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Heinz Schilling (Historiker)

... Geschichte der politischen Theorie, die Reformation und Konfessionalisierung, die Sozial- und Mentalitätsgeschichte des Calvinismus vom 16. bis 19 …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Einordnung
  2. 2. Ausbildung und Laufbahn
  3. 3. Forschung
  4. 4. Vermittlung und Wissenschaftsorganisation
  5. 5. Ehrungen
  6. 6. Wichtige Schriften

Einordnung

Heinz Alfred Schilling (* 23. Mai 1942 in Bergneustadt) ist ein deutscher Historiker. Sein fachlicher Schwerpunkt ist die Frühe Neuzeit, also die Epoche zwischen Mittelalter und moderner Welt. Besonders wichtig sind seine Arbeiten zur Reformation, zur Konfessionalisierung und zur europäischen Geschichte.

Konfessionalisierung bedeutet in seinen Forschungen den Prozess, in dem sich religiöse Bekenntnisse wie lutherisch, reformiert-calvinistisch oder katholisch mit Gesellschaft, Politik, Staat und Kultur verbanden. Schillings Arbeiten dazu gelten als einflussreich, weil sie ein sozial-, kirchen- und kulturgeschichtliches Forschungsmodell prägten und viele weitere Studien anregten.

Ausbildung und Laufbahn

Schilling wurde als Sohn des Schreinermeisters Alfred Schilling und seiner Frau Frieda, geb. Dietz, geboren. Nach Schulbesuch in Köln-Ehrenfeld und Köln-Deutz legte er im Herbst 1962 das Abitur ab. Anschließend studierte er Geschichte, Germanistik, Philosophie und Soziologie an der Universität zu Köln und schloss mit dem Staatsexamen für den höheren Lehrdienst ab.

Im Februar 1971 wurde er an der Universität Freiburg promoviert. Seine Dissertation behandelte die Sozial- und Religionsgeschichte niederländischer Exulanten; betreut wurde sie von Gottfried Schramm, Zweitgutachter war Kaspar Elm. Von 1971 bis 1979 arbeitete er an der Universität Bielefeld als Assistent beziehungsweise Hochschuldozent. Dort habilitierte er sich 1977/1978 mit einer Fallstudie zur territorialen Gesellschafts- und Konfessionalisierungsgeschichte.

Danach war Schilling Professor für Geschichte der Frühen Neuzeit: von 1979 bis 1982 an der Universität Osnabrück, von 1982 bis 1992 an der Universität Gießen und ab 1992 an der Humboldt-Universität zu Berlin. Dort hatte er den Lehrstuhl für Europäische Geschichte der Frühen Neuzeit bis zu seiner Emeritierung am Ende des Sommersemesters 2010 inne. Sein Nachfolger wurde Peter Burschel. Seit 2012 ist Schilling als freier Sachbuchautor und Publizist tätig.

Forschung

Schillings Forschung umfasst mehrere Felder der frühneuzeitlichen Geschichte. Dazu gehören die vergleichende Geschichte Europas, die politische und kulturelle Identitätsbildung europäischer Nationen, die deutsche Reichs- und Territorialgeschichte sowie Migration und Minderheiten in Alteuropa, besonders in Deutschland, England und den Niederlanden.

Weitere Themen sind Stadt und Bürgertum in der Frühen Neuzeit und im Übergang zur modernen Welt, politische Theorie, Reformation und Konfessionalisierung, die Sozial- und Mentalitätsgeschichte des Calvinismus vom 16. bis 19. Jahrhundert sowie frühneuzeitliche Modernisierung in Deutschland und den Niederlanden.

Besonders einflussreich wurden seine Arbeiten zur deutschen und europäischen Konfessionalisierung des späteren 16. und des 17. Jahrhunderts. Seit Mitte der 1980er Jahre entwickelte er dieses Paradigma zusammen mit Wolfgang Reinhard weiter, der aus Beobachtungen im katholischen Umfeld zu ähnlichen Ergebnissen gekommen war. Wichtige Grundlagen waren drei Symposien des Vereins für Reformationsgeschichte zur reformiert-calvinistischen Konfessionalisierung 1985, zur lutherischen Konfessionalisierung 1988 und zur katholischen Konfessionalisierung 1993.

Vermittlung und Wissenschaftsorganisation

Neben Forschung und Lehre übernahm Schilling Aufgaben im Wissenschaftsmanagement. Er war von 2001 bis 2011 Vorsitzender des Vereins für Reformationsgeschichte und von 1995 bis 2012 European Managing Editor des Archiv für Reformationsgeschichte/Archive for Reformation History.

Außerdem bemühte er sich um die Vermittlung zwischen Geschichtswissenschaft und Öffentlichkeit. Er war Berater mehrerer Fernsehfilme, darunter 1989 „Mitten in Europa“ bei Sat.1, 2009 „Wir Deutschen“ beim ZDF sowie 2017 Produktionen zu Martin Luther und der Reformation wie „Die Luther Matrix“, „Zwischen Himmel und Hölle“ und „Das Luther-Tribunal“. Auch an historischen Ausstellungen wirkte er beratend mit.

Ehrungen

Für seine Forschungen erhielt Schilling zahlreiche Ehrungen und Mitgliedschaften. Er ist Mitglied der Vereinigung für Verfassungsgeschichte, seit 1996 der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, seit 2004 der Koninklijken Nederlandse Akademie van Wetenschappen, seit 2005 korrespondierendes Mitglied der British Academy und seit 2005 Mitglied der Academia Europaea.

Im Jahr 2000 wurde er Chevalier dans l’Ordre des Palmes Académiques. Ehrendoktorwürden erhielt er von der Theologischen Fakultät der Universität Göttingen 2009, der Universita degli studi di Trento 2014 und der Univerzity v Presove 2017. 2002 wurde er mit dem A.H.-Heineken-Preis für Geschichte der Königlich-Niederländischen Akademie der Wissenschaften ausgezeichnet. 2003/04 war er Fellow des Netherlands Institute for Advanced Study, 2004/05 Stipendiat des Historischen Kollegs in München.

Wichtige Schriften

Zu Schillings wichtigen Veröffentlichungen gehören Arbeiten zu Exulanten, Reformation, Konfessionalisierung, Staatsbildung und europäischer Geschichte. Seine Dissertation erschien 1972 unter dem Titel „Niederländische Exulanten im 16. Jahrhundert“. Die Habilitationsschrift erschien 1981 als „Konfessionskonflikt und Staatsbildung“.

Weitere zentrale Werke sind „Aufbruch und Krise. Deutschland 1517–1648“ von 1988, „Höfe und Allianzen. Deutschland 1648–1763“ von 1989, „Die Stadt in der frühen Neuzeit“, „Die neue Zeit. Vom Christenheitseuropa zum Europa der Staaten. 1250 bis 1750“ von 1999 und „Konfessionalisierung und Staatsinteressen. Internationale Beziehungen 1559–1660“ von 2007.

Später veröffentlichte Schilling unter anderem „Martin Luther. Rebell in einer Zeit des Umbruchs“ 2012, „1517. Weltgeschichte eines Jahres“ 2017, „Karl V. Der Kaiser, dem die Welt zerbrach“ 2020 und „Das Christentum und die Entstehung des modernen Europa“ 2022.

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