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Hellenismos (Religion)

Rekonstruktion des ursprünglichen, heidnischen Glaubenssystems der griechischen Antike. · Ein Bekenntnis zum echten Polytheismus (engl. · Der Hellenismos ist eine …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundverständnis
  2. 2. Antike Grundlagen und Entwicklung
  3. 3. Anerkennung in Griechenland
  4. 4. Moderne Gruppen und religiöse Praxis
  5. 5. Zentrale Lehren
  6. 6. Abgrenzung vom Neopaganismus

Grundverständnis

Hellenismos, auch hellenischer Polytheismus oder Dodekatheismus, ist eine Neue Religiöse Bewegung. Sie orientiert sich an der antiken, polytheistischen Religion des klassischen Griechenlands, rekonstruiert sie anhand antiker und wissenschaftlicher Quellen und passt sie an die moderne Welt an. Als Hauptgottheiten werden die Olympischen Götter verehrt.

Im Mittelpunkt steht kein einheitliches Glaubensbekenntnis, sondern die Verehrung mehrerer Götter und die gemeinsame Kultpraxis. Der Hellenismos versteht sich überwiegend als lebensbejahende und diesseitige Religion; ein Glaube an ein Jenseits spielt keine wichtige Rolle. Familie und lokale Kultgemeinschaften haben eine besondere Bedeutung für die Ausübung und Weitergabe der Religion.

Antike Grundlagen und Entwicklung

Die antike griechische Religion war stark vielfältig. Sie unterschied sich je nach Landschaft und veränderte sich im Lauf der Zeit, unter anderem durch die Aufnahme fremder Gottheiten wie Kybele und Isis. Anders als heutige abrahamitische Religionen war sie keine Glaubensreligion, sondern vor allem eine Religion der Gemeinschaft. Der persönliche „Glaube“ war gegenüber der gemeinschaftlichen Kultpraxis zweitrangig. Zu dieser Praxis gehörten beispielsweise öffentliche Tieropfer mit anschließendem Festmahl.

Der Begriff Hellenismos wurde 1982 durch eine Veröffentlichung verschiedener griechischer Intellektueller im Magazin Fackel (δαυλός) öffentlich mit der modernen Bewegung verbunden. Daraufhin entstanden in Griechenland verschiedene hellenozentrische Bewegungen. Einige entwickelten daraus einen modernen Nationalismus weiter.

Anerkennung in Griechenland

Seit 2017 ist Hellenismos in Griechenland als „anerkannte Religion“ (known religion) eingestuft. Damit ist die Neue Religiöse Bewegung offiziell als Religion bekannt. Nach Artikel 17 des Gesetzes 4301/2014 dürfen ihre Anhänger Tempel beziehungsweise sakrale Orte einrichten und religiöse Praktiken offiziell ausüben.

Moderne Gruppen und religiöse Praxis

Hellenistische Gruppen gibt es unter anderem in Griechenland, den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich, Belgien, Österreich und Deutschland. Viele dieser Gruppen konzentrieren sich auf die Verehrung der Hauptgottheiten und auf Kulthandlungen, die sich an der klassischen Epoche orientieren.

Die Vorstellungen moderner Hellenisten sind jedoch nicht überall gleich. Manche Gruppen rekonstruieren ausschließlich die klassisch-homerischen Riten auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse. Andere beziehen zusätzlich die Gedanken antiker Philosophen ein, teilweise bis zum Neuplatonismus der Spätantike. Verbindliche heilige Bücher und eine regulative religiöse Organisation gibt es nicht. Deshalb können die einzelnen Gruppen ihre Schwerpunkte selbst festlegen. Griechische Organisationen bemühen sich zunehmend um eine offizielle religiöse Anerkennung als ursprüngliche ethnische Religion.

Zentrale Lehren

Wichtige Lehren und Grundsätze sind:

  • Rekonstruktion des ursprünglichen heidnischen Glaubenssystems der griechischen Antike und Verehrung der Olympischen Götter.
  • Bekenntnis zum „echten Polytheismus“ (englisch „Hard Polytheism“). Damit ist gemeint, dass die Götter als reale, persönliche Wesenheiten mit jeweils eigenen Eigenschaften verstanden werden. Die Vielfalt der Götter wird häufig mit der Vielfalt der Erscheinungsformen der Welt begründet.
  • Eine lebensbejahende, auf die diesseitige Welt ausgerichtete Religionsauffassung, bei der ein Jenseitsglaube keine zentrale Bedeutung besitzt.
  • Eine besondere Rolle von Familie und lokaler Kultgemeinschaft bei der religiösen Praxis und Weitergabe des Glaubens.

Abgrenzung vom Neopaganismus

Viele Anhänger lehnen die Bezeichnung „Neuheiden“ oder „Neopagan“ ab. Sie verstehen den Hellenismos als moderne ethnische Religion. „Ethnisch“ wird dabei, ausgehend vom Wort Ethnicus, nicht völkisch oder nationalistisch verstanden, sondern als Orientierung an einem hellenischen Ethos und als ausdrücklich nichtchristlich. Nach dieser Sicht ist der Hellenismos nicht aus dem modernen Neopaganismus entstanden, sondern steht ihm eher diametral gegenüber.

Der Hellenismos betont den „echten“ Polytheismus. Abgelehnt werden Vorstellungen, bei denen Götter verschiedener Kulturen einfach nebeneinandergestellt oder auf allgemeine Archetypen reduziert werden. Ebenso lehnen viele Anhänger eklektizistische Praktiken ab, also die Verbindung von Elementen verschiedener Religionen, Kulte und Traditionen zu einer modernen neuheidnischen Religion.

Skepsis besteht außerdem gegenüber vereinheitlichenden Theologien, etwa dem Duotheismus der Wicca. Dieser fasst die Götter als einen Gott und die Göttinnen als eine Göttin auf. Ebenfalls abgelehnt wird das Modell der „dreifaltigen Göttin“ mit den Rollen Jungfrau, Mutter und Alte. Diese Ablehnung teilen die rekonstruktionistischen Richtungen des Neuheidentums, beispielsweise Hellenismos, Ásatrú und Celtoi.

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