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Happy Planet Index
Der Happy Planet Index (HPI; deutsch Index des glücklichen Planeten) ist ein Indikator für die ökologische Effizienz, mit der eine Nation ihr Wohlbefinden …
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Zweck und Grundidee
Der Happy Planet Index (HPI; deutsch: Index des glücklichen Planeten) misst, wie ökologisch effizient ein Staat Wohlbefinden erzeugt. Entscheidend ist nicht allein wirtschaftlicher Reichtum, sondern ob Menschen glücklich und gesund leben können, ohne dafür die Umwelt übermäßig zu belasten. Der HPI ergänzt damit klassische volkswirtschaftliche Kennzahlen wie das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um Nachhaltigkeit.
Anders als der Index der menschlichen Entwicklung, der ebenfalls die Lebenserwartung einbezieht, berücksichtigt der HPI ausdrücklich ökologische Kriterien. Er untersucht, welches Land das Wohlbefinden der heutigen Generation maximiert und zugleich die Umweltbelastung minimiert, damit auch zukünftige Generationen Wohlbefinden erreichen können.
Entwickelt wurde der HPI im Juli 2006 von der britischen Denkfabrik New Economics Foundation (NEF) gemeinsam mit Friends of the Earth in Großbritannien. Er soll als alternativer Fortschrittsindikator und als Orientierung für eine nachhaltigere Gesellschaft dienen.
Berechnung und Datenquellen
Der Index wird mit folgender Formel berechnet:
HPI = (LE · LZ · UGF) / ÖFD
Dabei steht LE für die Lebenserwartung, LZ für die Lebenszufriedenheit beziehungsweise das subjektive Wohlbefinden, UGF für den Ungleichheitsfaktor und ÖFD für den ökologischen Fußabdruck. Ein hoher HPI entsteht somit durch eine hohe Lebenserwartung und Lebenszufriedenheit, eine möglichst geringe Ungleichheit der Ergebnisse sowie einen niedrigen ökologischen Fußabdruck.
Die Daten zur Lebenserwartung stammen aus dem Human Development Report und beruhen auf Erhebungen der Vereinten Nationen. Die Angaben zum subjektiven Wohlbefinden liefert der Gallup World Poll. Der ökologische Fußabdruck pro Person wird anhand von Daten des Global Footprint Network bestimmt. Die Ungleichheit der Ergebnisse wird als Prozentzahl angegeben.
Die vier Komponenten
Die Lebenserwartung bezeichnet die durchschnittlich zu erwartende Zeit zwischen Geburt und Tod in Jahren. Dabei wird angenommen, dass die zum Zeitpunkt der Geburt geltenden altersabhängigen Sterblichkeitsraten unverändert bleiben.
Die Lebenszufriedenheit ist der Durchschnitt der Antworten einer Bevölkerung auf Fragen zu verschiedenen Lebensbereichen und zur gesamten Lebenszufriedenheit. Die Befragten bewerten sie auf einer Skala von 0 bis 10; höhere Werte bedeuten größere Zufriedenheit.
Die Ungleichheit der Ergebnisse misst, wie ungleich Lebenserwartung und subjektiv empfundene Lebenszufriedenheit innerhalb eines Landes verteilt sind. Sie wird als Prozentsatz ausgedrückt.
Der ökologische Fußabdruck gibt an, welche Fläche erforderlich ist, um den Lebensstil und Lebensstandard eines Menschen unter heutigen Produktionsbedingungen dauerhaft zu ermöglichen. Dazu gehören Flächen für Nahrung, Kleidung und Energie sowie zur Müllentsorgung und zur Bindung des freigesetzten Kohlenstoffdioxids. Er misst den Konsum, nicht den Produktionsort: Das CO₂ eines in China hergestellten, aber in Chile gekauften Mobiltelefons zählt deshalb zum Fußabdruck Chiles. Die Einheit ist der globale Hektar (gha), also der Durchschnittswert der weltweiten biologischen Produktivität pro Hektar und Jahr.
Ergebnisse des weltweiten Vergleichs
Die Ergebnisse zeigen, dass kein Land gleichzeitig bei hoher Lebenserwartung, hohem Wohlbefinden und Einhaltung der ökologischen Grenzen vollständig erfolgreich ist. Wohlhabende Staaten erreichen wegen ihres meist hohen ökologischen Fußabdrucks häufig schlechtere HPI-Ränge, obwohl Lebenserwartung und Lebenszufriedenheit hoch sind. Länder der Karibik und nahe dem Äquator belegen dagegen trotz eines vergleichsweise niedrigen BIP viele vordere Plätze.
Im HPI 2016 führte Costa Rica mit 44,7 Punkten vor Mexiko und Kolumbien mit jeweils 40,7 Punkten. Costa Rica erreichte eine Lebenszufriedenheit von 7,3, eine Lebenserwartung von 79,1 Jahren, eine Ergebnisungleichheit von 15 % und einen ökologischen Fußabdruck von 2,8 gha. Deutschland lag mit 29,8 Punkten auf Rang 49, die USA mit 20,7 Punkten auf Rang 108. Luxemburg belegte wegen seines Fußabdrucks von 15,8 gha mit 13,2 Punkten Rang 139 von 140; letzter war der Tschad mit 12,8 Punkten.
Einzelne Teilwerte führen nicht automatisch zu einem hohen HPI: Die Schweiz hatte mit 7,8 die höchste angegebene Lebenszufriedenheit, lag im HPI aber nur auf Rang 24. Hongkong erreichte mit 83,6 Jahren die höchste Lebenserwartung, kam wegen eines Fußabdrucks von 8,8 gha jedoch nur auf Rang 123. In großen Teilen Afrikas sind Fußabdrücke niedrig, zugleich aber Lebenserwartung und Lebenszufriedenheit gering und die Ergebnisungleichheit hoch.
Verhältnis zu Wohlstand und Aussagegrenzen
Der HPI ist weder ein direkter Zufriedenheitsindex noch eine Rangliste des geringsten Ressourcenverbrauchs. Weil die Lebenszufriedenheit durch den ökologischen Fußabdruck geteilt wird, bewertet er die ökologische Effizienz der Erzeugung von Wohlbefinden. In der Realität tritt die erwünschte Verbindung aus hoher Zufriedenheit und kleinem Fußabdruck selten auf: Größerer Wohlstand geht meist mit einem höheren Fußabdruck einher, während sehr arme Staaten häufig niedrige Werte bei Lebenserwartung und Zufriedenheit haben.
Südamerika weist im kontinentalen Vergleich besonders gute HPI-Werte auf, weil dort mittlere bis hohe Lebenszufriedenheit und Lebenserwartung auf mittlere Fußabdrücke treffen. Westliche Staaten sollen dem Ansatz zufolge vor allem ihren Ressourcenverbrauch senken. In vielen Staaten Afrikas, Südasiens und des Mittleren Ostens müsste dagegen die Lebensqualität steigen, ohne den Fußabdruck zu vergrößern.
Der HPI verbindet objektive und subjektive Daten aus sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Bereichen und verdichtet die Ansätze der Indizes HLY (Happy Life Years) und EFP (Ecological Footprint). Seine geringe Zahl an Messgrößen macht ihn übersichtlich, lässt aber wichtige politische, soziale und kulturelle Faktoren unberücksichtigt. Dadurch können Länder wie Bangladesch auf Rang 8 oder Albanien auf Rang 13 trotz kritischer Umstände gut abschneiden.
Auch die Lebenszufriedenheit ist nur eingeschränkt vergleichbar. Antworten können von Kultur, sozialer Erwünschtheit, Jahreszeit und momentaner Stimmung beeinflusst werden; kollektivistische Kulturen bewerten ihre Zufriedenheit laut Artikel tendenziell positiver als individualistische. Trotz dieser Grenzen gelten die verwendeten Datenbasen als verlässlich, und der HPI bietet ein günstiges Verhältnis zwischen geringer Komplexität und hoher Aussagekraft. Er zeigt: Mit steigendem BIP wächst die Lebenserwartung, die Lebenszufriedenheit wird ab einem bestimmten Entwicklungsstand jedoch vom Wirtschaftswachstum unabhängig, während die ökologische Nachhaltigkeit durch ein steigendes BIP deutlich negativ beeinflusst wird. Der HPI ist deshalb eine sinnvolle Ergänzung, kann das politisch und gesellschaftlich fest verankerte BIP aber nicht ersetzen.
Handlungsmöglichkeiten und Zukunftsziele
Die NEF nennt fünf persönliche Möglichkeiten, die Lebenszufriedenheit ohne zusätzliche Umweltschäden zu verbessern: soziale Beziehungen pflegen („Connect“), körperlich aktiv sein („Be Active“), die Umwelt und eigene Gefühle achtsam wahrnehmen („Take Notice“), dauerhaft lernen („Keep Learning“) und anderen geben („Give“). Wohlbefinden beruht demnach sowohl auf positiven Erfahrungen wie Freude, Zufriedenheit, Vergnügen und Neugier als auch auf funktionierenden Beziehungen, Kontrolle über das eigene Leben und einem erkennbaren Lebenssinn.
Nach Auffassung der NEF verhindern die auf ständiges Wirtschaftswachstum ausgerichteten Rahmenbedingungen derzeit die Verbindung hoher Lebenszufriedenheit und Lebenserwartung mit dem „one-planet-living“. Angestrebt werden Wirtschaftsmodelle mit stabilem Wohlstand statt permanentem Wachstum sowie regelmäßige Messungen von Zufriedenheit und Umweltzustand. Überkonsum in reichen Ländern gilt als Hindernis für nachhaltiges Wohlbefinden und wirkt sich wegen der Verbindung mit der Ausbeutung armer Länder weltweit aus.
Das Ziel der NEF für 2050 ist ein weltweiter HPI von 89. Gut entwickelte Länder sollen ihren ökologischen Fußabdruck um 1 gha senken; zugleich sollen eine Lebenszufriedenheit von 8 und eine Lebenserwartung von 87 Jahren erreicht werden. Entwicklungsländer benötigen dafür nach Darstellung der NEF Unterstützung durch die internationale Gemeinschaft und reichere Staaten.
Zwei Strategien sollen den HPI erhöhen. „Living better, using less“ verbindet Gesundheit, positive Lebenserfahrungen und einen kleineren Fußabdruck mit Veränderungen in Wirtschaft, Gemeinschaft und Lebensstil; der Ansatz ähnelt dem Postwachstumsmodell nach Paech. „Green Growth“, vertreten von der OECD, setzt dagegen auf effizientere grüne Technologien und Methoden wie Solar- und Windenergie, um den ökologischen Fußabdruck zu verringern und die Lebensqualität zu erhalten oder zu steigern.