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Arrangement
Durch ein Arrangement wird in der Musik ein oftmals urheberrechtlich geschütztes Musikwerk mit Hilfe musikalischer oder technischer Gestaltungsmittel in …
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Was ist ein Arrangement?
Ein Arrangement ist in der Musik die Veränderung eines oft urheberrechtlich geschützten Musikwerks mit Hilfe musikalischer oder technischer Gestaltungsmittel. Die Person, die das macht, heißt Arrangeur; bei großen orchestralen Werken spricht man manchmal auch von einem Orchestrator.
In der klassischen Musik verlangt heute die sogenannte Werktreue eine originalgetreue Wiedergabe der Partitur – da bleibt für Neugestaltungen kaum Raum. Selbst bei strengen Partituren brauchen Werke aber immer die Interpretation durch Musiker und Sänger. Arrangements sind eine besondere Form der Interpretation: man weicht von der Originalpartitur durch musikalische Gestaltungsmittel ab. Heute gibt es das vor allem im Jazz, in der Pop- und Rockmusik; historisch war es aber auch in der klassischen Musik verbreitet (19. Jahrhundert, Schönbergs Verein für musikalische Privataufführungen).
Nur die Neugestaltung eines Originals zählt als Arrangement. Die Bearbeitung kann sehr unterschiedlich ausfallen:
- Der Inhalt des Originals bleibt erhalten, z. B. bei der Transkription (Umschreibung) für eine andere Besetzung.
- Teile des Originals oder mehrere Kompositionen werden neu zusammengestellt und mit neuen Überleitungen verbunden, etwa bei Suiten, Potpourris oder Medleys.
In der populären Musik reicht die Spanne vom gelegentlichen Eingriff bis zur vollständigen Neugestaltung.
Gestaltungsmittel des Arrangeurs
Der Stellenwert eines Arrangements zeigt sich an den Bestandteilen einer Komposition: Primärkomponenten sind Melodik, Rhythmik, Harmonik und Form; Sekundärkomponenten sind Arrangement, Interpretation und Aufnahmetechnik. Der Arrangeur kann ein oder mehrere Gestaltungsmittel betonen und andere ignorieren – insbesondere Instrumentierung, Reharmonisierung oder Modulation.
Musikalische Gestaltungsmittel sind dieselben, die auch der Komponist nutzt: Besetzung, Melodik, Harmonik, Rhythmik, Metrik, Tempo, Phrasierung, Artikulierung, Ornamentik, Kadenz oder Periodik.
Technische Gestaltungsmittel kommen im Tonstudio bei der Tonaufnahme oder der Postproduktion zum Einsatz und sind Teil der Tongestaltung: bei der Aufnahme z. B. Echo- oder Nachhalleffekte, bei der Postproduktion Soundeffekte. Sogar die Abmischung (vorletzter Studio-Prozess) kann noch gestalterische Aspekte enthalten.
Geschichte des Arrangements
Vor der Barockzeit gab es keine fest vorgeschriebenen Besetzungen, und Verzierungen waren Teil der Interpretation – dasselbe Stück konnte ganz unterschiedlich klingen. In der Renaissance gab es die Kontrafaktur (ein weltliches Chorstück wird durch einen anderen Text geistlich, oder umgekehrt) sowie Intabulierungen: beliebte Vokalwerke wie Motetten, Chansons oder Madrigale wurden für Laute, Vihuela, Harfe, Cembalo, Clavichord oder Orgel eingerichtet, oft mit immer virtuosen notierten Diminutionen (Verzierungen). Beispiel: Orlando di Lassos „Susanne un jour“ wurde u. a. von Cabezón, Andrea Gabrieli, Merulo und viermal von Coelho bearbeitet; Dowlands „Pavana Lacrimae“ u. a. von Byrd, Farnaby und Sweelinck.
In der Barockmusik erlaubte der Generalbass (nur eine Ziffern-Bassstimme) dem Continuospieler große Freiheiten; auch Verzierungen und Kadenzen wurden bis ins 19. Jahrhundert improvisiert – doch das gilt nicht wirklich als Arrangement.
Komponisten selbst arrangierten oft: Bach machte aus Vivaldis Konzert für 4 Violinen (L’Estro Armonico) das Konzert für 4 Cembali in h-moll (BWV 1065) und wandelte eigene Violinkonzerte in Cembalokonzerte um. Händel u. a. rearrangierten Arien für andere Sänger – „Lascia che pianga“ (Rinaldo, 1711) geht über „Lascia la spina“ (Il trionfo del Tempo, 1707) auf eine Sarabande aus Armida (1705) zurück. Im 18. Jahrhundert waren Sonaten mit freier (ad-libitum-)Besetzung üblich.
Im 19. Jahrhundert arrangierten Komponisten wie Pugni Ballettmusiken nach Klavierauszügen oder neu für Wiederaufführungen (Minkus, Drigo – 1895 Tschaikowski-Stücke für Schwanensee; im 20. Jahrhundert z. B. John Lanchbery). Johann Strauss (Sohn) hinterließ über 500 Arrangements fremder Kompositionen. Damals bekam der Begriff den Beigeschmack des „aus zweiter Hand stammenden Werks“, weil Meisterwerke an kleine Besetzungen (Salon- und Kaffeehausmusik) und Laien angepasst wurden.
Im 20. Jahrhundert (Blues, Jazz, Pop, Volksmusik) sind Stücke oft nur als Melodielinie und Harmoniefolge vorgegeben; der Arrangeur erstellt daraus eine Partitur, trifft mündliche Absprachen oder liefert Audiobeispiele. Im Jazz wurden schon bei „sinfonischen“ Orchestern wie Paul Whiteman, Leo Reisman oder Jean Goldkette geschriebene Arrangements verwendet; wichtige Arrangeure waren Don Redman, Doc Cook, Erskine Tate, Art Hickman, Bill Challis und Ferde Grofé. Grofés Prinzipien fanden in der Swing-Ära ihren Höhepunkt: Aufteilung des Orchesters in Sections (Bläser, Streicher, Saxophone, Rhythmus), Call and Response oder kontrapunktisches Spiel, meist improvisierte Soli, Ensemblepassagen mit dem Feeling improvisierter Soli.
Arrangement im Jazz und in Pop- und Rockmusik
Jazz: Da Improvisation vorherrscht, fehlt oft eine Notation – das Arrangement erhält dadurch besondere Bedeutung. Jazzarrangement heißt: Einrichtung eines Stücks für eine andere als die originale Besetzung. Große Bedeutung erlangte das ausgeschriebene Arrangement bei den Big Bands (aufbauend auf Jelly Roll Morton). Gegenteil ist das Head Arrangement: ein nur mündlich abgesprochener, spontaner Musikverlauf. Standardform: Intro, dann Head Arrangement, dann Soli, wieder Head Arrangement, dann Outro. Das „Original“ gilt im Jazz nur als musikalischer Kern – das Arrangement ist die eigentliche Schöpfung, der Arrangeur oft der eigentliche Komponist. Viele Titel wurden erst durch ein bestimmtes Arrangement populär, z. B. „In the Mood“ in der Fassung von Glenn Miller (August 1939). Arrangements sind Identität der Band und dienen als Alternative zur Improvisation – nicht als ihr Ersatz wie in Pop und Rock.
Pop- und Rockmusik: Seit „Yesterday“ von den Beatles (Juni 1965) ist das Arrangement nicht mehr an die übliche Instrumentation einer Beatband gebunden. Es kann eng am Original bleiben („Rock Around the Clock“, Bill Haley, April 1954, gegenüber Sonny Dae and his Knights, März 1954). Vorsichtige Neugestaltungen (Ray Charles’ „Eleanor Rigby“, März 1968) stehen umfassenden Neuarrangements gegenüber: Vanilla Fudge nahm den Supremes-Hit „You Keep Me Hangin’ On“ (Original August 1966; Fassung Mai 1967) im Ultrasonic Studio in nur einem Take auf – auf 6:47 min ausgedehnt, auf halbes Tempo (Zeitlupentempo) verlangsamt, mit psychedelischem Sound, neoklassischer Orgel und Sitar, so dass das Original kaum wiederzuerkennen war. Die auf 2:50 min verkürzte Single erschien am 2. Juni 1967 und erregte weltweites Aufsehen. Bekannte Pop-Arrangeure: Leiber/Stoller, Jack Nitzsche, Phil Spector, George Martin, Todd Rundgren – bei George Martin zeigt sich, dass die Aufgaben von Produzent und Arrangeur fließend sind.
Funktion und Abgrenzungen
Funktion: Das Arrangement bietet dem Hörer eine weitere Interpretationsvariante des Originals und kann neue Hörerkreise erschließen, etwa wenn ein anderer Stil präsentiert wird („Puttin’ on the Ritz“ von Taco, September 1982, gegenüber Leo Reismans Original von Januar 1930). Auch kommerziell kann ein durchgefallener Song durch ein attraktiveres Arrangement zum Hit werden: Chubby Checkers „The Twist“ (Original: Hank Ballard, November 1958) war in Tonhöhe, Rhythmus und Gesang nahezu identisch mit dem Original – das Original ging unter, die Coverversion wurde zum Millionenseller. Das Arrangement verleiht dem Stück seinen prägenden Charakter und Wiedererkennungswert und kann die Kompositionsstruktur einfacher oder komplexer gestalten. Es gilt als das zentrale Stilmittel der Pop- und Rockmusik; der Arrangeur ist das wichtigste Bindeglied zwischen Komponist und den aufführenden Musikern. Bei elektronischer und Popmusik wird heute mitunter auch Bearbeitung als Arrangement bezeichnet, die streng genommen zur Komposition gehört bzw. einem Remix nahekommt – die Tätigkeiten sind nicht immer klar abzugrenzen.
Abgrenzungen: Arrangement ist nicht die Instrumentation an sich, sondern die individuelle, künstlerische Prägung der Aufführung durch die Interpreten. Transkription ist nur die Umschreibung von einer Notenschrift in eine andere (oder das Aufschreiben gehörter Musik) und hat keine gestalterischen Aspekte. Head Arrangements sind vor der Aufführung mündlich abgesprochene Gestaltungen ohne Noten (Reihenfolge der Soli, Wechselspiel Rhythmus-/Melodiegruppe) – spontan, typisch im Jazz und im Memphis-Soul. Ein repetitives Arrangement (starke Wiederholung einzelner Fragmente) ist typisch für Country Blues, Mambo, Salsa und Techno. Von einem Live-Arrangement spricht man im Jazz, wenn die Aufgabenverteilung erst kurz vor oder während der Aufführung mündlich oder per Zeichen erfolgt; Hauptthema und Harmoniefolge müssen allen bekannt sein. Tutti-Abschnitte liegen (seit den 1920er Jahren) als Partitur vor; in besseren Arrangements haben auch die Soli vollständige Partituren mit thematisch-rhythmischer Entwicklung.
Rechtsfragen
Ein neues Arrangement eines Musikwerks ist rechtlich stets eine abhängige Bearbeitung nach § 3 UrhG – oder, wenn es die nötige Schöpfungshöhe nicht erreicht, eine abhängige andere Umgestaltung nach § 23 UrhG. In beiden Fällen ist die Einwilligung des Originalkomponisten erforderlich.
Das individuelle Arrangement ist schutzfähig, wenn der Arrangeur durch den Einsatz von Stilmitteln etwas Eigenschöpferisches schafft. Die Rechtsprechung erkennt eine schöpferische Eigenart nur an, wenn das Arrangement über das rein handwerkliche Anwenden musikalischer Lehren hinausgeht. Da das Arrangement an einem bestehenden, geschützten Werk vorgenommen wird, gilt der Arrangeur als Bearbeiter im Sinne des § 3 UrhG. Bei gemeinfreien Werken der Unterhaltungsmusik wird nicht mehr der ursprüngliche Komponist, sondern der Arrangeur angegeben; die Rechte an Arrangements werden durch die Gema vertreten.