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Hans Zimmer
Hans Florian Zimmer (* 12. September 1957 in Frankfurt am Main) ist ein deutscher Filmkomponist, Arrangeur und Musikproduzent. Porträt von Hans Zimmer.
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Hans Zimmer: Person und Bedeutung
Hans Florian Zimmer (* 12. September 1957 in Frankfurt am Main) ist ein deutscher Filmkomponist, Arrangeur und Musikproduzent. Seit den 1980er Jahren komponierte er Musik für über 150 Filme. Kennzeichnend ist die Verbindung elektronischer Klänge mit traditionellen Orchesterarrangements. Dadurch prägte er insbesondere den Klang vieler Action- und Science-Fiction-Filme.
Zu seinen bekanntesten Filmmusiken gehören Der König der Löwen, Rain Man, Crimson Tide, The Rock, Gladiator, Pearl Harbor, Last Samurai, die Fluch-der-Karibik-Reihe, die The-Dark-Knight-Trilogie, Inception, Man of Steel, Interstellar, Dunkirk und Dune. Für Der König der Löwen erhielt er 1995 den Oscar für die Beste Filmmusik, für Dune folgte 2022 ein weiterer Oscar. Seine erste Oscar-Nominierung erhielt er 1989 für Rain Man; sie gilt zugleich als sein Durchbruch in Hollywood. Der Artikel nennt zwölf Oscar-Nominierungen insgesamt, während die aufgeführte Nominierungsliste bis 2018 reicht und diese Nominierung als seine elfte bezeichnet.
Herkunft, Karriere und Arbeitsweise
Zimmer wurde als Sohn des Chemieunternehmers Hans Joachim Zimmer und Brigitte Zimmer, geborene Weil, geboren. Seine Mutter war 1939 vor den Nationalsozialisten nach England geflohen. Zimmer lernte als Kind im Elternhaus Klavier, hatte aber nur kurze Zeit Unterricht. Er besuchte mehrere Schulen in Deutschland und der Schweiz, wurde nach eigenen Angaben unter anderem wegen Disziplinverstößen von acht Schulen verwiesen und legte sein Abitur am englischen Internat Hurtwood House in Dorking, Surrey, ab. Eine akademische musikalische Ausbildung absolvierte er nicht.
Ende der 1970er Jahre arbeitete Zimmer in England an Werbe- und Radio-Jingles und spielte im Videoclip zu Video Killed the Radio Star an einem modularen Synthesizer. Im Londoner Studio Air Edel lernte er Stanley Myers kennen und wurde 1980 dessen Assistent. Von Myers lernte er viel über das Komponieren für Orchester und erhielt erste Aufträge für Filmmusik. Ende der 1980er Jahre wurde er durch Filme wie Rain Man bekannt.
Anfang der 1990er Jahre entwickelte Zimmer mit Black Rain und besonders Backdraft – Männer, die durchs Feuer gehen einen neuartigen Stil für Actionfilme. Backdraft gilt als Meilenstein, weil Zimmer den Film mit einem „Wall-to-Wall Score“ versah, also den Großteil des Films mit Musik unterlegte. Typisch waren ein mächtiges Hauptthema, rhythmische Action-Motive und ruhigere Passagen für die Hauptfiguren.
Mitte der 1980er Jahre gründete Zimmer mit Jay Rifkin das Filmmusikstudio Media Ventures. Nach einem Rechtsstreit übernahm Zimmer 2003 mit Remote Control Productions das Geschäft. Remote Control dient als Arbeits- und Ausbildungszentrum für mehrere Filmmusik-Komponisten. Zimmer leitet außerdem die Filmmusikabteilung bei DreamWorks SKG. Er lebt und arbeitet in Los Angeles.
Zimmer komponiert häufig schon vor Beginn der Dreharbeiten Suiten, die wichtige musikalische Bestandteile des späteren Soundtracks enthalten. Gegen Ende der Produktion dienen sie als Grundlage für die direkt zum Bild geschriebene Musik; Teile der Suiten werden oft auch im Film und auf dem Soundtrack verwendet. Andere Komponisten orchestrieren, arrangieren oder komponieren häufig Teile auf Grundlage seiner Themen und Ideen. Diese gemeinschaftliche Arbeitsweise ist bei einigen Filmmusik-Fans umstritten, wird im Artikel aber als in Hollywood nicht ungewöhnlich beschrieben. Zimmer arbeitet außerdem als verantwortlicher Musikproduzent.
Werk als Komponist
Zimmers Filmografie umfasst Arbeiten aus unterschiedlichen Genres und reicht von den 1980er Jahren bis 2025. Zu den frühen Filmen gehören Mein wunderbarer Waschsalon, Castaway – Die Insel, Rain Man, Black Rain und Miss Daisy und ihr Chauffeur. In den 1990er Jahren folgten unter anderem Thelma & Louise, Backdraft, Der König der Löwen, Crimson Tide, The Rock, Besser geht’s nicht, Der schmale Grat und Der Prinz von Ägypten.
In den 2000er Jahren komponierte oder produzierte Zimmer Musik für Gladiator, Mission: Impossible II, Pearl Harbor, Hannibal, Black Hawk Down, Last Samurai, Fluch der Karibik, Batman Begins, The Dark Knight, Pirates of the Caribbean – Fluch der Karibik 2 und The Da Vinci Code – Sakrileg. Bei manchen Produktionen arbeitete er mit anderen Komponisten zusammen oder übernahm die Produktion, etwa bei Fluch der Karibik, dessen Musik von Klaus Badelt komponiert wurde.
Zu den wichtigen Arbeiten ab 2010 zählen Inception, Sherlock Holmes, The Dark Knight Rises, Man of Steel, Interstellar, Dunkirk, Blade Runner 2049, Dune und Dune: Part Two. Auch Animationsfilme wie Kung Fu Panda, Madagascar, Der König der Löwen und The Boss Baby gehören zu seinem Werk. Nach eigenen Angaben war der Soundtrack zu Interstellar mit „48 Sessions in drei Studios“ und mehreren Orchestern der aufwändigste, den er bis 2023 geschaffen hatte.
Zimmer komponierte außerdem Musik für Videospiele, darunter Call of Duty: Modern Warfare 2 (2009), Crysis 2 und Skylanders – Spyro’s Adventure (beide 2011), Arena of Valor (2016), Bless Online und FIFA 19 – The Journey – Champions (beide 2018) sowie Dragon Age: The Veilguard (2024). Darüber hinaus erstellt er Sounds für elektrische BMW-Modelle.
Stil und öffentliche Auftritte
Zu Zimmers Markenzeichen gehört die Verwendung ethnischer Instrumente. Beispiele sind das Duduk in Gladiator und Dune: Part Two, Flöten in Rangoon und Taikos in Last Samurai. Einige Kompositionen enthalten afrikanische Einflüsse, etwa Zwei Welten, Im Glanz der Sonne, Der König der Löwen und Black Hawk Down. Zimmer arbeitet regelmäßig mit Regisseuren wie Ridley Scott, James L. Brooks, Gore Verbinski, Christopher Nolan und Denis Villeneuve sowie mit wiederkehrenden Musikern wie Heitor Pereira und Martin Tillman. Als großes Vorbild nennt er Ennio Morricone.
Nach den Arbeiten an Illuminati plante Zimmer Konzerte mit seiner Filmmusik. 2016 ging er mit einem Orchester aus 70 Musikern auf Europatournee. Die Premiere fand am 6. April 2016 in der Wembley Arena in London statt, das Abschlusskonzert am 5. Juni 2016 im antiken Theater von Orange. 2017 folgte eine Tournee durch die Vereinigten Staaten, Australien, Neuseeland und Südkorea; sie begann am 14. April 2017 in Los Angeles und endete am 7. Oktober 2017 in Seoul. 2022 fand die Live-Europatournee Hans Zimmer Live vom 11. März in Hamburg bis zum 30. April in Stockholm statt. Mitwirkende waren unter anderem Guthrie Govan, Lisa Gerrard und Lebo M.
Auszeichnungen, Engagement und Privates
Zimmer erhielt neben den Oscars vier Grammys und zwei Emmy Awards. Weitere Auszeichnungen sind drei Golden Globes, mehrere Satellite Awards, ein BAFTA Award für Dune und ein Gemeaux Award für die Miniserie Die Nacht, als Laurier erwachte. 2010 erhielt er den 2426. Stern auf dem Hollywood Walk of Fame, 2011 einen Stern auf dem Boulevard der Stars in Berlin. Weitere Ehrungen waren der Lifetime Achievement Award des Zurich Film Festival (2014), das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (2018), die Aufnahme in die Disney Legends (2019), die Goetheplakette der Stadt Frankfurt am Main (2021) und ein Lifetime Achievement Award bei den Joy Awards (2025). 2017 wurde der Asteroid (495253) Hanszimmer nach ihm benannt.
Seine Musik erhielt in verschiedenen Ländern Schallplattenauszeichnungen. Insgesamt werden 9 silberne, 44 goldene, 40 Platin- und 2 Diamant-Schallplatten genannt. Besonders häufig ausgezeichnet wurden Veröffentlichungen zu The Lion King, Mission: Impossible II, Gladiator, Interstellar und Time.
2008 war Zimmer Botschafter des Europäischen Jahres des interkulturellen Dialogs in Deutschland. Nach dem Amoklauf von Aurora im Juli 2012 veröffentlichte er die Komposition Aurora; der gesamte Erlös sollte den Opfern und ihren Familien zugutekommen. 2022 setzte er sich während seiner Tournee nach dem russischen Überfall auf die Ukraine öffentlich für Frieden und Unterstützung der Ukrainer ein. Im Januar 2025 erhielt er den Auftrag, die Nationalhymne Saudi-Arabiens zu bearbeiten.
Zimmer lebt in Kalifornien und ist deutscher Staatsbürger. Er hat eine Tochter aus erster Ehe mit Vicki Carolin sowie drei weitere Kinder aus seiner zweiten Ehe mit Suzanne Zimmer. Im April 2020 reichte er die Scheidung ein. 2023 machte er seiner Partnerin Dina De Luca während eines Konzerts einen Heiratsantrag. Über Hans Zimmer erschienen mehrere Dokumentationen, darunter Hans Zimmer – Der Sound für Hollywood (2010), Hans Zimmer – Der Komponist Hollywoods (2023), Terra X History: Hans Zimmer – Der Rebell von Hollywood (2024) und Hans Zimmer & Friends: Diamond in the Desert (2025).