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Improvisation
Improvisation bedeutet, etwas ohne Vorbereitung, aus dem Stegreif dar- oder herzustellen. Im allgemeinen Sprachgebrauch versteht man unter Improvisation …
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Grundidee
Improvisation bedeutet, etwas ohne Vorbereitung, aus dem Stegreif darzustellen oder herzustellen. Im allgemeinen Sprachgebrauch meint der Begriff auch den spontanen praktischen Gebrauch von Kreativität, um auftretende Probleme zu lösen. Improvisation kann mit Ungeplantheit, Responsivität, Prozesshaftigkeit und Unmittelbarkeit verbunden sein: Etwas entsteht also nicht nach einem vollständig vorbereiteten Plan, sondern als Reaktion auf eine konkrete Situation und im Verlauf des Handelns.
Der Artikel beschreibt Improvisation nicht nur als künstlerische Technik, sondern als eine Arbeits- und Denkweise in verschiedenen Bereichen. Sie spielt in Unterhaltung, Musik, Tanz, Theater, Organisationen und Pädagogik eine Rolle. Gemeinsam ist diesen Feldern, dass Menschen auf etwas Unerwartetes reagieren, mit vorhandenen Mitteln weiterarbeiten und dabei neue Formen, Lösungen oder Abläufe hervorbringen.
Musik, Tanz und Theater
In der Musik bezeichnet Improvisation eine Form musikalischer Darbietung, bei der das Tonmaterial und die Klangfolge erst während der Ausführung entstehen. Sie sind also nicht vorher schriftlich festgelegt. Improvisieren kann eine einzelne Person, aber auch das Zusammenspiel mehrerer Musikerinnen und Musiker.
Im Tanz entstand unter dem Einfluss musikalischer Improvisation, zum Beispiel durch John Cage, Anfang der 1970er Jahre die Tanzform Contact Improvisation. Dabei wird ohne feste Formen und ohne vorhersehbare Bewegungen getanzt. Körperliche Reflexe spielen eine besondere Rolle, weil die Bewegung unmittelbar aus dem Kontakt und der Situation heraus entsteht. Veranstaltungen der Contact Improvisation heißen Jam, abgeleitet von Jamsession, im Gegensatz zu stärker angeleiteten Formen wie Kursen.
Im Theater ist Improvisation ein grundlegender Teil der Schauspielausbildung. Sie wird auch in Inszenierungen eingesetzt, besonders in der Anfangsphase, um sich einem Stück anzunähern. Es gibt außerdem Theaterformen, die Improvisation direkt vor Publikum zeigen. Historisch gehören dazu die Stegreifkomödie und die Commedia dell’arte. Seit dem zweiten Drittel des 20. Jahrhunderts erlebt das Improvisationstheater eine Renaissance und wird zunehmend populär. Als Ausgangspunkt des modernen Improvisationstheaters gilt Chicago in den 1950er Jahren, besonders die Gruppe um Viola Spolin und Paul Sills. Weitere wichtige Vertreter sind Keith Johnstone, Jakob Paul Moreno und Augusto Boal. Improvisation wird dabei nicht mehr nur als Ersatz für eine fehlende Textvorlage verstanden, sondern als eigenständige Form, die eigene Inhalte und Ausdrucksweisen hervorbringen kann.
Unterhaltung
In der Unterhaltung ist Improvisationsfähigkeit eine wichtige Voraussetzung, etwa für Unterhaltungskünstlerinnen, Unterhaltungskünstler oder Fernsehmoderatoren. Eine Darbietung wirkt lebendig, wenn die auftretende Person auf die jeweilige Situation reagieren kann. Der Artikel nennt Hans-Joachim Kulenkampff als bekannte Persönlichkeit auf diesem Gebiet. Ihm gelang es, Fernsehshows teilweise um Stunden zu überziehen, ohne sein Publikum zu langweilen.
Ein weiteres Beispiel ist der Mülheimer Jazzmusiker Helge Schneider. Er wurde durch Bühnenshows bekannt, in denen er improvisierte Geschichten und Lieder vorträgt. Freie Assoziation und Improvisation gelten im Artikel als wichtigste Elemente seiner Arbeit.
Organisation und Management
In der Organisationslehre der Betriebswirtschaftslehre bezeichnet Improvisation fallweise, ungeplante Regelungen. Besonders im Zusammenhang mit der Lernenden Organisation gibt es Ansätze zur improvisierenden Organisation und zum bewussten Einsatz von Improvisation im Management. Genannt werden Arbeiten von Karl E. Weick im Management, Kathleen M. Eisenhardt in der Organisationstheorie und Patricia Shaw in Management und Organisation.
Die improvisierende Organisation wird im Kern als besondere Form der Selbstorganisation verstanden. Wichtig sind ein flexibler Umgang mit Risikoberechnungsverfahren, spontane Möglichkeiten zur Reorganisation von Organisationsstrukturen und hochgradig personalisierbare IT-Systeme. Da im Zentrum von Managementansätzen und Organisationstheorien die Strukturierung von Kommunikationsprozessen steht, betrachtet der Artikel auch Status im Sinne der Perspektive von Keith Johnstone. Für Organisationen wurde diese Sicht unter anderem durch Lehner und Ötsch aufgegriffen. Storytelling, also das Erzählen und Nutzen von Geschichten als Methode, gilt ebenfalls als wichtiges Element, um die Improvisationsfähigkeit einer Organisation zu entwickeln.
Bei der Angewandten Improvisation werden Übungen aus dem Improvisationstheater genutzt, um Organisationsentwicklung und Personalentwicklung zu unterstützen.
Pädagogik
In der Pädagogik wird Improvisation erst seit kürzerer Zeit mit Blick auf das Handeln von Lehrkräften und auf schulischen Unterricht diskutiert. Methoden des Improvisationstheaters werden zwar schon länger im Unterricht eingesetzt, aber relativ neu ist die Frage, wie Unterricht selbst als improvisatorischer Prozess verstanden werden kann.
R. Keith Sawyer entwickelte dazu das Konzept der disciplined improvisation, das er seit kurzem als guided improvisation versteht. Gemeint ist ein Unterrichtskonzept, das zwischen Struktur und Improvisation liegt. Unterricht soll demnach stark improvisatorisch gedacht und umgesetzt werden, damit Lehrkräfte angemessen auf Vorstellungen und Wissen der Schülerinnen und Schüler eingehen können. Für den deutschsprachigen Raum gibt es laut Artikel bisher kaum einschlägige Forschung zu diesem Thema. Als Ausnahme wird Stefan Danners Werk „Erziehung als reflektierte Improvisation“ genannt.