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Hechscher

Ein Hechscher bescheinigt, dass die entsprechenden Erzeugnisse unter Beachtung der jüdischen Gesetze, der Halacha, hergestellt und gemäß den Speisegesetzen, der …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Funktionsweise
  2. 2. Verbindlichkeit und unterschiedliche Standards
  3. 3. Besondere Kennzeichnungen
  4. 4. Regionale Unterschiede
  5. 5. Ethische Ergänzungen

Bedeutung und Funktionsweise

Ein Hechscher, Plural Hechscharim, ist ein Koscher-Zertifikat für Lebensmittel und weitere Produkte. Es erscheint meist als Siegel, bei Fleisch als Plombe und in Geschäften oder Restaurants als Aushang. Es bestätigt, dass ein Erzeugnis nach der Halacha, dem jüdischen Religionsgesetz, hergestellt wurde und gemäß der Kaschrut, den jüdischen Speisegesetzen, verwendet oder verzehrt werden darf.

Die Herstellung muss von einem ausgebildeten Aufseher, dem Maschgiach, überwacht werden. Für die Einhaltung der Kaschrut bürgt die auf dem Zertifikat genannte oder durch dessen Symbol erkennbare rabbinisch beaufsichtigte Organisation. Ein Mefakeach kann kontrollieren, ob der Maschgiach alle Speisegesetze ordnungsgemäß überprüft hat. Bei Lebensmitteln wird gewöhnlich zusätzlich angegeben, ob sie milchhaltig, fleischhaltig oder parve, also neutral, sind.

Weltweit vergeben mehrere hundert Organisationen und Rabbinate mehr als 1000 unterschiedliche Hechscharim. Daneben existieren Zertifikate, die auch ethische und ökologische Anforderungen berücksichtigen.

Verbindlichkeit und unterschiedliche Standards

Grundsätzlich müssen alle verarbeiteten Lebensmittel auf ihre Kaschrut geprüft werden, damit religiöse Juden, die die jüdischen Speise- und Reinheitsgesetze beachten, sie verzehren können. Allerdings unterscheiden sich die religiösen Auslegungen und die persönlichen Anforderungen an ihre Strenge. Moderne Produktionsweisen sowie veränderte Ernährungs- und Lebensgewohnheiten haben deshalb zu verschiedenen Kaschrut-Standards geführt. Nicht jedes Zertifikat wird von allen religiösen Gruppen gleichermaßen anerkannt.

Wie verbindlich ein Hechscher gilt, hängt von drei Faktoren ab: von der Vertrauenswürdigkeit der zuständigen Rabbiner oder Organisationen, von der Strenge ihrer Auslegung und von der Intensität der Überwachung. Die Bewertung richtet sich außerdem nach der religiösen Ausrichtung der Verbraucher und teilweise nach lokalen Gegebenheiten. Daher lassen Hersteller ihre Produkte mitunter von mehreren Stellen prüfen und bringen mehrere Hechscharim darauf an.

Besondere Kennzeichnungen

Glatt koscher, auf Hebräisch chalak, bezeichnet eine besonders strenge Form der Kaschrut. „Glatt“ bezieht sich auf die Lunge eines geschächteten größeren Tieres: Nach sephardischer und strikter aschkenasischer Auslegung muss sie untersucht werden und darf keine Unebenheiten besitzen, die auf eine mögliche Krankheit hinweisen. Der Ausdruck gilt eigentlich nur für Fleisch größerer Tiere, wird aber häufig allgemein im Sinn von „streng koscher“ verwendet. Fleisch, das den strikten sephardischen Anforderungen entspricht, heißt chalak Bet Josef oder kurz Bet Josef, benannt nach einem Werk Josef Karos.

Der Zusatz israel weist insbesondere bei Gebäck und Milchprodukten darauf hin, dass Juden an der Herstellung beteiligt waren. Nach Auffassung ultra-religiöser Juden erhöht dies die Reinheit. Bei Wein gelten diese strengeren Regeln grundsätzlich und werden deshalb nicht eigens vermerkt. Bei Backwaren kann außerdem zwischen jaschan beziehungsweise joschon, also „altem“ Getreide, und chadasch beziehungsweise chodosch, also „neuem“ Getreide, unterschieden werden.

Zertifikate, deren Auslegung über das unbedingt Erforderliche hinausgeht, tragen besonders in Israel den Zusatz koscher le’mehadrin. Eine nochmals gesteigerte Form heißt le’mehadrin-min–ha’mehadrin. Bei in Israel angebauten landwirtschaftlichen Erzeugnissen müssen zudem eigene, auf biblischen Vorgaben beruhende Gesetze beachtet werden.

Für das Pessach-Fest gelten besondere Bestimmungen. Zulässige Lebensmittel und andere Produkte werden als koscher le’pessach oder nur mit dem Symbol P gekennzeichnet. Dabei können sich die aschkenasische und die sephardische Observanz unterscheiden.

Regionale Unterschiede

In Europa übernehmen meistens lokale orthodoxe Rabbinate oder ein rabbinisches Gericht, das Beth Din, die Aufsicht. Weil zertifizierte Lebensmittel dort vor allem für observante Juden bestimmt sind, erfüllen die örtlichen Zertifikate meist sehr strenge Anforderungen. Andere Lebensmittel werden gewöhnlich ohne Koscher-Siegel verkauft. Viele Rabbinate veröffentlichen zusätzlich Listen nicht zertifizierter, aber für observante Juden zugelassener Lebensmittel, Reinigungsprodukte und ähnlicher Waren. Sie beurteilen auch importierte Produkte mit Hechscher. Für Bescheinigungen bei Exporten nach Israel ist dagegen das israelische Oberrabbinat zuständig.

In Israel tragen die meisten angebotenen Lebensmittel und viele Restaurants eine Koscher-Zertifizierung. Um ein möglichst großes koscheres Angebot bereitzustellen, wenden örtliche Rabbinate jedoch nicht immer die strengsten Auslegungen an. Daher besteht ein doppelter Standard: normal koscher für die nicht oder gemäßigt religiöse Bevölkerung und koscher le’mehadrin für die streng religiöse Minderheit. Manche Rabbinate, beispielsweise das Jerusalemer Rabbinat, vergeben beide Zertifikatsarten.

In Nordamerika, besonders in den USA, betrachten viele Menschen koschere Lebensmittel als besser, gesünder oder hygienischer. Die Zahl zertifizierter Produkte stieg dort von etwa 3000 im Jahr 1970 über 10.000 im Jahr 1985 auf inzwischen mehr als 100.000. Laut den im Artikel genannten Angaben entfielen 2009 rund 40 % der in den USA verkauften Lebensmittel auf Koscher-Produkte. In einer Umfrage von 2008 kauften 13 % der Befragten gezielt solche Produkte; davon taten dies nur 14 % wegen der jüdischen Speisegesetze und weitere 10 % wegen anderer religiöser Speisevorschriften. Eine MarketTrend-Studie von 2009 bezifferte den Umsatzanstieg von 150 Milliarden US-Dollar im Jahr 2003 auf mehr als 200 Milliarden Dollar im Jahr 2008 und erwartete ein Wachstum auf 260 Milliarden Dollar. Der religiös begründete Anteil wurde auf 14 bis 17 Milliarden Dollar geschätzt.

Ethische Ergänzungen

Der Heksher Zedek, deutsch etwa „Hechscher für Gerechtigkeit oder Korrektheit“, entstand 2007 in den USA auf Initiative des konservativen Rabbiners Morris Allen. Das von den amerikanischen Dachorganisationen konservativer Rabbiner und Synagogen getragene System berücksichtigt neben der Kaschrut ethische Bedingungen bei der Lebensmittelherstellung. Anlass waren Missstände beim inzwischen bankrotten Koscherfleisch-Produzenten AgriProcessors. Seit 2010 wird das Magen Tsedek genannte Zertifikat ergänzend zu einem traditionellen Hechscher vergeben; es ersetzt die Bescheinigung der Kaschrut also nicht.

Als weitere Reaktion auf Rechtsverletzungen bei AgriProcessors entstand Tav HaYosher, ein Ethik-Siegel für koschere Restaurants in den USA. Die 2007 gegründete gemäßigt orthodoxe Organisation Uri L’Tzedek vergibt es seit dem 12. Mai 2009. Vorausgegangen war der „Postville Raid“ vom 12. Mai 2008: Dabei wurden in Postville im Bundesstaat Iowa beinahe 400 überwiegend aus Guatemala stammende illegale Arbeiter von AgriProcessors verhaftet. Die meisten erhielten in Schnellverfahren Gefängnisstrafen und wurden anschließend abgeschoben, was Proteste und Solidaritätskundgebungen auslöste. Tav HaYosher orientiert sich am israelischen Gütesiegel Tav Chevrati, das seit 2005 für „soziale Kaschrut“ verliehen wird.

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