Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Interstellar
Interstellar ist ein US-amerikanisch-britischer Science-Fiction-Film unter der Regie von Christopher Nolan aus dem Jahr 2014. Der Film spielt in einer …
Inhalt5 Abschnitte
Überblick und Bedeutung
Interstellar ist ein US-amerikanisch-britischer Science-Fiction-Film von Christopher Nolan aus dem Jahr 2014. Der 169 Minuten lange, englischsprachige Film spielt in einer zeitlich nicht genau bestimmten dystopischen Zukunft. Die Lebensbedingungen auf der Erde verschlechtern sich durch Pflanzenkrankheiten, Staubstürme und den Niedergang der industriellen Zivilisation. Die Menschheit muss deshalb nach einem bewohnbaren Planeten suchen.
Regie führten Christopher Nolan, das Drehbuch schrieben Jonathan und Christopher Nolan. Produziert wurde der Film von Christopher Nolan, Emma Thomas und Lynda Obst. Die Musik stammt von Hans Zimmer, die Kamera führte Hoyte van Hoytema. Zu den Hauptdarstellern gehören Matthew McConaughey als Cooper, Anne Hathaway als Dr. Amelia Brand, Jessica Chastain als die erwachsene Murphy Cooper und Michael Caine als Professor Brand. Der Astrophysiker Kip Thorne wirkte als wissenschaftlicher Berater und Executive Producer mit.
Im Mittelpunkt stehen die Rettung der Menschheit, die Beziehung zwischen Cooper und seiner Tochter Murphy sowie die Verbindung von Raumfahrt, Gravitation, Zeit und menschlicher Verantwortung. Die Handlung greift wissenschaftliche Konzepte wie Wurmlöcher, Schwarze Löcher, Zeitdilatation, Gravitationslinseneffekte und die Vereinigung von Relativitätstheorie und Quantenphysik auf.
Handlung und Rettungsmission
Cooper, ein verwitweter Ingenieur und ehemaliger NASA-Pilot, bewirtschaftet mit seinem Schwiegervater Donald, seinem fünfzehnjährigen Sohn Tom und seiner zehnjährigen Tochter Murphy eine Maisfarm. Die NASA existiert offiziell nicht mehr, arbeitet aber heimlich weiter. Murphy glaubt, in ihrem Zimmer Botschaften eines „Geistes“ zu empfangen. Nach einem Staubsturm erkennt Cooper in den Spuren im Staub binär dargestellte Koordinaten. Sie führen ihn und Murphy zu einem geheimen NASA-Standort.
Professor Brand erklärt, dass 48 Jahre zuvor nahe dem Saturn ein Wurmloch entdeckt wurde. Es führt in eine andere Galaxie zu einem Planetensystem um das Schwarze Loch Gargantua. Zehn Jahre zuvor wurden zwölf Raumschiffe mit jeweils einem Wissenschaftler durch das Wurmloch geschickt. Nur die Signale von Miller, Mann und Edmunds weisen auf möglicherweise bewohnbare Planeten hin. Brands Plan A ist eine Theorie, die Quantenphysik und Gravitation verbindet und die Evakuierung sehr vieler Menschen durch eine Raumstation ermöglichen soll. Weil ihm dafür Daten aus dem Inneren eines Schwarzen Lochs fehlen, ist die Theorie unvollendet. Plan B sieht vor, tiefgefrorene befruchtete Eizellen zu einem geeigneten Planeten zu bringen und dort eine neue menschliche Population aufzubauen.
Cooper schließt sich der Mission mit der Endurance an, begleitet von Amelia Brand, Romilly, Doyle und den Robotern TARS und CASE. Auf Millers Wasserplaneten nahe Gargantua entspricht wegen der gravitationsbedingten Zeitdilatation eine Stunde sieben Jahren außerhalb des unmittelbaren Einflussbereichs des Schwarzen Lochs. Berghohe Wellen zerstören das Shuttle teilweise; Doyle stirbt, und bei der Rückkehr zur Endurance sind mehr als 23 Jahre vergangen. Cooper erfährt durch Videobotschaften, dass seine Familie den Glauben an ihn verloren hat.
Die erwachsene Murphy arbeitet inzwischen für Professor Brand. Auf dessen Sterbebett erfährt sie, dass er Plan A nie für lösbar hielt und die Crew mit der Aussicht auf eine Rettung der gesamten Menschheit täuschte. Cooper und Amelia wählen daraufhin Manns Planeten, der sich als Eiswüste erweist. Dr. Mann hat seine Daten gefälscht, um eine Rettungsmission anzulocken. Er versucht, Cooper zu töten. Eine Explosion von Manns Roboter KIPP tötet Romilly. Mann stirbt später bei einem misslungenen Andockmanöver an die Endurance; das Raumschiff wird schwer beschädigt.
Cooper plant, durch ein Swing-by-Manöver um Gargantua Edmunds’ Planeten zu erreichen. TARS und Cooper opfern ihre Shuttles, um die Masse zu verringern. Cooper dringt mit TARS in das Schwarze Loch ein und gelangt in einen riesigen Tesserakt, in dem Murphys Zimmer zu verschiedenen Zeitpunkten erscheint. Er erkennt, dass Menschen der Zukunft das Wurmloch und den Tesserakt geschaffen haben könnten und dass er selbst Murphys „Geist“ ist. Über die Schwerkraft sendet er der jungen Murphy die Koordinaten der NASA-Zentrale und die Botschaft „Bleib!“. TARS sammelt im Schwarzen Loch die fehlenden Daten. Cooper übermittelt sie der erwachsenen Murphy als Morsezeichen über den Sekundenzeiger einer Armbanduhr.
Murphy vollendet die Theorie. Die Menschen können die Erde evakuieren und in großen Raumstationen leben. Cooper strandet nahe dem Saturn am Eingang des Wurmlochs und erwacht auf einer Raumstation. Nach Erdzeit wurde er vor 124 Jahren geboren, während für ihn selbst nur wenig Zeit vergangen ist. Die über 90-jährige Murphy liegt im Sterben und bittet ihn, Amelia zu suchen. Cooper fliegt mit dem reaktivierten TARS los. Amelia ist inzwischen mit CASE auf Edmunds’ offensichtlich bewohnbarem Planeten angekommen; im Hintergrund steht eine funktionierende Station.
Entstehung, Dreharbeiten und Veröffentlichung
Die Idee entstand 2006 bei Paramount Pictures, nachdem Kip Thorne Lynda Obst ein Konzept über „verzerrte Raumzeit“ vorgeschlagen hatte. Jonathan Nolan schrieb zunächst das Drehbuch. Steven Spielberg war als Regisseur vorgesehen, gab die Aufgabe jedoch nach seinem Studiowechsel und nach eigener Einschätzung schließlich ab. Christopher Nolan übernahm 2012 offiziell die Regie und ergänzte das Drehbuch. Dabei verlagerte sich der Schwerpunkt stärker auf die Menschheit, die sich gegen die Natur behaupten muss.
Paramount kündigte im März 2013 eine gemeinsame Produktion mit Warner Bros. an. Paramount übernahm den nordamerikanischen, Warner Bros. den internationalen Verleih. Gedreht wurde zunächst unter dem Arbeitstitel Flora’s Letter. Die Dreharbeiten begannen am 13. August 2013 in Alberta, Kanada, und endeten im Dezember 2013 in Los Angeles. Weitere Drehorte waren Island, darunter der Svínafellsjökull-Gletscher. Verwendet wurden 35-mm- und 70-mm-IMAX-Kameras; eine IMAX-Kamera wurde für Flugaufnahmen an der Spitze eines Learjets befestigt.
Für die visuellen Effekte war Double Negative verantwortlich. Das Team um Paul Franklin, Oliver James und Eugénie von Tunzelmann entwickelte gemeinsam mit Kip Thorne den Double Negative Gravitational Renderer (DNGR), mit dem Schwarze Löcher und Akkretionsscheiben realitätsnah berechnet werden konnten. Hans Zimmer komponierte die Filmmusik zunächst ohne Kenntnis des Drehbuchs. Nach seinen Angaben von 2023 war der Soundtrack mit „48 Sessions in drei Studios“ und mehreren Orchestern seine aufwendigste Arbeit.
Nolan behandelte in Zusammenarbeit mit Sound Designer Richard King die Dialoge teilweise wie zusätzliche Soundeffekte, sodass sie in manchen Szenen von anderen Geräuschen überlagert werden. Da analoge IMAX-Filme damals höchstens 167 Minuten lang sein konnten, wurde für die 169-minütige IMAX-Fassung der Abspann gekürzt. Die Weltpremiere fand am 26. Oktober 2014 in Los Angeles statt; der reguläre Start in den Vereinigten Staaten erfolgte am 5. November, in den deutschsprachigen Ländern am 6. November 2014. Die deutschsprachige Synchronfassung erstellte Film- & Fernseh-Synchron unter der Dialogregie von Tobias Meister.
Das geschätzte Produktionsbudget betrug 165 Millionen US-Dollar. Zunächst spielte der Film 2014 ungefähr 681 Millionen US-Dollar weltweit ein, davon 188 Millionen in Nordamerika. Nach Wiederaufführungen während der COVID-19-Pandemie kamen 2020 weitere 24 Millionen US-Dollar hinzu; spätere Wiederaufführungen, einschließlich des zehnjährigen Jubiläums, führten zu einem Gesamteinspielergebnis von rund 758 Millionen US-Dollar. DVD und Blu-ray erschienen fünf Monate nach dem Kinostart, die deutschsprachige Free-TV-Premiere war am 30. April 2017 auf ProSieben, eine Ultra-HD-Auswertung begann 2018.
Wissenschaftliche Grundlagen und Motive
Kip Thorne legte für die Produktion zwei Bedingungen fest: Nichts sollte geltende physikalische Gesetze verletzen, und Spekulationen mussten einen wissenschaftlichen Ursprung haben. Die Darstellung von Wurmloch, Schwarzem Loch und Einsteinringen beruht auf Berechnungen zu Lichtstrahlen und Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie. Zeitdilatation wird als die derzeit einzige physikalische Möglichkeit von Zeitreisen eingesetzt. Auch die fehlende Schallübertragung im Vakuum wird berücksichtigt. Überlichtgeschwindigkeit wird ausdrücklich nicht verwendet, weil sie physikalisch nicht möglich ist.
Der Film greift außerdem Albert Einsteins Theorie der Gravitationswellen mit kreativer Freiheit auf. 2014 waren diese noch nicht messbar nachgewiesen; der Nachweis gelang Wissenschaftlern durch LIGO erst im September 2015. Einige Physiker empfehlen Interstellar als Ergänzung zum Lehrmaterial zur allgemeinen Relativitätstheorie und als Motivation für Physikstudenten. Der Astrobiologe David Grinspoon bezweifelte jedoch mehrere unausgesprochene physikalische Voraussetzungen: Ein Eintritt in ein Wurmloch könne Objekte zerreißen, und Eiswolken müssten nach seiner Einschätzung wegen der Schwerkraft zu Boden fallen. Kip Thorne bezeichnete die Eiswolken als eine Szene mit besonders großen künstlerischen Freiheiten. Grinspoon kritisierte außerdem, dass die Mehltau-Situation auf der Erde den Sauerstoffgehalt der Atmosphäre nicht so schnell aufbrauchen würde.
Das mehrfach zitierte Gedicht Do not go gentle into that good night von Dylan Thomas ist ein Leitmotiv. Es steht für den Widerstand der Figuren und der Menschheit gegen ein scheinbar unvermeidliches Ende sowie für den Pioniergeist der Raumfahrt. Coopers Aussage, die Menschheit sei zwar auf der Erde geboren, müsse aber nicht dort sterben, verweist auf ein Zitat von Konstantin Ziolkowski. Bina Nir deutet den Transport tiefgefrorener Eizellen als Anspielung auf die Arche Noah. Murphy wird mit dem Propheten Jeremia verglichen, weil beide ihre bereits früh bestimmte Aufgabe erst im Erwachsenenalter annehmen. Außerdem wird die Vorstellung betont, dass Liebe Raum und Zeit überwindet.
Häufig wurde der Film mit 2001: Odyssee im Weltraum verglichen. Die Roboter TARS und CASE sind in ihrem Design den Monolithen aus Kubricks Film nachempfunden und erfüllen teilweise ähnliche Orientierungs- und Vermittlungsfunktionen.
Kritik und Auszeichnungen
Die Aufnahme durch die Kritik war unterschiedlich. Gelobt wurden besonders die visuellen Effekte, die wissenschaftlichen Konzepte, die Musik und die ambitionierte Verbindung persönlicher Gefühle mit kosmischen Spekulationen. Kritisiert wurden unter anderem Erklärdialoge, Logiklöcher, das überladene dramaturgische Konzept und das Finale. Auf IMDb lag der Film im März 2026 mit über 2,5 Millionen Stimmen auf Platz 18 der Top-250-Liste und hatte eine Durchschnittswertung von 8,7. Rotten Tomatoes verzeichnete 73 Prozent positive Kritiken und eine Zuschauerbewertung von 86 Prozent. Metacritic gab auf Grundlage von 46 Kritiken einen Metascore von 74 von 100 und einen User-Score von 8,5 von 10 an.
US-amerikanische und britische Kritiker wie Scott Foundas, Todd McCarthy und James Dyer hoben den visionären, „schlauen, verrückten und wunderschönen“ Charakter hervor, während Henry Barnes trotz des Lobes für die wissenschaftliche Einbettung fehlenden Unterhaltungswert beanstandete. Der Physiker Michio Kaku lobte die wissenschaftliche Genauigkeit. Deutsche Kritiker würdigten vor allem die Bilder, die Darstellung der Zeitrelativität, die Musik und die Einsamkeit im Weltraum, bemängelten aber steife Erklärdialoge, die Überfrachtung des Handlungsbogens und die Logik des Finales. Die Deutsche Film- und Medienbewertung verlieh das Prädikat „wertvoll“.
Interstellar erhielt über 40 Auszeichnungen und mehr als 140 weitere Nominierungen. Bei der Oscarverleihung 2015 gewann der Film den Preis für die besten visuellen Effekte; Hans Zimmer wurde für die Filmmusik nominiert. Auch bei den British Academy Film Awards gewann er für die visuellen Effekte. Bei den Saturn Awards erhielt er unter anderem Auszeichnungen als bester Science-Fiction-Film, für Drehbuch, Musik, Ausstattung, Spezialeffekte und Mackenzie Foy. Bei den Empire Awards wurde er als bester Film und Christopher Nolan als bester Regisseur ausgezeichnet.