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Harry Potter und der Stein der Weisen (Film)
Englisch. Erscheinungsjahr, 2001 · Länge. Kinofassung: 152 Minuten; Extended Cut: 157 Minuten. Altersfreigabe · FSK 6 (Kinofassung) FSK 12 (Extended Cut); JMK 6.
Inhalt6 Abschnitte
Einordnung und Grundidee
Harry Potter und der Stein der Weisen ist ein britisch-US-amerikanischer Fantasyfilm aus dem Jahr 2001. Er verfilmt den ersten Roman der Harry-Potter-Reihe von Joanne K. Rowling. Chris Columbus führte Regie, Steve Kloves schrieb das Drehbuch, David Heyman produzierte den Film. Rowling beriet die Produktion und setzte sich für eine sehr werktreue Umsetzung, britische Schauspieler und britisches Englisch ein.
Die Kinofassung dauert 152 Minuten und ist ab FSK 6 freigegeben; die Extended Cut hat eine höhere FSK-12-Freigabe. Zur Länge der Langfassung nennt der Artikel widersprüchliche Angaben: 157 Minuten in den Filmdaten, 159 Minuten beim Endschnitt. Daniel Radcliffe spielt Harry Potter, Rupert Grint Ron Weasley und Emma Watson Hermine Granger. Der Film eröffnet die achtteilige Harry-Potter-Filmreihe und prägte ihr Aussehen, etwa Hogwarts, Schuluniformen, Kreaturen und Hedwigs musikalisches Thema.
Handlung
Der Waisenjunge Harry Potter lebt bei den Dursleys in Surrey, die ihn schlecht behandeln und Magie ablehnen. An seinem elften Geburtstag erklärt ihm Rubeus Hagrid, dass seine Eltern Zauberer waren und von Lord Voldemort getötet wurden. Harry überlebte Voldemorts Angriff als Baby mit einer blitzförmigen Narbe; Voldemort verlor dabei seine Kräfte. Harry erfährt, dass Nicht-Zauberer „Muggel“ heißen, erhält die Einladung nach Hogwarts und kauft in der Winkelgasse seine Schulsachen, einen Zauberstab und die Eule Hedwig.
Im Hogwarts-Express lernt er Ron Weasley und Hermine Granger kennen. In Hogwarts teilt der Sprechende Hut die Schüler den Häusern Gryffindor, Hufflepuff, Ravenclaw und Slytherin zu; Harry, Ron und Hermine kommen nach Gryffindor. Harry zeigt besonderes Talent im Quidditch, einem Mannschaftssport auf fliegenden Besen, und gewinnt ein Spiel gegen Slytherin. Mit Draco Malfoy aus Slytherin wird er zum Rivalen.
Die drei Freunde entdecken, dass ein dreiköpfiger Hund den Stein der Weisen bewacht. Dieser verleiht seinem Besitzer Unsterblichkeit. Sie vermuten zunächst, Professor Snape wolle den Stein für Voldemort stehlen. Auf dem Weg zum Stein überwinden sie eine gefährliche Pflanze, einen fliegenden Schlüssel und ein riesiges Schachspiel. Dort treffen sie jedoch Professor Quirrell: Voldemort hat von dessen Körper Besitz ergriffen. Der Schutzzauber des Steins erlaubt nur jemandem, ihn zu finden, der ihn nicht benutzen will. Harry findet ihn deshalb, gibt ihn aber nicht heraus. Quirrell zerfällt bei Harrys Berührung zu Staub, Voldemort flieht. Dumbledore erklärt, dass Harry durch das Opfer seiner Mutter geschützt ist, und lässt den Stein zerstören. Durch Extrapunkte für Hermine, Ron, Harry und Neville gewinnt Gryffindor den Hauspokal.
Entstehung und Gestaltung
David Heyman entdeckte den Roman 1997 als mögliche familienfreundliche Verfilmung. Warner Bros. erhielt die Rechte erst, nachdem Rowling Mitspracherechte für den Film, mögliche Fortsetzungen und Merchandising-Produkte zugesichert worden waren. Der Preis für die Rechte wird unterschiedlich angegeben: 500.000, 700.000 oder 1 Million Dollar, 1 Million Pfund oder knapp 1,7 Millionen Dollar für die ersten vier Bände. Chris Columbus wurde Ende März 2000 als Regisseur ausgewählt, weil er besonders nahe an der Vorlage bleiben wollte.
Für Harry, Ron und Hermine wurden nur britische Kinder von neun bis elf Jahren gesucht. Für Harry gab es rund 40.000 Bewerbungen. Warner Bros. gab am 21. August 2000 Daniel Radcliffe, Emma Watson und Rupert Grint als Besetzung bekannt. Die Dreharbeiten begannen am 29. September 2000 und endeten nach 169 Drehtagen im April 2001. Für die rund 450 mitwirkenden Kinder gab es im Studio eine Schule. Wegen des US-Titels wurden Szenen mit „Philosopher’s Stone“ zusätzlich mit „Sorcerer’s Stone“ gedreht.
Gedreht wurde vor allem in Großbritannien. Reale Orte wie King’s Cross, der Londoner Zoo, Leadenhall Market, Australia House und die North Yorkshire Moors Railway bilden Teile der magischen Welt. Für Hogwarts wurden unter anderem Alnwick Castle, die Abtei von Lacock, die Kathedralen von Gloucester und Durham sowie Gebäude der Universität Oxford genutzt. In den Leavesden Film Studios entstanden große Bauten wie die Große Halle und eine eigens gebaute Winkelgasse.
Das Produktionsdesign von Stuart Craig verband realistische mittelalterliche Vorbilder mit überdimensionierter Architektur. Für Kreaturen, Flüge und Magie kombinierte der Film Animatronics, also bewegliche Puppen und Modelle, mit Computeranimationen. Etwa 500 bis 600 visuelle Effekte wurden von mehreren Firmen erstellt. Dazu gehören der Troll, der Babydrache, Voldemorts Gesicht und die Quidditch-Szenen. John Williams schrieb die Musik; Hedwig’s Theme wurde zum wiederkehrenden Erkennungsthema der Filmreihe.
Romanvorlage und filmische Mittel
Die Verfilmung folgt Rowlings Roman fast eins zu eins. Dennoch fehlen Nebenfiguren wie Professor Binns, Peeves, Piers Polkiss und Mrs. Figg. Gekürzt oder verändert wurden unter anderem Harrys erste Begegnungen mit Malfoy, ein Quidditch-Spiel gegen Hufflepuff, Snapes Gift-Rätsel und die Rettung von Hagrids Drachen. Im Film verrichten Harry, Hermine und Ron gemeinsam mit Malfoy Strafdienst; im Buch sind es Harry, Hermine, Neville und Malfoy. Kleinere Änderungen betreffen beispielsweise die Schlange im Zoo und das Aussehen einzelner Figuren.
Die Kürzungen vereinfachen und beschleunigen die Handlung, lassen aber weniger Raum für Entwicklungen späterer Teile. Außerdem wirkt der Film freundlicher und harmloser als das Buch: Regelbrüche, Aggression und die Bedrohung durch Voldemort erhalten weniger Gewicht. Die zunehmende Voldemort-Bedrohung nimmt etwa 9 Prozent der Filmminuten ein, aber rund 15 Prozent der Buchseiten.
Williams verwendet Leitmotive, also wiederkehrende musikalische Themen für Figuren, Orte oder Ideen. Das walzerartige Zauberwelt-Thema, oft von einer Celesta gespielt, markiert Magisches. Ein Marsch steht für Hogwarts, ein weiteres Thema für Fliegen und Quidditch. Harry erhält ein optimistisches, heroisches Thema; Voldemorts Thema ist eine bedrohliche Variation des Zauberwelt-Themas mit Tritonus, einem besonders spannungsvollen musikalischen Intervall. Im Endkampf werden beide Themen kombiniert.
Die Kamera zeigt häufig weite Einstellungen und nutzt wenige Schnitte. Perspektiven verdeutlichen Machtverhältnisse: Dominante Figuren werden oft von unten, ihre Gegenüber von oben gefilmt. Die durchschnittliche Einstellung während des Quidditch-Spiels beträgt rund 2,3 Sekunden; Spannung entsteht daher besonders durch Musik und Geräusche statt durch schnelle Schnitte.
Veröffentlichung, Erfolg und Reaktionen
Die Welturaufführung fand am 4. November 2001 in London statt. Am 16. November startete der Film in Großbritannien und den USA, am 22. November 2001 in Deutschland. In den USA hieß er Harry Potter and the Sorcerer’s Stone, weil der Verlag Scholastic bereits den Romantitel geändert hatte. Der Film wurde in 43 Sprachen übersetzt und auf mehr als 10.000 Kinoleinwänden gezeigt. Die deutsche Free-TV-Premiere bei RTL am 2. Oktober 2005 erreichte 9,94 Millionen Zuschauer und 31,3 Prozent Marktanteil.
Die Produktionskosten werden je nach Quelle auf 125, 130 oder 140 Millionen US-Dollar geschätzt; für Werbung sollen weitere 40 bis 50 Millionen US-Dollar angefallen sein. Weltweit spielte der Film 974,73 Millionen US-Dollar ein. Er war damit die erfolgreichste Kinoproduktion des Jahres 2001. In Deutschland sahen ihn 12,55 Millionen Menschen im Kino; das Einspielergebnis betrug 67,80 Millionen US-Dollar. In den USA und Kanada waren es 317,58 Millionen US-Dollar bei 58,58 Millionen Kinobesuchern. Der Artikel führt ihn mit Stand 9. August 2026 auf Platz 56 der erfolgreichsten Filme aller Zeiten.
Die Kritiken fielen gemischt aus. Gelobt wurden überwiegend die Nähe zum Roman, das Produktionsdesign, Kostüme und vielfach die Effekte sowie die erwachsenen Schauspieler, besonders Robbie Coltrane und Alan Rickman. Kritisiert wurden häufig das hohe Erzähltempo, der geringe Raum für Atmosphäre und Figurenentwicklung, Daniel Radcliffes Darstellung sowie die als zu aufdringlich empfundene Musik. Rotten Tomatoes nennt 80 Prozent, Metacritic 65 von 100 und CinemaScore ein A. Der Film war 2002 für drei Oscars nominiert: Szenenbild, Kostümdesign und Filmmusik; gewann aber keinen.
Altersfreigaben und Wirkung der Reihe
In Deutschland und Österreich wurde der Film ab sechs Jahren freigegeben, in Großbritannien und den USA erhielt er PG mit der Empfehlung elterlicher Begleitung. Dänemark und Schweden erlaubten den Kinobesuch erst ab elf Jahren. Die deutsche FSK-Freigabe löste eine Debatte aus, ob schwarze Magie Kinder ab sechs Jahren ängstigen oder desorientieren könne. Politiker und einzelne Kritiker äußerten Bedenken, während Kinderkommission, Bundesregierung sowie Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche keinen Handlungsbedarf sahen. Einzelne Rezensionen empfahlen den Film wegen Tempo und gruseliger Szenen erst ab acht, neun oder zehn Jahren.
Der Film begann eine Reihe aus acht Filmen. Alle sieben Romane wurden verfilmt, der letzte Band in zwei Filme geteilt; der zweite Teil erschien im Juli 2011. Die Reihe erzielte weltweit rund 7,7 Milliarden US-Dollar. Viele zentrale Beteiligte arbeiteten weiter: Heyman produzierte alle Nachfolger, Kloves schrieb mit Ausnahme des fünften Films die Drehbücher, Williams komponierte bis zum dritten Teil, und Stuart Craig sowie Stephenie McMillan arbeiteten an allen acht Filmen. Richard Harris wurde nach seinem Tod ab dem dritten Film als Dumbledore durch Michael Gambon ersetzt. Die Gestaltung des ersten Films blieb grundlegend, wurde später aber bei Kostümen, Szenenbild, Kreaturen und visuellen Effekten weiterentwickelt.