Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Hans Küng

Religionsfrieden und Weltethos · die nahöstlich prophetischen Religionen: Judentum, Christentum und Islam; · die indisch-mystischen Religionen: Hinduismus und …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Lebensweg
  2. 2. Konflikt mit der katholischen Kirche
  3. 3. Werke und theologische Grundgedanken
  4. 4. Weltethos und interreligiöser Dialog
  5. 5. Öffentlichkeit, Politik und spätere Jahre
  6. 6. Kritik und Würdigungen

Bedeutung und Lebensweg

Hans Küng (19. März 1928 in Sursee, Kanton Luzern; 6. April 2021 in Tübingen) war ein Schweizer Theologe, römisch-katholischer Priester, Autor und Professor. Von 1960 bis zu seiner Emeritierung 1996 lehrte er an der Eberhard Karls Universität Tübingen, zuletzt Ökumenische Theologie. Er gehörte zu den bekanntesten katholischen Theologen und Kirchenkritikern der Zeitgeschichte.

Küng studierte von 1948 bis 1951 Philosophie und von 1951 bis 1955 Theologie an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Am 10. Oktober 1954 wurde er zum Diözesanpriester für das Bistum Basel geweiht. Nach Studien in Paris wurde er mit einer Dissertation über Karl Barths Rechtfertigungslehre promoviert. Rechtfertigung meint in der christlichen Theologie die Frage, wie der Mensch vor Gott gerecht wird. Küng versuchte, Unterschiede zwischen katholischer und protestantischer Lehre zu überbrücken.

1957 bis 1959 arbeitete Küng in der praktischen Seelsorge in Luzern, danach als Assistent in Münster. 1960 wurde er mit nur 32 Jahren Professor für Fundamentaltheologie in Tübingen. Er entwickelte früh ein Reformprogramm mit Forderungen wie Abschaffung des Zölibats, Gleichberechtigung der Frau und stärkerer Ökumene. Ökumene bedeutet die Zusammenarbeit und Annäherung verschiedener christlicher Konfessionen. Von 1962 bis 1965 war er als Konzilstheologe am Zweiten Vatikanischen Konzil beteiligt.

Konflikt mit der katholischen Kirche

Küng kritisierte zentrale Strukturen und Lehren der römisch-katholischen Kirche, besonders in Die Kirche (1967) und Unfehlbar? – Eine Anfrage (1970). Im Mittelpunkt stand seine Kritik am Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit. Ein Dogma ist eine verbindliche Glaubenslehre; die päpstliche Unfehlbarkeit meint, dass der Papst unter bestimmten Bedingungen in Glaubens- und Sittenfragen ohne Irrtum lehren könne.

Schon nach seiner Dissertation wurde in Rom eine Akte über Küng angelegt. Ab 1968 verlangte die Glaubenskongregation Stellungnahmen; 1971 wurde ein Lehrverfahren eröffnet. Küng war zu Gesprächen bereit, verlangte aber faire Verfahrensbedingungen wie Akteneinsicht, klare Zuständigkeiten, Berufungsmöglichkeiten und Fristen. 1975 wurde er unter Auflagen gerügt, ohne dass seine Lehrerlaubnis entzogen wurde.

1977 kritisierte die Deutsche Bischofskonferenz Küngs theologische Methode. Sie warf ihm vor, sich von der kirchlichen Glaubensüberlieferung zu lösen und den Glaubensinhalt zu verkürzen, etwa bei Christologie, Trinitätslehre, Kirche, Sakramenten und Maria. Am 15. Dezember 1979 stellte ein von Papst Johannes Paul II. gebilligter Erlass der Glaubenskongregation schwere Abweichungen von der katholischen Lehre fest. Im Dezember 1979 entzog die Deutsche Bischofskonferenz Küng die kirchliche Lehrerlaubnis, die Missio canonica. Ab 1980 blieb er in Tübingen als fakultätsunabhängiger Professor für Ökumenische Theologie tätig. Trotz des Entzugs blieb er römisch-katholischer Priester und Mitglied der katholischen Kirche.

Werke und theologische Grundgedanken

Küngs Werke behandeln vor allem Kirche, christlichen Glauben, Gottesfrage, Ökumene, Weltreligionen und Ethik. Wichtige Bücher sind Rechtfertigung (1957), Konzil und Wiedervereinigung (1960), Die Kirche (1967), Unfehlbar? Eine Anfrage (1970), Christ sein (1974), Existiert Gott? Antwort auf die Gottesfrage der Neuzeit (1978), Ewiges Leben? (1982), Projekt Weltethos (1990), Das Judentum. Wesen und Geschichte (1991), Das Christentum. Wesen und Geschichte (1994) und Der Islam. Geschichte, Gegenwart, Zukunft (2004). Seit März 2015 erscheint im Herder Verlag eine auf 24 Bände angelegte Gesamtausgabe.

Küng wollte den christlichen Glauben im Horizont von Aufklärung, Religionskritik, historisch-kritischer Bibelforschung und Naturwissenschaften erklären. Er lehnte ein naives Bild von Gott als räumlich „über“ der Welt wohnendem höchsten Wesen ab. Ebenso lehnte er eine deistische Vorstellung ab, nach der Gott nur außerhalb der Welt steht. Stattdessen beschrieb er Gott als „Gott in dieser Welt und diese Welt in Gott“, als „das Unendliche im Endlichen“ und als „transzendent-immanente“ Wirklichkeit. Transzendent bedeutet über die Welt hinausgehend, immanent bedeutet in der Welt gegenwärtig.

Gegenüber der römisch-katholischen Kirche blieb Küng kritisch. Er hinterfragte unter anderem die Unfehlbarkeit des Papstes, das Verbot künstlicher Empfängnisverhütung, das strikte Abtreibungsverbot, die Unmöglichkeit der Frauenordination, die Ungültigkeit anglikanischer Weihen und die Zölibatsverpflichtung für katholische Kleriker.

Weltethos und interreligiöser Dialog

Ein zentrales Thema in Küngs späterem Werk war das Projekt Weltethos. Damit meinte er keine Ersatzreligion, sondern einen Grundkonsens über verbindliche Werte, Maßstäbe und Regeln menschlichen Verhaltens. Küngs Grundsatz lautete: Kein Weltfriede ohne Religionsfriede, kein Religionsfriede ohne Dialog zwischen den Religionen und kein Dialog ohne gemeinsame ethische Standards.

Küng unterschied drei große religiöse „Stromsysteme“: die nahöstlich prophetischen Religionen Judentum, Christentum und Islam; die indisch-mystischen Religionen Hinduismus und Buddhismus; sowie die fernöstlich-weisheitlichen Religionen Konfuzianismus und Daoismus. Er betonte, dass die Weltreligionen in zentralen ethischen Fragen Gemeinsamkeiten hätten, etwa bei Regeln wie den Zehn Geboten.

1990 erschien Projekt Weltethos. 1993 verabschiedete das Parlament der Weltreligionen in Chicago eine Erklärung zum Weltethos, deren Entwurf unter Küngs Federführung am Institut für ökumenische Forschung der Universität Tübingen entstand. 1995 bis 2013 war Küng Präsident der von ihm mitgegründeten Stiftung Weltethos in Tübingen. 2011 entstand auf sein Betreiben das Weltethos-Institut an der Universität Tübingen, das zur wissenschaftlichen Fundierung der Weltethos-Idee in Gesellschaft und globaler Wirtschaft arbeiten soll.

Öffentlichkeit, Politik und spätere Jahre

Küng war nicht nur Hochschullehrer, sondern auch ein öffentlicher Intellektueller. 1999 wurde die siebenteilige Fernsehdokumentation Hans Küng: Spurensuche. Die Weltreligionen auf dem Weg ausgestrahlt. 2000 begleitete er Bundespräsident Johannes Rau als Sondergast auf dessen Israelreise. Seit 2000 lud Küng für die Stiftung Weltethos und die Universität Tübingen bekannte Persönlichkeiten zu Weltethos-Reden ein, darunter Tony Blair, Kofi Annan, Horst Köhler, Helmut Schmidt und Desmond Tutu.

2001 sprach Küng vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York. Er gehörte einer von Kofi Annan berufenen Gruppe an, die den Bericht Crossing the Divide zum Dialog der Kulturen erarbeitete. Küng betonte dort, Globalisierung brauche ein globales Ethos als Grundlage für Frieden, Gerechtigkeit und internationale Beziehungen.

Am 24. September 2005 empfing Papst Benedikt XVI. Küng zu einer vierstündigen Privataudienz in Castel Gandolfo. Streitfragen der Lehre wurden dabei ausgelassen; gesprochen wurde über Weltethos sowie das Verhältnis von Naturwissenschaften und christlichem Glauben. 2009 kritisierte Küng scharf die Aufhebung der Exkommunikation des britischen Bischofs und Holocaust-Leugners Richard Williamson. Zwei Briefe von Papst Franziskus verstand Küng später als informelle Rehabilitierung.

Kritik und Würdigungen

Küngs Theologie wurde stark kritisiert. Walter Kasper, der 1979 für den Entzug von Küngs Lehrbefugnis stimmte, warf ihm damals vor, die päpstliche Unfehlbarkeit, die Verbindlichkeit ökumenischer Konzilien und die Irrtumslosigkeit feststehender Dogmen abzulehnen. Nach Kaspers damaliger Einschätzung stellte Küng damit zentrale Inhalte des christlichen Credo in Frage. Nach Küngs Tod sagte Kasper jedoch, Küng sei „in der Tiefe seines Herzens immer ein Mann der Kirche und in der Kirche geblieben“.

Der Soziologe Hans Albert kritisierte Küng aus Sicht des kritischen Rationalismus. Er hielt Küngs These, christlicher Gottesglaube sei rational vertretbar, für fehlerhaft und warf ihm Zirkelschlüsse vor. Der evangelische Theologe Wolfgang Wünsch kritisierte Küngs Umgang mit Weltreligionen als Religionsvermischung und warf ihm vor, Islam, Judentum, Christentum und asiatische Religionen selektiv zu behandeln.

Küng erhielt zahlreiche Ehrungen, darunter 1994 das Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland, 2003 das Große Verdienstkreuz mit Stern, 2005 den Niwano-Friedenspreis und 2008 die Otto-Hahn-Friedensmedaille in Gold. Er erhielt viele Ehrendoktorwürden, unter anderem von Universitäten in St. Louis, Glasgow, Toronto, Cambridge, Michigan, Dublin, Genua und Madrid. 2017 wurde der Asteroid (190139) Hansküng nach ihm benannt.

Weiterlesen

Römisch-katholische Kirche Römisch-katholische Kirche. größte christliche Kirche, die sich aus 24 autonomen Kirchen zusammensetzt, die in Gemeinschaft mit dem römischen Papst stehen. Priester (Katholizismus) Leitet ein Priester eine Pfarrei, wird er zugleich als Pfarrer bezeichnet. Ordensleute, die die Priesterweihe erhalten haben, werden Ordenspriester genannt. Theologie Theologie in anderen Religionen · Judentum · Islam · Hinduismus · Wicca und Neopaganismus. Kirchenkritik Kirchenkritik setzt sich kritisch mit kirchlichen Institutionen auseinander. Inhaltsverzeichnis. 1 Grundsätzliche Arten von Kirchenkritik. Missio canonica Die Missio canonica (auch: kirchliche Beauftragung) ist in der römisch-katholischen Kirche die Beauftragung mit Verkündigungs- und Lehraufgaben – spezifisch … Matura Die Matura oder Maturität (lateinisch maturitas ‚die Reife') ist die Reifeprüfung nach einer höheren Schulausbildung oder einer externistisch abgelegten … Rom Rom wurde erstmals im 1. Jahrhundert v. Chr. vom Dichter Tibull Ewige Stadt genannt. Diese Bezeichnung, ursprünglich eine … Heilige Messe Subjekt der Eucharistie ist die zur Feier der Eucharistie versammelte Altargemeinschaft zusammen mit dem Priester, der ihr vorsteht. Die Eucharistiefeier … Kontemplation Kontemplation (von lateinisch contemplatio „Richten des Blickes nach etwas“, „Anschauung“, „[geistige] Betrachtung“) ist in philosophischen und religiösen … Eucharistie Sie wird bezogen auf das Abendmahl, das Jesus nach der Darstellung der Evangelien und des 1. Korintherbriefes mit seinen Jüngern kurz vor seinem Leiden und … Kirchliche Dogmatik Die Kirchliche Dogmatik (abgekürzt „KD“) ist das Hauptwerk des evangelischen Theologen Karl Barth (1886–1968). Größere Anteile verfasste auch seine enge … Karl Barth 1934 verfasste er massgeblich die Barmer Theologische Erklärung, begründete die Bekennende Kirche mit und rief ab 1938 alle Christen zum auch bewaffneten …