich Meinecke.

Familie

Droysens Vater Johann Christoph Droysen (1773–1816) war lutherischer Militärpfarrer. Seine Mutter Anna Dorothee Friederike Casten starb 1827; sie war die Tochter eines Eisenwarenhändlers. Droysen wuchs mit drei Schwestern und einem Bruder in Greifenhagen bei Stettin auf.

1836 heiratete er in erster Ehe Marie Mendheim (1820–1847), die Tochter des Buchhändlers und Musikverlegers Samuel Ferdinand Mendheim (1786–1860) und von Marianne Friedländer (1797–1826). Aus dieser Ehe stammten Gustav (1838–1908), der Historiker in Halle (Saale) wurde, Marie (1839–1896), Anna (1842–1918) und Ernst Droysen (1844–1874). Marie war mit dem klassischen Philologen und Epigraphiker Emil Hübner verheiratet, Anna mit dem klassischen Philologen Henri Jordan.

Seit 1849 war Droysen in zweiter Ehe mit Emma Michaelis (1829–1881) verheiratet. Sie war die Tochter des Kieler Gynäkologen Gustav Adolph Michaelis und eine Freundin seiner ersten Frau. Ihr gemeinsamer Sohn Hans Droysen (1851–1918) wurde Historiker und Gymnasialprofessor in Berlin. Auch Droysens Sohn Gustav war Geschichtsprofessor und forschte zur Geschichte des Dreißigjährigen Krieges.

Ehrungen und wichtige Schriften

1874 erhielt Droysen den Verdunpreis. Außerdem wurden diverse Straßen nach ihm benannt.

Zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen gehören die Übersetzungen Des Aischylos Werke (1832) und Des Aristophanes Werke (1835–1838), die Geschichte Alexanders des Großen (1833) sowie die Geschichte des Hellenismus. Diese erschien in zwei Bänden: Geschichte der Nachfolger Alexanders (1836) und Geschichte der Bildung des hellenistischen Staatensystems (1843). Weitere Arbeiten waren Vorlesungen über die Freiheitskriege (1846) und Das Leben des Feldmarschalls Grafen York von Wartenburg (1851).

Ein Hauptwerk ist die Geschichte der preußischen Politik. Die Teile erschienen ab 1855: Die Gründung (1855), Die territoriale Zeit (1857), Der Staat des Großen Kurfürsten (1865), Zur Geschichte Friedrich I. und Friedrich Wilhelm I. von Preußen (1869) sowie Friedrich der Große in vier Bänden (1874–1886). Das Werk blieb damit über Droysens Todesjahr hinaus in Arbeit beziehungsweise erschien weiter.

Für seine Geschichtstheorie besonders wichtig ist der Grundriss der Historik (1868). Die 2. durchgesehene Auflage erschien 1875, die 3. umgearbeitete Auflage 1882 und eine 4. umgearbeitete Auflage 1925. Spätere Ausgaben und Sammlungen umfassen unter anderem Politische Schriften (1933) sowie Historik. Vorlesungen über Enzyklopädie und Methodologie der Geschichte, herausgegeben von Rudolf Hübner, in 3. Auflage von 1958. Eine historisch-kritische Ausgabe in 5 Bänden und einem Supplement erschien 1977–2020.

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