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Elektronische Musik
Elektronische Musik bezeichnet Musik, die durch elektronische Klangerzeuger (Generatoren) hergestellt und mit Hilfe von Lautsprechern wiedergegeben wird.
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Definition und Bedeutung
Elektronische Musik ist Musik, die mit elektronischen Klangerzeugern (Generatoren) hergestellt und über Lautsprecher wiedergegeben wird. Der Begriff ist nicht eindeutig: Er kann einen akustisch-wissenschaftlichen Begriff, einen Oberbegriff für neue Stile der Unterhaltungsmusik oder eine Gattung der Neuen Musik bezeichnen. Für die letztgenannte Gattung hat sich auch die Bezeichnung elektroakustische Musik etabliert.
Bis etwa 1940 sprach man meist von elektrischer Musik und elektrischen Musikinstrumenten. Ab Anfang der 1950er Jahre bezeichnete „elektronische Musik“ auch eine bestimmte Kompositionstechnik mit elektronischen Geräten. Seit ungefähr 1980 wurden synthetische Klangerzeuger besonders für Clubmusik wichtig; Synthpop, Euro Disco, House und Techno prägten die 1980er Jahre und folgende Jahrzehnte. Synthetisch produzierte Stücke wurden vor allem in Club- und zunehmend auch in Popmusik sehr populär.
Technische und musikalische Voraussetzungen
Elektronische Musik verbindet künstlerisch-ästhetische Musik mit Physik und Elektrotechnik. Frühe Voraussetzungen waren elektrische oder elektromechanische Instrumente: Jean-Baptiste Delabordes Clavecin électrique war das erste Instrument, das Elektrizität verwendete; ein Patent für elektronische Klangerzeugung erhielt E. Lorenz aus Frankfurt am Main am 12. März 1885. Thaddeus Cahills 1897 entwickeltes Telharmonium beziehungsweise Dynamophon arbeitete mit Zahnradgeneratoren, wog 200 Tonnen und erzeugte für jeden Halbton sinusförmige Ausgangsspannungen.
Wichtig wurden Instrumente, die neue Tonhöhen und Klangmöglichkeiten erschlossen. Leon Theremins zwischen 1920 und 1928 konstruiertes Ätherophon, später Theremin genannt, erzeugte hörbare Töne durch Überlagerung zweier nicht hörbarer hochfrequenter Töne; dieses Verfahren heißt Schwebungssummer. Jörg Mager entwickelte unter anderem Elektrophon (1921) und Sphärophon (1928) für die genaue Erzeugung von Mikrointervallen, also Tonabständen kleiner als ein Halbton. Das Ondes Martenot war ebenfalls ein Schwebungssummer; durch Ziehen an einem Seil ließ sich die Tonhöhe verändern. 1930 entstand Friedrich Trautweins Trautonium, das Oskar Sala später weiterentwickelte. Auch Rundfunk und Tonübertragung ebneten den Weg für elektronische Musik.
Musique concrète und Kölner elektronische Musik
Die Musique concrète entstand in Paris. Pierre Schaeffer gründete 1943 den Club d’Essai; seine Cinq études de bruits wurden am 5. Oktober 1948 im Radioprogramm Concert des Bruits ausgestrahlt. Das erste öffentliche Konzert konkreter Musik fand am 18. März 1950 statt. Ausgangspunkt waren vorgefundene Alltagsgeräusche, die als „Klangobjekte“ auf Schallplatten und später Magnetband aufgenommen, verändert und collageartig kombiniert wurden. Magnetband erlaubte in den 1950er Jahren Schnitte sowie Geschwindigkeits- und damit Tonhöhenveränderungen. Schaeffers Begriff „Konkrete Musik“ grenzte die Arbeit mit konkreten Geräuschen von komponierter, als „abstrakt“ verstandener Musik wie dem Serialismus ab. Ab 1956/57 rückten Komponisten wie Luc Ferrari, Iannis Xenakis und François Bayle stärker kompositorische und teils serielle Prinzipien in den Vordergrund; Schaeffer verwendete später den Begriff elektroakustische Musik.
In Köln gründeten Werner Meyer-Eppler, Robert Beyer, Fritz Enkel und Herbert Eimert 1951 mit dem NWDR das Studio für Elektronische Musik; das erste öffentliche Konzert war am 26. Mai 1953. Anders als die Musique concrète arbeitete das Studio zunächst mit ausschließlich synthetisch erzeugten Klängen. Mittels Fourier-Analyse wurden Klangfarbe sowie Frequenz, Amplitude und Dauer untersucht. Klangfarbe entsteht dabei durch Überlagerung mehrerer Sinustöne. Komponisten wie Henri Pousseur, Karel Goeyvaerts und Karlheinz Stockhausen übertrugen serielle Kompositionsmethoden auf diese Parameter. Die Speicherung auf Magnetband und Wiedergabe über Lautsprecher sollte vollständige Kontrolle über Klangfarbe ermöglichen und den Interpreten als vermittelnde Instanz ersetzen.
Das reine Sinuston-Konzept wurde bereits 1954 verlassen, weil die Ergebnisse hinter den Erwartungen zurückblieben. Stockhausens Gesang der Jünglinge (1955/56) verbindet elektronische Klänge und Phoneme und nutzt statistische Ordnungsprinzipien sowie räumlich verteilte Lautsprechergruppen. Die spätere Live-Elektronik und die Verarbeitung beliebiger Klangquellen näherten die Kölner Entwicklung der Musique concrète an. Parallel entwickelte sich in New York die Music for Tape: Auf Tonband aufgezeichnete Klänge konnten vielseitig ausgewählt und manipuliert werden; die Trennung in kontrollierbare elektronische und „unkontrollierbare“ mechanische Klänge galt dort als nicht sinnvoll.
Computermusik und Sampling
Bei Computermusik dienen Computer vor allem drei Bereichen: Komposition als Partitursynthese, Klangerzeugung durch Simulation und Klangsteuerung. Lejaren Hiller gründete 1958 an der University of Illinois at Urbana-Champaign das Experimental Music Studio und experimentierte dort mit dem ILLIAC- und später dem IBM-7090-Rechner.
Eine wesentliche Entwicklung war der 1979 international vorgestellte Fairlight Musikcomputer von Kim Ryrie und Peter Vogel. Seine Sampling-Methode ermöglichte, Klänge zu speichern, über eine Tastatur abzurufen, auf jede gewünschte Tonhöhe zu bringen und zu formen. Sampling bedeutet also, einen aufgenommenen Klang digital weiterzuverwenden und zu verändern. Der Fairlight CMI ist auf Peter Gabriels Soloalbum Melt hörbar; weitere im Artikel genannte Einsätze finden sich etwa bei Kate Bush, Jean Michel Jarre sowie Hubert Bognermayr und Harald Zuschrader. Am 25. April 1987 kamen beim WDR-Konzert „Million Bits In Concert“ erstmals verschiedene Computersysteme wie der Fairlight in einem Livekonzert zum Einsatz. Computermusik wird vereinzelt auch für technisch gesteuerte Theater- und Freiluftinszenierungen, etwa als Schaltmusik für Feuerwerke, verwendet.
Popularmusik, Film und Abgrenzung
Im Film wurde 1930 für L’idée von Berthold Bartosch ein Ondes Martenot verwendet; dies gilt als erster Einsatz eines elektronischen Musikinstruments im Film. Weitere Beispiele sind zwei Theremine in Bernard Herrmanns Musik zu Der Tag, an dem die Erde stillstand (1951), die elektronische Musik von Louis und Bebe Barron für Alarm im Weltall (1956), die 1963 geschaffene Titelmusik zu Doctor Who und Oskar Salas elektronische Vogelstimmen für Die Vögel (1963).
In den 1970er Jahren verwendeten Progressive Rock und Psychedelic Rock elektronische Tasteninstrumente. Synthesizer, Sequencer und Soundmodule wurden verbreitet; besonders der Synthesizer prägte die Popmusik. Aus New Wave entwickelte sich Electro Wave, aus Funk Electro Funk und später Hip-Hop, aus Disco House. Gruppen wie Kraftwerk, Depeche Mode und Suicide beeinflussten in den 1980er Jahren spätere Stile wie EBM, Elektropop, Hip-Hop und Techno. Im Techno der 1990er Jahre steht häufig ein elektronisch erzeugter Schlagzeugrhythmus aus Drumcomputern im Mittelpunkt. Aus Samples entstehen Loops, also wiederholte Klangabschnitte; daraus ergibt sich ein repetitives Arrangement. Ende der 1990er Jahre übernahmen auch Radiohead, Tortoise und Stereolab elektronische Elemente in klassisches Songwriting.
Rockmusik wird im allgemeinen Sprachgebrauch trotz elektronischer Instrumente und Effektgeräte meist nicht als elektronische Musik gezählt. Auch Psychedelic Rock wird abgegrenzt, obwohl dort etwa Theremin oder Hammondorgel vorkommen. Im Metal spielen je nach Substil analoge Effektgeräte eine Rolle; digitale Effektgeräte oder digitale Produktion gelten dort laut Artikel häufig als Tabu.