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Britisches Englisch

Britisches Englisch (British English; kurz BE oder BrE) ist die Bezeichnung für die Varietät der englischen Sprache, wie sie auf den britischen Inseln …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Definition und Einordnung
  2. 2. Entwicklung und regionale Verteilung
  3. 3. Soziale Variation und Slang
  4. 4. Received Pronunciation und moderne Akzente
  5. 5. Grammatische Besonderheiten
  6. 6. Wortschatz und typische Beispiele

Definition und Einordnung

Britisches Englisch (British English; BE oder BrE) ist eine Varietät der englischen Sprache. Gemeint ist meist das Englisch Großbritanniens; je nach Zusammenhang kann sich der Ausdruck aber auch auf England oder auf die gesamten britischen Inseln beziehen. Gelegentlich bezeichnet er nur britische Schreibweisen im Gegensatz zu amerikanischen Schreibweisen. Britisches Englisch wird auf den britischen Inseln gesprochen, hat über 65 Mio. Sprecher und ist im Vereinigten Königreich Amtssprache. Der Sprachcode lautet en-GB (früher en-UK).

Als nationale Varietät gehört britisches Englisch zusammen mit beispielsweise amerikanischem, irischem und neuseeländischem Englisch zu den Varietäten des Englischen. Zusammen mit dem amerikanischen Englisch bildet es eine Hauptvarietät. In vielen Ländern, etwa in der Karibik, in Afrika oder in Hongkong, gilt entweder britisches oder amerikanisches Englisch als Norm. Unterschiede zu anderen Varietäten bestehen vor allem in Aussprache, Wortschatz und einzelnen grammatischen Konstruktionen.

Entwicklung und regionale Verteilung

Die Ursprünge des Englischen in Großbritannien reichen bis ins 7. Jahrhundert zurück. Die germanischen Stämme der Angeln, Sachsen und Jüten eroberten Teile Englands; ihre Sprache verdrängte die keltischen Sprachen der ursprünglichen Bevölkerung. Das damalige Altenglisch bestand aus mehreren Dialekten. Nach der normannischen Eroberung von 1066 beeinflusste die französischsprachige Oberschicht den Wortschatz stark. Ab etwa 1100 spricht man von Mittelenglisch. Bis ungefähr 1500 gab es keinen landesweiten Standard. Danach setzte eine Standardisierung ein, und das Englische verdrängte Französisch und Latein zunehmend aus Gerichtsbarkeit, Regierung, Verwaltung und Bildung. Der entstehende Standard orientierte sich besonders an der südenglischen Region um London. Im 19. Jahrhundert förderte das staatliche Schulsystem eine überregionale Standardaussprache, die Received Pronunciation.

Durch Auswanderung und Kolonialisierung verbreitete sich Englisch weltweit. In Ländern wie den Vereinigten Staaten, Kanada und Australien entwickelten sich eigene nationale Varietäten. Die Bezeichnung „Britisches Englisch“ ist seit dem 19. Jahrhundert belegt; ein erster Nachweis stammt laut Oxford English Dictionary aus dem Jahr 1869.

Die mehr als 1500-jährige Entwicklung führte zu großer regionaler und sozialer Vielfalt. Traditionelle Dialekte werden heute vor allem von älteren Menschen in ländlichen Gegenden gesprochen. Moderne Dialekte werden von der Mehrheit der Sprecher auf den britischen Inseln verwendet. Bekannte urbane Dialekte sind Geordie in Newcastle und Cockney in London.

Die heutigen englischen Regiolekte Englands lassen sich grob in eine nördliche und eine südöstliche Großvariante einteilen. Der Norden reicht von der schottischen Grenze bis zu den West und East Midlands; zur südlichen Großvariante zählen South Midlands, East Anglia und der Südosten einschließlich London. Außerdem gibt es eine westliche Variante von Lancashire über den Südwesten bis Cornwall. In nördlichen Regiolekten wird der südenglische Laut /ʌ/ wie in but und cut häufig als /ʊ/ und [æ] wie in back und sad als [a] ausgesprochen. Im Westen wird das r in allen Positionen gesprochen; solche Akzente heißen rhotisch. Scots und schottisches Englisch sowie nord- und südirisches Englisch werden meist als eigene Varietäten und nicht als britisches Englisch klassifiziert.

Soziale Variation und Slang

Neben regionalen gibt es soziale Unterschiede, sogenannte Soziolekte. Regionale und soziale Varianten überschneiden sich häufig; Dialektgebrauch wird eher mit niedrigem sozialem Status verbunden. Cockney ist ein Beispiel für einen auf London begrenzten Soziolekt der Arbeiterklasse. Auch Färbungen des Queen’s English, King’s English und Oxford English werden als Soziolekte der Oberschicht eingeordnet.

Obwohl die große Mehrheit der Briten einen regionalen Akzent hat, gilt dialektale Aussprache häufig als Makel. Untersuchungen zeigten, dass Sprecher der Received Pronunciation als intelligenter, fleißiger und selbstbewusster bewertet wurden. Die Aussprache von Schülern beeinflusst zudem die Bewertung durch Lehrkräfte und damit ihren Schulerfolg. Die Vorurteile gegenüber regionalen Akzenten haben sich seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts teilweise abgeschwächt, bestehen aber weiterhin.

Slang bezeichnet eine nachlässige, sehr informelle Umgangssprache. Der Begriff kann außerdem Vulgärsprache, Gaunersprache, Cant, Jargon, Substandard-Sprache oder eine Gruppen- und Sondersprache meinen. Britischer Slang kann sich vom amerikanischen unterscheiden. So bedeutet britisches knock up „aufwecken“, während to knock up im amerikanischen Slang „eine Frau schwängern“ bedeutet. Britische Beispiele sind bollocks für „Unsinn“ sowie aus dem Glasgower Arbeitermilieu der 1960er Jahre crap-bag „Feigling“, square-going „unbewaffneter Kampf“ und peter „Polizei“ oder „Arrestzelle“.

Zum Cockney Rhyming Slang gehören etwa bird lime für time („Zeit“), bees and honey für money („Geld“) und Hampstead Heath für teeth („Zähne“).

Received Pronunciation und moderne Akzente

Received Pronunciation (RP) bedeutet „allgemein anerkannte Aussprache“. Sie gilt als neutraler, nichtregionaler Akzent gebildeter Sprecher und wird häufig mit dem Südosten Englands, englischen Public Schools, dem Queen’s English, King’s English, Oxford English oder früher mit BBC English verbunden. Tatsächlich sprechen nur etwa 3–5 Prozent der Sprecher in England RP. Anfang des 20. Jahrhunderts galt sie als uneingeschränkter Standard; heute werden moderate regionale Akzente eher akzeptiert und teilweise als sympathischer empfunden. Auch die BBC lockerte ihre frühere Bevorzugung von RP-Sprechern.

RP unterscheidet sich von den regionalen Standards in Schottland, Wales und Irland. In Schottland gilt beispielsweise Standard Scottish English als akzeptierte Norm. RP bleibt dennoch ein Referenzsystem für britische Dialekte und andere englische Varietäten und bildet in weiten Teilen Deutschlands sowie in den meisten anderen europäischen Ländern die Grundlage des Englischunterrichts. Unterschieden werden Conservative RP, General RP und Advanced RP.

General RP hat unter anderem folgende Merkmale:

  • Gespannte, geschlossene und ungespannte, offene Vokale werden unterschieden. Ihre Länge hängt vom folgenden Konsonanten ab: Vor stimmhaften Konsonanten und Sonoranten sind sie länger, vor stimmlosen Konsonanten kürzer, ohne dass sich die Lautqualität ändert.
  • Vordere Vokale sind generell ungerundet, hintere gerundet und zentrale Vokale werden mit neutraler Lippenhaltung gesprochen.
  • /r/ wird nur in prä- und intervokalischen Positionen ausgesprochen.
  • Vor zwei aufeinandertreffenden Vokalen kann ein intrusives /r/ eingeschoben werden, etwa in law and order.
  • Es wird zwischen palatalem und velarem /l/ unterschieden.
  • Behauchtes und unbehauchtes /w/ werden nicht unterschieden; whales und Wales werden daher gleich ausgesprochen.

Conservative RP wird nur noch von wenigen, meist älteren Menschen gesprochen. Es zeichnet sich durch besonders distinguierte Artikulation aus, unterscheidet behauchtes und unbehauchtes /w/ und spricht den Diphthong in home sowie den Vokal in lord geschlossener aus.

Advanced RP entstand als modernere RP-Aussprache und wurde besonders von jüngeren Menschen höherer Schichten übernommen. Das Vokalsystem der Conservative RP wurde offener und stärker zentralisiert. Der Akzent näherte sich dadurch südöstlichen Dialekten wie Cockney und dem Dialekt von Essex an. In good wurde der Vokal entrundet, die Vokale in see und mood wurden leicht diphthongiert und die Diphthonge etwas gelängt.

1984 prägte David Rosewarne den Begriff Estuary English. Gemeint ist eine Mischung südöstlicher Aussprachemerkmale mit RP, also ein Mittelding zwischen Cockney und RP. Kennzeichen sind unter anderem ein Knacklaut als Ersatz für /t/ zwischen Vokal und Wortsilbengrenze, L-Vocalization, die Ersetzung des dunklen /l/ durch /o/, die Aussprache von /tj/ und /dj/ als [tʃ] und [dʒ] wie in tune [tʃuːn] und dune [dʒuːn] sowie Th-Fronting: /θ/ und /ð/ werden als /f/ beziehungsweise /v/ gesprochen. Th-Fronting gilt weiterhin als falsch und wird in höheren Sprachregistern vermieden.

Grammatische Besonderheiten

Zwischen britischem Standardenglisch und anderen nationalen Varietäten gibt es nur wenige grammatische Unterschiede. Einige Konstruktionen sind jedoch besonders typisch für das britische Englisch:

  • Das Verb have in der Bedeutung „haben“ oder „besitzen“ kann als Hilfsverb oder Vollverb verwendet werden. Has he (got) any children? verwendet have als Hilfsverb und beschreibt andauernden Besitz. Do you have a letter from her? verwendet have als Vollverb. Im amerikanischen Englisch wird in beiden Fällen eher eine Umschreibung mit to do verwendet.
  • Bei unregelmäßigen Verben bevorzugt das britische Englisch Formen wie burnt, smelt und learnt, während im amerikanischen Englisch häufig burned, smelled und learned vorkommen. Die in den USA verbreitete Form dove von to dive wird im Britischen nicht verwendet.
  • Für „sollen“ wird das Modalverb shall verwendet, etwa in Where shall I put my bag?
  • Vor Bezeichnungen von Institutionen wird der Artikel tendenziell weggelassen: he goes to university und she is in hospital.
  • Bei Präpositionen sind Varianten wie different to oder different from üblich; im amerikanischen Englisch steht häufig different than.

Wortschatz und typische Beispiele

Der größte Teil des britischen Standardwortschatzes gehört zum common vocabulary core und ist daher in allen englischen Varietäten weitgehend gemeinsam. Unterschiede entstanden teilweise dadurch, dass andere Varietäten ältere oder dialektale Formen bewahrten. Ein Beispiel ist amerikanisches fall gegenüber britischem autumn.

Ein kleinerer Teil des Wortschatzes bezeichnet Besonderheiten des Vereinigten Königreichs. Dazu gehören comprehensive school für „Gesamtschule“, ohne genaues amerikanisches Äquivalent, barrister für einen Rechtsanwalt mit dem Recht, an höheren Gerichtshöfen zu sprechen, don für einen Universitätslehrer, besonders in Cambridge und Oxford, sowie downs für niedrige, grasbewachsene Hügel, insbesondere Kreidehügel im Süden Englands.

Amerikanische Filme und andere Massenmedien beeinflussen das britische Englisch zunehmend. Einige amerikanische Wörter haben britische Bezeichnungen verdrängt: radio ersetzte ursprünglich BE wireless, sweater BE jumper und soft drinks BE minerals.

Als Hörbeispiel für einen Sprecher des britischen Englisch wird im Artikel eine Aufnahme in Received Pronunciation genannt.

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