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Pjotr Iljitsch Tschaikowski

Die Jahreszeiten, zwölf Charakterstücke op. 37a (1875/1876), orchestriert von Alexander Gauk; auch als op. 37b oder op. 37bis · Marsch „Freiwillige Flotte“ C-Dur …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Einordnung
  2. 2. Ausbildung, Berufsweg und Krisen
  3. 3. Kritik, Dirigieren und letzte Jahre
  4. 4. Opern, Ballette und Orchesterwerke
  5. 5. Konzerte, Kammer-, Klavier- und Vokalmusik

Bedeutung und Einordnung

Pjotr Iljitsch Tschaikowski (25. April jul. / 7. Mai 1840 greg. in Wotkinsk; † 25. Oktober jul. / 6. November 1893 greg. in Sankt Petersburg) war ein russischer Komponist. Viele seiner Werke wurden bereits zu seinen Lebzeiten international bekannt; heute gehören sie zu den bedeutendsten Kompositionen der Romantik. In Russland gilt Tschaikowski als bedeutendster Komponist des 19. Jahrhunderts. Er gehörte nicht der Gruppe der Fünf an, sondern setzte die von westlichen Einflüssen geprägte Schule Anton Rubinsteins fort.

Zu seinen bekanntesten Werken zählen die drei letzten Sinfonien, das Violinkonzert, das 1. Klavierkonzert in b-Moll von 1875, die Ouvertüre 1812 und die Oper Eugen Onegin. Außerdem komponierte er mit Schwanensee, Dornröschen und Der Nussknacker drei der berühmtesten Ballette der Musikgeschichte.

Ausbildung, Berufsweg und Krisen

Tschaikowski erhielt auf eigenen Wunsch bereits mit vier Jahren Klavierunterricht. Seine Mutter spielte Klavier und sang; die französische Gouvernante Fanny Dürbach beeinflusste seine Entwicklung stark. Von 1850 bis 1859 besuchte er in Sankt Petersburg die Rechtsschule und arbeitete anschließend im Justizministerium, weil seine Eltern eine Laufbahn im Staatsdienst für ihn vorgesehen hatten. Daneben nahm er privaten Klavierunterricht bei Rudolph Kündinger. Dieser erkannte ein feines Gehör, ein gutes Gedächtnis und Talent für Improvisationen, hielt ihn aber nicht für einen künftigen berühmten Pianisten. Tschaikowski wurde schließlich kein Pianist; seine Klavierkonzerte wurden von anderen uraufgeführt.

1861 gab er den Staatsdienst auf und begann ein Musikstudium. 1862 trat er in das von Anton Rubinstein gegründete Petersburger Konservatorium ein. Rubinstein unterrichtete ihn in Komposition und Instrumentation, Nikolai Iwanowitsch Saremba in Musiktheorie. Tschaikowski holte seine zunächst unzureichenden Kenntnisse mit großer Zielstrebigkeit nach.

1866 wechselte er nach Moskau. Nikolai Rubinstein nahm ihn auf und vermittelte ihm eine Stelle als Dozent am Moskauer Konservatorium. Dort entstanden unter anderem die 1. Sinfonie und die von Mili Balakirew angeregte Fantasie-Ouvertüre Romeo und Julia. Auf Misserfolge reagierte Tschaikowski sehr empfindlich: Die Opern Der Wojewode und Undina vernichtete er beziehungsweise gab sie auf; Teile von Undina verwendete er später in Der Opritschnik. Die Uraufführung von Der Opritschnik 1874 bereitete ihm ebenfalls große Seelenqualen.

Besonders wichtig wurde das 1. Klavierkonzert op. 23 in b-Moll, das Tschaikowski 1874 schrieb. Nikolai Rubinstein erklärte es zunächst für wertlos und unspielbar und verlangte eine vollständige Überarbeitung. Tschaikowski änderte jedoch keine Note und schickte die Partitur Hans von Bülow. Bei der Uraufführung 1875 in Boston spielte von Bülow selbst den Klavierpart; das Publikum reagierte überwältigend. Später änderte auch Rubinstein seine Meinung.

Das Jahr 1877 war Tschaikowskis schwerste innere Krise. Er begann eine enge Brieffreundschaft mit seiner Mäzenin Nadeschda von Meck, die ihn mehrfach finanziell unterstützte und ihm später eine Jahresrente von 6000 Rubel gewährte. Gleichzeitig hatte er eine Liebesbeziehung mit seinem ehemaligen Schüler Iosif Kotek. Am 6. Juli jul. / 18. Juli 1877 greg. heiratete Tschaikowski Antonina Iwanowna Miljukowa. Die Ehe dauerte kaum drei Monate, wurde aber nie geschieden. Tschaikowski litt unter den Auseinandersetzungen und der Trennung. In Kamjanka und Clarens erholte er sich; dort entwickelte er mit Kotek sein Violinkonzert. Obwohl Leopold Auer es als „unspielbar“ bezeichnete, wurde die Uraufführung mit Adolph Brodsky 1878 in Wien ein großer Erfolg.

Kritik, Dirigieren und letzte Jahre

Ab 1871 arbeitete Tschaikowski zusätzlich als Musikkritiker. Seine Urteile wichen häufig von traditionellen Einschätzungen ab. Johann Sebastian Bach hielt er zwar für unterhaltsam zu spielen, aber nicht für ein großes Genie. Beethoven sprach er eine herausragende historische und symphonische Bedeutung zu, lehnte jedoch eine bedingungslose Bewunderung jedes einzelnen Werkes ab. Gounods Schaffen nach Faust beurteilte er als schwach und talentlos, Liszts Kompositionen ließen ihn nach eigener Aussage kalt. Verdi kritisierte er wegen vieler abgeschmackter Melodien, erkannte ihm aber Talent und innige Empfindung zu. Hector Berlioz, Joachim Raff, Georges Bizet, Alexander Borodin, Michail Glinka und Edvard Grieg lobte er ausdrücklich. Mit Grieg und dessen Frau Nina verband ihn eine enge Freundschaft.

Die Jahre 1878–1884 gelten als schöpferisches Tief, obwohl Tschaikowski weiterhin wichtige Werke schrieb. Dazu gehören Die Jungfrau von Orléans, Capriccio Italien, das 2. Klavierkonzert G-Dur op. 44, die Konzert-Fantasie für Klavier und Orchester, Mazeppa und die Manfred-Sinfonie. Eugen Onegin, seine bekannteste Oper, wurde am 29. März 1879 im Moskauer Maly-Theater uraufgeführt.

1884 begann sein sozialer Wiederaufstieg. Nach einer Aufführung von Mazeppa verlieh ihm Zar Alexander III. den Wladimirorden vierter Klasse. 1887 entdeckte Tschaikowski sein Talent als Dirigent. Es folgten Konzertreisen durch Europa, unter anderem nach Hamburg, Berlin, Prag, London, Dresden, Köln und Frankfurt am Main. Eine Auslandstournee führte ihn 1891 nach New York, Philadelphia und Baltimore.

Ab 1888 entstanden die 5. Sinfonie e-Moll op. 64, Dornröschen, die Ouvertüre Hamlet, die Oper Pique Dame und Der Nussknacker. 1893 vollendete er das 3. Klavierkonzert Es-Dur nur teilweise und komponierte die 6. Sinfonie h-Moll op. 74 „Pathétique“. Deren Uraufführung am 28. Oktober leitete er noch selbst.

Tschaikowski starb am 25. Oktober jul. / 6. November 1893 greg. im Alter von 53 Jahren in Sankt Petersburg. Die Todesursache ist nicht vollständig eindeutig. Eine Auffassung erklärt seinen Tod mit asiatischer Cholera nach dem Trinken unabgekochten Wassers; nach dokumentarischen und retrospektiven medizinischen Untersuchungen starb er wahrscheinlich an einer Urämie als Folge der Cholera. Die seit 1979 verbreitete Gegenthese eines Selbstmords durch Arsen und ein angebliches „Ehrengericht“ wegen seiner Homosexualität weist verschiedene Unstimmigkeiten auf und wird von weiten Teilen der Forschung nicht akzeptiert. Tschaikowski wurde auf dem Tichwiner Friedhof am Alexander-Newski-Kloster in Sankt Petersburg beigesetzt.

Opern, Ballette und Orchesterwerke

Tschaikowskis Bühnenwerke umfassen Opern, Ballette und Schauspielmusik. Zu den Opern gehören Der Opritschnik (1870–1872; Uraufführung 1874), Wakula der Schmied (1874; Neufassung als Tscherewitschki 1885), Eugen Onegin (1877/1878; Uraufführung 1879), Die Jungfrau von Orléans (1878/1879), Mazeppa (1881–1883), Die Zauberin (1885–1887), Pique Dame (1890) und Jolanthe (1891). Der Wojewode von 1867/68 wurde vom Komponisten vernichtet; von Undina aus dem Jahr 1869 sind nur Fragmente erhalten.

Die drei berühmtesten Ballette sind Schwanensee op. 20 (1875/1876; Uraufführung Moskau 1877), Dornröschen op. 66 (Uraufführung Sankt Petersburg 1890) und Der Nussknacker op. 71 (Uraufführung Sankt Petersburg 1892). Schwanensee wurde bei der ersten Aufführung wegen starker Vereinfachungen der musikalisch und tanztechnisch anspruchsvollen Vorlage abgelehnt. Erst eine Inszenierung von Marius Petipa, Lew Iwanow und Riccardo Drigo von 1895 machte das Werk nach Tschaikowskis Tod zum Ballettklassiker.

Zu den Orchesterwerken gehören sieben vollendete beziehungsweise als solche gezählte Sinfonien sowie die Manfred-Sinfonie h-Moll op. 58 von 1886. Besonders bekannt sind die 4. Sinfonie f-Moll op. 36 von 1877, die 5. Sinfonie e-Moll op. 64 von 1888 und die 6. Sinfonie h-Moll op. 74 von 1893. Weitere wichtige Werke sind Romeo und Julia, Der Sturm, Francesca da Rimini, Capriccio Italien, die Serenade C-Dur für Streichorchester op. 48, der Slawische Marsch, die Festouvertüre 1812 und die Suiten Nr. 1 bis 4.

Die sogenannte 7. Sinfonie in Es-Dur wurde 1892 begonnen und im November 1892 abgebrochen. Ihre Skizzen verwendete Tschaikowski für das 3. Klavierkonzert op. 75, Andante & Finale op. 79 und die Scherzo-Fantasie op. 72 Nr. 10. In den 1950er Jahren rekonstruierte Semjon Bogatyrjew die Sinfonie; 1957 wurde sie uraufgeführt.

Konzerte, Kammer-, Klavier- und Vokalmusik

Zu Tschaikowskis Werken für Soloinstrument und Orchester zählen das 1. Klavierkonzert b-Moll op. 23 (1874/1875), das Violinkonzert D-Dur op. 35 (1878), die Rokoko-Variationen für Violoncello und Orchester op. 33 (1876/1877), das 2. Klavierkonzert G-Dur op. 44 (1879/1880; revidiert 1893), die Konzertfantasie G-Dur op. 56 und das 3. Klavierkonzert Es-Dur op. posth. 75. Beim 3. Klavierkonzert ist der erste Satz vollständig; der zweite und dritte Satz liegen nur im Originalauszug für zwei Klaviere vor. Sergei Tanejew gab daraus das Allegro Brillante op. 75 heraus und instrumentierte Andante & Finale op. 79.

Die Kammermusik umfasst drei Streichquartette, darunter das 1. Streichquartett D-Dur op. 11 von 1871, das Klaviertrio a-Moll op. 50 „À la mémoire d’un grand artiste“ (1881/1882), drei Stücke für Violine und Klavier op. 42 sowie das Streichsextett d-Moll „Souvenir de Florence“ op. 70 (1890; revidiert 1891/1892).

Für Klavier schrieb Tschaikowski unter anderem die Große Sonate G-Dur op. 37, die zwölf Charakterstücke Die Jahreszeiten op. 37a, das Kinderalbum op. 39 mit 24 leichten Stücken, die Dumka op. 59 und Achtzehn Stücke op. 72. Hinzu kommen zahlreiche Sammlungen wie die Sechs Stücke op. 19, op. 21, op. 40 und op. 51. Für Klavier zu vier Händen entstanden unter anderem Fünfzig russische Volkslieder (1868/1869).

Seine Vokalmusik umfasst Lieder, Romanzen, Duette, Kinderlieder, Chorwerke und Kirchenmusik. Wichtige geistliche Werke sind die Liturgie des Heiligen Johannes Chrysostomus op. 41 mit 14 Nummern (1878) und die Nachtvesper op. 52 mit 17 Chören (1881/1882). Außerdem komponierte er Kantaten, darunter An die Freude nach Schiller und Moskau, eine Krönungskantate von 1883. Viele Werke wurden für andere Besetzungen bearbeitet, etwa Klavierkonzerte für zwei Klaviere, Opern für Gesang und Klavier, Orchesterwerke für Klavier zu vier Händen und Instrumentalwerke für andere Soloinstrumente.

Neben vernichteten oder fragmentarisch erhaltenen Opern und Sinfonien gingen mehrere Frühwerke vollständig verloren. Dazu zählen die Klavierkomposition Anastasie-Valse (1854), das Lied Mezza notte aus den frühen 1860er Jahren, Schauspielmusiken, ein Oratorium sowie einzelne Klavier- und Chorwerke. Bei manchen unvollendeten Werken wurden Themen oder Sätze später in anderen Kompositionen verwendet; einige Fragmente vollendeten Sergei Tanejew oder Semjon Bogatyrjew.

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