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Heidi Reichinnek

Seit Oktober 2021 ist sie Mitglied des Deutschen Bundestages und dort seit März 2025 Vorsitzende der Fraktion Die Linke im Bundestag. Heidi Reichinnek (2025).

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Person und Bedeutung
  2. 2. Ausbildung und Beruf
  3. 3. Partei und Mandate
  4. 4. Arbeit im Bundestag
  5. 5. Politische Positionen
  6. 6. Öffentliche Wahrnehmung und Mitgliedschaften

Person und Bedeutung

Heidi Reichinnek (* 19. April 1988 in Merseburg) ist eine deutsche Politikerin der Partei Die Linke. Seit Oktober 2021 ist sie Mitglied des Deutschen Bundestages. Seit März 2025 ist sie Vorsitzende der Fraktion Die Linke im Bundestag; offiziell wurde sie zusammen mit Sören Pellmann am 24. Juni 2025 gewählt.

Sie war von 2019 bis 2023 Landesvorsitzende der Linken in Niedersachsen und trat bei der Bundestagswahl 2025 zusammen mit Jan van Aken als Spitzenkandidatin der Linken an. Politisch ist sie besonders mit Kinder-, Jugend-, Familien- und Frauenpolitik verbunden. Bekannt wurde sie außerdem durch eine starke Präsenz in sozialen Medien, vor allem mit politischen Kurzvideos.

Ausbildung und Beruf

Reichinnek wuchs in Obhausen in Sachsen-Anhalt auf. Ihre Mutter ist Chemiefacharbeiterin, ihr Vater gelernter Elektriker. Nach dem Abitur studierte sie von 2007 bis 2011 Nahoststudien mit dem Nebenfach Politikwissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und schloss mit dem Bachelor of Arts ab.

Von September 2010 bis Juni 2011 hielt sie sich in Kairo auf und erlebte dort die Revolution in Ägypten 2011 im Zuge des Arabischen Frühlings. Im selben Jahr war sie Praktikantin der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung in Kairo. Danach studierte sie an der Philipps-Universität Marburg weiter und schloss 2013 mit dem Master of Arts in Politik und Wirtschaft des Nahen und Mittleren Ostens ab.

Von 2013 bis 2015 arbeitete sie am Marburger Centrum für Nah- und Mittelost-Studien als wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem Forschungsprojekt des Auswärtigen Amtes zu Islamismus und Salafismus in arabischen Transformationsgesellschaften. Während der Flüchtlingskrise in Deutschland 2015/2016 war sie als Sprach- und Kulturfachkraft in der Ausbildung geflüchteter Kinder und Jugendlicher tätig. Von 2017 bis 2020 arbeitete sie als Projektkoordinatorin in den Bereichen Demokratisierung, Radikalisierungsprävention und Gemeinwesenarbeit. Von 2021 bis zu ihrem Einzug in den Bundestag war sie pädagogisch bei der evangelischen Jugendhilfe in Osnabrück tätig. Für ihr Mandat ist sie von dieser Arbeit freigestellt. 2025 trat sie aus der evangelischen Kirche aus. Sie lebt in Osnabrück.

Seit Februar 2025 betreibt sie den Interview-Podcast Heidi trifft …

Partei und Mandate

Reichinnek trat im September 2015 der Partei Die Linke bei. Von 2017 bis 2019 war sie Mitbegründerin, Landessprecherin und Schatzmeisterin der Linksjugend solid in Niedersachsen. 2019 wurde sie mit über 86 % der Delegiertenstimmen zur Landesvorsitzenden der Linken in Niedersachsen gewählt und war damit die jüngste Landesvorsitzende der Linkspartei. Danach gab sie ihre Ämter bei der Linksjugend ab. 2021 wurde sie als Landesvorsitzende wiedergewählt; 2023 schied sie aus dem Amt aus.

2022 bewarb sie sich zusammen mit Sören Pellmann um den Co-Vorsitz der Bundespartei. Unterstützt wurde sie dabei unter anderem von Dietmar Bartsch und Sahra Wagenknecht, unterlag aber der Amtsinhaberin Janine Wissler mit 199 zu 319 Stimmen.

Von November 2016 bis Oktober 2021 saß Reichinnek im Rat der Stadt Osnabrück. Dort vertrat sie Die Linke unter anderem im Sozial- und Gesundheitsausschuss, Jugendhilfeausschuss, Kulturausschuss, Schul- und Sportausschuss, Migrationsbeirat und Behindertenforum. Bei der niedersächsischen Landtagswahl 2017 kandidierte sie auf Listenplatz 7 und im Wahlkreis 78 Osnabrück-West. Die Linke verpasste mit 4,6 % den Einzug in den Landtag; Reichinnek erhielt in ihrem Wahlkreis 6,3 % der Stimmen.

Arbeit im Bundestag

Bei der Bundestagswahl 2021 kandidierte Reichinnek im Wahlkreis Stadt Osnabrück und auf Platz 3 der niedersächsischen Landesliste der Linken. Über diese Liste zog sie am 26. Oktober 2021 erstmals in den Deutschen Bundestag ein. In der 20. Wahlperiode war sie ordentliches Mitglied der Kinderkommission, die sich mit den Belangen von Kindern befasst. Außerdem war sie stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie im Ausschuss für Klimaschutz und Energie. Bis zum 10. April 2023 war sie stellvertretendes Mitglied der Enquete-Kommission Lehren aus Afghanistan für das künftige vernetzte Engagement Deutschlands.

Nach der Abspaltung von Abgeordneten um Sahra Wagenknecht bildete sich im Bundestag eine parlamentarische Gruppe der Linken. Im Februar 2024 wurde Reichinnek zusammen mit Sören Pellmann als Nachfolgerin von Dietmar Bartsch zur Gruppenvorsitzenden gewählt. Das Bündnis Sahra Wagenknecht nannte sie kritisch einen „outgesourcten Personenkult“. Für die Linksfraktion war sie Teil der parlamentarischen Geschäftsführung und Sprecherin für Kinder-, Jugend-, Frauen- und Seniorenpolitik.

Bei der Bundestagswahl 2025 trat Reichinnek zusammen mit Jan van Aken als Spitzenkandidatin der Linken an. In Niedersachsen wurde sie im Dezember 2024 mit 96 Prozent der Stimmen auf Listenplatz 1 gewählt. Im Wahlkreis Stadt Osnabrück erreichte sie 11,81 Prozent und unterlag dem CDU-Kandidaten Mathias Middelberg, erhielt aber erneut über die Landesliste ein Bundestagsmandat. Am 25. Februar 2025 wurde sie mit Sören Pellmann kommissarisch als Fraktionsvorsitzende bestätigt, am 24. Juni 2025 offiziell gewählt.

In der neuen Wahlperiode ist sie Sprecherin ihrer Fraktion für Kinder- und Jugendpolitik. Sie ist stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend und im Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat. Außerdem ist sie ordentliches Mitglied im Gemeinsamen Ausschuss und stellvertretende Vorsitzende der Deutsch-Ägyptischen Parlamentariergruppe. Im Juni 2025 wurde sie für das Parlamentarische Kontrollgremium nominiert, das die Nachrichtendienste des Bundes kontrolliert, erreichte aber nicht die notwendige absolute Mehrheit. Die CSU hatte vorher angekündigt, ihre Wahl verhindern zu wollen; auch aus der Unionsfraktion kam Kritik an ihrer Nominierung.

Politische Positionen

Reichinnek setzt Schwerpunkte in Kinder-, Jugend-, Familien- und Frauenpolitik und war frauenpolitische Sprecherin ihrer Partei. Auf dem Parteitag der Linken 2024 in Halle (Saale) sprach sie sich gegen Militarisierung aus und forderte, Die Linke müsse stärker in Kreisverbänden und Gewerkschaften aktiv werden.

Zur Deutschen Bahn fordert sie, dass diese sich am Gemeinwohl orientieren solle. Sie kritisiert, dass die Bahn zwar formal dem Bund gehört, aber dennoch nach Gewinnen strebe. Deshalb solle die Bahn vollständig in öffentliches Eigentum überführt werden.

Im Februar 2025 sagte Reichinnek in einem Interview, Milliardäre seien eine Bedrohung für die Demokratie; als Beispiel nannte sie Elon Musk. Sie begründete dies mit deren Einfluss auf das politische System sowie mit Schaden für Menschen und Umwelt. In einem anderen Interview sprach sie sich für die Enteignung von Milliardären aus, weil deren Vermögen aus ihrer Sicht unter anderem durch „Erbschaften, die nicht vernünftig besteuert werden“ und durch „Ausbeutung von Arbeitenden“ entstanden seien.

2016 veröffentlichte sie mit anderen über die Rosa-Luxemburg-Stiftung einen Aufsatz zur Frage, ob die deutsche und europäische Linke islamistische Bewegungen einbinden solle. Darin wurde ein „offener Dialog auf Augenhöhe“ mit Islamisten gefordert. 2025 erklärte Reichinnek, damals habe es ein „Möglichkeitsfenster“ für Gesprächskanäle gegeben, ihre Hoffnung habe sich inzwischen aber zerschlagen. Der CDU/CSU-Außenpolitiker Jürgen Hardt kritisierte ihre damalige Einschätzung.

Zum Nahostkonflikt spricht sich Reichinnek für eine Zweistaatenlösung aus, also für zwei Staaten für Israel und Palästina. Sie bekennt sich zum Selbstverteidigungsrecht Israels sowie zum Existenzrecht Israels und Palästinas. Antisemitismus und den „bestialischen“ Angriff der Hamas auf Israel 2023 verurteilt sie. Gleichzeitig wirft sie der Regierung Netanjahu Verbrechen und ethnische Säuberungen vor; deren Handlungen hätten aus ihrer Sicht „nichts mit Selbstverteidigung zu tun“.

Öffentliche Wahrnehmung und Mitgliedschaften

Reichinnek ist stark in sozialen Medien aktiv. Mit politischen, teils provokanten Kurzvideos erreicht sie auf TikTok sehr hohe Reichweiten. Ihre Rede im Bundestag nach der Abstimmung über das Zustrombegrenzungsgesetz am 29. Januar 2025 wurde als „Brandmauer-Rede“ vielfach aufgegriffen und in sozialen Medien millionenfach angesehen. Bis zur Bundestagswahl 2025 stiegen ihre Abonnentenzahlen auf Instagram von 130.000 und auf TikTok von 348.000 auf jeweils über 500.000. Medien schrieben ihr Anteil am Aufwind der Linken vor der Bundestagswahl 2025 und an steigenden Umfragewerten besonders bei jüngeren Wählern zu.

In der Populärkultur wurde sie 2025 unter anderem in Liedern von MC Smook und Fruity Luke sowie von Lenge erwähnt oder mit Redebeiträgen eingebunden. Der Comic Tiervergleiche von Katz & Goldt greift einen Vergleich Reichinneks mit dem Opossum Heidi auf. Auf ihrem linken Unterarm trägt Reichinnek ein Porträt Rosa Luxemburgs und deren Zitat „Eure ‚Ordnung‘ ist auf Sand gebaut“ als Tätowierung.

Am 29. April 2025 trat Reichinnek in der ZDF-Sendung Markus Lanz auf. In einer Diskussion über Wohnungsknappheit und den von ihrer Partei geforderten bundesweiten Mietendeckel konnte sie mehrere Fragen nicht beantworten, unter anderem zur Rendite im Wohnungsmarkt und zum Anteil privater Kleinvermieter. Dafür wurde sie wegen schlechter Vorbereitung kritisiert. Am Ende entschuldigte sie sich mit den Worten: „Ich bin auch nur ein Mensch, … mea culpa, da muss ich mich das nächste Mal besser vorbereiten.“

Reichinnek ist Mitglied in mehreren Organisationen, darunter die Erich-Maria-Remarque-Gesellschaft, deren Beirat sie angehört, die Rosa-Luxemburg-Stiftung Niedersachsen, ver.di, die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, ProVeg Deutschland und der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club.

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